Peine

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Stadt Peine; zu weiteren Bedeutungen siehe Peine (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Peine
Peine
Deutschlandkarte, Position der Stadt Peine hervorgehoben
52.32027777777810.23361111111168Koordinaten: 52° 19′ N, 10° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Peine
Höhe: 68 m ü. NHN
Fläche: 119,65 km²
Einwohner: 48.414 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 405 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 31224–31228
Vorwahlen: 05171, 05176 (Wendesse), 05177 (Röhrse)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: PE
Gemeindeschlüssel: 03 1 57 006
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kantstraße 5
31224 Peine
Webpräsenz: www.peine.de
Bürgermeister: Michael Kessler (SPD)
Lage der Stadt Peine im Landkreis Peine
Hohenhameln Lahstedt Lengede Vechelde Ilsede Peine Wendeburg Edemissen Landkreis Peine Niedersachsen Braunschweig Landkreis Gifhorn Landkreis Wolfenbüttel Salzgitter Landkreis Hildesheim Region HannoverKarte
Über dieses Bild

Peine (niederdeutsch Paane; frühneuhochdeutsch Peina[2]) ist eine Stadt in Norddeutschland und liegt im Land Niedersachsen. Die um 1220 gegründete Stadt hat rund 50.000 Einwohner. Sie ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Bekannt ist die Stadt vor allem für ihre Stahlindustrie. Noch heute ist Peiner in der Bauwirtschaft ein Synonym für breitflanschige Stahlträger.

Geografie[Bearbeiten]

Ortsteile von Peine
Ortsteil Einwohner[3]
Kernstadt 24.492
Berkum 301
Dungelbeck 1820
Duttenstedt 951
Eixe 643
Essinghausen 1806
Handorf 886
Röhrse 242
Rosenthal 1047
Schmedenstedt 980
Schwicheldt 1237
Stederdorf 5454
Vöhrum / Landwehr 7085
Wendesse 152
Woltorf 2003

Lage[Bearbeiten]

Peine liegt an der Fuhse zwischen dem Harz und der Lüneburger Heide und zugleich zwischen den beiden größten Oberzentren Niedersachsens, der 40 Kilometer westlich gelegenen Landeshauptstadt Hannover und dem 25 Kilometer östlich gelegenen Braunschweig. Weitere größere Städte im näheren Umkreis sind Hildesheim, Salzgitter, Wolfsburg und Celle. Diese interessante Lage machte Peine seit seiner Gründung bei den umliegenden Herrschern begehrt, weshalb die Stadt in zahlreiche Auseinandersetzungen verwickelt war. Peine liegt in der Geestlandschaft zwischen Hannover und Braunschweig, der sogenannten Burgdorf-Peiner Geest. Die Stadt hat eine Fläche von 119,51 km² und somit eine Bevölkerungsdichte von 417 Einwohner pro km². Die Höhe der Stadt beträgt etwa 70 Meter über Normalnull.

Niederschlagsmittelwerte von Peine 1961–1990

Klima[Bearbeiten]

Peine liegt innerhalb der gemäßigten Breiten im Übergangsbereich zwischen ozeanisch und kontinental geprägten Gebieten.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Peine gehören die folgenden 14 Ortschaften bzw. Ortsteile: Berkum, Dungelbeck, Duttenstedt, Eixe, Essinghausen, Handorf, Röhrse, Rosenthal, Schmedenstedt, Schwicheldt, Stederdorf, Vöhrum/Landwehr, Wendesse und Woltorf. In diesen Ortsteilen wohnen ca. 24.600 Menschen.

Die Kernstadt selbst hat etwa 24.500 Einwohner. Sie besteht aus den folgenden 9 statistischen Bezirken: Innenstadt, Maschland, Gunzelinfeld, Walzwerk, Südstadt, Simonstiftung, Südliche Aue, Telgte, Nördliche Aue/Herzberg.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Peiner Burgpark

Die Gründung[Bearbeiten]

Eine Urkunde von 1130 erwähnt zum ersten Mal Berthold von Pagin, der ein Ministeriale des römisch-deutschen Königs Lothar III. (1075–1137) war. Vermutlich ließ er die Peiner Burg in dieser Zeit erbauen. Dementsprechend wurde der Name Peine wahrscheinlich von Pagin abgeleitet. Das genaue Gründungsjahr der Burg ist auf Grund fehlender Urkunden allerdings nicht mehr feststellbar, so dass deren Erbauung auch schon früher erfolgt sein könnte.

Gründer Gunzelin von Wolfenbüttel als Bronzestatue in der Fußgängerzone

Für das Jahr 1202 berichtet das Chronicon Hildesheimense über eine Fehde zwischen dem Bischof Hartbert von Hildesheim und den Brüdern Ekbert und Gunzelin von Wolfenbüttel (* um 1170; † 2. Februar 1255), der letzte ein Dienstmann und Feldherr Kaiser Ottos IV. (* um 1175; † 19. Mai 1218). Gunzelin ging siegreich aus dieser Fehde hervor und erreichte die Belehnung mit Burg und Grafschaft Peine durch Bischof Hartbert.[4]

Auf einer Landzunge südlich dieser Burg gründete er um 1220, vermutlich bereits im Jahr 1218,[5] die eigentliche Stadt Peine. Seit 1223 hat Peine Stadtrechte. Unter anderem geht das Peiner Wappen auf dasjenige Gunzelins zurück. 1256 erobert Herzog Albrecht von Braunschweig-Lüneburg die Stadt. Die Söhne Gunzelins verloren nach dem Tod des Vaters das Lehen Peine bereits 1260 wieder an das Hochstift Hildesheim; Otto I. von Braunschweig-Lüneburg, Bischof von Hildesheim 1260–1279, gab Burg, Stadt und Grafschaft Peine dem Grafen Wedekind von Poppenburg zum Lehen. Dadurch gehörte Peine endgültig zum Einflussbereich des Bistums Hildesheim und wurde gleichzeitig Marktort.[4]

Ab 1260 besaß Peine das Münzrecht und war mit Unterbrechungen bis 1428 eine Münzstätte Hildesheims. 1954 und 1956 wurden in Peine (in der Stederdorfer Straße und am Horstweg) zwei der größten mittelalterlichen Silberschätze Deutschlands gefunden. Es handelt sich um 95 flache, runde und zum Teil halbierte Silberbarren, einige von ihnen sind handtellergroß. Das Gesamtgewicht der beiden Funde beträgt 7,5 Kilogramm. Geprägt wurden die Silberstücke vermutlich im 14. Jahrhundert. Einige weisen die Wappen von Hildesheim und Hannover, den Braunschweiger Löwen und andere bisher noch nicht zugeordnete Prägungen auf.[6] Der Fund ist ein Hinweis darauf, dass es der Stadt damals wirtschaftlich gut ging und die Peiner Kaufleute viel Einfluss hatten (1).

Die Burg Peine 1521, Stich aus dem 19. Jahrhundert, Herzog August Bibliothek

Hildesheimer Stiftsfehde[Bearbeiten]

Im Jahre 1518 begann die Hildesheimer Stiftsfehde, die bis 1523 dauern sollte und unter der Peine besonders zu leiden hatte. Einige Jahre lang war es zwischen der Stadt und dem Hildesheimer Bischof bereits zu Streitigkeiten um zusätzliche Steuern und an den Stiftadel verpfändete Rechte gekommen. Im Januar 1518 verbündete sich Bischof Johann von Hildesheim mit Herzog Heinrich von Lüneburg-Celle gegen Bischof Franz von Minden und Herzog Erich I. von Calenberg. Der offene Kampf begann 1519. Im Juni desselben Jahres kam es schließlich zur ersten Belagerung Peines. Nach dem ersten Angriff brannte der Südteil der Stadt ab, später stand die ganze Stadt in Flammen, doch die Burg konnte gehalten werden. Insgesamt wurde die Peiner Burg drei Mal jeweils für einige Monate belagert. Die zweite Belagerung erfolgte im Herbst 1521, die dritte im Sommer 1522. Die Burg Peine konnte zwar jedes Mal verteidigt werden – das so genannte „Eulennest“ wurde als uneinnehmbar bezeichnet –, doch überstand sie die Angriffe keineswegs unbeschadet. „Aus Gottes Gnad und Hülf allein, hat festgehalten das Haus Pein“.

Im Juli 1967 stieß man bei Arbeiten zur Verlegung einer Fernheizleitung am Marktplatz auf menschliche Schädel und Knochen, gefallene und verscharrte Braunschweiger Söldner, die in der Stiftsfehde 1521 die Burg vergeblich gestürmt hatten.

