Kardinalsklasse
Das Kardinalskollegium der römisch-katholischen Kirche ist in drei Kardinalsklassen (lateinisch ordines) unterteilt. Diese Rangordnung unterscheidet Kardinalbischöfe, Kardinalpriester und Kardinaldiakone und ist eine reine Ehrenrangfolge; sie hat keinen Einfluss auf das Wahlrecht im Konklave. Lediglich der Leiter der Papstwahl (höchstrangiger stimmberechtigter Kardinalbischof) und der Verkünder des neuen Papstes (Kardinalprotodiakon) werden dadurch bestimmt.
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Allgemeines [Bearbeiten]
Ursprünglich wurden die Bischöfe von Klerus und Volk gewählt, so auch in Rom. Im Laufe der Jahrhunderte wurde festgelegt, dass für die Papstwahl nur noch jene Kleriker wahlberechtigt waren, die entweder Bischöfe der umliegenden Bistümer, Pfarrer einer Titelkirche oder Leiter einer Diakoniestation waren. Diese wahlberechtigten Kleriker wurden Kardinäle genannt und waren einst, ihren Aufgaben entsprechend, Bischöfe, Priester oder Diakone. Vor der Liturgiereform in den 1960er Jahren trugen die Kardinäle je nach Rangordnung eine andere liturgische Kleidung bei Papstmessen: Kardinaldiakone trugen Dalmatiken, Kardinalpriester Kaseln und Kardinalbischöfe Pluvialia.
Heute müssen nach katholischem Kirchenrecht alle Inhaber der Kardinalstitel Priester sein und sollten geweihte Bischöfe sein. Von der Bischofsweihe kann der Papst dispensieren. Zwar werden solche Dispensen ausnahmslos nur für Kardinaldiakone erteilt, sie können aber trotzdem nach zehn Jahren in die Klasse der Kardinalpriester aufsteigen.
Derzeit gibt es vier Kardinäle ohne Bischofsweihe:
- der ehemalige Präsident von Radio Vatikan, Roberto Kardinal Tucci (* 1921 – 2001 zum Kardinal ernannt, 2011 zum Kardinalpriester erhoben)
- der französische Theologieprofessor Albert Kardinal Vanhoye (* 1923 – 2006 zum Kardinal ernannt)
- der italienische Kirchenmusiker Domenico Kardinal Bartolucci (* 1917 – 2010 zum Kardinal ernannt)
- der deutsche Theologieprofessor Karl Josef Kardinal Becker SJ (* 1928 – 2012 zum Kardinal ernannt)
Kardinalbischöfe [Bearbeiten]
Zu dieser Klasse gehören die Bischöfe, denen als Titel die suburbikarischen Bistümer zugeordnet sind. Außerdem gehören seit 1965 die mit Rom unierten orientalischen Patriarchen mit eigenem Patriarchalsitz dieser Klasse an. Vorsitzender des Kardinalskollegiums und ranghöchster Kardinalbischof ist der Kardinaldekan.
