Saul Aaron Kripke

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Saul Aaron Kripke (* 13. November 1940 in Bay Shore, Long Island, New York) ist ein amerikanischer Philosoph und Logiker. Er schrieb wegweisende Beiträge zur Logik, insbesondere auf dem Feld der Modallogik, und zur Sprachphilosophie, insbesondere zur Namenstheorie.

Saul Aaron Kripke (2005)

Leben[Bearbeiten]

Der Philosoph, Sohn der Autorin Dorothy und des Rabbiners Myer Kripke, studierte Mathematik an der Harvard-Universität. Bereits 1958 − im Alter von achtzehn Jahren − veröffentlichte Kripke eine Arbeit zur Modallogik unter dem Titel A Completeness Theorem in Modal Logic. Es folgten weitere grundlegende Untersuchungen. Von 1964 bis 1966 lehrte Kripke an der Princeton-Universität und von 1966 bis 1968 an der Harvard-Universität. Danach wurde er an die Rockefeller-Universität in New York berufen, wo er bis 1976 Philosophie lehrte. Im Jahr 1977 übernahm Kripke die McCosh-Professur für Philosophie an der Princeton-Universität.[1] Kripke ist Philosophieprofessor am CUNY Graduate Center.

Werk[Bearbeiten]

Kripke-Modell modallogischer Systeme

Kripke hat mit seinen modelltheoretischen Untersuchungen die moderne Modallogik grundlegend beeinflussen können. Matthias Schirn, Philosoph an der Universität München, schreibt hierzu:

Um eine Semantik für die Modallogik zu entwickeln, führt er den Begriff einer (normalen) Modellstruktur ein. Eine Modellstruktur (M.S.) ist ein geordnetes Tripel (G,K,R), wobei K eine (nicht-leere) Menge, R eine reflexive Beziehung über K und G ein Element von K ist. Intuitiv gesehen ist K die Menge aller möglichen Welten, G die wirkliche Welt, während R als relative Möglichkeit bestimmt ist. Hat man eine solche M.S., so ordnet ein Modell jeder atomaren Formel P einen Wahrheitswert Wahr (W) oder Falsch (F) in jeder der Menge K angehörenden Welt H zu.[2]

Seine ersten Arbeiten publizierte Saul Kripke in einigen Essays, die er schon als Jugendlicher begann. In seinen drei Anfang 1970 in Princeton gehaltenen und unter dem Titel Naming and Necessity veröffentlichten Vorträgen entwickelt er eine neue Theorie der Eigennamen. Während Frege und Russell noch davon ausgingen, dass Eigennamen Sinn und Bedeutung haben, sind für Kripke Eigennamen „starre Bezeichnungsausdrücke“ (rigid designators). Sie haben nur eine Bedeutung (Referenz); nur so können sie in allen möglichen Welten ein und denselben Gegenstand bezeichnen.

Weiterhin ist er bekannt für seinen Beitrag zur Entwicklung formaler Theorien, um die Lügnerparadoxie zu umgehen.

Kripke hat seit Ende der 80er Jahre nur wenige Arbeiten publiziert. In einer Sonderausgabe der Zeitschrift Mind (Oktober 2005) ist ein neuer Aufsatz von Kripke (Russell’s Notion of Scope) erschienen, der – ebenso wie andere Texte Kripkes – auf der Tonbandaufzeichnung eines Vortrags basiert. Er lehnt ein streng naturalistisches Weltbild und den Materialismus ab.[3]

Im Jahr 1982 legte Kripke mit Wittgenstein on Rules and Private Language eine viel diskutierte Interpretation des Werks von Ludwig Wittgenstein vor, deren Texttreue zwar umstritten ist, die aber großen Einfluss auf die weitere Diskussion der Philosophie Wittgensteins hat.[4] Diese spezifische Weiterentwicklung der Positionen Wittgensteins wird in der analytischen Philosophie des Öfteren mit dem Wortspiel „Kripkenstein“ bezeichnet.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichung (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Identity and Necessity. In: M.K. Munitz (Hrsg.): Identity and Individuation. New York 1971
  • Naming and Necessity. In: Gilbert Harman u. Donald Davidson (Hrsg.): Semantics of Natural Language. Reidel, Dordrecht, Boston 1972
  • Wittgenstein on Rules and Private Language. An Elementary Exposition. Harvard University Press, Cambridge [Ma.] 1982 ISBN 0-674-95401-7
    • Deutsche Ausgabe: Wittgenstein über Regeln und Privatsprache. Eine elementare Darstellung. Suhrkamp, Frankfurt 1987 ISBN 3-518-29383-4
  • Unrestricted Exportation and Some Morals for the Philosophy of Language, Collected Papers Bd. I, Oxford University Press. Podcast (MP3; 33,8 MB) der zugehörigen City University of New York LECTURE SERIES-Aufzeichnung vom 30. Juni 2008
  • Reference and Existence. The John Locke Lectures. Oxford University Press, Oxford etc. 2013 ISBN 978-0-19-992838-5
    • Deutsche Ausgabe: Referenz und Existenz. Die John-Locke-Vorlesungen. Aus dem Englischen übersetzt von Uwe Voigt. Reclam, Stuttgart 2014 ISBN 978-3-15-010966-3.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Schirn: Saul A. Kripke. In: Julian Nida-Rümelin (Hrsg.): Philosophie der Gegenwart. Kröner, Stuttgart 1991, S. 288.
  2. Matthias Schirn: Saul A. Kripke. In: Julian Nida-Rümelin (Hrsg.): Philosophie der Gegenwart. Kröner, Stuttgart 1991, S. 289.
  3. Andreas Saugstad: Saul Kripke: Genius logician. Go Inside Magazine vom 25. Februar 2001 (Siehe Weblink).
  4. Stegmüller schreibt, dass man sich wegen der außerordentlichen Wichtigkeit des Arguments, das beispiellos in der Geschichte der abendländischen Philosophie sei, auch dann damit intensiv beschäftigen solle, wenn man die historische Richtigkeit der Zuschreibung in Zweifel ziehe. Kripke hat selbst eingeräumt, dass er weder Wittgensteins noch ein eigenes Argument darstellen wolle, sondern ein bedeutendes philosophisches Argument, wie es auf ihn gewirkt hat, vgl. A. Rami: „Wittgensteins Paradoxon des Verstehens“, 56 (2002) ZfphilF, S. 2.
  5. Xin Sheen Liu: „Kripkenstein: Rule and Indeterminacy“, Paideia Archive.