Sally Perel

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Sally Perel, 2014

Sally Perel (* 21. April 1925 in Peine, eigentlich Salomon Perel, auch bekannt unter den Namen Shlomo Perel oder Solomon Perel, während der NS-Diktatur Josef Perjell oder auch Josef Peters) ist ein israelischer Autor deutscher Herkunft. Als Mitglied der Hitlerjugend war es ihm gelungen, seine jüdische Identität zu verbergen und den Nationalsozialismus zu überleben. Seine Autobiografie Ich war Hitlerjunge Salomon wurde 1990 unter dem Titel Hitlerjunge Salomon verfilmt.

Leben während des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Mit der Machtübernahme der NSDAP verschärfte sich die Diskriminierung der Juden in Deutschland. Nachdem ihr Schuhgeschäft von den Nazis verwüstet worden war, zog die Familie Perel 1938 nach Łódź in Polen.

Nach dem Überfall auf Polen durch Deutschland im Jahre 1939 und der darauffolgenden Aufteilung Polens zwischen Deutschland und der UdSSR floh Sally Perel in den nun sowjetischen Teil Polens.

Während des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion wurde Perel von der Wehrmacht gefangen genommen. Da er perfekt deutsch sprach, konnte er sich als Volksdeutscher ausgeben und seine jüdische Herkunft verschleiern. Er fungierte in der Folge als deutsch-russischer Übersetzer für die Wehrmacht. Er nannte sich Joseph Perjel; sein Spitzname war Jupp.[1]

Seine wirkliche Identität wurde von einem Kameraden an der Front aufgedeckt, der als Homosexueller Interesse an Sally Perel hatte. Als er erkannte, dass Perel Jude war, versicherte er ihm, ihn nicht zu verraten und eine Freundschaft entwickelte sich, die Perel half, zu überleben. Nachdem er zwei Jahre an der Front gegen die Sowjetunion gekämpft hatte, wurde er ins „Vaterland“ versetzt. Dort kam er in eine Schule der Hitlerjugend (HJ). Aufgrund der ständigen Gegenüberstellung des Nationalsozialismus in der HJ-Schule fing er an, sich mit dieser Politik zu identifizieren. Später beschrieb er die Diktatur als Gift, das jeden Tag in die jungen Gehirne geträufelt wurde. An dieser HJ-Schule identifizierte ihn ein Lehrer der Rassenkunde als Angehörigen der „Baltisch/Arischen Rasse“, nicht als Juden. Das half ihm beim Verschleiern seiner Identität. Später wollte Hauptmann von Münchow ihn adoptieren und sorgte dafür, dass Sally Perel bis kurz vor Kriegsende auf die Akademie für Jugendführung der Hitlerjugend in Braunschweig ging. Perel musste ständig seine Beschneidung verbergen und stets einen kühlen Kopf bewahren, um schnell auf unübliche Anfragen reagieren zu können und eine Entdeckung zu vermeiden. Am Ende des Krieges wurde er nochmals Soldat. Er wurde von der US-amerikanischen Armee gefangen genommen und kurze Zeit später entlassen.

Leben nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Außer seinen Brüdern Isaak und David überlebte kein Mitglied der Familie Perel den Holocaust. Nach dieser Zeit emigrierte Perel nach Israel, weil er sich in Deutschland nicht mehr willkommen fühlte. Er brauchte 40 Jahre, um das Erlebte zu verarbeiten, bevor er sich schließlich nach einer Herzoperation 1985 entschloss, ein Buch mit seiner Geschichte zu schreiben.[2] Es erschien 1990 als Europa, Europa auf Französisch, 1991 im hebräischen Original und im Folgejahr unter dem Titel Ich war Hitlerjunge Salomon auf Deutsch.[3] Das Buch wurde von Agnieszka Holland 1990 unter dem Titel Hitlerjunge Salomon (englischer Titel: Europa, Europa) verfilmt. Sally Perel lebt heute weiterhin in Israel.

Seit einigen Jahren ist er etwa zwei Mal jährlich auf Lesetouren durch Deutschland unterwegs. Insbesondere wird er zu Lesungen und Vorträgen in Schulen eingeladen, um seine Erlebnisse im Dritten Reich der jungen Generation näher zu bringen.

Werke[Bearbeiten]

  • Sally Perel: Ich war Hitlerjunge Salomon. Nicolai, Berlin 1992, ISBN 3-87584-424-6
  • Moshe Shen, Julie Nicholson, Sara Frenkel, Sally Perel: Überleben in Angst: Vier Juden berichten über ihre Zeit im Volkswagen-Werk in den Jahren 1943 bis 1945. Heel, Königswinter 2005, ISBN 3-935112-21-1.

Schauspiel[Bearbeiten]

  • Du sollst leben. Schauspiel in drei Akten von Carl Slotboom, Plausus Theaterverlag Bonn

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sally Perel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Perel bei zum.de, abgerufen am 14. März 2014
  2. Bericht zu einer Perel-Lesung bei hiergeblieben.de, abgerufen am 7. Dezember 2012
  3. DNB-Liste von Perels Publikationen, abgerufen am 7. Dezember 2012