Die Kardinalbischöfe sind:
- Angelo Kardinal Sodano – Kardinaldekan (Ostia seit 21. April 2005) und -bischof von Albano (seit 10. Januar 1994)
- Roger Kardinal Etchegaray – Kardinalsubdekan und Kardinalbischof von Porto-Santa Rufina (seit 24. Juni 1998)
- Giovanni Battista Kardinal Re – Kardinalbischof von Sabina-Poggio Mirteto (seit 1. Oktober 2002)
- Francis Kardinal Arinze – Kardinalbischof von Velletri-Segni (seit 25. April 2005)
- Tarcisio Kardinal Bertone SDB – Kardinalbischof von Frascati (seit 10. Mai 2008)
- José Saraiva Kardinal Martins CMF – Kardinalbischof von Palestrina (seit 24. Februar 2009)
- Nasrallah Pierre Kardinal Sfeir – emeritierter Patriarch der Maroniten (seit 26. November 1994)
- Emmanuel III. Kardinal Delly – emeritierter Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche (seit 24. November 2007)
- Antonios Kardinal Naguib – emeritierter Patriarch der koptisch-katholischen Kirche (seit 20. November 2010)
- Béchara Pierre Raï OMM – Patriarch der Maroniten (seit 24. November 2012)
Kardinalpriester [Bearbeiten]
Dieser Klasse sind jene Bischöfe zugeordnet, denen eine Titelkirche in Rom zugewiesen ist. Zurzeit gibt es ca. 150 Kardinalpriester. Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum sind Christoph Kardinal Schönborn (Erzbischof von Wien und Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz), Joachim Kardinal Meisner (Erzbischof von Köln), Friedrich Kardinal Wetter (emeritierter Erzbischof von München und Freising), Reinhard Kardinal Marx (Erzbischof von München und Freising), Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbischof von Berlin), Karl Kardinal Lehmann (Bischof von Mainz und ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz) sowie Walter Kardinal Kasper (emeritierter Kurienkardinal). Der ranghöchste (d. h. dienstälteste) Kardinalpriester wird auch als protoprete bezeichnet. Dienstältester Kardinalpriester ist gegenwärtig der emeritierte Erzbischof von São Paulo, Paulo Evaristo Arns, der im Konsistorium 1973 von Papst Paul VI. kreiert wurde.
Kardinaldiakone [Bearbeiten]
Dieser Klasse gehören Bischöfe an, denen der Titel einer römischen Diakonie zugewiesen ist. Derzeit gibt es ca. 30 Kardinaldiakone. Nach frühestens 10 Jahren haben Kardinaldiakone das Recht, den Papst um die Erhebung in den Stand eines Kardinalpriesters zu bitten und auf eine Titelkirche zu optieren (lateinisch optatio). Um nicht ihren Titel nicht wechseln zu müssen, kann ihre Titeldiakonie auch vom Papst pro hac vice in den Rang einer Titelkirche erhoben werden. Kardinaldiakone aus dem deutschsprachigen Raum sind Paul Josef Kardinal Cordes, Walter Kardinal Brandmüller und Kurt Kardinal Koch. Der ranghöchste (d. h. dienstälteste) Kardinaldiakon wird Kardinalprotodiakon (früher auch Kardinalerzdiakon) genannt und ist Primus inter pares unter den Kardinälen dieser Klasse. Er verkündet den Namen des neugewählten Papstes von der Benediktionsloggia aus der Öffentlichkeit. Derzeitiger Kardinalprotodiakon ist Jean-Louis Kardinal Tauran.
Ehrenrangfolge [Bearbeiten]
Die Ehrenrangfolge (Präzedenz) unter den Kardinälen, die auch die Reihenfolge der Stimmabgabe im Konklave bestimmt, ist grundsätzlich Kardinalbischöfe – Kardinalpriester – Kardinaldiakone. Innerhalb der Kardinalränge gilt folgende Rangordnung:
- Kardinalbischöfe
- Kardinaldekan
- Kardinalsubdekan
- Kardinalbischöfe mit suburbikarischem Titel (innerhalb dieser Gruppe nach dem Datum der Kreierung)
- Kardinalbischöfe mit eigenem Titel (d. h. die mit Rom unierten orientalischen Patriarchen; innerhalb dieser Gruppe nach dem Datum der Kreierung)
- Kardinalpriester
- Kardinalprotopriester (der dienstälteste Kardinalpriester)
- Kardinalpriester (nach dem Datum der Kreierung)
- Kardinaldiakone
- Kardinalprotodiakon (der dienstälteste Kardinaldiakon)
- Kardinaldiakone (nach dem Datum der Kreierung)
Literatur [Bearbeiten]
- Jürgen Erbacher: Der Vatikan. Das Lexikon. St. Benno, Leipzig [2009], S. 205, ISBN 978-3-7462-2752-8
Weblinks [Bearbeiten]
- The Cardinals of the Holy Roman Church (englisch/spanisch)