Schlacht von Golowtschin

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Schlacht von Golowtschin
Karl XII. mitten in der Schlacht von Golowtschin
Karl XII. mitten in der Schlacht von Golowtschin
Datum 14. Juli 1708
Ort Halowchyn (Mahiljouskaja Woblasz, 170 km nordöstlich von Minsk) im damaligen Großfürstentum Litauen
Ausgang Schwedischer Sieg
Konfliktparteien
Schweden 1650Schweden Schweden Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Russland
Befehlshaber
Schweden 1650Schweden Karl XII. Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Boris Scheremetew
Truppenstärke
ca. 30.000 Mann[1][2] ca. 28.000 Mann[1][2]
Verluste
265 Gefallene
1.028 Verwundete
977 Gefallene
675 Verwundete[3]

Die Schlacht von Golowtschin (russ.: Головчин, weißruss.: Halowchyn) (auch Schlacht von Hołowczyn) war eine der großen Schlachten des Russlandfeldzugs von Karl XII. im Großen Nordischen Krieg (1700–1721), in der am 3.jul./ 4.schwed./ 14. Juli 1708greg. die schwedische Armee unter Karl XII. die zahlenmäßig überlegene russische Armee besiegte.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nachdem Sachsen-Polen Ende 1706 aus dem Krieg gegen Schweden ausschied, startete der schwedische König Karl XII. im Spätsommer 1707 einen neuen Feldzug gegen das Russische Zarenreich um eine endgültige Entscheidung zu erreichen. So drang er am 16.jul./ 17.schwed./ 27. Juni 1708greg. mit fast 70.000 Soldaten, worunter auch polnische und sächsische Soldaten beteiligt waren (seine Hauptarmee bestand aus zwölf Infanterie-, acht Dragoner- und acht Kavallerieregimenter, insgesamt 44.000 Schweden) von Polen aus nach Belorussland ein, mit dem Ziel Moskau zu erreichen und das Russische Zarenreich zum Frieden zu zwingen.[4]

Am 26. Junijul./ 27. Junischwed./ 7. Juli 1708greg. überquerte das schwedische Heer die Bjaresina. Am Dnepr stellte sich ihr jedoch eine russische Armee entgegen. Im Zentrum stand bei dem Ort Schklowein die russische Hauptmacht unter den Generälen Scheremetew und Menschikow; der rechte Flügel beim Dorf Starosschin stand unter dem Befehl General Allardt und der linke Flügel, bei Golowtschin, stand unter General Goltz. Das Gelände war sumpfig und vor der Stellung der russischen Armee machte der Fluss Wabitsch einen Angriff schwierig.[5]

Schlachtverlauf[Bearbeiten]

König Karl XII. hatte zunächst nur seine Avantgarde von fünf Infanterie- und vier Kavallerieregimentern bei sich. Das Gros des Heeres traf erst am Tag der Schlacht im schwedischen Lager ein und war nach den Gewaltmärschen zu erschöpft, um an einer Schlacht teilzunehmen. Deshalb griff der schwedische König die russische Stellung allein mit der Avantgarde aus nur 12.500 Soldaten an. Am Morgen des 3.jul./ 4.schwed./ 14. Juli 1708greg. begann eine schwedische Batterie aus 28 Geschützen mit dem intensiven Beschuss der russischen Linien.

Daraufhin überquerten auf dem rechten Flügel neun Eskadronen der schwedischen Kavallerie unter General Rehnschild den Fluss Wabitsch (Nebenfluss des Drut), griffen die russische Kavallerie unter General Heinrich von der Goltz an und vertrieb sie vom Schlachtfeld. Gleichzeitig gingen auch die schwedischen Infanterieregimenter gegen das russische Zentrum vor, wo inzwischen General Repnin das Kommando führte. Die Russen wichen ohne nachhaltigen Widerstand in ein nahe gelegenes Waldstück aus, von wo aus sie die nunmehr auf offenem Terrain stehenden Schweden beschossen. In dem nun folgenden einstündigem Feuergefecht erlitten die Schweden deshalb große Verluste. Erst als die schwedische Gefechtsordnung, die durch die Flussüberquerung zusammengebrochen war, wiederhergestellt war, stürmten die schwedischen Regimenter erfolgreich den Wald, woraufhin sich die russischen Truppen zurückzogen.[6]

Beurteilung[Bearbeiten]

Die Verluste der Schlacht waren sehr different: 265 Gefallene und 1.028 Verwundete Schweden, dafür aber 977 Gefallene und 675 Verwundete Russen. Dennoch konnten die Verluste der russischen Armee ersetzt werden, doch für das schwedische Heer bedeutete jeder verlorene Mann einen unwiederbringlichen Verlust.

Der Schlachterfolg wurde kaum ausgenutzt. Zwar öffnete er dem schwedischen Heer den Weg in die Ukraine, doch eine nachhaltige Verfolgung, die geeignet gewesen wäre, das russische Heer endgültig zu zerschlagen, unterblieb. Die schwedischen Truppen waren zu solch einer Operation wegen der großen Erschöpfung nicht in der Lage.

Taktisch gesehen waren zwei Aspekte der Schlacht beachtenswert. Zum einen war der massierte Artillerieeinsatz zu Beginn des Kampfes eine Neuerung, die später die Kriegführung Napoleons kennzeichnen sollte. Zum anderen war das Führen eines längeren Feuergefechtes in den Schlachten Karls XII. eine Seltenheit. Der junge König bevorzugte den direkten Sturmangriff.

Voltaire urteilte später über Karl XII.: „Unter allen seinen Schlachten war diese vielleicht seine ruhmreichste, in der er die größten Gefahren bestand und die größte Umsicht bewies.“[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Николай Шефов. Битвы России. Военно-историческая библиотека. М., 2002.
  2. a b Советской военной энциклопедии в 8-ми томах
  3. Robert K. Massie: Peter der Große - Sein Leben und seine Zeit. Fischer, Frankfurt/M. 1987, S.399
  4. Bengt Liljegren|Liljegren, Bengt - Karl XII: En biografi, Historiska media, 2000, Sidan 151.
  5. A. von Drygalski: Nordischer Krieg, in: Bernhard von Poten: Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, Bd.7, Leipzig 1879, S.198f
  6. Schlachtverlauf nach: A. von Drygalski: Nordischer Krieg, in: Bernhard von Poten: Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, Bd.7, Leipzig 1879, S.199 und Robert K. Massie: Peter der Große - Sein Leben und seine Zeit. Fischer, Frankfurt/M. 1987, S.397-399
  7. François Marie Arouet de Voltaire: Geschichte Karls XII., Königs von Schweden, Deutscher Bücherbund, Hamburg/Stuttgart 1963, S.130

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard von Poten: Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, Bd.7, Leipzig 1879.
  • Robert K. Massie: Peter der Große - Sein Leben und seine Zeit. Fischer, Frankfurt/M. 1987. ISBN 3-596-25632-1
  • François Marie Arouet de Voltaire: Geschichte Karls XII., Königs von Schweden, Deutscher Bücherbund, Hamburg/Stuttgart 1963.