SŽD-Baureihe ЭР200

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SŽD-Baureihe ЭР200 (ER200)
SŽD Baureihe ER200
SŽD Baureihe ER200
Anzahl: 3 Zuggarnituren
Hersteller: Rīgas Vagonbūves Rūpnīca
Baujahr(e): 1973 und 1994
Spurweite: 1.520 mm
Länge über Kupplung: 208.000 mm (8-Teiler)
Höhe: 4.200 mm
Breite: 3.130 mm
Leermasse: 442,4 t
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Dauerleistung: 1.720 kW
Beschleunigung: 0,4 m/s² (0–60 km/h)
Bremsverzögerung: 0,4 m/s² (80–0 km/h)
Stromsystem: 3 kV DC
Stromübertragung: Oberleitung
Sitzplätze: 416

Der ЭР200 (ER200) ist ein bei der Rigaer Waggonfabrik (RVR) im heutigen Lettland gebauter Hochgeschwindigkeits-Triebzug.

Geschichte[Bearbeiten]

Mitte 1971 wurden Pläne der Sowjetischen Staatsbahnen bekannt, einen Schnellfahrtriebzug für die Strecke Moskau–Leningrad zu entwickeln. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h sollte die Reisezeit zwischen beiden Städten von knapp fünf auf vier Stunden gekürzt werden, entsprechend einer Reisegeschwindigkeit von 162 km/h. Je nach Verkehrsbedarf sollten die ER-200-Züge acht bis 14 Wagen umfassen.[1]

Ein erster Triebzug wurde 1973 gebaut. Er erhielt die Bezeichnung ER200, dabei steht E für elektrisch, R für den Herstellerort Riga, 200 für die Höchstgeschwindigkeit. Auf Versuchsfahrten wurde eine maximale Geschwindigkeit von 236 km/h erreicht. Ab 1984 kam der Zug auf der Bahnstrecke Sankt Petersburg–Moskau planmäßig zum Einsatz. Zwei zusätzliche Steuerwagen (als Reserve) wurden 1988 gebaut. Danach wurde entschieden einen weiteren ER200-Zug zu bauen. Der zweite ER200(2)-Zug wurde während der Krisenzeit von 1991 bis 1994 fertiggestellt. Bis 1993 wurden die zwei Reservesteuerwagen zur Bildung eines dritten ER200 Zuges verwendet, der als 6-Wagenzug von Sankt Petersburg nach Nowgorod an Wochenendtagen verkehrte.

Der ER200 hatte bei seiner Inbetriebnahme eine große Bedeutung für das Image der Sowjetischen Staatsbahnen, ähnlich wie heute der Intercity-Express für die Deutsche Bahn. So waren auf zahlreichen Artikeln beispielsweise in Speisewagen konventioneller Züge Abbildungen des ER200 zu sehen.[2]

Es gab konkrete Pläne zur Ablösung des ER200 durch einen neueren Zug ЭС250 (ES250, genannt Sokol ("Falke"), russisch Сокол).[3] Das Projekt wurde allerdings aus verschiedenen, vor allem Qualitätsgründen aufgegeben.

Im Jahre 2008 sind ein Steuerwagen und drei Zwischenwagen des ersten ER200 dem Sankt-Petersburger Eisenbahnmuseum übergeben worden. Am 20. Februar 2009 wurde die letzte planmäßige Fahrt des ER200 zwischen Moskau und Sankt-Petersburg unternommen. Im Mai 2009 sind zwei Waggons eines ER200 (ein Steuerwagen und ein Zwischenwagen) dem Moskauer-Eisenbahnmuseum übergeben worden. 2011 sind ein Steuerwagen und zwei Zwischenwagen dem Samaraer-Eisenbahnmuseum überstellt worden.

Nachfolger des ER200 ist ein am 18. Dezember 2009 in Betrieb gegangener, von Siemens in Deutschland hergestellter Velaro, genannt Sapsan ("Wanderfalke", russisch сапсан), der eine Weiterentwicklung des deutschen ICE 3 ist. Dieser ist mit zunächst bis zu 250 km/h in Betrieb gegangen; eine mögliche Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf 300 km/h für den Einsatz auf der geplanten neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Moskau und Sankt Petersburg ist vorgesehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldung Sowjetische Triebzüge für 200 km/h Höchstgeschwindigkeit. In: Die Bundesbahn, Jahrgang 45 (1971), Heft 12, ISSN 0007-5876, S. 622
  2. Karl Johaentges, Jackie Blackwood: Lissabon - Hongkong mit der Eisenbahn, Stürtz, Würzburg 1996, ISBN 3-8003-0795-2, S.90.
  3. Meldung Schneller nach St. Petersburg. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 1/2001, ISSN 1421-2811, S. 17.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: ЭР200 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien