Samuel Maharero

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die Brüder Julius Maharero (links) und Samuel Maharero, Okahandja 1895
Theodor Leutwein (links sitzend), Zacharias Zeraua (2. von links) und Manasse Tyiseseta (sitzend, 4. von links), 1895

Samuel Maharero (* 1856; † 14. März 1923) war Sohn des Maharero und von 1890 bis 1915 Gruppenführer der Ovaherero in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia und führte die Herero in den Aufstand gegen die deutsche Schutztruppe.

Biographie[Bearbeiten]

Das Volk der Herero hatte ab 1840 nahezu ständigen Kontakt mit europäischen Missionaren, was es mit sich brachte, dass insbesondere die Kapteins-Söhne im Lesen und Schreiben unterwiesen wurden. Dies widerfuhr auch Samuel Maharero und zwar offensichtlich mit so großem Erfolg, dass er, zusammen mit seinem Bruder Wilhelm, von Missionar Carl Hugo Hahn als Nachwuchspriester ausersehen und als einer der ersten Schüler in die von Hahn gegründete Priesterschule Augustineum in Otjimbingwe aufgenommen wurde.[1]

Nach dem Tod seines Vaters Maharero ua Tjamuaha 1890 übernahm Samuel Maharero die Regentschaft – eine Entscheidung, die unter den Herero umstritten war. Im Interesse der Festigung seiner Führerschaft suchte und fand Samuel Maharero zunächst ein durchaus gutes Einvernehmen mit der deutschen Kolonialverwaltung unter dem Gouverneur Theodor Leutwein, woraus sich zwischen den beiden Männern eine Freundschaft entwickelte, obwohl er den wachsenden Einfluss der Deutschen mit Argwohn sah. Leutwein galt – schon mangels ausreichender militärischer Bedeckung – als Mann des Ausgleichs und war ebenfalls an einem friedlichen Zusammenleben interessiert. Leutwein versuchte, durch eine strengere Genehmigungspraxis bei anstehenden Landverkäufen dem Ausverkauf des Hererolandes Einhalt zu gebieten; Samuel Maharero revanchierte sich damit, dass er Leutwein auf einer mehrmonatigen Erkundungstour durch den Norden Südwest-Afrikas begleitete und der deutschen Schutztruppe – entsprechend dem noch mit seinem Vater abgeschlossenen Schutzvertrag von 1890 – Anfang 1896 aktive militärische Unterstützung bei der Abwehr von Angriffen der Ostherero auf Gobabis gewährte.

1897 allerdings verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Herero dramatisch. Die von Südafrika hereinbrechende Rinderpest und eine verheerende Heuschreckenplage kostete die Herero 70 Prozent ihres Viehbestandes und zwang sie zu weiteren Landverkäufen und schließlich sogar zur Lohnarbeit bei den deutschen Siedlern. Hierbei kam es immer wieder zu – auch sexuellen – Übergriffen durch die deutschen Farmer, ohne dass dem von der schon bestehenden deutschen Gerichtsbarkeit in angemessener Weise entgegengetreten wurde. Der Unmut der Herero wurde ferner durch das zunehmende Händlerunwesen und deren Kreditvergabepraxis gefördert, so dass sich Samuel Maharero 1901 zu einer formellen Eingabe an den Gouverneur genötigt sah. Leutwein verbot daraufhin am 7. Juni 1902 den schuldtilgenden Landverkauf und untersagte den Händlern die Inanspruchnahme der Kapteine für die Schulden ihrer Stämme. Dennoch blieb es bei den Übergriffen der Farmer auf die Herero (das angebliche Recht zur "väterlichen Züchtigung" wurde insbesondere von den aus Südafrika nach Südwest flüchtenden Buren in besonders brutaler Weise angewandt). Ein weiterer Stein des Anstoßes war die selbstherrliche Landnahme durch die Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft (OMEG). Die von dieser Gesellschaft im Zusammenhang mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes vorgenommene Schienenverlegung quer durch das Hereroland erfolgte ohne Genehmigung oder gar gegen den erklärten Willen der Herero-Landeigentümer.

Da die formellen Eingaben Samuel Mahareros keine befriedigende Wirkung hatten, mobilisierte er schließlich 1903 auch die übrigen Herero-Führer gegen den zunehmenden Landraub und die von den deutschen Kolonialisten ausgehenden ständigen Demütigungen. Im Vorfeld versuchte er zwar, auch andere Stämme als Verbündete zu gewinnen, so den ehemaligen Kriegsgegner Hendrik Witbooi; die jedoch lehnten einen Beitritt zu dem geplanten Aufstand mit Rücksicht auf die mit den Deutschen bestehenden Schutzverträge ab und stellten sich im Gegenteil sogar auf die deutsche Seite. Unerwartete Schützenhilfe allerdings erwuchs Samuel Maharero durch die bei Warmbad ansässigen Bondelswart. Dieser Nama-Stamm hatte sich im Zusammenhang mit der Registrierung ihrer Waffen gegen die Deutschen erhoben und führte im Süden des Landes einen die Hauptmacht der deutschen Schutztruppe bindenden Kleinkrieg, so dass der übrige Teil des Landes truppenmäßig weitgehend entblößt war. So konnte es nicht verwundern, dass der am 12. Januar 1904 von Maharero in Okahandja ausgelöste Hereroaufstand die ohnehin zahlenmäßig unterlegene Schutztruppe nicht nur überraschte, sondern auch militärisch völlig überforderte.

Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste

Die schnellen Anfangserfolge der Herero führten zu einer raschen Ausweitung des Aufstandes auf das gesamte Hereroland. Gouverneur Theodor Leutwein versuchte zwar noch eine Verhandlungslösung, wurde deshalb jedoch – angesichts der von den Aufständischen ermordeten Farmerfamilien – sowohl von den europäischen Siedlern als auch von der Reichsregierung in Berlin heftig kritisiert. Leutwein wurde als militärischer Befehlshaber von Deutsch-Südwest-Afrika abgelöst und durch den mit einer Truppenverstärkung von rund 15.000 Soldaten am 11. Juni 1904 anlandenden Generalleutnant Lothar von Trotha ersetzt. Dieser setzte als erste Maßnahme ein Kopfgeld von 5.000 Mark für die Gefangennahme Samuel Mahareros aus und bekämpfte die Herero mit aller Härte. Der sogenannte Schießbefehl Trothas, und dessen Auswirkungen, brachte die deutsche Truppe in Verruf. Bei der Schlacht am Waterberg wurden die Herero am 14. August 1904 vernichtend geschlagen und in die Omaheke-Wüste getrieben, wo mehrere tausend von ihnen verdursteten.

Samuel Maharero gelang es, der drohenden Vernichtung mit ca 1500 Angehörigen seines Volkes durch die Omaheke-Wüste nach Britisch-Betschuanaland (heute Botswana) zu entkommen. Dort starb er 1923. Sein Leichnam wurde nach Okahandja überführt und dort am 26. August 1923 mit großem Zeremoniell unter Leitung des neuen Herero-Führers Hosea Kutako beigesetzt.

Im heutigen Namibia wird Samuel Maharero als Held verehrt. Sein Begräbnisplatz ist Ausgangspunkt des alljährlich im August stattfindenden Hererotages – des nach dem Unabhängigkeitstag wichtigsten Stammesfeiertags der namibischen Bevölkerung.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Samuel Maharero – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich Vedder: Das alte Südwestafrika - Südwestafrikas Geschichte bis zum Tode Mahareros 1890, Martin Warneck Verlag, Berlin 1934, Seite 496