Der Friedensschluss durch den „Quedlinburger Rezess“ im Mai 1523 führte dazu, dass dem Hildesheimer Bischof nur noch das „kleine Stift“ blieb, zu dem auch Peine gehörte. Da Bischof Johann für die Kriegskosten aufkommen musste, ging Peine 1526 in den Pfandbesitz der Stadt Hildesheim über. Nach dem Tod Hans Wildefüers, des Hildesheimer Bürgermeisters und Anführers der katholischen Partei, entschied sich der Rat der Stadt Hildesheim am 27. August 1542, der lutherischen Lehre zu folgen. Da die Stadt Hildesheim immer noch Pfandinhaberin Peines war, wurde damit auch in Peine die Reformation durchgeführt. Im Jahre 1553 wurde Peine wieder an das Hildesheimer Hochstift zurückgegeben.

Stadtbrände[Bearbeiten]

Am 18. März 1510 gab es einen Stadtbrand, bei dem ein großer Teil der Stadt vernichtet wurde. Es hieß: „de stat, de kerke unde de vörborch to Peine al ut in ver stunden“: Die Stadt, die Kirche und die Vorburg waren in vier Stunden ein Raub der Flammen geworden.

Am 15. Mai 1557 kam es zu einem weiteren verheerenden Stadtbrand, bei dem das Rathaus und auch die auf dem Marktplatz stehende Pfarrkirche St. Jacobi zerstört wurden. Alle Urkunden der Stadt wurden dabei vernichtet. Die Geschichte Peines vor 1600 lässt sich deshalb fast ausschließlich aus Hildesheimer und Braunschweiger Urkunden rekonstruieren.

1592 brannten noch einmal 66 Häuser nieder.

Der Dreißigjährige Krieg[Bearbeiten]

Im Jahr 1623 wurde im Rahmen des Dreißigjährigen Kriegs erstmals im heutigen Niedersachsen gekämpft, weshalb man sich auch in Peine auf Kampfhandlungen vorbereitete. Darum wurde eine hildesheimsche Kompanie in Peine stationiert. Die Wallanlagen und der Stadtgraben wurden ausgebessert. Ab 1625 fanden erste Kämpfe im Hildesheimer Stiftsgebiet statt, Peine wurde im August 1626 für kurze Zeit von den dänischen Truppen König Christians IV. besetzt. Graf von Tilly belagerte Peine und nahm es noch im August 1626 ein, bevor Tilly Christian bei Lutter am Barenberge schlug. Bis zum Sommer 1627 verlegte Tilly sein Hauptquartier nach Peine, was für die Stadt zusätzlichen Schutz bedeutete. Außerdem beließ er Peines protestantische Konfession.

1629 wurde das kaiserliche Restitutionsedikt erlassen, das die Gegenreformation durchsetzen sollte. In diesem Jahr kam auch Friedrich Spee von Langenfeld im kaiserlichen Auftrag; er blieb, bis ein Mordanschlag auf ihn verübt wurde. Die Peiner Bürger hatten die Wahl, den katholischen Glauben anzunehmen oder innerhalb von drei Monaten die Stadt zu verlassen. Zahlreiche Bürger verließen Peine. Ihren Grundbesitz hatten sie zuvor verkaufen müssen.

Plan der Stadt Peine im Jahr 1785, Herzog August Bibliothek

1632 kam es abwechselnd zu Besatzungen durch schwedische und katholische Truppen in Peine, woraufhin Herzog Friedrich Ulrich zu Braunschweig und Lüneburg um Hilfe gebeten und dadurch als Lehnsherr anerkannt wurde. Im Sommer 1633 wurde Peine erneut belagert und schließlich von Wolfenbütteler Truppen unter Verstärkung aus Goslar und Hildesheim am 28. Juli 1633 erobert. Wenige Tage später wurde Peine an Herzog Friedrich Ulrich übergeben. Die Gegenreformation war mit der Einnahme durch protestantische Truppen beendet, und die Glaubensflüchtlinge von 1628 kehrten zu einem Großteil zurück. 1637 ließ August der Jüngere, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg erneut Befestigungsanlagen einrichten. Bis 1642 war das Große Stift Hildesheim unter Braunschweiger Kontrolle. 1642 wurde mit dem „Goslarer Akkord“ Frieden geschlossen, die Welfen gaben die Stadt Peine zurück an das Hochstift. Abgesehen von weiteren Einquartierungen in Peine und von Hildesheim geforderten Zahlungen war der Krieg für das nun bankrotte Peine beendet.

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

1756 kam es zwischen Frankreich und Großbritannien in den Kolonien zum Siebenjährigen Krieg. Durch die Bündnisse auf beiden Seiten wurde auch Peine in den Konflikt verwickelt. 1757 und 1758 wurde es von Franzosen besetzt. Bis 1763 musste Peine die Kriegsparteien – sowohl die Franzosen als auch Braunschweig – mit Geld und Arbeitskräften (unter anderem zum Festungsbau) unterstützen. Am Ende des Krieges war das Stift Hildesheim hoch verschuldet.

Nach der französischen Revolution 1789 verbündeten sich 1792 Preußen und Österreich gegen Frankreich. Daraufhin zogen 1792 und 1793 preußische Truppen durch Peine. 1802 kam es zu einer Besetzung des Hildesheimer Stiftsgebiets durch die Preußen, ein Jahr später wurde Peine eine preußische Stadt. Die kirchlichen Fürstentümer verloren wegen der Säkularisation im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses ihre Macht.

Das alte Rathaus von 1827 auf dem Marktplatz

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das ehemals umkämpfte Peiner Schloss wurde wegen Verschlechterung der Bausubstanz baufällig. 1803 wurde der Abbau begonnen, 1816 war schließlich auch das letzte Gebäude abgerissen. Zudem wurde, da sich weitere Reparaturen am Rathaus nicht mehr lohnten, auch dieses Gebäude 1827 für 240 Reichstaler auf Abbruch verkauft und an gleicher Stelle am Marktplatz – teilweise mit den alten Steinen – ein neues Rathaus erbaut.

Infolge der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt 1806 fiel Peine an das Königreich Westfalen unter Jérôme Bonaparte. Deshalb wurde auch die Verwaltung nach französischem Vorbild umgestaltet. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 löste sich dieses Königreich jedoch wieder auf. Am 1. Mai 1815 wurde Peine, das damals ein Ackerbürgerstädtchen von 2.300 Einwohnern war, Teil des Königreiches Hannover. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 wurde Hannover von Preußen annektiert. Damit war nun auch Peine Teil einer preußischen Provinz.

Die Stadt blühte auf mit der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierung, ausgelöst durch die Gründung des Peiner Walzwerkes im Jahre 1872.

Innenaufnahme aus dem Peiner Walzwerk aus dem Jahr 1906, Postkarte

Aufstieg der Wirtschaft[Bearbeiten]

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann ein großer Wandel der bis dahin vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Stadt Peine zum Industriestandort. Bereits 1844 wurde die Bahnlinie Hannover–Peine–Braunschweig fertiggestellt, denn man erhoffte sich durch den Bahnanschluss wirtschaftlichen Aufschwung. Nachdem 1855 ein Eisenerzlager in Groß Bülten bei Ilsede entdeckt wurde, kam die Gründung der Ilseder Hütte 1858, einer Eisenhütte, hinzu. Dieser Roheisenlieferant stellte eine wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung Peines dar. In enger Zusammenarbeit wurde 1872 die Aktiengesellschaft Peiner Walzwerk gegründet. Das neu gebaute Walzwerk nahm bereits 1873 den Betrieb auf, hatte jedoch die ersten Jahre unter der beginnenden Wirtschaftskrise zu leiden.

Um die Zukunft der Eisenindustrie zu sichern, betrieb Gerhard Lucas Meyer 1880 den Zusammenschluss von Hütte und Walzwerk. Ziel war der Aufbau eines Thomas-Stahlwerks zur Veredelung des phosphorreichen Ilseder Eisens. Durch das Thomas-Verfahren veredeltes Ilseder Eisen wurde als Peiner Stahl überall konkurrenzfähig. Peine nahm infolgedessen einen rasenden Aufschwung, und bis 1891 wurden zwei weitere Walzwerke eröffnet. Durch das Wirtschaftswachstum und den damit verbundenen Bevölkerungszustrom wuchs und gedieh die Stadt.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Denkmal für die Synagoge von Peine

Der wirtschaftliche Aufschwung des vorigen Jahrhunderts wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Peine war nicht direkt von Kampfhandlungen betroffen, aber die Deutsche Inflation 1914 bis 1923 und die Weltwirtschaftskrise machten der Wirtschaft der Stadt zu schaffen. Dennoch konnte ein weiterer Ausbau der Infrastruktur erfolgen. So wurde 1919 bis 1922 die Stromversorgung errichtet, und von 1921 bis 1929 erfolgte der Bau des Mittellandkanals für den Kohletransport der Wirtschaft. 1935 und 1936 wurde die jetzige Bundesautobahn 2 gebaut. Im Laufe der „Reichspogromnacht“ wurde am 10. November 1938 die Synagoge von 1907 in der Bodenstedtstraße in Brand gesteckt und zerstört. Hans Marburger, Sohn eines jüdischen Kaufmanns, wurde in dem Gebäude niedergeschossen und verbrannte. Ihm zu Ehren wurde ein Teil der Straße später in Hans-Marburger-Straße umbenannt. Auf dem Platz der ehemaligen Synagoge befindet sich die zentrale Gedenkstätte, an der alljährlich am Jahrestag der „Reichskristallnacht“ Kränze niedergelegt werden.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden das zur Rüstungsproduktion genutzte Walzwerk und die benachbarten Mineralölwerke mehrmals bombardiert, wobei es insgesamt etwa 50 Tote gab. Der Wiederaufbau dauerte noch bis 1951. Am 9. April 1945 wurde die Peiner Innenstadt mit leichten Bomben angegriffen, bei der es Tote und Gebäudeschäden gab. Tags darauf wurde die Stadt kampflos an amerikanische Truppen übergeben. Dadurch konnten größere Opfer und Zerstörungen vermieden werden.

Kurz nach dem Einmarsch der Alliierten in Peine rollte Mitte Mai 1945 ein beladener Munitionszug durch den Peiner Bahnhof. Ein Bahnarbeiter bemerkte im Bahnhofsbereich, dass Rauch aus einem Waggon stieg; er konnte den Lokführer warnen und koppelte mehrere Waggons ab, darunter auch den qualmenden Güterwagen. Der restliche Güterzug fuhr weiter in Richtung Hannover, der abgekoppelte Zugteil explodierte auf der Fuhsebrücke kurz vor der Horst. Die Explosion war so stark, dass in der Stadt Scheiben zu Bruch gingen, Dachziegel von den Dächern gedrückt wurden und dass Töpfers Mühle größtenteils zerstört wurde. Zu allem Unglück – die Dächer waren noch nicht wieder gedeckt – wurde die Stadt am nächsten Tag von einem Unwetter überrascht. Die Alliierten verhafteten den Bahnarbeiter, weil sie Sabotage vermuteten. Er wurde aber bald wieder freigelassen.

Das Peiner Elektrostahlwerk

1946 wurde Niedersachsen als Teil der britischen Besatzungszone gebildet. Peine gehörte von da an zum Regierungsbezirk Hildesheim. Wegen der vielen Flüchtlinge verzeichnete die Stadt zwischen 1939 und 1950 einen Bevölkerungszuwachs von etwa 10.000 Menschen. Zur Zeit des Wirtschaftswunders wurden viele städtische Projekte und Straßenbauten verwirklicht. Durch die Gebietsreform 1974 wurden 14 zuvor selbstständige Dörfer und Gemeinden eingemeindet. Peine gehörte danach zum Regierungsbezirk Braunschweig, bis der Bezirk im Zuge einer landesweiten Verwaltungsreform am 31. Dezember 2004 aufgelöst wurde.

Die Stahlkrise 1975 hatte den Niedergang von etlichen Industriebetrieben in Peine zur Folge. Von 23.000 Arbeitsplätzen gingen mehr als 10.000 verloren. Die Ilseder Hochöfen wurden 1983 stillgelegt. Der Stadt Peine drohte der Verlust ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage. Bis in die 1980er Jahre hinein wurden Arbeitsplätze abgebaut, und es fand ein Wandel der Industrie zu zukunftsorientierten Branchen (siehe Kapitel 5.2 Wirtschaft) statt. Die Stahlindustrie konnte sich wieder erholen, auch wenn heute nicht mehr so viele Arbeiter im Stahlwerk beschäftigt sind wie in der Blütezeit des Peiner Stahls. Die Salzgitter AG baute das Peiner Werk im November 1994 zu einem der modernsten Elektrostahlwerke Europas um (Peiner Träger GmbH). Durch den Bau eines zweiten Elektro-Ofens durch die Salzgitter AG im Verlaufe der Jahre 2008/2009 wurde dieser Anspruch unterstrichen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Berkum, Dungelbeck, Duttenstedt (vorher im Landkreis Braunschweig), Eixe, Essinghausen (vorher im Landkreis Braunschweig), Landwehr (vorher im Landkreis Burgdorf), Röhrse (vorher im Landkreis Burgdorf), Rosenthal, Schmedenstedt, Schwicheldt, Stederdorf, Vöhrum, Wendesse und Woltorf eingegliedert.[7] Handorf wurde bereits am 1. Juli 1968 eingemeindet.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

In der Kernstadt Peines wohnen 24.518 Menschen, davon sind 12.578 (51,3 Prozent) weiblich und 11.940 (48,7 Prozent) männlich (Stand 31. Dezember 2013). Darunter sind 13,0 Prozent Ausländer, die hauptsächlich in der Südstadt und nahe dem Walzwerk wohnen. Die Ausländer in Peine stammen überwiegend aus der Türkei, danach aus Polen. Die Quote der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten beträgt rund 35,3 Prozent (Angabe von 2007) und ist in den letzten Jahren relativ konstant geblieben. Das Durchschnittsalter beträgt etwa 44 Jahre.

Rund 47 % der Bewohner sind evangelisch, 11,3 % römisch-katholisch. Neben den beiden großen Kirchen gibt es außerdem auch jeweils eine Gemeinde der Baptisten, der Siebenten-Tags-Adventisten, der Zeugen Jehovas und der Neuapostolischen Kirche. Inzwischen stellen Menschen mit Migrationshintergrund rund 18 % der Peiner Bevölkerung. So sind auch Menschen muslimischen Glaubens in Peine zu Hause und finden sich beispielsweise in den Moscheen von DITIB und TAKVA zusammen.

Der Aufstieg der Wirtschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte zu einem rasanten Bevölkerungswachstum von 3.823 Einwohnern im Jahre 1852 auf 15.421 Einwohner 1900. Durch Zuzug von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt 1954 bereits 28.918 Einwohner. Die Anzahl von 49.893 nach der Gebietsreform 1974 ist bis heute etwa gleich geblieben.

Es folgt eine Übersicht mit den Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1987 handelt es sich meist um Volkszählungsergebnisse (¹), danach um amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter oder der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1852 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“.

Einwohnerentwicklung: 31. Dezember 1987 bis 31. Dezember 2008[8]
Jahr Einwohner
03.12.1852 ¹ 3.823
03.12.1864 ¹ 4.285
01.12.1890 ¹ 10.115
02.12.1895 ¹ 12.600
01.12.1900 ¹ 15.421
01.12.1905 ¹ 16.500
01.12.1910 ¹ 16.667
01.12.1916 ¹ 14.110
05.12.1917 ¹ 14.092
08.10.1919 ¹ 16.014
16.06.1925 ¹ 17.111
16.06.1933 ¹ 17.763
17.05.1939 ¹ 18.292
Jahr Einwohner
29.10.1946 ¹ 23.644
13.09.1950 ¹ 27.404
06.06.1961 ¹ 30.944
27.05.1970 ¹ 31.226
31.12.1975 49.450
31.12.1980 47.591
25.05.1987 ¹ 45.780
31.12.1990 46.654
31.12.1991 47.225
31.12.1992 47.784
31.12.1993 48.105
31.12.1994 48.507
31.12.1995 49.024
Jahr Einwohner
31.12.1996 49.285
31.12.1997 49.256
31.12.1998 49.201
31.12.1999 49.354
31.12.2000 49.494
31.12.2001 49.499
31.12.2002 49.583
31.12.2003 49.767
31.12.2004 49.810
31.12.2005 49.884
31.12.2006 49.770
31.12.2007 49.516
31.12.2008 49.737
Jahr Einwohner
31.12.2009 49.038
31.12.2010 48.743
31.12.2011 49.092
31.12.2012 49.029
31.12.2013 48.989
31.12.2014
31.12.2015
31.12.2016
31.12.2017
31.12.2018
31.12.2019
31.12.2020
31.12.2021

1 Volkszählungsergebnis

Das „Eulennest“[Bearbeiten]

Peine wird häufig als Eulenstadt oder auch als Eulennest, mundartlich Ulennest, bezeichnet. Es gibt mehrere Legenden und Sagen, die sich um die Eule ranken. Der Ursprung dieser Symbolik im Zusammenhang mit Peine als Stadt ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Es ist möglich, dass die Burg Peine wegen der unwegsamen und gefährlichen Moore in der Umgebung „Ulennest“ genannt wurde und daraus die Sagen entstanden.

Die geläufigste ätiologische Herleitung des Namens ist die folgende: „Vor langer Zeit ließ sich eine Eule auf dem Wartturm der Vorburg nieder und fing an, unter dem Dache ein Nest zu bauen. Mit offenem Munde staunte die Besatzung das Tier an und geriet in Furcht angesichts des unbekannten und furchterregenden Wesens. Man sucht den ungebetenen Gast zu vertreiben, doch umsonst, er kommt immer wieder. Schließlich legt man Feuer in den Turm, die Eule jedoch fliegt zur Stadt hinüber. Die Peiner aber fürchten sich nicht, nehmen den Fremdling wohlgemut auf und verehren die Eule als einen Schutzgeist. (Kluge Leute behaupten freilich, auch die Peiner Bürger hätten den sonderbaren Ankömmling durch Feuer vertreiben wollen und dabei die ganze Stadt eingeäschert.)“[9]

Eine andere Fassung der Erklärungslegende lautet so: Eine Eule hatte sich eine Scheune als Schlupfwinkel ausgesucht. Der Knecht bemerkte das Tier beim Strohholen und bekam eine große Angst. Ähnliches widerfuhr dem Bürger. Bald war die gesamte Nachbarschaft versammelt, doch selbst ein besonders mutiger Mann in Rüstung soll Angst bekommen haben. Man entschloss sich daraufhin, die Scheune niederzubrennen, was großen Spott über die Stadt brachte. Tatsächlich war die Eule zu vielen Zeiten und verschiedenen Völkern als Unglücksbote bekannt oder zumindest vom Schauer des Numinosen umgeben. Der Charakter der Eulenlegende war demnach ein ironisch-bespöttelnder. So musste man sich – gemäß einem zeitgenössischen Spottvers – hüten, einem Peiner bei „Bier und Wein“ mit der allbekannten Eule zu kommen, da man sonst Prügel riskierte:

„Ist einer keck, zieh er gen Pein,
Und geh daselbst zum Bier und Wein,
Frag sie, was ihn’ die Eul gethan,
Warumb sie die verbrennet han.
Und trink mit ihn’ den letzten aus,
Kommt er ungeschlagen wieder hrauß,
Wil ich ihm, was er drinn verzecht,
Duppelt bezahlen, wie es recht.“[9]

Als Peine im Verlauf der Hildesheimer Stiftsfehde mehrmaligen Eroberungsversuchen standhielt, schrieb man dem bisherigen Unglücksbringer nunmehr die Rettung der Stadt zu. So wurde die Eule nun zu einem Wahrzeichen der Stadt und Abzeichen ihres Bürgerstolzes. Auf eine positive Bedeutung der Eule deuten auch die aus dem Jahre 1534 erhaltenen Hochzeitsschüssel hin. Die nun veränderte Legende wollte es, dass die Eule die Peiner nicht erschreckt, sondern im Gegenteil in den Bedrängnissen ihrer Geschichte behütet habe. Charakteristischer Ausdruck dieser Umdeutung der Eule ist der mundartliche Zweizeiler „Peine was maket so feste,/ dat de Ule blev sitten in'n Neste!“ (hochdeutsch etwa „Peine machte so fest, dass die Eule im Nest sitzen blieb!“), der sich auch an einer Häuserwand nahe der Fußgängerzone findet. Er gehört in eine Legende aus der Zeit der Stiftsfehde, nach der die Angreifer sich schon mit Leitern an der Festung zu schaffen machten, als eine Eule, die in der Nähe ihr Nest hatte, mit ihrem Ruf Alarm schlug. Sie soll – wie die kapitolinischen Gänse nach der römischen Legende – die Wachen mit ihrem Lärm geweckt haben und somit einen Angriff der feindlichen Truppen vereitelt haben. Die Verteidiger konnten dadurch rechtzeitig Stellung beziehen und die nächtlichen Braunschweiger ,Besucher‘ abwehren (aus dem Geschichtsunterricht an der Gunzelin-Realschule Peine und dem Gymnasium Groß Ilsede, Erzählung eines Lehrers).

Auch heute noch ist die Eule ein beliebtes Symbol in Peine, sei es bei Veranstaltungen, an Häusern, in Form von Statuen oder Ähnlichem. Besonders die Häuser um den Marktplatz herum, aber auch die Jakobi-Kirche sind mit Eulensymbolen verziert.

Politik[Bearbeiten]

Organe der Stadt Peine[Bearbeiten]

Die Stadt Peine besitzt drei politische Organe: Den Rat der Stadt Peine, den Verwaltungsausschuss und den Bürgermeister.

Rat der Stadt[Bearbeiten]

Der Rat der Stadt Peine, das oberste politische Entscheidungsorgan, trifft Entscheidungen, welche die Selbstverwaltung der Stadt betreffen. Dazu gehören die Bestimmung von öffentlichen Abgaben, Bebauungspläne oder auch die Benennung von Ehrenbürgern. Genau fällt darunter die Festsetzung der Benutzung und Gebühren von öffentlichen Einrichtungen wie beispielsweise Bibliotheken, Straßenreinigung, Müllabfuhr, Wasserversorgung, Kanalisation und Fernwärme. Der Rat besteht aus 40 Mitgliedern und zusätzlich dem Bürgermeister.

Nach der Kommunalwahl 2011 setzt sich der Rat folgendermaßen zusammen (mit der entsprechenden Vergleichszahl für 2006):

Partei / Liste 2011 2006
SPD 19 Sitze 21 Sitze
CDU 11 Sitze 12 Sitze
GRÜNE 4 Sitze 2 Sitze
Peiner Bürgergemeinschaft (PB) 2 Sitze 2 Sitze
FDP 1 Sitz 1 Sitz
Gemeinschaft unabhängiger Bürger (GuB) 1 Sitz 1 Sitz
Die Linke 1 Sitz 1 Sitz
Piratenpartei 1 Sitz

Verwaltungsausschuss[Bearbeiten]

Die Hauptaufgabe des Verwaltungsausschusses ist es, die Ratsbeschlüsse mit Hilfe von Empfehlungen der Fachausschüsse und Ortsräte vorzubereiten. Er fällt auch eigene Entscheidungen und kümmert sich um Einwohneranträge, Anregungen und Beschwerden der Bürger. Der Verwaltungsausschuss setzt sich aus dem Bürgermeister, den aus dem Rat bestimmten Beigeordneten und den Grundmandatsinhabern zusammen.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister, das dritte Organ der Stadt, wird bei der Kommunalwahl für eine Dauer von acht Jahren gewählt. Er sorgt für die Vorbereitung und Ausführung der Beschlüsse von Stadtrat und Verwaltungsausschuss. Er repräsentiert die Stadt Peine und vertritt die Gemeinde in gerichtlichen Verfahren. Michael Kessler wurde bei der Kommunalwahl am 11. September 2006 im ersten Wahlgang mit 51,4 % gewählt. 2001 wurde Udo Willenbücher mit 50,8% zum 1. hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Peine gewählt. Er war bereits von 1996–2001 in der Nachfolge von Dr. Boß Stadtdirektor. Er verzichtete 2006 aus gesundheitlichen Gründen auf eine Wiederwahl.

Peiner Wappen

Peines Bürgermeister seit 1945:

  • 1945−1946 Alfred Hertel (parteilos)
  • 1946−1947 Hermann Seidensticker (CDU)
  • 1947−1948 Walter Braune (NLP)
  • 1948−1952 Hans Balbiani (SPD)
  • 1952−1955 Richard Langeheine (DP)
  • 1955−1956 Arthur Enk (CDU)
  • 1956−1961 Hans Gallinis (SPD)
  • 1961−1964 Richard Langeheine (GB/BHE, CDU)
  • 1964−1968 Hans Balbiani (SPD)
  • 1968−1970 Karl-Heinz Schülke (CDU)
  • 1970−1972 Richard Langeheine (CDU)
  • 1972−1991 Gerhard Heinze (SPD)
  • 1991−2001 Ulrich Biel (SPD)
  • 2001−2006 Udo Willenbücher (SPD)
  • seit 2006 Michael Kessler (SPD)

Wappen[Bearbeiten]

Der Schild des Peiner Wappens ist gelb und rot (aufgrund der zeitweisen Zugehörigkeit zum Fürstbistum Hildesheim) gespalten. Oben befindet sich ein springender schwarzer Wolf, unten befinden sich zwei Garben aus Getreide, die auswärts geneigt sind und auf einem grünen Boden stehen (6).

Das Wappen geht auf Gunzelin von Wolfenbüttel zurück. Seit dem 13. Jahrhundert haben sich an dem Wappen lediglich Kleinigkeiten geändert. So war der Boden ursprünglich silbern und die Farben der Garben wurden mehrfach gewechselt.

Es existierte auch eine andere Version des heute üblichen Stadtwappens aus dem 19. Jahrhundert. Das damalige Wappen war rot und grün gespalten. Oben mit einem schwarzen Wolf, der über zwei goldene Garben springt. Darüber beherrscht ein bläulicher Kolbenturnierhelm samt gelb-roter Helmzier die Szenerie. Das Peiner Wappen zeigt heute die Farbe Grün nur im unteren Teil – als Grund für die darauf gestellten goldenen Garben, über die ein schwarzer Wolf springt. Beim Wappen aus dem 19. Jahrhundert fehlt auch der ehemals über dem Helm hervortretende zweite Wolf. Erst seit 1924 gibt es ein festes Stadtwappen, das von dem Grafiker Emil-Werner Baule (1870–1953) gestaltet worden ist, wie man bei Recherchen im Stadt- und Kreisarchiv herausfand.

Die Stadtfarben von Peine sind bis heute Grün und Rot.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Peine unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Nach längeren guten Beziehungen wurde am 13. Februar 2003 mit Asselheim, einem Stadtteil Grünstadts, ein Freundschaftsvertrag geschlossen.[10]

Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Peine

Straßen und Brücken[Bearbeiten]

Peine Hagenmarkt
Die Stahlwerkbrücke

Peine liegt direkt an der Bundesautobahn 2 (A 2), die das Ruhrgebiet mit der deutschen Hauptstadt Berlin verbindet, und verfügt über eine sogenannte Doppelanschluss-Stelle: Neben der ursprünglichen Autobahnausfahrt „Peine“ wurde im Jahre 1997 eine zusätzliche Ausfahrt „Peine-Ost“ fertiggestellt.[11] Beide werden mit der Nr. 52 geführt. Daneben führen die Bundesstraßen B 65, B 444 und B 494 durch die Stadt. Die beiden wichtigsten straßenbaulichen Bauwerke sind die Nord-Süd-Brücke (1978)[12] und die Stahlwerkbrücke (2003). Beide überspannen die in West-Ost-Richtung durch die Stadt verlaufende Bahnstrecke Hannover–Braunschweig. Die Errichtung der Stahlwerkbrücke dauerte insgesamt gut 2 Jahre: Der erste Spatenstich erfolgte am 1. August 2001, die Eröffnung fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am 19. September 2003 statt. Ihren Namen verdankt die Brücke dem Peiner Stahlwerk, über dessen Werksgelände sie verläuft.

Eisenbahn und Bus[Bearbeiten]

Peine liegt an der Bahnstrecke Hannover–Braunschweig. Eine Besonderheit besteht darin, dass das Bahnhofsgebäude im Besitz der Stadt ist, nachdem es Mitte der 1990er Jahre auf ihre Kosten errichtet wurde. An den Bahnhof angeschlossen ist zusätzlich ein Nahverkehrsterminal, der die öffentlichen Verkehrsmittel Bus und Bahn verknüpft. Der Peiner Bahnhof wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.[13] Der Stadtverkehr wird hauptsächlich von der Peiner Verkehrsgesellschaft mbH (PVG) betrieben. Im Regionalverkehr fährt hauptsächlich die Regionalbus Braunschweig GmbH (kurz RBB).

Schiffsverkehr[Bearbeiten]

Der Peiner Hafen

Peine besitzt einen Hafen am Mittellandkanal, der von der DEUMU GmbH bewirtschaftet wird. Der Hafen wurde 1929 im Zuge des Baus des Mittellandkanals angeschlossen und liegt bei Kilometer 202.[14]

Flughäfen[Bearbeiten]

Die nächstgelegenen Flughäfen sind der Flughafen Hannover-Langenhagen in Langenhagen und der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg in Braunschweig. Darüber hinaus befinden sich der inzwischen geschlossene Flugplatz Peine-Eddesse bei Eddesse und der Segelflugplatz Glindbruchkippe bei Vöhrum im Peiner Stadtgebiet.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Peine war bis zur Stahlkrise in den 1970er Jahren sehr weitgehend durch die Stahlindustrie geprägt (siehe auch Aufstieg der Wirtschaft). Nach dem Zusammenbruch der Stahlindustrie sah man sich wie in anderen Industriezentren auch gezwungen, die Monostruktur und die damit verbundene Abhängigkeit abzulösen. Im Mittelzentrum Peine wurde eine Vielzahl zukunftsträchtiger Betriebe erfolgreich angesiedelt. Unter anderem hatte der Hersteller von Unterhaltungselektronik Matsushita eine Produktions- und Entwicklungsniederlassung in Peine. Das Gelände wurde inzwischen vom Berliner Schokoladen-Produzenten Rausch übernommen, der schon seit 1982[15] eine Fabrik im Norden von Peine unterhält. Die Firma Pelikan AG errichtete 1973 ebenfalls ein Werk im Peiner Ortsteil Vöhrum.[16] Dieses Werk ist bis heute der bedeutendste Produktionsstandort der Pelikan-Gruppe weltweit. Beliebt bei vielen Peinern ist das Bier der Privatbrauerei Härke, die – seit der Übernahme der Rauls’schen Brauerei im Jahre 1890 – auf eine lange Tradition zurückblicken kann. 2013 verlor das Unternehmen seine Eigenständigkeit. Es wurde von der Einbecker Brauhaus AG übernommen und firmiert seitdem unter dem Namen Härke Braumanufaktur. Auch die Firma Funkwerk Enterprise Communications GmbH (früher Elmeg Communication Systems GmbH) ist in Peine ansässig. 2011 eröffnete die Fa. NOWEDA (Arzneimittelgroßhandel) einen neuen Standort in Peine. Im Gewerbegebiet Peine-Ost konnte die Logistikfirma Meyer und Meyer Holding mit Sitz in Osnabrück im Gewerbegebiet Peine-Ost angesiedelt werden. Neben den außerhalb gelegenen Industrie- und Gewerbegebieten mit günstiger Anbindung konnte die 1971 errichtete Fußgängerzone in der Breiten Straße mit ihrem belebten Einzelhandel aufrechterhalten werden. Die Stadt Peine ist schuldenfrei, was angesichts überbordender kommunaler Verschuldung eine Besonderheit darstellt.[17]

Zusammengefasst sind Kunststoff- und Metallverarbeitung, Daten- und Kommunikationselektronik, Lebensmittel- und Schokoladenhersteller, sowie öffentliche und private Dienstleistungsunternehmen in Peine vertreten. Die Stadt Peine unterhält selbst zwei Unternehmensparks, in denen verschiedene Firmen mit Produktion und Verwaltung ansässig sind. Unter anderem ist die Aula des Gymnasiums am Silberkamp im Unternehmenspark II untergebracht.

Bildung[Bearbeiten]

Der erste Nachweis einer Peiner Schule – vermutlich eine Lateinschule – geht auf das Jahr 1423 zurück. In einer Urkunde wurde der damalige, aus Hildesheim stammende Schuldirektor erwähnt. In den 1960er Jahren wurden zahlreiche Schulen ausgebaut und einige weitere neu errichtet.

Peine hat heute mehrere Grund- und Hauptschulen wie die Bodenstedt-/Wilhelmschule (Haupt-/Realschule) und die Burgschule (verlässliche Grund-/Hauptschule), die Gunzelin-Realschule und eine berufsbildende Schule. Dazu kommen mit dem Ratsgymnasium, dem Gymnasium am Silberkamp und dem beruflichen Gymnasium (ausschließlich Oberstufe) drei Gymnasien. Seit 2001 ist im Stadtteil Vöhrum eine Integrierte Gesamtschule ansässig, welche ebenfalls eine gymnasiale Oberstufe bekommen hat und somit die vierte Möglichkeit bietet im Stadtgebiet die Fach- und Allgemeinhochschulreife zu erlangen. Die drei Schulen der Orientierungsstufe wurden im Sommer 2004 aufgelöst und in die weiterführenden Schulen eingegliedert. Zwar besitzt Peine keine eigene Hochschule, profitiert dafür aber von der Nachbarschaft zu den Forschungszentren in Braunschweig und Hannover.

Darüber hinaus hat Peine für die Erwachsenen- und Weiterbildung eine Kreisvolkshochschule.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Innenraum der St.-Jakobi-Kirche nach der Wiederherstellung (1992–1994)

Peine bietet eine Reihe sehenswerter Orte und Bauwerke.

Marktplatz mit Rathaus[Bearbeiten]

Der Marktplatz, der älteste Platz Peines, wurde bereits von Gunzelin von Wolfenbüttel angelegt. Wie der Name sagt, wurden hier die traditionellen Märkte abgehalten. Er stellte im Mittelalter den Mittelpunkt der Stadt dar. Bei der Restaurierung 1986 wurde in der Mitte des Platzes ein Springbrunnen angelegt. Dabei wurden auch Kirchenfundamente der ursprünglichen St.-Jakobi-Kirche sichtbar. Der Platz ist von Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert umgeben. Da sich in diesen Gebäuden zahlreiche kleine Restaurants und Eisdielen angesiedelt haben, ist der Marktplatz bei den Einwohnern Peines und den Besuchern der Stadt ein beliebter Platz zum Ausgehen.

Am Marktplatz befindet sich auch das Alte Rathaus von 1827, das an der gleichen Stelle steht wie schon mehrere Rathäuser zuvor, unter anderem auch das 1557 niedergebrannte. Seit der letzten Renovierung 1985 hat es ein Glockenspiel, das nachmittags zur vollen Stunde zu hören ist.

Kirche St. Jakobi[Bearbeiten]

„Peine. Partie auf dem Herzberge“, Postkarte von 1918

Die evangelische St.-Jakobi-Kirche in der Peiner Innenstadt bietet eindrucksvolle Wand- und Deckenmalereien und 800 Sitzplätze für Gottesdienste und Konzerte. Nachdem die ursprüngliche Kirche auf dem Marktplatz 1557 abgebrannt war, wurde sie an der heutigen Stelle, ein paar hundert Meter weiter südlich, wieder aufgebaut. Im Jahre 1693 wurde die Kirche im barocken Stil neu errichtet, 1726 um Stützpfeiler ergänzt und 1893 wegen Baufälligkeit abgerissen. Von 1896 bis 1899 fand ein erneuter Neubau der Kirche statt, dieses Mal im neugotischen Stil. 1994 fand eine grundlegende Renovierung statt, wobei die Kirche wieder in den ursprünglichen Farben ausgemalt wurde.

Plätze, Parks und ausgewählte Straßen[Bearbeiten]

Der Echternplatz, was soviel wie hinterer Platz bedeutet, befindet sich schräg hinter der Jakobi-Kirche. Hier wohnten früher überwiegend die Handwerker der Stadt. Auf ihm befindet sich der Schicke-Schacke, eine Bronzestatue, die einen bekannten Dienstmann und Boten Peines aus dem 19. Jahrhundert darstellt. Der Friedrich-Ebert-Platz südlich des Bahnhofs ist der größte Platz Peines. Auf ihm wurde um 1900 der Rossmarkt abgehalten. Hier befindet sich auch der 1888 errichtete Peiner Wasserturm. Ein weiterer Wasserturm wurde 1908 auf dem Peiner Herzberg errichtet. Der Burgpark ist eine 6.000 Quadratmeter große Grünanlage, auf der sich restaurierte Überreste der alten Befestigungsanlage der Stadt befinden. Der Park wurde ab 1998 freigelegt und im Mai 2000 fertiggestellt. Im Sommer finden hier häufig Veranstaltungen statt (7). In unmittelbarer Nähe des Burgparks steht die katholische Pfarrkirche Zu den Heiligen Engeln, die 1867 nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase im nachempfundenen Stil der norddeutschen Backsteingotik erbaut wurde. Im Innern befindet sich ein Triumphkreuz aus dem 13. Jahrhundert.

Die Straßenzüge Damm und Kniepenburg sind der älteste Teil Peines. Der Damm, in dem viele Juden lebten, war bis 1852 eine eigenständige Gemeinde. Hier ist das Pelikan-Haus von 1611, eines der ältesten erhaltenen Wohngebäude Peines, zu finden. Im Haus Damm 1 wurde am 21. April 1925 der durch den Film Hitlerjunge Salomon bekannt gewordene Peiner Jude Sally (Salomon) Perel geboren, dessen Schicksal Millionen von Menschen bewegt hat. Perel, der heute in Israel lebt, hat unter falschem Namen das Nazi-Regime überlebt. In seinem 1990 verfilmten Buch (Ich war Hitlerjunge Salomon) hat Perel seinen dramatischen Lebensweg beschrieben. Das Haus ist mit einem so genannten Stolperstein versehen und trägt eine durch die Stadt Peine am Haus angebrachte Gedenktafel. Der Hagenmarkt (vom Flurnamen Hagen = Sumpfgebiet) ist ein dem Place de la Concorde in Paris nachempfundener runder Platz, von dem sternförmig die Straßen abgehen. Ende des 19. Jahrhunderts fand hier regelmäßig der Ferkelmarkt statt, heute wird hier mittwochs und samstags ein Wochenmarkt abgehalten. Auch der Hagenmarkt ist von Cafés und Kneipen gesäumt.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

In einem der bedeutendsten Baudenkmäler der Stadt in der Breiten Straße 58 ist die Traditionsgaststätte Weißer Schwan ansässig, die nach wechselnder Bewirtschaftung derzeit auf einen neuen Pächter wartet. Das älteste Fachwerkhaus in der Kernstadt wurde im Jahr 2001 von der Stadt angekauft und so vor dem sicheren Verfall gerettet. Im Inneren des Gebäudes wurden im Zuge der Restaurierung einige wenige Reste der ursprünglichen Wandbemalung freigelegt. Es handelt sich um in Niedersachsen einzigartige Renaissance-Malereien, die aus der Entstehungszeit des Hauses um 1595 stammen.

Auf dem Luhberg bei Stederdorf steht das Schlageter-Denkmal, eines von ca. hundert Denkmälern in ganz Deutschland, die seit den zwanziger Jahren an den während der Ruhrbesetzung 1923 von der französischen Besatzungsmacht zum Tode verurteilten Albert Leo Schlageter erinnert.

Kultur[Bearbeiten]

Töpfers Mühle

Peine bietet mit den Festsälen und dem Forum zwei gut ausgestattete Spielstätten und somit gute Voraussetzungen für Kulturangebote. Unter Beteiligung der Stadt und des Landkreises Peine bildete sich 1947 der Verein Kulturring als privater Träger des Theaterlebens der Stadt. Der Kulturring bemüht sich darum, abwechslungsreiche Angebote wie Lesungen, Ausstellungen, Theateraufführungen und Konzerte nach Peine zu holen (8). Außerdem befinden sich in Peine zwei Kinos, von denen das größte 300 Sitzplätze hat.

Das von Norbert Stiller gebaute Stadttheater Peiner Festsäle am Friedrich-Ebert-Platz mit seinen 750 Sitzen wurde 1922 eingeweiht. Zur Gründung gibt es die Anekdote, dass die Ehefrau des Aufsichtsratsvorsitzenden der Ilseder Hütte Wilhelm Meyer, eine Schauspielerin, ihren Mann und Schwager vom Bau überzeugen konnte. Im Straßenzug „Winkel“ befinden sich das Forum Peine, das 1988 für kulturelle und öffentliche Veranstaltungen in Betrieb genommen wurde und das Schmedenstedthaus, ein Dreiständerhaus von 1685, das nun die Stadtbücherei beherbergt. Daneben befindet sich die Töpfers Mühle am historischen Standort der Ratsmühle aus dem 14. Jahrhundert, die 1945 bei einer Explosion beschädigt wurde. Das alte Wahrzeichen Peines wurde zurückerlangt, als man eine Mühle gleichen Typs von der Insel Bornholm kaufte. In der Mühle befindet sich seit 1985 ein Jugendfreizeitzentrum. Seit dem Frühjahr 2011 ist die Holländerwindmühle zur „Niedersächsische Mühlenstraße“ angeschlossen.

Einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Spektrum Peines liefert das Kreismuseum, welches 1988 eingeweiht wurde. Es ist ein historisches Museum, das sowohl der Darstellung der Peiner Alltagskultur als auch der ansässigen Stahlindustrie gewidmet ist. Neben den Ausstellungen finden hier auch Vorträge statt (9). In das Museum ist das restaurierte „Glück-auf-Haus“ integriert.

Ein weiteres Museum gibt es im Gewerbegebiet Nord: Das Schokoland des Süßwarenherstellers Rausch ist ein Schokoladenmuseum. Es zeigt die Geschichte des Kakaos und der Schokoladenherstellung und bietet auch direkte Einblicke in die Fertigung heute. Es enthält einen „Schoko-Vulkan“, ein Café und einen tropischen Garten mit Kakaopflanzen.

Im Stadtarchiv können an der Geschichte Peines Interessierte Urkunden, Akten, Karten und alte Peiner Zeitungen einsehen.

Peiner Freischießen[Bearbeiten]

Das größte Fest ist das jährliche Schützenfest, das „Peiner Freischießen“, das für fünf Tage um den ersten Sonntag im Juli stattfindet. Der Name rührt ursprünglich daher, dass sich die Peiner von den bürgerlichen Pflichten „freischießen“ konnten.

Der Ursprung des Festes ist wegen des bereits erwähnten Stadtbrandes von 1557 unbekannt. Urkundliche Erwähnung findet das Fest erst in den daraufhin angefertigten Statuten der Stadt Peine.[2] Man geht heute davon aus, dass bereits kurz nach der Stadtgründung um 1220 eine Art „Bürgerwehr“ in der häufig umkämpften Stadt existierte. Diesen Willen zur Selbstverteidigung nutzten die Peiner Bürger im Laufe der Zeit um sich immer mehr Rechte von Seiten der Grundherren zu sichern (z.B. das Freischießen von den Steuern oder ein von den Bürgern gewählter Bürgermeister).

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist das Peiner Freischießen nicht mehr eine Veranstaltung eines einzelnen „Orts-Schützenvereins“, sondern es treten sieben „Korporationen“ an. Jede Korporation ermittelt ihren eigenen König. Unter den sieben Korporationen gibt es drei sogenannte „Bürgerkorporationen“, nämlich das Neue Bürger Corps (1927), das Bürger Jäger Corps (1871) und die Schützengilde (1597). Diese drei Bürgerkorporationen schießen untereinander den Bürgerkönig aus, der Bürgerkönig kommt also aus nur einer der drei Bürgerkorporationen. Der Bürgerkönig nimmt im Jahr seiner Regentschaft eine besondere Stellung im gesellschaftlichen Leben der Stadt ein.

Große Tradition hat das Corps der Bürgersöhne (1814), in dem die sogenannten Junggesellen das Freischießen feiern. Das Corps der Bürgersöhne schießt seinen eigenen aktiven König aus. Die sogenannte passive Abteilung, bestehend aus nicht mehr ledigen Mitgliedern, bestimmt unter sich den passiven König.

Die Gründung von sieben Korporationen hat ihre Wurzeln in der Zeit der industriellen Revolution, die großen Einfluss auf Peine hatte. Die vielen Neubürger wollten auch aktiv am Freischießen teilnehmen, jedoch war ihnen der Eintritt in die Schützengilde versperrt, die damals aus alteingesessenen Peiner Kaufleuten und Handwerkern bestand. Neben den bereits erwähnten Korporationen nehmen der MTV Vater Jahn Peine von 1862 Corporation, der TSV Bildung von 1863 sowie der Peiner Walzwerker Verein von 1878 an dem größten Heimatfest teil.

Seit 1966 wird das Fest mit einem Großfeuerwerk eröffnet, heute findet es auf dem 1979 gebauten Schützenplatz statt. Nach wie vor sind die offiziellen Termine und Freischießenämter eine Domäne der Männer.

Weitere Feste[Bearbeiten]

Ein weiteres jährliches Großereignis ist das Peiner Stadtfest, der Eulenmarkt. Weitere Ereignisse sind der Autofrühling, bei dem die Autohäuser ihre neuen Modelle präsentieren und das Highland Gathering, bei dem sich internationale Pipe- and Drumbands bei den offiziellen offenen deutschen Meisterschaften einen musikalischen Wettkampf liefern und anschließend die Highland Games veranstaltet werden.

Sport[Bearbeiten]

Die Stadt Peine hat ein breit gefächertes Sportangebot. Dazu gehören zahlreiche Sport- und Turnhallen, Freisportplätze, Fitnesscenter und Schießstände. Außerdem gibt es Reithallen und Reitplätze, ein Hallenbad, ein Freibad, ein Kegelheim, und unweit von Peiner Stadtkern auf der Glindbruchkippe einen Segelflugplatz. Des Weiteren finden sich in Peine zwei Kanuvereine: Die Faltbootabteilung des MTV Vater Jahn und die Kanu-Gemeinschaft Peine. Im gesamten Landkreis Peine gibt es über 280 Kilometer befestigte Radwanderwege, auch der Peiner Herzberg lädt zum Radfahren oder Joggen ein (11). Die größte Sportveranstaltung in Peine ist jährlich der Peiner Triathlon, der fast 1000 Athleten an den Eixer See lockt.

Religionen[Bearbeiten]

Peine ist Sitz eines Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises, er gehört zum Sprengel Hildesheim-Göttingen der Landeskirche Hannovers. Zum Kirchenkreis gehört in der Kernstadt Peine die St.-Jakobi-Kirche in der Stadtmitte, in der heutigen Form Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, sowie die Friedenskirche in der Gunzelinstraße und die Martin-Luther-Kirche in der Südstadt, beide 1955 errichtet. Ferner die St.-Johannis-Kirche aus der Nachkriegszeit auf Telgte und die Horstkirche (St. Nicolai) in der Horst, eine Fachwerkkapelle aus dem 18. Jahrhundert. Weitere evangelische Kirchen und Kapellen befinden sich in den Stadtteilen Berkum, Dungelbeck, Duttenstedt, Eixe, Essinghausen, Handorf, Röhrse, Rosenthal, Schmedenstedt, Schwicheldt, Stederdorf, Vöhrum und Woltorf.

St.-Barbara-Kirche

Die katholische Kirche Zu den heiligen Engeln wurde 1867/68 am heutigen Von-Ketteler-Platz errichtet und in den 1920er Jahren durch die inzwischen profanierte Herz-Jesu-Kapelle in der Südstadt ergänzt. Weitere Kirchen wurden nach 1945 in den heutigen Stadtteilen Dungelbeck, Stederdorf und Vöhrum erbaut, ferner 1960 auf dem Telgter Friedhof an der Vöhrumer Straße die St.-Barbara-Kirche. In Essinghausen befand sich eine Notkapelle. Sämtliche katholischen Kirchen in Peine gehören heute zur Pfarrgemeinde Zu den heiligen Engeln und zum Dekanat Braunschweig.

Zur Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Peine (Baptisten) gehört die Christuskirche am Rosenhagen. Die Gemeinde gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland. Eine Neuapostolische Kirche befindet sich im Stadtteil Vöhrum. Ihre Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Braunschweig. Eine weitere Kirche befand sich in der Spittastraße 5, am 7. Oktober 2012 fand dort der letzte Gottesdienst statt. Die Adventgemeinde Peine am Werderpark gehört zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Ein Königreichssaal der Zeugen Jehovas befindet sich in der Horst.

Neben den christlichen sind inzwischen auch islamische Religionsgemeinschaften in Peine ansässig. Die drei Moscheen in Peine befinden sich alle in der Südstadt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Denkmal für Friedrich von Bodenstedt auf dem Marktplatz (2001)
Der evangelische Theologe und Religionswissenschaftler Rudolf Otto, Autor des Standardwerks Das Heilige
Der Schauspieler Otto Sander auf der Berlinale 2008

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Cordt Wolters, auch Konrad Wolters († 1591), Ratsherr der Hansestadt Lübeck und Unteradmiral der Lübecker Flotte im Dreikronenkrieg
  • Johann Friedrich Meister (* vor 1638; † 1697), Komponist und Organist
  • Friedrich Konrad Griepenkerl (1782–1849), Germanist, Pädagoge, Musikwissenschaftler und Dirigent
  • Friedrich von Bodenstedt (1819–1892), Schriftsteller und Dichter, seit 1889 Ehrenbürger der Stadt. Bodenstedt reiste im Laufe seines Lebens unter anderem nach Russland und in die Vereinigten Staaten, wobei er auch viele Reiseberichte verfasste.
  • Otto Spiegelberg (1830–1881), Gynäkologe
  • Julius Spiegelberg (1833–1897), Unternehmer, Gründer der ersten Jutespinnerei auf dem europäischen Festland in Vechelde
  • Wilhelm Krasnapolsky (1834–1912), Stifter des Peiner Herzbergs
  • Christian von Krogh (1863–1924), Offizier und Resident der Kaiserlichen Residentur Adamaua in Kamerun
  • Rudolf Otto (1869–1937), evangelischer Theologe und Religionswissenschaftler
  • Hermann Dießelhorst (1870–1961), Physiker und ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Braunschweig
  • August Karsten (1888–1981), deutscher Politiker (SPD)
  • Paul Oskar Schuster (1888–1971), deutscher Politiker (NSDAP, später CDU)
  • Fritz Vielstich (1895–1965), NSDAP-Politiker, SA-Führer, Abgeordneter des Preußischen Landtags und des Reichstags
  • Frieda Mätz (1902–1975), deutsche Politikerin (SPD)
  • Axel Schaffeld (1904–1932), NS-Hochschulgruppen- und SA-Sturmführer
  • Friedrich Hartjenstein (1905–1954), SS-Obersturmbannführer und KZ-Kommandant
  • Karl Munzel (1906–1994), Jurist, Kommunalpolitiker und Landrat für Peine
  • Werner Schönfelder (1908–1982), Theologe und Politiker (Deutsche Partei, CDU)
  • Hans Schmidt (1910–1984), Politiker (SPD) und Mitglied des Niedersächsischen Landtages
  • Ludwig Almstadt (1922–2009), Architekt und Baubeamter
  • Sally Perel (* 1925), Verfasser der Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“
  • Gerhard Heimann (* 1934), deutscher Politiker (SPD)
  • Marlies Hesse (* 1935), Bibliothekarin, Journalistin und Schriftstellerin
  • Ulrich Biel (* 1947), deutscher Politiker (SPD), 2003–2008 Vizepräsident des Niedersächsischen Landtages
  • Hans-Hermann Hoppe (* 1949), deutscher Volkswirt der Österreichischen Schule
  • Klaus-Peter Brandes (* 1950), Diplomat
  • Peter Bittorf (*1952), Professor für öffentliches Recht Uni Hannover
  • Klaus-Werner Jonas (* 1954), Politiker (SPD)
  • Ulrike Gerold (* 1956), deutsche Schriftstellerin
  • Gerhard Wegner (* 1956), deutscher Ökonom
  • Matthias Möhle (* 1959), seit 2008 Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags (SPD)
  • Ralf Liedtke (* 1960), Philosoph und Professor an der Universität Bamberg
  • Henning Ahrens (* 1964), Übersetzer und Schriftsteller, lebt in der Ortschaft Handorf
  • Stefan Treue (* 1964), Neurowissenschaftler und Professor an der Universität Göttingen
  • Caren Miosga (* 1969), deutsche Journalistin und Moderatorin (u. a. der Tagesthemen)
  • Lothar Veit (* 1973), Journalist, Autor und Songschreiber
  • Holger Speckhahn (* 1974), deutscher Fernsehmoderator, Model, Schauspieler und Golf-Pro
  • Ramazan Yıldırım (* 1975), ehemaliger türkischer Profifußballspieler, derzeit Cheftrainer beim VfL Sportfreunde Lotte

Persönlichkeiten, die in Peine gewirkt haben oder wirken[Bearbeiten]

Haus am Marktplatz mit Gedenktafel für Friedrich Spee
  • Friedrich Spee von Langenfeld (* 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf; † 1635 in Trier), Jesuit, Moraltheologe, Lyriker und geistlicher Schriftsteller, wirkte in den Jahren 1628 und 1629 in Peine.
  • Anton van Norden (* 1879 in Loga (Leer); † 1955 in Peine), Architekt und Stadtbaumeister.
  • Richard Langeheine (* 1900 in Eixe bei Peine; † 1995 in Peine) war ein Politiker der Deutschen Partei, der Gesamtdeutschen Partei sowie zuletzt der CDU und niedersächsischer Justizminister (1955–1956) und Kultusminister (1965–1970).
  • Dietrich Wilde (* 1909 in Suderode; † 1984 in Peine), Stadtdirektor in Peine, Träger des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse, war von 1939 bis 1945 Wahlverteidiger an Sondergerichten, Kriegsgerichten und am Volksgerichtshof (u. a. Verteidiger von Angeklagten zum Attentat vom 20. Juli 1944).
  • Richard Vetter (* 1919; † 2000), Unternehmer und Erfinder des Brennwertkessels
  • Burkhard Driest (* 1939 in Stettin), deutscher Schauspieler und Drehbuchautor. Er besuchte 1957–1958 das Ratsgymnasium, von dem er wegen mehrfachen Verstoßes gegen „Zucht und Ordnung“ verwiesen wurde. Kurz vor Ende seines Jurastudiums überfiel er eine Bankfiliale (1965), wofür er zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.
  • Otto Sander (* 1941 in Hannover; † 2013 in Berlin), aufgewachsen in Peine. Er war Schauspieler und spielte u. a. in Das Boot, Die Blechtrommel und Polizeiruf 110 mit. Außerdem war er der Stiefvater der Schauspieler Ben Becker und Meret Becker.
  • Udo Willenbücher (* 1944 in Nordhorn) war von 1996–2001 Stadtdirektor und von 2001–2006 erster hauptamtlicher Bürgermeister.
  • Oliver Kalkofe (* 1965 in Hannover), Komiker, Kolumnist und Schauspieler, wuchs unter anderem in Peine auf und machte dort am Gymnasium am Silberkamp sein Abitur. Kalkofe macht heute noch gern Witze über die Stadt.
  • Patrik Fichte (* 1965 in Düsseldorf), Schauspieler und Synchronsprecher, wuchs in Peine auf. Er ging nach der 11. Klasse vom Gymnasium am Silberkamp ab und wurde Schauspieler. Er spielte u. a. in Verbotene Liebe, Bianca – Wege zum Glück und Alarm für Cobra 11 mit.
  • Hubertus Heil (* 1972 in Hildesheim), Politiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Er war von November 2005 bis November 2009 SPD-Generalsekretär und wurde zuletzt 2013 als Direktkandidat für den Bundestagswahlkreis Gifhorn – Peine in den Bundestag gewählt.

Ehrenbürger der Stadt Peine[Bearbeiten]

  • Friedrich von Bodenstedt (1819–1892)
  • Gerhard Lucas Meyer (1830–1916)
  • Heinrich Meyeringh (1889–1979)
  • Anton Görgner (1897–1988), Kommunalpolitiker
  • Hermann Giere (1898–1987), Kommunalpolitiker
  • Richard Langeheine (1900–1995)
  • Gerhard Heinze (1916–1997), seit 1991 Ehrenbürgermeister der Stadt Peine
  • Willy Boß (* 1931), Stadtdirektor der Stadt Peine von 1972 bis 1996.

Literatur[Bearbeiten]

  • E. F. J. Koch: Geschichte der Dynastie, des Amtes, der Stadt, Burg und Festung Peina in Niedersachsen. Hermann Heuer, Peina 1850. (Digitalisat)
  • Dietrich Wilde, Werner Raddatz: Peine, die schaffende Stadt. Mimos Verlag, Hameln 1960.
  • Theodor Müller, Artur Zechel: Die Geschichte der Stadt Peine. Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des 30-jährigen Krieges. Madsack, Hannover 1972.
  • Annette von Boetticher: Geschichtliches Ortsverzeichnis des Landkreises Peine. (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Bd. 30; = Geschichtliches Ortsverzeichnis von Niedersachsen. Bd. 6). Hahn, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5833-7.
  • Dieter Löhr: Peine. Sutton, Erfurt 2000, ISBN 3-89702-247-8.
  • Michael Utecht: Die Peiner Eule. Vom Spottnamen zum Wahrzeichen. In: Kauzbrief. 16, 2004, ZDB-ID 2051627-7, S. 31–36. (pdf, 626 kB)
  • Jürgen Dieckhoff: Die Geschichte der Stadt Peine. 4. Band: Auf dem Weg ins neue Jahrtausend. 1. Auflage. 2009.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. a b Der Stadt Peina Statuta Ihre Policeisachen betreffende, vom Rathe, vier Mannen, Ambt und Gilden sampt ganzer Burgerschaft bewilliget vnd angenommen worden Anno Dni 1597. Peine 1597.
  3. a b Stadt Peine: Ortschaften in Zahlen (31. Oktober 2012) (PDF; 13 kB)
  4. a b Geschichte von Stadt und Amt Peine
  5. Artikel der Peiner Allgemeinen Zeitung: „Historiker belegt Stadtgründung 1218“
  6. Artikel der Peiner Allgemeinen Zeitung zu mittelalterlichen Silberfunden in Peine: „Die Chemie des Reichtums“
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 217.
  8. Statistische Veröffentlichungen des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) Statistische Berichte Niedersachsen (PDF; 544 kB)
  9. a b Michael Utecht: Die Peiner Eule. Vom Spottnamen zum Wahrzeichen (PDF; 641 kB), in: Kauzbrief 16 (2004), S. 31–36.
  10. Stadt Peine online: Freundschaftsvertrag mit Asselheim - Deutschland
  11. Regionales Strassenverkehrskonzept für den Zweckverband Grossraum Braunschweig (PDF; 217 kB)
  12. Stadt Peine online
  13. Stadt Peine: Bahnhof Peine
  14. Logistik Portal Niedersachsen
  15. rausch-schokolade.de
  16. pelikan.com
  17. paz-online.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien