Sand-Segge

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Sand-Segge
Sand-Segge (Carex arenaria)

Sand-Segge (Carex arenaria)

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Sauergrasgewächse (Cyperaceae)
Gattung: Seggen (Carex)
Art: Sand-Segge
Wissenschaftlicher Name
Carex arenaria
L.
Ausläufer der Sand-Segge

Die Sand-Segge (Carex arenaria) gehört zur Gattung der Seggen (Carex). Das vor allem in Küsten- und Binnendünen wachsende Sauergrasgewächs (Cyperaceae) bildet mit einem meterweit kriechenden Rhizom („Wurzelstock“), von dem aus alle 5 bis 10 Zentimeter neue Sprosse emporwachsen, fast schnurgerade Reihen. Es wird daher landläufig als „Soldatensegge“ oder „Nähmaschine Gottes“ bezeichnet. Die Pflanze ist ein Sandbodenpionier und festigt durch ihr Wurzelwerk den lockeren Sand der Dünen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Sand-Segge ist Nord-, West- und Mitteleuropa verbreitet. Nach Nordamerika wurde die Art eingeschleppt. Sie besiedelt trockene, lockere, basenarme und meist kalkfreie, saure Sandböden der Küstendünen von Portugal bis Südskandinavien. Ferner kommt sie auf Flugsandebenen und -dünen des Binnenlandes vor.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die immergrüne, ausdauernde Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 30 Zentimetern. Im Schatten wachsende Pflanzen können zuweilen 1 Meter hoch werden. Die Segge bildet lange, meterweit meist schnurgeradeaus kriechende Ausläufer. Mit Hilfe ihres Rhizoms kann sie zwischen 0,5 und 4 Meter weit wandern. Die älteren Rhizomabschnitte sterben dabei ab. Die im Durchmesser 2 bis 3 Millimeter messenden Rhizome tragen braune, sich faserig auflösende Niederblätter. Die scharf dreikantigen und oben rauen Stängel und die starren, rinnigen und 2 bis 4 Millimeter breiten Blätter wachsen steif aufrecht. Schattenformen wachsen dagegen oft bogig überhängend. Die Blattscheiden sind braun.

Die Blütenstände sind ährig. Sie werden zwischen 2 und 5 Millimeter lang und setzen sich aus fünf bis 15 Ährchen zusammen. Die unteren Ährchen tragen weibliche Einzelblüten; die mittleren am Grunde weibliche und an der Spitze männliche Blüten; die oberen Einzelblüten sind rein männlich. Bei Schattenformen sind die unteren Ährchen oft auseinandergezogen, sonst dicht stehend. Die zugespitzten und gelblichen Spelzen sind schmal und eiförmig-lanzettlich geformt. Die männlichen Blüten tragen drei Staubblätter und die weiblichen Blüten sind mit einem zweinarbigen Fruchtknoten ausgestattet. Die plankonvexen und an den Rändern breit geflügelten Fruchtschläuche (Utriculi) sind etwas länger als die Spelzen. Sie messen 4 bis 5 Millimeter in der Länge und 1,8 bis 2 Millimeter in der Breite. Sie sind zweizähnig geschnäbelt. Reife Ähren werden braun. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juni.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 58, 64.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Sand-Segge ist ein immergrüner Geophyt oder Hemikryptophyt. Ihre unterirdischen Ausläufer sind bis zu 10 m lang, nur 2-3 mm dick und scharfspitzig. Von ihnen gehen in regelmäßigen Abständen oberirdische Sprosse mit Adventivwurzeln aus. Die jungen Sprosse bestehen im Wesentlichen aus Büscheln schmal-rinniger Blätter.

Die eingeschlechtlichen und vorweiblichen Blüten sind windblütig vom „Langstaubfädigen Typ“, und sie produzieren reichlich Pollen. Neben Windbestäubung ist auch Selbstbestäubung erfolgreich. Der Pollen von Carex-Arten duftet und wird wohl deshalb auch von Insekten angenommen, wodurch es auch zur Insektenbestäubung kommen kann. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juni.

Die Frucht und Ausbreitungseinheit der Carex-Arten ist eine vollständig von einem Utriculus eingehüllte kleine Nuss, also eine biologische Kapsel. Dabei können das oft geschnäbelte, 2-zähnige Ende des Utriculus zur Klettausbreitung und die zwischen Utriculus und eigentlicher Frucht eingeschlossene Luftblase- namentlich bei allen Nässe liebenden Arten- zur Schwimmausbreitung dienen. Speziell bei der Sand-Segge kommt dazu die Ausbreitung als Regenschwemmling und wegen der im unteren Teil geflügelten Utriculi wohl auch die Ausbreitung als Adhäsionshafter.

Die vegetative Vermehrung bei der Sand-Segge herrscht vor, sie erfolgt durch die Ausläufer.

Die oberflächennahen Feinwurzeln ermöglichen eine Wasserversorgung auch an trockenen Standorten. Sie benötigt zur Keimung viel Feuchtigkeit. Erst nach drei Monaten, in denen der Keimling nicht austrocknen darf, ist das Rhizom kräftig genug, um die Pflanze aus dem Boden mit Wasser zu versorgen. Mit Hilfe ihrer tiefgreifenden Haftwurzeln kann sich die Sand-Segge im lockeren, leicht vom Wind verwehten Sand leicht verankern. Wird sie übersandet, bildet sie rasch neue Sprosse. Sie kann die Vegetationslücken in den Dünen auf diese Weise schnell schließen. Außerdem breitet sie sich über Stolonen aus - Ausläufer, die auf einer geraden Linie Pflanzen aus dem Boden wachsen lassen. So kann die Pflanze offene Stellen im Sand quasi wie eine Nähmaschine "zunähen".

Nutzung[Bearbeiten]

In seltenen Fällen wird die Sand-Segge zur Dünenfestigung eingesetzt. Das Rhizom der Sand-Segge wurde früher als blutreinigendes, harn- und schweißtreibendes Mittel verwendet.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für die Sand-Segge bestehen bzw bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Eiserpäther, Eiserpeden, Kalmuspoden, groten Pägen (Altmark), grot Queck (Mecklenburg) und Reiserwurzel (Rendsburger Apotheke).[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • J. Grau, B. P. Kremer, B. M. Möseler, G. Rambold & D. Triebel: Gräser, Mosaik-Verlag, München 1996, ISBN 3-576-10702-9
  • H. Haeupler & Th. Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Ulmer Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4
  • E. Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1828-7
  • Rainer Borcherding: Die Sandsegge. Online PDF, abgerufen am 1. September 2007
  • R. Düll/ H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sand-Segge – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 81. (online).