Schicksalsgemeinschaft

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Eine Schicksalsgemeinschaft ist eine Gruppe von Personen, die einem gemeinsamen Schicksal ausgesetzt ist, z. B. einer risikobehafteten oder gefährlichen Situation.

Beispiele hierfür sind Schiffbrüchige, Geiseln oder in einem Bergwerk eingeschlossene Personen. Teilweise entsteht zwischen Geiseln und deren Geiselnehmern eine besondere Schicksalsgemeinschaft, die zu einem Stockholm-Syndrom führen kann.

„Schicksalsgemeinschaft“ in politischen Kontexten[Bearbeiten]

„Volk“ als „Schicksalsgemeinschaft“[Bearbeiten]

Vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch der Begriff des „Volkes“ häufig als Schicksalsgemeinschaft beschrieben.

Der Begriff ist – wie die Ausdrücke „Blutgemeinschaft“, „Volksgemeinschaft“ und „Blut- und Schicksalsgemeinschaft“ – ein in der Ideologie und Sprache des Nationalsozialismus oft gebrauchtes Schlagwort.

„Die reichsdeutschen Katholiken lassen sich in ihrer Treue zu Volk und Reich von niemand übertreffen und bejahen die nationalsozialistische Revolution, weil ein Gericht über das Zeitalter der individualistischen Absonderung und Auflösung war, eine Rückbesinnung auf die ewige Schöpfungsordnung, auf die Blut- und Schicksalsgemeinschaft der Deutschen und auf die völkische Wesensart.“

Alois C. Hudal: Die Grundlagen des Nationalsozialismus", 1936

„Wir sind durch Gottes Schöpfung hineingestellt in die Blut- und Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes und sind als Träger dieses Schicksals verantwortlich für seine Zukunft: Deutschland ist unsere Aufgabe, Christus ist unsere Kraft!“

Aus dem Bekenntnis der Deutschen Christen

Der Begriff wird auch heute noch in völkischen Kontexten gebraucht.

Auch andere Völker, wie zum Beispiel das jüdische Volk werden häufig als Schicksalsgemeinschaft dargestellt.[1]

Einwanderung und Schicksalsgemeinschaft[Bearbeiten]

Der CDU-Politiker Volker Kauder forderte kurz nach dem Berliner „Integrationsgipfel“ der deutschen Bundesregierung im Juli 2006 von Einwanderern in Deutschland: „Wer Deutscher werden will, muss sich auch zur deutschen Schicksalsgemeinschaft und damit zur deutschen Geschichte bekennen.“[2]

Euro-Krise[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Eurokrise wurde die Euro-Währungsunion wiederholt von verschiedenen Politikern, unter anderem Angela Merkel, als „Schicksalsgemeinschaft“ bezeichnet.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. haGalil.com: Theodor Much: Kein Konsens in Sicht: Kann "Judentum" definiert werden?
  2. zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juli 2006
  3. Dossier Griechenland in der Krise «Die Währungsunion ist eine Schicksalsgemeinschaft»

Weblinks[Bearbeiten]