Saint-Étienne de Toul

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Westfassade der Kathedrale.
Gesamtsicht der Kathedrale. Gut zu sehen die Apsis mit den Apsistürmen und das Querhaus
Blick durch das Kirchenschiff in Richtung Chor
Blick in die Kuppel der Kapelle des Jean Forget im Stil der Renaissance
Blick auf den Kreuzgang
Blick auf die Orgel

Saint-Étienne de Toul war die Kathedrale des Bistums Toul in der Stadt Toul in Lothringen. Heute ist sie eine der beiden Kathedralen des Bistums Nancy-Toul. Der heutige Bau im Stil der Gotik wurde zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert erbaut. Die Kirche gilt als herausragendes Beispiel des Flamboyantstils. Bedeutend sind auch zwei Kapellen im Stil der Renaissance. Geweiht ist sie dem heiligen Étienne (Stefan).

Geschichte[Bearbeiten]

Ein erster Kirchenbau wurde bereits im 4. Jahrhundert zur Zeit des ersten Bischofs Mansuetus noch außerhalb der damaligen Stadt erbaut. Später wurde die Kathedrale in die Stadt verlegt. In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts ließ Bischof Frothar die Kirche nach einem Brand neu erbauen. Nach verschiedenen Vorläufern wurde im 10. Jahrhundert zur Zeit des Bischofs Gerhard I. von Toul ein romanischer Bau begonnen. Im Jahr 1221 begann zur Zeit des Bischofs Eudes II. de Sorcy auf den Grundmauern des Vorgängerbaus die Errichtung einer gotischen Kathedrale. Der Bau begann mit der Errichtung des Chores. Es folgten das Querschiff und die Ostseite des Kreuzganges. Im 14. Jahrhundert wurde ein Teil des Kirchenschiffes erbaut und der Kreuzgang vollendet.

Die Auseinandersetzungen zwischen Burgund und Lothringen bremsten den Weiterbau. Der Bau des Kirchenschiffs wurde erst im 15. Jahrhundert beendet. Mit der Fertigstellung der von Tristan von Hattonchatel entworfenen Westfassade war erst im Jahre 1496 der Bau weitgehend vollendet.

Obwohl die Errichtung des Doms mehrere Jahrhunderte andauerte, weisen die einzelnen Bauteile eine bemerkenswerte stilistische Harmonie auf.

Erste Restaurierungen begannen im 19. Jahrhundert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Bau durch von Bomben ausgelöste Brände stark beschädigt. Das gesamte Dach wurde zerstört. Über vierzig Jahre schützte eine Zwischendecke die Gewölbe. Im Jahr 1978 drohte Einsturzgefahr. Ein neuer Dachstuhl wurde bis 1995 fertig. Die Restaurierungen im Inneren dauerten noch 2008 an. Die Kathedrale ist die einzige in Frankreich, die sich im Besitz einer Kommune befindet. Dies hat die Finanzierung der Baumaßnahmen erschwert.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Der Bau ist gekennzeichnet von einer durch zwei Türme umrahmten Hauptfassade. Die Apsis ist von zwei kleineren Türmen flankiert. Ein Chorumgang fehlt. Bemerkenswert ist das große Querschiff.

Die Hauptfassade im spätgotischen Stil mit den beiden Türmen ist 37 m breit. Die Westfassade ist reich geschmückt. Der Eingangsbereich weist drei große Türen auf. Darüber befinden sich Nischen in denen sich Bildnisse befanden. Zu sehen ist unter anderem eine große Christusfigur mit Maria Magdalena zu seinen Füßen. Umrahmt wird die Gruppe von einem Wimperg. Darüber befindet sich eine große Fensterrose.

Von den einst 120 Figuren der Westfassade, wurden die meisten während der französischen Revolution zerstört. Nur elf blieben erhalten. Zu sehen ist weiterhin an einem Strebepfeiler des linken Turms ein Pelikan mit einem Affen.

Die Türme sind 65 m hoch. Sie wurden im 16. Jahrhundert erbaut. Im unteren Bereich ist der Grundriss quadratisch. Im oberen Bereich ist er achteckig. Der Bau der Turmspitzen wurde 1561 aufgegeben. Über der Mitte der Westfassade erhebt sich ein kleines Türmchen mit ersten Ansätzen der Renaissance. In dem Türmchen befindet sich eine Glocke aus dem 16. Jahrhundert.

Der Gesamtbau ist 98 m lang. Die Gewölbehöhe des zweistöckigen Baus mit Rippengewölbe beträgt 32 m. Vom Portal aus gesehen am dritten Pfeiler ist noch der Übergang zwischen der Bauphase des 14. und die des 15. Jahrhunderts an der Gestaltung der Fenster zu erkennen.

Das Querschiff ist 56 m lang und 17 m breit. Im Querbau gibt es keine Seitenschiffe. Auf der linken Seite des Querschiffes ist ein Fenster aus dem Jahr 1503 erhalten, dass die Krönung der Jungfrau Maria zeigt. Im südlichen Querschiff ist ein Fenster zu sehen, dass den heiligen Stephanus auf einem Prunkbett zeigt. Des Weiteren sind vier Bischöfe abgebildet: St. Mansuy, St. Evre, St. Gerhard I. und der spätere Papst St. Leo IX., In der Vierung erhebt sich ein Grab aus dem 19. Jahrhundert mit den Überresten des heiligen Bischofs Gerhard.

In den Seitenschiffen des Kirchenschiffes befinden sich Kapellen und Seitenaltäre meist aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Im Stil der Renaissance wurde 1532 die Kapelle des Jean Forget errichtet. Diese ist Allen Heiligen geweiht und wird von einer Kuppel überdacht. Ebenfalls in dieser Zeit angebaut wurde die Bischofskapelle.

Den Chor flankieren zwei Apsistürme mit Fenstern aus dem 13. Jahrhundert. Die Chorfenster stammen aus dem 19. Jahrhundert und zeigen Szenen aus dem alten und neuen Testament. Der Hauptaltar stammt aus dem Jahr 1837. Auf dem Altar befindet sich ein Bild der Jungfrau Maria aus dem 14. Jahrhundert. Im Chor befindet sich der Bischofsstuhl (St. Gerard-Stuhl) aus dem 13. Jahrhundert. Der Chor wird von der übrigen Kirche durch ein Gitter aus dem 18. Jahrhundert getrennt.

An die Kirche angebaut ist ein Kreuzgang. Dieser ist mit einer Länge von 54 m und einer Breite von 42 m einer der größten Kreuzgänge aus der Zeit der Gotik.

Innenraum[Bearbeiten]

Ein Großteil der Innenausstattung wurde während der französischen Revolution zerstört. Dazu zählte das Chorgestühl der Domherren und der Domschatz.

Im Inneren des Kirchenbaus befinden sich zahlreiche Grabstätten der Bischöfe, anderer Geistlicher und sonstiger Persönlichkeiten. An einigen Pfeilern sind Fresken aus den 14. bis 16. Jahrhundert erhalten.

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgelempore und das Prospekt über Teilen des Kirchenschiffs direkt hinter dem Haupteingang wurde 1750 gestaltet. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1963. Sie wurde von dem Orgelbauer Schwenkedel erbaut, und zuletzt im Jahre 2002 von dem Orgelbauer Gaupillat renoviert. Das Instrument hat 64 Register (ca. 4.800 Pfeifen) auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.[1]

I Positif de dos C–g3
Montre 8'
Bourdon 8'
Prestant 4'
Flûte 4'
Nazard 22/3'
Doublette 2'
Tierce 13/5'
Larigot 11/3'
Fourniture IV
Cymbale III
Trompette 8'
Cromorne 8'
Clairon 4'
II Grand Orgue C–g3
Montre 16'
Montre 8'
Bourdon conique 8'
Flûte 8'
Prestant 4'
Flûte à cheminee 4'
Doublette 2'
Quarte 2'
Flûte 1'
Sesquialtera II
Fourniture V-VI
Cymbale IV
Bombarde 16'
Trompette 8'
Clairon 4'
III Récit expressif C–g3
Quintaton 16'
Flûte à cheminee 8'
Dulciane 8'
Voix céleste 8'
Octave 4'
Doublette 2'
Cornet V 8'
Carillon III
Plein-Jeu IV-V
Trompette 8'
Basson-Hautbois 8'
Clairon 4'
IV Echo C–g3
Bourdon en bois 8'
Flûte à cheminee 4'
Principal 2'
Flûte 2'
Tierce 13/5'
Sifflet 1'
Cymbale III
Ranquette 16'
Voix humaine 8'
Chalumeau 4'
Pédale C–g1
Principal 32'
Principal 16'
Soubasse 16'
Principal 8'
Flûte à fuseau 8'
Principal 4'
Flûte 4'
Bourdon 2'
Rauschpfeiffe III
Grosse mixture V
Bombarde 16'
Trompette 8'
Douçaine 8'
Clairon 4'
  • Koppeln I/II, III/II, I/P, II/P, III/P, IV/P

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen zur Orgel unter dem Stichwort Toul (französisch)

Weblinks[Bearbeiten]

48.6753175.894573Koordinaten: 48° 40′ 31″ N, 5° 53′ 40″ O