Rohrborn

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51.14111111111111.155167Koordinaten: 51° 8′ 28″ N, 11° 9′ 18″ O

Rohrborn
Stadt Sömmerda
Höhe: 165–175 m ü. NN
Einwohner: 157 (2010)
Eingemeindung: 14. März 1974
Postleitzahl: 99610
Vorwahl: 03634
Karte

Lage von Rohrborn in Sömmerda

Dorfkirche in Rohrborn

Dorfkirche in Rohrborn

Die abgedeckte Waidmühle

Rohrborn ist ein Stadtteil von Sömmerda im Landkreis Sömmerda in Thüringen.

Lage[Bearbeiten]

Der Ort Rohrborn befindet sich etwa vier Kilometer Luftlinie südöstlich der Kreisstadt Sömmerda am Rande des Unstruttals. Die höchste Erhebung ist der Galgenhügel (232,1 m ü. NN), der sich östlich der Ortslage erhebt. Eine weitere Erhebung ist der Wachhügel (207,6 m ü. NN). Östlich von Rohrborn führt die neu erbaute Bundesautobahn 71 in einem leichten Bogen am Ort vorbei. Die nächstgelegene Anschlussstelle befindet sich in Sömmerda.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Rohrborn erfolgte am 13. Dezember 1327. Anlass war die Übertragung von Besitz und Einkünften in Rohrborn an das Erfurter Augustinerkloster durch den Ritter Hermann von Vippach.[2]

Rohrborn gehörte im Mittelalter zum Amt Sömmerda und gelangte als Waidanbaugebiet in den Besitz der Stadt Erfurt. Noch heute belegt ein Waidmühlstein als technisches Denkmal diese landwirtschaftliche Sonderkultur. Die Rohrborner Kirche wurde mit Geldern des Erfurter Stadtmagistrats erbaut.[3] 1802 kam Rohrborn als Teil der Exklave des Amts Sömmerda zu Preußen, 1807 zum französischen Fürstentum Erfurt und 1814 wieder zu Preußen. 1816 wurde der Ort wie Sömmerda dem preußischen Landkreis Weißensee angeschlossen.

Das Dorf Rohrborn zählte um 1840 laut einer statistischen Untersuchung 222 evangelische Einwohner. Es wurden 46 Wohnhäuser, 76 Stallungen und Scheunen, sechs Gemeindehäuser und eine Schule erwähnt. Ein Lehrer unterrichtete die schulpflichtigen 25 Knaben und 24 Mädchen. In Rohrborn betrieb man zu dieser Zeit überwiegend Landwirtschaft. Die handwerkliche Weberei und Textilfertigung war mit einem Leinewebstuhl präsent. Als sonstige Gewerbe- und Handwerksbetriebe nennt die Übersicht einen Bäcker, einen Schuhmacher, sieben Mägde und zwei Knechte. Der gesamte Viehbestand umfasste 30 Pferde, ein Esel, 85 Rinder, 213 Schafe, 18 Ziegen und 46 Schweine. Die Dorfflur umfasste 1081 Morgen Fläche, die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasste davon 1044 Morgen Ackerland, 6 Morgen Gartenland, 22 Morgen Wiese und 9 Morgen Weideland genannt. Der Ertrag der Felder wurde als mittelmäßig eingeschätzt.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Das älteste Gebäude in Rohrborn ist die im Kern romanische St.-Michaelis-Kirche, genaugenommen ist es der Fundamentbereich des Turmes. Das heutige Kirchenschiff wurde hingegen erst Anfang des 17. Jahrhunderts an den noch vorhandenden Turm nach Westen angebaut. Es findet sich dort eine eingeritzte Inschrift von 1626. Nach dem Siebenjährigen Krieg erfolgte 1763 eine Ausbesserung von größerem Umfang und 1936 wurde eine umfassende Innenrenovierung veranlasst. 1992 wurden Kirchenschiff und Turm neu eingedeckt.[5]
  • Die Waidmühle von Rohrborn ist ein Technisches Denkmal.[6] Sie auf Privatinitiative im Jahre 1986 in der Ortsmitte wieder aufgestellt. Der Waidmühlstein lag auf einem Hügel in der Nähe des Dorfes, wo er Hügelstein genannt wurde. Als Torpfosten des Pfarrhofes hatten die steinernen Pfeiler überlebt, in ihrem Originalzustand eine Seltenheit. Die Mühle ist seit 2009 wieder funktionstüchtig. Damals feierte man ein großen Waidmühlenfest. (Im Bild ist der Waidstein zum Schutz vor Regen und Schnee mit einer Plane überdeckt.)
  • In unmittelbarer Nähe der Waidmühle steht die „Drei-Kaiser-Eiche“. Sie wurde im Jahre 1888, dem Dreikaiserjahr, unter Aufsicht des Dorfschulzen Friedrich Althanß´gepflanzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Boblenz: Rohrborn. Stadt Sömmerda. Landkreis Sömmerda. Waidmühle. - In: Kulturelle Entdeckungen Thüringen. Bd. 3. Landeshauptstadt Erfurt, Landkreis Gotha, Ilm-Kreis, Landkreis Sömmerda, Stadt Weimar, Landkreis Weimarer Land. Herausgegeben von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Verlag Schnell & Steiner GmbH. Regensburg 2010, S. 210–212. ISBN 978-3-7954-2461-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Strassenbau Strassenkarte Thüringen. 1:200.000, Erfurt 2009
  2. Älteste Urkunden – Homepage der Gemeinde Rohrborn
  3.  Enno Bünz: Aus der Geschichte des Dorfes „Sulza“ bei Erfurt. Ein Beitrag zur Wüstungsforschung in Thüringen. In: Verein für Geschichte und Altertumskunde der Stadt Erfurt e.V. (Hrsg.): Archäologie und Bauforschung in Erfurt. 5, Druckhaus Köthen, Erfurt 2001, ISBN 3-9807188-8-3, Karte «Das Landgebiet der Stadt Erfurt um 1500», S. 100.
  4.  Carl August Noback: Ausführliche geographisch-statistisch-topographische Beschreibung des Regierungsbezirks Erfurt. Erfurt 1841, S. 207.
  5. Geschichte der St. Michaeliskirche – Homepage der Gemeinde Rohrborn
  6.  Wolfgang Landgrebe: «Sömmerda». In: Freizeitführer Thüringen. Bd. 1 (Region Mitte und Nord), Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 1999, ISBN 3-86134-550-1, S. 142.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rohrborn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien