Santa Maria in Via Lata

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Basisdaten
Patrozinium: Hl. Maria
Weihetag:
Kardinaldiakon: Edward Idris Cassidy
Kardinalpriester pro hac vice
Anschrift: Via del Corso 306
00186 Roma
Die Fassade von Pietro da Cortona

Die Kirche Santa Maria in Via Lata (lat.: Sanctae Mariae in Via Lata) ist eine römische Titeldiakonie und Rektoratskirche. Sie entstand im Barock auf wesentlich älteren Vorgängerbauten und beherbergt unter anderem Grablegen der Familie Bonaparte.

Lage[Bearbeiten]

Die Kirche liegt im IX. römischen Rione Pigna an der Via del Corso (früher Via Lata) und direkt am Palazzo Doria-Pamphilj, etwa 400 Meter nördlich des Monumento Vittorio Emanuele II; kirchenrechtlich liegt sie auf dem Gebiet der Pfarrei Santi XII Apostoli.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die Kirche steht auf antiken römischen Gebäuderesten (genannt werden ein Lagerhaus, ebenso ein Triumphbogen aus der Zeit Diokletians, die Saepta Julia (Versammlungsraum der Centurien)). Auch gab es Vorgängerbauten des 8.,9. und 10. Jahrhunderts (s.u. Unterkirche). Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde die Kirche 1042.[1] Der Vorgängerbau des 10. Jahrhunderts wurde im 15. Jahrhundert umgebaut. Die heutige Gestalt, bis auf die Fassade, erhielt die Kirche durch Cosimo Fancelli in der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Äußeres[Bearbeiten]

Fassade[Bearbeiten]

Die Fassade, die vollständig aus Travertin erbaut wurde, wurde von Pietro da Cortona von 1658 bis 1662 errichtet. Er orientierte sich an Bauten Palladios für den bühnenartigen Aufbau der Fassade.

Im Erdgeschoss wird der mittlere Risalit durch vier Säulen mit gitterartiger Wirkung teilweise verdeckt. Die Fassadensäulen haben ungleiche Abstände, wobei der Abstand zwischen den beiden mittleren Säulen am größten ist. Die Sockel und die Kapitelle sind im korinthischen Stil gefertigt; die Säulen haben keine für diesen Stil typischen Hohlstreifen, jedoch die klassische Entasis. Auf dem Architrav ist die Inschrift DEIPARARE/ VIRGINI SEMPER IMMACVLATAE/ MDCLXII eingelassen.

Das Obergeschoss setzt mit einer Attika an und gibt im Allgemeinen die Gliederung des Erdgeschosses wieder. Auch hier ist die mittlere Achse als Risalit ausgeprägt. Ebenso gleichen die Abstände der vier korinthischen Säulen, die wie im Erdgeschoss keine Hohlstreifung aber die Entasis zeigen, der Anordnung der unteren Ebene. Die beiden seitlichen Säulenpaare tragen ebenfalls einen Architrav, während der Raum zwischen den beiden mittleren Säulen durch einen – für den Stil Andrea Palladios typischen – Halbkreisbogen überspannt wird, der in einen leeren Dreiecksgiebel hineinreicht.

Die Fassade steht in der Entwicklung da Cortonas nach der von Santi Luca e Martina und vor derjenigen von Santa Maria della Pace. Von der ersten Fassade übernahm da Cortona die Struktur, vereinfachte sie aber. In der zweiten Fassade führt er u.a. das Motiv der dorischen Ordnung weiter.[2] Gianlorenzo Bernini übernahm die starke Plastizität und Monumentalität für seine Fassade von Sant'Andrea al Quirinale.[2]

Seitenfronten[Bearbeiten]

Die rechte Seitenfront liegt an der heutigen Via Lata – einer kurzen Seitenstraße, die von der Via del Corso abzweigt und in die Piazza del Collegio Romano mündet. Der erste Teil der Seitenfront wird noch vom Fassadenbau und seiner Pilastergliederung gebildet. Im weiteren wird die Seitenwand dann durch eine Wandstreifung, deren oberer Abschluss der toskanischen Kapitellgestaltung ähnelt, gegliedert. In den durch diese architektonischen Elemente gebildeten Wandfeldern befinden sich die halben Kreisringfenster des rechten Seitenschiffs, die von profilierten Rundbögen umrahmt werden. Zwischen dem zweiten und dritten Fenster befindet sich das Wappen von Papst Innozenz VIII.

Die linke Seitenfront ist vollständig verbaut.

Campanile[Bearbeiten]

Der Campanile befindet sich an der linken Seite der Kirche und ist ein Werk von Martino Longhi dem Älteren von 1580. Von der Via del Corso ist er etwas zurückgesetzt und im Untergeschoss ebenso nicht sichtbar wie die gesamte linke Seitenfront der Kirche. Das erste sichtbare Geschoss ist relativ hoch und an den Ecken mit Pilastern im toskanischen Stil versehen. Im Glockengeschoss, das oberhalb des Gesimses der Kirche ansetzt, befinden sich auf allen vier Seiten hohe, offene Rundbogenfenster. An den Kanten befinden sich Voluten, die oberhalb der Einrollung Kapitelle im ionischen Stil tragen. Über dem abschließenden Gesimse des Campaniles befindet sich auf allen Seiten jeweils ein Segmentgiebel, der von einer kugeligen Bleibabdeckung überdacht wird.

Inneres[Bearbeiten]

Innenraum der Kirche

Grundstruktur[Bearbeiten]

Die Kirche wurde als dreischiffige Basilika gebaut. Die Säulen zwischen dem Haupt- und den Seitenschiffen sind aus rötlich gefärbtem Marmor gefertigt. Ein hervorspringendes umlaufendes Gesims oberhalb der Arkadenbögen, welches sich auch durch den Hochaltar zieht, gibt dem Inneren eine klare Struktur. Die Kirche wurde 1639 von Cosimo Fanzago renoviert und ist in reicher barocker Formensprache und Farbvielheit gestaltet.

Ausstattung[Bearbeiten]

Der Fußboden der Kirche zeigt Reste von Kosmatenarbeiten.

Das Mariengemälde des Hauptaltars von 1636 wird Gian Lorenzo Bernini zugeschrieben. Seine Urheberschaft ist aber nicht sicher.

In der Kirche bestattet sind Joseph Bonaparte und Lucien Bonaparte (linke Seite) mit weiteren Familienmitgliedern, weiterhin Antonio Teobaldo, ein Freund von Raffael; er starb 1547, sein Grabmal stammt erst aus dem 18. Jahrhundert (linkes Seitenschiff).

Unterkirche[Bearbeiten]

Im Untergeschoss der Kirche sind Reste von Vorgängerbauten zu sehen, an den Wänden Fresken des 8., 9. und 10. Jahrhunderts. Im vierten unterirdischen Raum befinden sich Fresken des 8. Jahrhunderts; thematisiert wird das Leben des Hl. Erasmus. Die Fresken sind ikononographisch angelegt, sie sind z. B. neben denen von San Saba ein Beispiel für den starken Einfluss der ostmediterraner Kunst zu dieser Zeit.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bussagli (Hrsg.): Rom – Kunst & Architektur, S. 223
  2. a b Tomann (Red.): Die Kunst des Barock: Architektur, Skulptur, Malerei., S. 39
  3. Bussagli (Hrsg.): Rom – Kunst & Architektur, S. 213

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Buchwiecki: „Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart“, Bd. 3, Hollinek, Wien 1974.
  • Johann M. Wiesel: „Rom. Ein Kunst- und Reiseführer“, 7. Aufl., Kohlhammer, Stuttgart 1980. ISBN 3-17-005633-6
  • Manfred Wundram (Hrsg.): „Reclams Kunstführer Italien. Band V. Rom und Latium“, Reclam, Stuttgart 1981. ISBN 3-15-008679-5
  • Rolf Tomann (Red.): „Die Kunst des Barock. Architektur, Skulptur, Malerei“, Könemann, Köln 1997. ISBN 3-89508-991-5
  • Marco Bussagli (Hrsg.): „Rom – Kunst & Architektur“, Könemann, Köln 1999. ISBN 3-8290-2258-1

Weblink[Bearbeiten]

41.89813888888912.481277777778Koordinaten: 41° 53′ 53,3″ N, 12° 28′ 52,6″ O