Schlacht bei Cuito Cuanavale

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Schlacht bei Cuito Cuanavale
Datum Januar/Februar 1988
Ort Cuito Cuanavale in Angola
Casus Belli FAPLA-Offensive gegen UNITA
Ausgang Patt-Situation (jede Seite reklamierte Sieg für sich)
Folgen Südafrika erkennt, dass der Konflikt im südlichen Afrika nicht zu seinen Gunsten zu gewinnen ist
Konfliktparteien
Südafrika/

UNITA

MPLA/ Kuba
Befehlshaber
Oberst Deon Ferreira

Jonas Savimbi

General Manuel Hilario dos Santos (FAPLA)
Brigadegeneral/Generalmajor Miguel Angel Lorente León (Kuba)
Truppenstärke
900 SADF
2500 UNITA

40 Panzer
100 AIFV/APC
40 Flugzeuge

25.000 FAPLA
10.000 Kuba

150 Panzer
300 AIFV/APC
40 Flugzeuge

Verluste
43 Gefallene SADF[1]
1500 Gefallene UNITA

3 Panzer
10 AIFV

4300 Gefallene FAPLA,

94 Panzer
100 AIFV

Die Schlacht von Cuito Cuanavale war der Versuch einer gemischten Kampfgruppe aus Truppenteilen der angolanischen UNITA und Einheiten der südafrikanischen SADF, den kubano-angolanischen Vormarsch auf Namibia und auf die verbleibenden Rückzugsgebiete der UNITA punktuell aufzuhalten. Trotz anfänglicher taktischer Teilerfolge der SADF/UNITA scheiterten die Operationen „Moduler“, „Hooper“ und „Packer“ in ihrer Gesamtheit, da der Vormarsch der FAPLA auf Mavinga und Jamba nicht gestoppt werden konnte. Der Vormarsch auf Calueque weiter westlich konnte durch Südafrika nicht aufgehalten werden; das strategische Ziel, Südafrika zu Friedensverhandlungen zu zwingen, war erreicht.

Die Truppen der FAPLA befehligte General Manuel Hilario dos Santos, die kubanischen Brigadegeneral/Generalmajor Miguel Angel Lorente León.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Rahmen der „Operação Saludando Octubre“ erfolgte die Aufrüstung der FAPLA mit 150 T-55 und T-54B sowie einigen Mi-24 und Mi-8/Mi-17-Hubschraubern.

Diese Operation geriet durch eine zu geringe Beachtung der lokalen Gegebenheiten und das schablonenhafte Übertragen der operativen Grundsätze der Sowjetarmee für den europäischen Kriegsschauplatz durch die sowjetischen Berater der FAPLA zum Desaster. In der Schlacht am Lomba (September/Oktober 1987) gelang es den Südafrikanern, vier angolanische Brigaden (21. und 25. leichte Infanterie-, 47. gepanzerte und 59. mechanisierte) unter der führenden Beratung sowjetischer Militärexperten bei ihrem Vormarsch auf Jamba aufzuhalten. Die Truppen der SADF/UNITA gingen in die Offensive über. Um den weiteren Vormarsch von UNITA und SADF zu stoppen, musste Cuito am Cunene-Übergang gehalten werden. Da nur ein personeller Entsatz ein Desaster für die angolanische Armee aufhalten konnte, entsandte Kuba unilateral und ohne vorherige Information der Sowjetunion Truppen und weitere Waffen nach Angola.

Beteiligte Truppen[Bearbeiten]

Angola[Bearbeiten]

Die angolanischen Truppen bestanden aus der 21. und 25. leichten Infanteriebrigade (Kommandeur: OSL Joaquim Soria), der 47. Panzerbrigade und der 59. mot.-Schützenbrigade. Verstärkt wurden diese Truppen durch Einheiten der 13. Brigade (Luftlandetruppen), die deswegen in manchen Quellen als beteiligt erscheint. Die Brigaden der FAPLA entsprachen Regimentern der sowjetischen Struktur und hatten ein Sollstärke von rund 2000 Mann, die aber nie erreicht wurde.

Kuba[Bearbeiten]

Kuba entsandte Unterstützungseinheiten aus seiner 50. mot.-Schützendivision,[2] die mit T-62[3] ausgerüstet waren und die die strategische Reserve darstellte.

UNITA[Bearbeiten]

Über die beteiligten UNITA-Truppen gibt es keine verlässlichen Angaben, verschieden Quellen sprechen vom 3. und 5. regulären, dem 13. leichten und dem 275. Spezialkräftebataillon – die zusammen über 3000 Mann stark gewesen sein sollen.

Südafrika[Bearbeiten]

Die südafrikanischen Truppen hatten aus der 61 Mechanised Infantry Battalion Group, dem 32. Bataillon und dem 101. Bataillon eine 20. Brigade gebildet. Diese verfügte über drei „Combat Groups“ (A, B, C) in Batallionsstärke. Die Combatgroups bestanden aus zwei motorisierten oder mechanisierten Infanteriekompanien, einem Panzer- oder Panzerabwehrzug und einem Werferzug. Hinzu kam das 20. Artillerieregiment.[4]

Andere Truppen[Bearbeiten]

An der gesamten Militäroperation waren Einheiten des militärischen Arms der SWAPO (PLAN) und ANC-Angehörige, die sich zur militärischen Ausbildung in Angola befanden, beteiligt.

Verlauf[Bearbeiten]

13. Januar 1988[Bearbeiten]

Lage von Cuito Cuanavale in Angola

Bei zwei aufeinanderfolgenden Angriffen kubanischer MiG-21 und MiG-23ML von der Basis Menongue auf die vorrückenden Truppen der Südafrikaner und der UNITA verloren diese sieben Panzer und zahlreiche Mannschaften. Der Angriff der Südafrikaner wurde eingestellt, allerdings war im Gefolge der bewaffneten Aufklärung Stärke und Aufstellung der kubano-angolanischen Truppen ermittelt. Die Südafrikaner zogen sich auf ihre Stellungen einige Kilometer südlich des Cunene zurück. Die Truppen der Zentralregierung bauten Cuito Cuanavale zur Festung aus. Beide Seiten führten Nachschub heran. Es blieb bei gelegentlichen Scharmützeln.

17. Januar 1988[Bearbeiten]

Die 59. und die 25. Brigade der FAPLA, die vorgeschobene Positionen am Ostufer des Flusses eingenommen haben, ziehen sich in Richtung Fluss zurück, um den zu verteidigenden Raum zu verkleinern.

14. Februar 1988[Bearbeiten]

Am 14. Februar 1988 eröffneten SADF und UNITA einen zweiten Angriff auf die FAPLA-Stellungen in Cuito Cuanavale. Dabei kam ein Olifant-Bataillon (40 Fahrzeuge) als Unterstützung der Infanterie zum Einsatz. Es kann also von einem Angriff in Brigadestärke ausgegangen werden.

25. Februar bis 23. März 1988[Bearbeiten]

Die sich verteidigenden angolanischen Regierungstruppen, durch die vorherigen Angriffe geschwächt und noch nicht wieder personell aufgefüllt, hielten allerdings ihre gut ausgebauten Stellungen und die südafrikanische Offensive musste nach Angriffen am 25. Februar, 1. März und einem letzten mehrtägigen Angriff mit umfangreichem Artillerieeinsatz von beiden Seiten vom 21. März bis zum 23. März 1988 endgültig abgebrochen werden.

Da in der Zwischenzeit der kubanische Entlastungsangriff auf Caleque erfolgreich war, wurden die südafrikanischen Truppen von Cuito Cuanavale dorthin verlegt. Die angolanischen Regierungstruppen hinderte nun nichts mehr an ihrem Vormarsch auf das UNITA-Hauptquartier in Jamba.

Ausgang[Bearbeiten]

Es war ein Pyrrhus-Sieg für beide Seiten: Angola und Kuba erlitten große personelle und materielle Verluste, Südafrika und UNITA konnten keinen Geländegewinn verzeichnen.

Da Angola und Kuba als strategisches Ziel das Halten der Stadt hatten, während das südafrikanische Ziel deren Einnahme war, kann von einem angolanisch-kubanischen Sieg gesprochen werden.

Der Sieg der kubano-angolanischen Truppen verdeutlichte Südafrika, dass eine Invasion des Landes seitens der Frontstaaten in den Bereich realistischer Szenarien rückte. Dieses musste um jeden Preis vermieden werden, weil hier wie in Simbabwe zu befürchten war, dass die weiße Minderheit auf Dauer und vollständig von der Macht entfernt würde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Juan Benemelis: Las Guerras Secretas de Fidel Castro. Fundación Elena Mederos, 1988. ISBN 978-1-890829-21-6.
  • Michel Bole-Richard: Angola: une importante garnison gouvernementale serait sur le point de tomber aux mains de l'UNITA. Le Monde, 23. Januar 1988, S. 5 (französisch).
  • Jacklyn Cock, Laurie Nathan: War and Society: the Militarisation of South Africa. New Africa Books, 1989. ISBN 978-0-86486-115-3.
  • Chester A. Crocker: High Noon in Southern Africa: Making Peace in a Rough Neighborhood. W. W. Norton, 1992. ISBN 978-0-393-03432-5.
  • Edward George: The Cuban Intervention in Angola, 1965–1991. London, New York: Frank Cass, 2005. ISBN 978-0-415-35015-0.
  • Piero Gleijeses: Cuito Cuanavale revisited: analysis. Mail & Guardian Online, 11. Juli 2007.
  • C. Holt: At Thy Call We Did Not Falter. Zebra Press, 2005. ISBN 978-1-77007-117-9.
  • Robert S. Jaster: The 1988 Peace Accords and the Future of South-western Africa. Adelphi Papers. 253. The International Institute for Strategic Studies, London, 1990. ISBN 978-0-08-040974-0.
  • Karl Maier: Angola: Promises and Lies. London: Serif, 1996. ISBN 978-1-897959-22-0.
  • John Marcum: South Africa and the Angola-Namibia Agreement. In Owen Ellison Kahn. Disengagement from Southwest Africa: The Prospects for Peace in Angola and Namibia. New Brunswick: University of Miami Institute for Soviet and East European Studies, 1990. ISBN 978-0-88738-361-8.
  • James W. Martin, Susan Herlin Broadhead: Historical Dictionary of Angola. 2. Auflage, Scarecrow Press, 2004. ISBN 978-0-8108-4940-2.
  • Michael McFaul: Rethinking the "Reagan Doctrine" in Angola. International Security 14 (3): 99–135, 1990. JSTOR 2538933.
  • Greg Mills, David Williams: Seven Battles that Shaped South Africa. Cape Town: Tafelberg, 2006. ISBN 978-0-624-04298-3.
  • David Niddrie: Angola: The siege of Cuito Cuanavale. Africa Confidential 29 (3), 1988.
  • Piet Nortje: 32 Battalion. Cape Town: Struik Publishers, 2003. ISBN 978-1-86872-914-2.
  • Anthony Pazzanita: The conflict resolution process in Angola. Journal of Modern African Studies 29 (1): 83–114, 1991. JSTOR 160994.
  • Michael Radu, Anthony Arnold: The New Insurgencies: Anticommunist Guerrillas in the Third World. Transaction Publishers, 1990. ISBN 978-0-88738-307-6.
  • Roger Ricardo Luis: Prepárense a vivir: Crónicas de Cuito Cuanavale. Havana: Editora Politica, 1989.
  • Isaac Saney: African Stalingrad – The Cuban Revolution, Internationalism, and the End of Apartheid. In: LATINAMERICAN PERSPECTIVES, Issue 150, Vol. 33, No. 5, September 2006 81-117, online unter http://www.normangirvan.info/wp-content/uploads/2009/01/saney-african-stalingrad-pdf-111.pdf
  • Bernard E. Trainor: South Africa's strategy on Angola falls short, enhancing Cubans' role. The New York Times, 12. Juli 1988.
  • Joseph B. Treaster: Castro faults Soviet tactics in war in Angola. The New York Times, 28. Juli 1988.
  • Truth and Reconciliation Commission: Truth and Reconciliation Commission of South Africa Report (Report). 2. 29. Oktober 1988.
  • Anthony Turton: Shaking Hands with Billy. Durban: Just Done Productions, 2010. OL22656001M.
  • Peter Vanneman: Soviet foreign policy for Angola/Namibia in the 1980s: a strategy of coercive diplomacy. In: Owen Ellison Kahn: Disengagement from Southwest Africa: The Prospects for Peace in Angola and Namibia. New Brunswick: University of Miami Institute for Soviet and East European Studies, 1990. S. 69–94. ISBN 978-0-88738-361-8.
  • Andreas Velthuizen: The significance of the battle for Cuito Cuanavale: Long-term foresight of the current strategic landscape. In: Scientia Militaria, South African Journal of Military Studies, Vol 37, Nr 2, 2009. online unter: (http://scientiamilitaria.journals.ac.za/pub/article/download/71/99&ei=12aaUM3qNoiB4gTHqYDQCg&usg=AFQjCNF1wrJaKbYt-ul0FxvfQeliLcVTzA&cad=rja)
  • John Frederick Walker: A Certain Curve of Horn: The Hundred-Year Quest for the Giant Sable Antelope. Grove Press, 2004. ISBN 978-0-8021-4068-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eine südafrikanische Website von Veteranen (http://www.sadf.info/SADF%20Roll%20of%20Honour%20Border.html) gibt für 1988 die Zahl von 110 gefallenen Militärangehörigen in allen südafrikanischen Militäroperationen an – die Verluste müssen also größer gewesen sein.
  2. http://nvo.ng.ru/notes/2008-03-28/8_angola.html
  3. Diese waren mit einer Glattrohrkanone ausgerüstet und darum den Bordwaffen sämtlicher Waffen des Gegners in Reichweite und Durchschlagskraft überlegen.
  4. https://sites.google.com/site/sabushwarsite/Home/modularhooperpacker2/the-sadf-and-unita-during-ops-modular-hooper-and-packer/sadf-oefen