Volk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Volk ist ein Begriff, der je nach Zusammenhang ein breites Spektrum unterschiedlicher sozialer, kultureller und politischer Inhalte umfasst. Volk kann synonym zu Staatsvolk oder zu Nation gebraucht werden, kann allgemein eine Gemeinschaft von Individuen bezeichnen, die durch gemeinsame Vorfahren oder gemeinsame Kultur miteinander verbunden sind, oder kann die Bevölkerungsmehrheit in Abgrenzung zur herrschenden Elite bezeichnen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Etymologie

Der Ausdruck Volk (über mittelhochdeutsch volc aus althochdeutsch folc, dies aus allgemein-germanisch fulka („das [Kriegs-]Volk“)) ist erstmals im 8. Jahrhundert belegt und bedeutet „viele“.[1]

[Bearbeiten] Volksbegriffe der Neuzeit

Quellenangaben
Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Inschrift auf dem Reichstagsgebäude – siehe dagegen die Installation Der Bevölkerung (2000) im Innenhof.
Völker-Karte der Indischen Welt (1847)

Die verschiedenen Bedeutungsfelder überschneiden sich, sind sowohl diachron als auch synchron nicht klar gegeneinander abgrenzbar. Markieren lassen sie sich durch die folgenden Grundbedeutungen:

[Bearbeiten] Einfaches Volk

Volk im Sinne von „einfaches Volk“ (griechisch οἱ πολλοί, hoi pollói bzw. lat. populus) umfasst eine Spannbreite der Bedeutungen von einer unbestimmten Vielzahl von Menschen ( „Masse[n]“) über die heterogene Masse der Angehörigen der Unterschichten (lat. plebs, vulgus) – hier im Allgemeinen mit dem Bedeutungsakzent der Armut (daz arm Volk) – bis hin zu dem als „die ‚eigentliche‘ Unterschicht“ betrachteten, aus der mittelalterlichen beziehungsweise frühneuzeitlichen Feudalordnung exkludierten, vielfältig gegliederten „fahrenden Volk“ (farende lude, so spellude, pifer, dromper, sprecher unde farende scholer).[2]

In der Moderne wurde der Begriff im Sinne von „die kleinen Leute“ zu „Volksmassen“ verallgemeinert. Diese Bedeutung findet sich in Volksrepublik, Volksstaat oder Volkspartei, aber auch in Volkswagen und Volksempfänger.

[Bearbeiten] Staatsvolk

Volk im Sinne von Staatsvolk (griechisch δῆμος, dmos) bezieht sich unbeachtlich kultureller und ethnischer Zuordnungen auf die Staatsangehörigen eines Völkerrechtssubjekts. Diese Bedeutung findet sich in Begriffen wie Volksabstimmung, Volkskammer oder Volkseigentum, und in Wendungen wie im Namen des Volkes.

[Bearbeiten] Nation

Volk im Sinne von Nation wird in politischen Begriffen wie Völkerrecht oder Völkerbund verwendet. In dieser Bedeutung ist es in den neueren Gesellschaftswissenschaften ein Konstrukt des 19. Jahrhunderts mit erheblicher Wirkungsmacht.

[Bearbeiten] Ethnie

In der Ethnologie wird der Begriff Volk bisweilen parallel zu dem der Ethnie (griechisch ἔθνος, éthnos) im Sinne einer ethnischen Gemeinschaft gebraucht, aufgrund der völkischen Konnotationen geht dieser Gebrauch jedoch zurück.

Im religiösen Sinne kann Volk wie in den Wendungen „auserwähltes Volk“ oder „Volk Gottes“ Verwendung finden. Hier ergeben sich in der Regel starke Überschneidungen mit sakralisierten Varianten der ethnisch-kulturellen wie der ethnisch-biologischen Fassung.

In den neueren Gesellschaftswissenschaften vertritt man inzwischen einhellig die Auffassung, dass Volk im Sinne dieser beiden Semantiken Konstruktion, „gedachte Ordnung“ (Emerich Francis), „imaginierte Gemeinschaft“ (Benedict Anderson) ist. Damit ist nicht gemeint, dass Volk gleichsam aus dem Nichts erfunden sei, sondern auf bereits vorhandenen Vorstellungen beruht und auf sie zurückwirkt, zugleich als Integrations- und Legitimationsideologem von erheblicher Wirkungskraft war und ist.

Siehe auch: Volkskunde, Volkszugehörigkeit, Kulturnation, Blutsverwandtschaft

[Bearbeiten] Volk im völkischen Sinne

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden Volkskonzepte, die die gemeinsame biologische Abstammung als Basis des Volksbegriffs nahm. Im Zuge sozialdarwinistischer Vorstellungen wurde dieser Begriff in Rassentheorien eingebettet.

Dieses völkische Verständnis des Volkes als Blutsgemeinschaft wurde später Teil der Ideologie des Nationalsozialismus und unter dessen Herrschaft zur Richtlinie einer Politik, die die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz aufhob, um die Mehrheitsbevölkerung als „deutsche Volksgemeinschaft“ zu privilegieren. In den Nürnberger Gesetzen, vor allem im Reichsbürgergesetz, wurden diese Vorstellungen kodifiziert.[3] Mit der Utopie einer „gesunden Volksgemeinschaft“ rechtfertigten die Nationalsozialisten auch die Diskriminierung, Entrechtung und Ermordung der deutschen Juden, „Zigeuner“, „Asozialen“, „Erbkranken“ oder politisch Oppositionellen, die angeblich die Homogenität des Volkskörpers beeinträchtigten.

Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik diskreditierte nicht nur die völkische Variante der Vorstellung von „Volk“, sondern zugleich deren Ausgangspunkt, die Konstruktion von „Volk“ als biologisch-genealogischer Abstammungsgemeinschaft.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage
  2. Fritz Gschnitzer/Reinhart Koselleck/Karl Ferdinand Wagner, Volk, Nation, Nationalismus, Masse, in: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck (Hrsg.), Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 7, 1992, S. 141–431, hier: S. 245–281 („Volk als Masse, Unterschicht“), insbes. S. 279f.
  3. Die Nürnberger Gesetze auf LeMO; Texte der beiden Gesetze auf documentarchiv.de

[Bearbeiten] Literatur

  • Benedict Anderson: Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts, Frankfurt a. M./New York 1993.
  • P. Brandt: „Volk“, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie 11, S. 1080–1090.
  • Rogers Brubaker: Staats-Bürger, Hamburg 1994.
  • Franz-Josef Deiters: Auf dem Schauplatz des „Volkes“. Strategien der Selbstzuschreibung intellektueller Identität von Herder bis Büchner und darüber hinaus, Rombach Verlag, Freiburg i.Br./Berlin/Wien 2006.
  • Shmuel Noah Eisenstadt: Die Konstruktion nationaler Identitäten in vergleichender Perspektive. In: Bernhard Giesen (Hrsg.), Nation und kulturelle Identität. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit, Frankfurt a. M. 1991, S. 21–38.
  • Emerich K. Francis: Ethnos und Demos. Soziologische Beiträge zur Volkstheorie, Duncker & Humblot, West-Berlin 1965.
  • Patrick J. Geary: Europäische Völker im frühen Mittelalter. Zur Legende vom Werden der Nationen. Frankfurt a. M. 2002.
  • Eric J. Hobsbawm: Nation und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780, München 1996, S. 1–14.
  • Fritz Gschnitzer, Reinhart Koselleck, Karl Ferdinand Wagner: Volk, Nation, Nationalismus, Masse. In: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck (Hrsg.), Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 7, 1992, S. 141–431.
  • M. Rainer Lepsius: „Ethnos“ oder „Demos“. Zur Anwendung zweier Kategorien von Emerich Francis auf das nationale Selbstverständnis der Bundesrepublik und auf die europäische Einigung. In: ders., Interessen, Ideen und Institutionen, Opladen 1990, S. 247–255.
  • Wolfgang Wippermann: Das „ius sanguinis“ und die Minderheiten im deutschen Kaiserreich. In: Hans-Henning Hahn/Peter Kunze (Hrsg.), Nationale Minderheiten und staatliche Minderheitenpolitik in Deutschland im 19. Jahrhundert, Berlin 1999, S. 133–143.

[Bearbeiten] Weblinks

Wikiquote Wikiquote: Volk – Zitate
Wiktionary Wiktionary: Volk – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen