Sajano-Schuschensker Stausee

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Sajano-Schuschensker Stausee
Ein Teil des Sajano-Schuschensker Stausees
Ein Teil des Sajano-Schuschensker Stausees
Lage: Chakassien, Region Krasnojarsk, Tuwa (Russland)
Zuflüsse: Oberer Jenissei, Kantegir, Kemtschik, Us
Abflüsse: Jenissei
Größere Städte in der Nähe: Sajanogorsk, Tscherjomuschki, Schagonar
Sajano-Schuschensker Stausee (Region Krasnojarsk)
Sajano-Schuschensker Stausee
Koordinaten 52° 49′ 33″ N, 91° 22′ 20″ O52.82583333333391.372222222222Koordinaten: 52° 49′ 33″ N, 91° 22′ 20″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1963 bis 1988
Höhe über Gründungssohle: 242 m
Höhe über Gewässersohle: 76 m
Bauwerksvolumen: 9.075.000 m³
Kronenlänge: 1074,4 m
Kronenbreite: 25 m
Basisbreite: 105,7 m
Krümmungsradius: 600 m
Kraftwerksleistung: 6400 MW
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 540 m
Wasseroberfläche 621 km²
Stauseelänge 320 km
Stauseebreite 10 km
Speicherraum 15.340 Mio. m³
Gesamtstauraum: 31.340 Mio. m³
Einzugsgebiet 179.900 km²
Bemessungshochwasser: 15.900 m³/s
Саяно-Шушенская ГЭС.jpg
Maschinenhalle des Kraftwerks vor dem Unfall

Der Sajano-Schuschensker Stausee bzw. die Sajano-Schuschensker Talsperre (russisch Саяно-Шушенское водохранилище) besitzt mit dem Wasserkraftwerk Sajano-Schuschenskaja GES (Саяно-Шушенская ГЭС) am Jenissei oberhalb der zu Sajanogorsk gehörenden Siedlung Tscherjomuschki das größte Wasserkraftwerk Russlands. Betreiber des Kraftwerks ist RusHydro.

Geographie[Bearbeiten]

Der Stausee liegt in der Republik Chakassien, der Region Krasnojarsk und der Republik Tuwa im Süden Mittelsibiriens. Stausee und Kraftwerk wurden nach dem umliegenden Westsajan-Gebirge sowie dem insbesondere in der sowjetischen Periode symbolträchtigen Ort Schuschenskoje benannt, in dem sich Staatsgründer Lenin von 1897 bis 1900 in der Verbannung befand. Schuschenskoje liegt jedoch flussabwärts knapp 70 km Luftlinie von der Staumauer entfernt im Gebirgsvorland.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die Staumauer vom Unterwasser

Die Bogengewichtsmauer ist 242 m hoch und 1074 m lang. Die Fallhöhe des Wassers bis zum Kraftwerk beträgt 220 m. 9.075.000 m³ Beton wurden verbaut. Die gestaute Wasserfläche im normalen Stauzustand bei 540 m beträgt 621 km², das Einzugsgebiet 179.900 km². 35.600 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche und 2717 Häuser wurden geflutet. Der See ist 320 km lang, stellenweise mehr als 10 km breit und 113 m tief.[1] Sein Stauinhalt beträgt 31,3 Milliarden Kubikmeter.

Die Staumauer ist eine Bogengewichtsmauer ähnlich der Hoover-Staumauer in den USA. Sie ist jedoch 20 m höher als diese. Die Staumauer ist eine der 20 höchsten Talsperren der Erde.

Weiter unterhalb am Jenissei liegt ein weiterer großer Stausee, der Krasnojarsker Stausee.

Die Kraftwerksleistung beträgt 6400 Megawatt und pro Jahr werden etwa 25 Milliarden kWh produziert. Das ist dreimal mehr als Chakassien benötigt.

Gegenwärtig wird, neben den andauernden Reparaturarbeiten nach dem Unfall vom August 2009, eine zusätzliche Hochwasserentlastung errichtet. Der Auslauf befindet sich ca. 1100 m vor der Staumauer und wird über zwei 10 m × 12 m große Tunnel gespeist. Die Hochwasserentlastung hat bei einer Breite von 100 m ein Schluckvermögen von 4000 m³/s und sollte ursprünglich 2011 fertiggestellt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kraftwerk wurde 1963–1988 gebaut und ging 1978 ans Netz, um die Aluminiumproduktion mit Strom zu versorgen.

Der damalige Präsident Russlands, Boris Jelzin, privatisierte 1993 das Wasserkraftwerk. Damals musste Chakassien auf seinen Teil der Aktien verzichten und erhielt dafür das Recht, im Laufe von zehn Jahren die Elektroenergie zu einem Vorzugspreis zu kaufen. Im September 2004 lief dieses Abkommen ebenso wie die Verjährungsfrist für Privatisierungsfälle ab.

Der Gouverneur Chakassiens, Alexej Lebed (Bruder des bekannten Politikers und Generals Alexander Lebed), reichte vor einem Jahr Klage ein, das Privatisierungsgeschäft für ungültig zu erklären und das Werk wieder zu verstaatlichen. Gleichzeitig schlug er der Holding aber einen Kompromiss vor, wonach die Preisvergünstigung für Chakassien bis 2020 verlängert werden soll. Der größte Abnehmer der vom Sajan-Wasserkraftwerk Schuschenskoje produzierten Elektroenergie ist das Aluminiumwerk Sajan, das dem Milliardär Oleg Deripaska gehört. Die Energieholding lehnte den Vorschlag ab.

Unfall im August 2009[Bearbeiten]

Am 17. August 2009 kam es zu einem schweren Unglück, das 75 Menschenleben kostete. Vermutlich brachte ein Druckstoß eine oder mehrere der Rohrleitungen zu den Turbinen zum Bersten. Frühere Meldungen, die Explosion eines Trafos habe den Schaden verursacht, wurden später von der Betreibergesellschaft RusHydro korrigiert. Jedoch stellten Mitarbeiter des russischen Rechnungshofes bei einer Kontrolle zwei Jahre zuvor fest, dass 85 Prozent der Ausrüstung dringend modernisiert werden müssten, da sie offenbar hoffnungslos veraltet seien.[2] In der Folge des Rohrbruches wurden Teile des Maschinenhauses überflutet und stürzten teilweise ein. Zwei der zehn Generatoreinheiten wurden völlig zerstört und zwei weitere beschädigt. Der Schaden war enorm und hätte bei bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar liegen können. Planungen gingen davon aus, dass es bis zu zwei Jahre dauern würde, die zerstörten Anlagenteile zu ersetzen. Die nicht von der Havarie betroffenen Generatoren sollten in eineinhalb Monaten wieder ans Netz gehen. An der Bewältigung der Katastrophenfolgen nahmen 2000 Menschen teil.[3][4] Die Gefahr einer Überflutung von stromabwärts gelegenen Siedlungen bestand nach Angaben des Zivilschutzministers Schoigu nicht. Ein großflächiger Stromausfall konnte durch Umleitung von Strom aus anderen Kraftwerken verhindert werden. Die Hauptabnehmer des Kraftwerkes, die angeschlossenen Aluminiumwerke, mussten aber bis auf Weiteres die Produktion drosseln oder einstellen. Davon betroffen war nach ersten Schätzungen eine jährliche Produktionsmenge von 500.000 t. Ein starker Anstieg der Preise für Elektroenergie in Sibirien war laut Experten unvermeidbar.[5][6][7][8] Gegen einen Journalisten des Internet-Journals „Nowy Fokus“, der am 18. August 2009, unter Berufung auf Quellen unter Angehörigen und unter Kraftwerksmitarbeitern, über in Luftblasen im Maschinenhaus Eingeschlossene berichtete, wurde am 19. August 2009 ein Strafverfahren wegen Verleumdung eingeleitet;[9] am 9. September 2009 wurde er von zwei Unbekannten zusammengeschlagen.[10] Am 12. November 2014 wurde das Kraftwerk nach umfassender Reparatur und Instandsetzung wieder mit voller Leistung in Betrieb genommen.[11]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sajano-Schuschensker Stausee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hydrosystem cascade on the Yenisei River – LHP (Version vom 25. Januar 2008 im Internet Archive)
  2. http://russland.ru/mainmore.php?tpl=Wirtschaft&iditem=18427
  3. http://www.moscowtimes.ru/article/600/42/380899.htm
  4. http://www.russland.ru/telegraph/morenews.php?iditem=730
  5. Zeit Online: Sechs Tote bei Unfall in Wasserkraftwerk auf zeit.de (abgerufen am 17. August 2009)
  6. Reuters: Russian hydro power station accident kills seven (englisch, abgerufen am 17. August 2009)
  7. RIA Novosti: Accident at Russia's largest power plant kills at least 7 (englisch, abgerufen am 17. August 2009)
  8. Bilder auf rian.ru
  9. Неправильные инстинкты, Nowaja Gaseta vom 24. August 2009 (russ.)
  10. Убедительное предложение замолчать, Nowaja Gaseta vom 11. September 2009 (russ.)
  11. Саяно-Шушенская ГЭС: в работе все 10 гидроагрегатов