Rodney King

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Rodney King im April 2012

Rodney Glen King (* 2. April 1965[1] in Sacramento, Kalifornien; † 17. Juni 2012 in Rialto, Kalifornien[2]) war ein afroamerikanischer US-Bürger, der 1991 als Opfer von unverhältnismäßiger Polizeigewalt bekannt wurde. Nachdem die Polizisten, die ihn mit Stockschlägen und Fußtritten brutal traktiert hatten, gut ein Jahr später freigesprochen worden waren, brachen in Los Angeles gewalttätige Unruhen aus.

Bekanntheit durch Polizeigewalt[Bearbeiten]

Am 3. März 1991 geriet King aufgrund einer Geschwindigkeitsüberschreitung in eine Verfolgungsjagd mit der kalifornischen Polizei und wurde schließlich gestoppt. King war alkoholisiert und hatte versucht zu flüchten, weil er nach eigener Aussage befürchtete, wegen Alkohol am Steuer gegen Bewährungsauflagen zu verstoßen, die ihm wegen eines früheren Raubdelikts auferlegt waren.[3] Bei der Verhaftung, gegen die King Widerstand leistete und die von einem Anwohner zufällig gefilmt wurde, gingen die Beamten derart brutal gegen den Afroamerikaner vor, dass die vier nicht-schwarzen Polizisten (drei weiße und ein Latino) dafür vor Gericht gestellt wurden. Durch die Amateuraufnahmen konnte rekonstruiert werden, dass sie ihn mit mehr als 50 Stockschlägen und sechs Tritten traktierten. Sie machten selbst dann weiter, als King längst überwältigt war.

Das folgende Strafverfahren gegen die beschuldigten Polizeibeamten fand auf Antrag der Verteidigung nicht in Los Angeles County, sondern im benachbarten Ventura County, in Simi Valley, statt.[4] Die Jury setzte sich, in etwa der statistischen Bevölkerungsverteilung dort entsprechend (65 % weiß, 25 % hispanisch, 5 % asiatisch und 2 % afroamerikanisch), aus zehn Weißen, einem Lateinamerikaner und einem Asiaten zusammen, ein Afroamerikaner war mithin nicht vertreten. Am 29. April 1992 wurden die Polizisten freigesprochen.

Das Urteil löste die Unruhen in Los Angeles 1992 aus, bei denen Sachschäden von mehr als einer Milliarde[5] US-Dollar entstanden. Es starben 53 Menschen und mindestens 2.000 weitere Personen wurden verletzt. Auf Ersuchen des damaligen kalifornischen Gouverneurs Pete Wilson setzte Präsident George H. W. Bush auch die Streitkräfte zur Beendigung der Massenunruhen ein.

In einem zweiten Verfahren wurden zwei der vier vorher freigesprochenen Beamten schuldig gesprochen und zu je 30 Monaten Haft verurteilt.[6]

1994 erstritt King in einem Zivilprozess von der Stadt Los Angeles 3,8 Millionen US-Dollar Schadenersatz.[7]

Privatleben und Tod[Bearbeiten]

Auch nach der Prügelattacke der Polizisten geriet Rodney King mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt, insbesondere im Zusammenhang mit Drogen im Straßenverkehr[8] sowie häuslicher Gewalt.[9] Er nahm in der 2. Staffel der Reality-TV-Show Celebrity Rehab with Dr. Drew teil und ließ sich während eines Drogenentzuges begleiten.

Im April 2012, zum 20. Jahrestag der Unruhen, veröffentlichte King das Buch The Riot Within: My Journey from Rebellion to Redemption (in etwa Der innere Aufruhr – Meine Reise vom Aufstand zur Erlösung).[9]

Zwei Monate später wurde er tot in seinem Pool in Rialto gefunden. Eine Autopsie bescheinigte, dass sein Ertrinken im Pool ein Unfall gewesen ist. Er stand unter Einfluss von Alkohol und mehrerer Drogen.[10][11] Neben Alkohol wurden in seinem Blut Marihuana, Kokain und Phencyclidin (PCP) nachgewiesen.[12] King wurde am Forest Lawn Memorial Park (Hollywood Hills) beigesetzt, die Trauerrede hielt der US-amerikanische Bürgerrechtler Al Sharpton.

Verarbeitung im Film[Bearbeiten]

In dem Filmdrama Malcolm X aus dem Jahr 1992 wird im Vorspann das Rodney King-Video des Amateurfilmers gezeigt. In dem 1998 erschienenen Drama American History X von Tony Kaye befassen sich die Hauptpersonen in einem hitzigen Gespräch mit dem Thema. Der 2002 erschienene Thriller Dark Blue mit Kurt Russell in der Hauptrolle spielt vor dem Hintergrund der Massenunruhen, die auf den King-Prozess folgten. The L.A. Riot Spectacular von Regisseur Marc Klasfeld aus dem Jahr 2005 befasst sich in einer satirischen Art und Weise mit der Problematik. Der Titel des 2008 erschienenen Films Lakeview Terrace ist nach der Umgebung benannt, in der Rodney King niedergeschlagen wurde.[13] Sein Name sowie sein Ausspruch „Can’t we all just get along?“ (dt. „Können wir nicht alle miteinander auskommen?“) sind im Film zu hören.[13] Im Banlieue-Film La Haine aus dem Jahr 1995 bezieht sich der Protagonist Vinz auf Rodney King und legitimiert so seinen Widerstand gegen die Polizei.

Schriften[Bearbeiten]

  • mit Lawrence J. Spagnola: The Riot Within: My Journey from Rebellion to Redemption. (in etwa Der innere Aufruhr – Meine Reise vom Aufstand zur Erlösung.[9]) HarperOne, 2012, ISBN 978-0062194435.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Edward W. Knappman: Great American Trials: From Salem Witchcraft to Rodney King. Visible Ink Pr, 1993, ISBN 0810391341.
  •  Los Angeles Times, Shelby, III Coffey: Understanding the Riots: Los Angeles Before and After the Rodney King Case. Los Angeles Times, 1992, ISBN 0961909595.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rodney King – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Telegraph
  2. „RODNEY KING DEAD AT 47“, tmz.com, 17. Juni 2012
  3. Official Negligence : How Rodney King and the Riots Changed Los Angeles and the LAPD von Lou Cannon, S. 43
  4. The Rodney King trials – The Videotape that Marked History
  5. 81 Sekunden, die die Welt erschütterten in: der Freitag vom 3. Mai 2002
  6. Urteil: Stacey Koon in: Der Spiegel vom 9. August 1993
  7. Rodney King – Opfer seiner Helfer in: Die Welt vom 25. September 2000
  8. Rodney King in Kalifornien festgenommen in: Spiegel Online vom 13. Juli 2011
  9. a b c Susanne Janssen: In South Los Angeles klaffen weiterhin Lücken. In: Neue Zürcher Zeitung vom 28. April 2012
  10. Rodney Kings Tod war ein Unfall. In: Spiegel Online vom 23. August 2012
  11. Police: Rodney King's 'accidental drowning' involved drugs. In: CNN vom 23. August 2012
  12. Police: Rodney King's 'accidental drowning' involved drugs. In: CNN vom 23. August 2012
  13. a b Hintergrundinformationen zu Lakeview Terrace laut Internet Movie Database