União Nacional para a Independência Total de Angola

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União Nacional para a Independência Total de Angola
Flagge der UNITA
Partei­vorsitzender Isaías Samakuva
Gründung 13. März 1966
Haupt­sitz Luanda
Aus­richtung Konservatismus, Nationalismus
Website http://www.unitaangola.org/

Die União Nacional para a Independência Total de Angola (UNITA; deutsch Nationale Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas) wurde Mitte des 20. Jahrhunderts als anti-koloniale Bewegung gegründet und ist heute eine politische Partei in Angola.

Geschichte[Bearbeiten]

Anti-koloniale Guerilla und Entkolonisierungskonflikt[Bearbeiten]

Die UNITA entstand als Befreiungsbewegung im Kampf gegen die portugiesische Kolonialherrschaft und fand ihre Anhänger hauptsächlich unter den Ovimbundu im zentralen Hochland Angolas, der größten Ethnie des Landes, zu der ihr Gründer und langjähriger Anführer Jonas Savimbi gehörte.[1]

Die UNITA führte ihren Guerillakampf ausschließlich im Osten des Landes, also außerhalb des Siedlungsgebiets der Ovimbundu, und hatte dabei kaum Unterstützung. Ihre Operationen hielten sich deswegen in recht engem Rahmen. Gelegentlich kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Trupps der anderen Unabhängigkeitsbewegungen, vor allem der MPLA, die ebenfalls in den Osten ausgewichen war, selten der FNLA, die hier kaum präsent war.[2] Laut heute öffentlich zugänglichen portugiesischen Akten aus dieser Zeit schloss sie Anfang 1970 ein Kollaborationsabkommen mit der Kolonialmacht Portugal.[3]

Ursprünglich erhielt sie Hilfe von China, geriet aber ab 1974, als Portugal seine Absicht zum Rückzug aus seinen Kolonien ankündigte, unter den Einfluss der USA, Südafrikas und (marginal) Marokkos. Wesentliche inländische Finanzquelle der UNITA war der Verkauf von Blutdiamanten aus den von ihr kontrollierten Gebieten, u. a. an De Beers.[4]

Als Portugal 1974 seine Absicht verkündete, sich aus seinen Kolonien zurückzuziehen, entbrannte ein bewaffneter Konflikt zwischen den drei rivalisierenden Bewegungen, in den eine Reihe von Staaten auf der einen oder anderen Seite eingriff.[5] Die UNITA verbündete sich in dessen Verlauf mit der FNLA gegen die MPLA. Als diese 1975 in der Hauptstadt Luanda die Unabhängigkeit Angolas von Portugal ausrief, taten FNLA und UNITA gemeinsam gleichzeitig dasselbe in Nova Lisboa (heute Huambo) und bildeten dort eine Gegenregierung. Die Koalition wurde jedoch innerhalb kurzer Zeit militärisch geschlagen und löste sich auf.

Bürgerkrieg und Umwandlung in eine Partei[Bearbeiten]

Die siegreiche MPLA errichtete im Land ein Einparteienregime nach dem Vorbild der damaligen sozialistischen Länder Europas. Wenig später begann die UNITA mit militärischen Aktionen gegen die Regierung. Der folgende Bürgerkrieg in Angola dauerte mit Unterbrechungen bis zum Tode von Jonas Savimbi im Jahre 2002 an.[6] In diesem Prozess änderte sich die UNITA aufgrund ökonomischer und anderer Imperative stark und bereitete sich auch dadurch auf ihre spätere Rolle als politische Partei vor, dass sie eine beträchtliche Zahl jüngerer Leute zum Studium ins Ausland (z. B. Portugal, Kanada, die USA) schickte.[7]

Im Jahre 1990 führte die MPLA ein Mehrparteiensystem ein, und die UNITA konstituierte sich in aller Form als politische Partei. 1992 nahm sie an den ersten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Angola teil. Aus beiden ging sie als Verlierer hervor, wenn sie auch beachtliche Stimmenanteile erreichte. Sie erkannte deswegen die Wahlen nicht an und ging unverzüglich wieder zum Bürgerkrieg über. Daraus ergab sich insofern eine paradoxe Situation, als die UNITA über ihre Abgeordneten am politischen System teilnahm und sich 1997 auf eine Teilnahme an einer „Regierung der Nationalen Einheit und Versöhnung“ einließ, gleichzeitig jedoch ihren Guerillakrieg fortsetzte. Dies führte zu inneren Spannungen und der Gründung der „UNITA Renovada“ („erneuerte UNITA“) unter Eugénio Manuvakola, eines Flügels, der sich für eine Aufgabe des bewaffneten Kampfes und für einen rein politischen Kampf einsetzte.

Gegen Ende der 1990er Jahre verlor die UNITA die Unterstützung der USA und anderer westlicher Staaten. 2002 kam es zur Einkreisung des Anführers Savimbis und dessen Tod im Gefecht mit Regierungstruppen. Sechs Wochen später kam es zur Unterzeichnung einer Waffenstillstandsvereinbarung zwischen der Regierung und der UNITA.

Konsolidierungsversuche als Partei[Bearbeiten]

Im August 2002 löste die UNITA offiziell ihren militärischen Arm auf. Seither ist die UNITA unter ihrem neuen Präsidenten Isaias Samakuva bemüht, sich als politische Partei zu konsolidieren.

Bei den ersten Parlamentswahlen nach Ende des Bürgerkrieges, am 5. und 6. September 2008, erhielt die Partei jedoch nur etwa zehn Prozent der Stimmen, also erheblich weniger als 1992. Diesmal gestand sie ihre Niederlage gegenüber der mittlerweile sozialdemokratischen MPLA ein, wenn auch widerstrebend.[8] Sie wies in einer 200 Seiten umfassenden Publikation detailliert auf Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen hin, bei der die regierende MPLA 82 % der Stimmen erreichte.[9] Die offiziellen internationalen Wahlbeobachter erklärten die Wahl als "insgesamt frei und fair". Manche andere Beobachter bezeichneten sie als teilweise frei, keineswegs aber als fair.[10] Inzwischen wird mit Zeitabstand allgemein davon ausgegangen, dass das Wahlergebnis recht getreu die damalige Haltung des Wahlvolkes widerspiegelt, das einerseits die Oppositionsparteien insgesamt als wenig glaubwürdig einschätzte,[11] andererseits vor allem die UNITA nicht stärken wollte, um ein erneutes Aufflammen der Bürgerkriegs zu vermeiden.

Bei den zweiten Parlamentswahlen, am 31. August 2012, erhielt die UNITA jedoch rund 18% [12]. Dies ist umso bemerkenswerter, als sich ein Teil der Partei unter der Führung von Abel Chivukuvuku Anfang 2012 abspaltete und eine eigene Partei gründete, die CASA (Convergência Ampla de Salvação de Angola, "breite Konvergenz zur Rettung Angolas"); diese erhielt 6% der Stimmen, die allerdings z.T. nicht aus dem Lager der UNITA kamen. Das MPLA fiel demgegenüber leicht zurück, auf etwa 72%. Bemerkenswert ist, dass die UNITA in den Provinzen Huambo und Luanda auf etwa 30% kam, in der Provinz Bié sogar auf 36%.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Assis Malaquias, Rebels and Robbers: Violence in Post-colonial Angola, Uppsala: Nordiska Afrikainstitutet, 2007.
  • Samuel Chiwale, Cruzei-me com a história, Lissabon: Sextante, 2008 (Autobiografie und Kriegsbeschreibung eines der führenden Kommandeure der UNITA)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Linda Heywood, UNITA and Ethnic Nationalism, Journal of Modern African Studies, 27/1, S. 47–60
  2. Siehe Alcides Sakalala, Memórias de um guerrilheiro, Lissabon: D. Quixote, 2006.
  3. Guardian, 25. Februar 2002
  4. Savimbis Quellen sprudeln, Freitag, 12. Februar 1999
  5. Siehe Franz-Wilhelm Heimer, Der Entkolonisierungskonflikt in Angola, München: Weltforum Verlag, 1979.
  6. Siehe Jardo Muekalia, Angola: A segunda Revolução, Lissabon: Sextante, 2010.
  7. Siehe Kristi Stuvoy, War economy and the social order of insurgencies: An analysis of the internal structure of UNITA's war economy, Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung/Universität Hamburg, Hamburg 2002
  8. n-tv.de, Parlamentswahlen in Angola - Opposition gesteht Niederlage ein, 9. Sept. 2008 (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  9. Konrad-Adenauer-Stiftung: Angola - Weißbuch zu den Parlamentswahlen 2009
  10. Konrad-Adenauer-Stiftung: Die Parlamentswahlen in Angola 2008
  11. Wie 1992, so bewarben sich auch 2008 um die 100 Parteien. Die allermeisten erreichten nicht einmal einen Abgeordneten, und selbst die FNLA stürzte auf weniger als 2 % der Stimmen ab.
  12. http://eleicoes2012.cne.ao/inicio.htm