Saint-Louis (Senegal)

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Insel Saint-Louis*
UNESCO-Welterbe
UNESCO-Welterbe-Emblem

Saint-Louis - Ile sud (1).JPG
Staatsgebiet: SenegalSenegal Senegal
Typ: Kultur
Kriterien: ii, iv
Referenz-Nr.: 956
Region: ª Afrika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2000  (Sitzung 24)

* Der Name ist auf der Welterbe-Liste aufgeführt.
ª Die Region ist von der UNESCO klassifiziert.

Saint-Louis [sɛ̃ˈlwi] (Wolof: Ndar) ist eine Stadt an der nordwestlichen Küste Senegals an der Mündung des Flusses Senegal. Sie ist die Hauptstadt der gleichnamigen senegalischen Region und hat ungefähr 170.000 Einwohner.

Die Stadt grenzt an Mauretanien und gilt als kulturelles Zentrum des Senegals, die Bevölkerung lebt hauptsächlich von Fischerei und Landwirtschaft.

Lage[Bearbeiten]

Aufgrund ihrer Lage - das Herzstück der Stadt ist eine vom Festland abgetrennte längliche Insel - gilt Saint Louis als das Venedig Afrikas. Mit dem Festland ist die Insel über die 507 Meter lange "Pont Faidherbe" verbunden. Seit 2000 zählt sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Place de Faidherbe, um den sich die "Rognard-Kaserne" und die arkadengesäumte "Gouvernance" gruppieren, teilt die Stadt in einen Nord- und einen Südteil. Im Süden siedelten sich die Europäer zuerst an, dort befindet sich auch die 1828 als erste Kirche Westafrikas eingeweihte Kathedrale. Über eine weitere Brücke gelangt man zu einem dicht besiedelten Stadtteil, der auf der 25 km langen und nur 100 Meter breiten Landzunge Langue de Barbarie liegt. Im historischen Stadtkern auf der Insel kann man keine Armut erkennen.

Der tägliche Überlebenskampf spielt sich im Stadtviertel Guet N'Dar ab, geprägt von Wellblechhütten. Dort sind ein maurischer Friedhof sowie der Fischmarkt zu finden. Nördlich der Langue de Barbarie befinden sich Vogelschutzgebiete wie der 16.000 Hektar große Nationalpark Djoudj mit Tausenden von Brutplätzen von Kormoranen und Flamingos - 360 Zugvögelarten können von Oktober bis Mai beobachtet werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Historische Ansicht von St. Louis 1780

Gegründet wurde die Stadt 1659 als erste französische Siedlung in Afrika. Im 19. Jahrhundert wurde sie von Franzosen, Métis und muslimischen Händlern bewohnt. Die muslimischen Familien reichten 1843 eine Petition ein, in der sie die Schaffung eines islamischen Gerichtshofs forderten.[1] Die Forderung wurde 1857 erfüllt, als Louis Faidherbe einen Dekret zur Schaffung eines solchen Gerichtshofs herausgab.[2]

Unter den muslimischen Händlerfamilien von Saint-Louis, die zwischen 1850 und 1880 zu beträchtlichem Wohlstand gelangten,[3] ragte die Familie Seck hervor. Dudu Seck (1826-1880), besser bekannt unter dem Namen Bu El Mogdad, der eine islamische Ausbildung in einer Schule von Trarza erhalten hatte, trat in den frühen 1850er Jahren in französische Dienste. Er half den Franzosen beim Aufbau von Beziehungen mit den maurischen Herrschern der Region und ermöglichte ihnen, eine puissance musulmane zu werden, d.h. eine Macht, die auch von den einheimischen Muslimen akzeptiert wurde.[4] 1860 unternahm er mit französischer Unterstützung eine Wallfahrt nach Mekka, um der Propagande von ʿUmar Tall entgegenzuwirken.[5] El Mogdads Sohn Dudu (1867-1943) leistete den Franzosen ähnliche Dienste und brachte 1902 zum ersten Mal den Marabout Sidiyya Baba nach Saint-Louis, der die französische koloniale Ordnung in Mauretanien mitgestaltete.[6]

Wie aus den Beschreibungen des Offiziers und Islamwissenschaftlers Alfred Le Châteliers (1855-1929) hervorgeht, war Saint-Louis bereits um 1888/89 stark islamisch geprägt.[7] Bis 1902 blieb die Stadt Hauptstadt von Französisch-Westafrika, dann wurde sie in dieser Funktion von Dakar abgelöst. Unweit des Fischmarktes startete 1930 Jean Mermoz, ein französischer Postflieger, zum ersten Flug von Afrika nach Südamerika.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jährlich findet in der Stadt im Mai ein internationales Jazz-Festival statt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • David Robinson: Paths of accommodation: Muslim societies and French colonial authorities in Senegal and Mauritania, 1880–1920. Ohio University Press, Athens, Ohio 2000. S. 79-85, 97-143.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saint-Louis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Vgl. Robinson: Paths of accommodation. 2000, S. 123.
  2. Vgl. Robinson: Paths of accommodation. 2000, S. 79.
  3. Vgl. Robinson: Paths of accommodation. 2000, S. 136.
  4. Vgl. Robinson: Paths of accommodation. 2000, S. 81-83.
  5. Vgl. Robinson: Paths of accommodation. 2000, S. 121.
  6. Vgl. Robinson: Paths of accommodation. 2000, S. 83.
  7. Vgl. Robinson: Paths of accommodation. 2000, S. 121.

16.018875-16.493014Koordinaten: 16° 1′ N, 16° 30′ W