Belagerung von Riga (1700)

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Belagerung von Riga (1700)
Belagerung von Riga
Belagerung von Riga
Datum 12. Februar und 5. Juni 1700
Ort Riga, Hauptstadt von schwedisch Livland
Ausgang Sieg der Schweden
Konfliktparteien
Schweden 1650Schweden Schweden Polen-LitauenPolen-Litauen Polen-Litauen
Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Russland
Befehlshaber
Schweden 1650Schweden Erik Dahlbergh
Schweden 1650Schweden von Budberg
Polen-LitauenPolen-Litauen August II.
Polen-LitauenPolen-Litauen Johann von Patkul
Polen-LitauenPolen-Litauen Jakob von Flemming
Truppenstärke
Riga: 3.400 Mann
Dünamünde: 500
Riga: 7.000–12.000 Mann
Dünamünde: 18.000 Mann
Verluste
Unbekannt Riga: Unbekannt
Dünamünde: 248 Tote und 435 Verwundete

Die beiden Belagerungen von Riga am 12. Februar und 5. Juni 1700 waren der eigentliche Beginn des Großen Nordischen Krieges. König August II. von Polen versuchte mit Belagerung und Einnahme der Stadt Riga die Schweden zu schwächen und die Polnische Regierung mit in einen Krieg gegen Schweden zu drängen.

Außerdem wollte er die Kontrolle über schwedisch Livland. Die Belagerungen scheiterten und Riga blieb in den Händen der Schweden. Erst nach einer weiteren Belagerung 1710 gelang es dem Zaren von Russland Peter dem Großen mit seiner russischen Armee die Stadt zu erobern.

Politische Lage vor den beiden Belagerungen[Bearbeiten]

Die Einnahme der Festung Riga war von König August II. eigentlich als Vorwand gedacht, um die volle Befehlsgewalt über die Truppen des Königreiches Polens zu erlangen. Um dies zu bewerkstelligen musste er das polnische Volk und den Reichstag davon überzeugen, dass er das polnische Heer nur zur Eroberung von Livland zum Wohle Polen einsetzen würde. Ein weiterer Grund zur Eroberung von Riga war die Tatsache, dass August der Starke den Bürgern Rigas versprochen hatte, sie an das Königreich Polen anzuschließen, wenn er König von Polen wäre.

Da der Plan geheim bleiben musste, wurden sächsische Truppen unter dem Vorwand der Grenzsicherung an die Polnisch-Livländische Grenze entsandt. Außerdem sollten die Soldaten die Hafenanlagen von Polangen mit ausbauen.

Im Dezember, wenn alle Gewässer mit Eis bedenkt sind, sollten die Regimenter ganz unerwartet in Livland einmarschieren, über die Düna gehen und Riga in einem Handstreich nehmen.

Mit den Vorbereitungen und der Ausführung des Planes beauftragte August der Starke General Patkull. Diesem waren die Festung und die nähere Umgebung von Riga bestens bekannt.

Der Generalgouverneur und Festungskommandant, Erik Dahlbergh, schöpfte schon beizeiten Verdacht. Die auffälligen Reisen des Zaren Peter I. im Jahre 1697 und die russischen Truppenbewegungen in der Nähe von Nowgorod alarmierten ihn. Als die sächsischen Truppenbewegungen an der Livländischen Grenze bekannt wurden, ließ er auf eigene Kosten die Festungsmauer ausbessern und verstärken. Des Weiteren schickte er einen Brief an den König Karl den XII. von Schweden, in dem er seine Bedenken äußerte und um Verstärkung seiner Festungsbesatzung bat.

Die Weihnachtstage des Jahres 1699 waren von den Sachsen als Angriffszeitpunkt festgelegt worden. Sie hofften die Schweden in weihnachtlich fröhlicher und unbekümmerter Stimmung anzutreffen und die Festung noch leichter einnehmen zu können. Als sie aber von den Vorkehrungen des Festungskommandanten erfuhren, ließen sie von ihrem Vorhaben ab und verharrten in den zugewiesenen Stellungen an der Grenze. Es sollte kein Verdacht aufkommen, dass die Festung kurz vor der Erstürmung steht.

Der 2. Angriffsplan wurde auf den Februar 1700 gelegt. Dazu wurde der sächsische Unterhändler Generalmajor Georg Karl von Carlowitz, welcher aus Russland zurückkehrte, als Vorwand genutzt, um unerkannt in die Festung zu gelangen. Seine Rückkehr wurde auf Mitte Februar festgelegt und Dahlbergh wurde gebeten ihm und seinem Gepäck Einlass in die Festung zu gewähren.

Beginn der ersten Belagerung[Bearbeiten]

Am Morgen des 11. Februars erreichte von Carlowitz mit zwölf bedeckten Wagen den schwedischen Kavallerie-Außenposten in der Nähe des Dorfes Olai, südlich von Riga, er wurde dabei von 80 Dragonern eskortiert. Die Wagen wurden als persönliches Reisegepäck des Generals angemeldet. Der schwedische Kommandant, Kapitän Erichson, misstraute den Sachsen und ließ die Wagen durchsuchen.[1] In den Wagen waren mehrere Dutzend Grenadiere versteckt. Sie wurden alle gefangen genommen und nach Riga gebracht. Außerdem fand man Sturmleitern, Feuerwaffen, Handgranaten und ähnliches. Als Warnung schoss der Kommandeur rote Leuchtkugeln in den Himmel, um Riga vor dem Angriff zu warnen. In einem kurzen Feuergefecht wurden die sächsischen Dragoner von 20 schwedischen Reitern mit Schwert und Pistole angegriffen und in die Flucht geschlagen. Der Kapitän Erichson starb bei diesem Gefecht.

Der Plan der Sachsen war vereitelt worden. Die Grenadiere sollten im Morgengrauen des 12. Februar, in Kutten gehüllt, sich unter den Kirchgängern verteilen und die Torwache angreifen und töten. Danach sollten sie das Tor öffnen und die 12.000 Infanteristen und 600 Dragoner in die Festung hineinlassen.

Am nächsten Morgen bemerkte eine andere Feldwache das Anrücken des sächsischen Heeres unter der Führung von Jakob Heinrich von Flemming. Trotz des Scheiterns der Infiltration wurde die Belagerung von Riga durch die sächsischen und polnischen Truppen begonnen. Diese konnte aber nicht aufrechterhalten werden, denn dem sächsischen Heer fehlte eine wirkungsvolle Artillerie, um die Stadt zu bombardieren, und die Infanterie konnte keinen kompletten Belagerungsring um die Stadt ziehen.

Während der ersten Belagerung gelang es 350 livländischen Wagenfahrern die Belagerungslinien der sächsischen Infanterie zu durchbrechen und die Festung mit Vorräten zu versorgen. Die vor Riga liegende Schanze Kobron wurde in der Folge von den Sachsen genommen. Die erste Belagerung musste im Mai abgebrochen werden. Das schwedische Ersatzheer unter der Führung des Generalmajor Georg Johann Maydell war in der Nähe von Riga gelandet. Das 3200 Mann starke Herr drängte die Sachsen zurück und warf sie hinter die Düna.

Der Angriff auf Dünamünde[Bearbeiten]

Am 14. März 1700 wurde die kleine Festung Dünaburg durch die Sachsen eingenommen. Der schwedische Kommandeur von Budberg, der mit 500 Mann des Nylander Infanterie-Regimentes die Festung verteidigte, kapitulierte nach zwei Tagen Gegenwehr. Das sächsische Armeekorps, bestehend aus drei Infanterieregimentern und einem Kavallerieregiment, wurde von Generalmajor von Carlowitz angeführt. Die Verluste waren hoch: 248 Tote und 435 Verwundete.

Die Festung wurde zu Ehren des Polenkönigs, obwohl dieser der Belagerung nicht beiwohnte, in Augustusburg umbenannt.[2] Überall in Polen wurde dieser Erfolg überschwänglich gefeiert. Die Festung wurde im Jahr 1701 von den Schweden zurückerobert.

Zweite Belagerung[Bearbeiten]

Unter der Führung des Königs von Polen August dem Starken und Johann Patkull begann am 5. Juli die zweite Belagerung von Riga. Mit 18.000 Mann und einer starken Artillerie unter dem Befehl von Generalfeldmarschall Adam Heinrich von Steinau gingen die Sachsen als erstes gegen die Besatzung jenseits der Düna vor. General Otto Vellingk war es nicht möglich mit seinen 8.000 Mann Besatzung den Übergang über die Düna zu verhindern. Das Heer der Schweden wurde, in der Nähe von Jungfernhof, mit starken Verlusten zurückgeworfen und die Reste flohen überhastet und ohne erkennbare Ordnung nach Riga oder Pernau.

Ab Anfang August wurde Riga von den Sachsen formell belagert. August der Starke stellte ein 7-tägiges Ultimatum und forderte die Kapitulation von Riga. Am 28. August begann das Bombardement von Riga. Bei einem der folgenden Artillerieangriffe wurden unter anderem auch Handelskontore von holländischen und englischen Kaufleuten zerstört.

Der Festungskommandant verweigerte vehement die Kapitulation, er war sich noch immer sicher, dass die Stärke der Sachsen nicht ausreichen würde, die Festung zu stürmen und einzunehmen. Des Weiteren wurde die glückliche Landung von Karl dem XII., König von Schweden, auf Seeland bekannt und der Frieden mit den Dänen rückte immer näher. Da Dahlbergh wusste, wie stark die Verbitterung von Karl dem XII. auf August den II. war, konnte er damit rechnen, dass der Schwedenkönig ihm schnell zu Hilfe eilen würde. Nachdem der König von Schweden die Schlacht bei Humlebäck gewonnen hatte und die Dänen zu einem Friedensvertrag bereit waren, sammelte er seine Truppen in Südschweden, um nach Livland überzusetzen.

Den Sachsen lief die Zeit davon. August dem Starken war bewusst, dass er es nicht mehr schaffen würde die Festung einzunehmen. Er nutzte die Anzeige der Handelskommissare von England und Holland, welche die Einstellung der Bombardements forderten, anderenfalls würden sich England und Holland dazu genötigt sehen ihre Handelsinteressen mit militärischen Mitteln zu bekräftigen, um die glücklose Belagerung abzubrechen. Die sächsischen Truppen zogen sich hinter die Düna zurück und sicherten das eroberte Territorium in Livland ab.

Im Herbst wurde die kleinere Festung Kokenhausen belagert und am 17. Oktober eingenommen.[3]

Die Folgen[Bearbeiten]

Die beiden Belagerungen von Riga stellen den Beginn des Großen Nordischen Krieges dar. Dieser sollte über 20 Jahre andauern und die Vorherrschaft der Schweden im Ostseeraum beenden.

Der König von Polen sah sich außer Stande einen Krieg gegen die Schweden allein zu führen. Im Februar 1701 traf er sich mit dem Zaren von Russland in dem kleinen Ort Birze, an der Grenze zwischen Livland und Samogitien. Bei diesen, über mehrere Tage andauernden Gesprächen sicherte der Zar dem Polenkönig finanzielle und militärische Unterstützung im Kampf gegen Karl den XII. zu. Der polnische Reichstag sagte ebenfalls, nach einer intensiven Geldzuwendung von Peter dem Großen, seine Unterstützung zu und Sachsen-Polen und Russland rüsteten zum Feldzug gegen Schweden auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Knut Lundblad, Georg Friedrich Jenssen-Tusch: Geschichte Karl des Zwölften, Königs von Schweden, Band 1, Hamburg 1835.
  • Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl's des Zwölften, Königs von Schweden. Band 1, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1861.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl's des Zwölften, Königs von Schweden. Band 1, Zweiter Abschnitt, 16. Kapitel, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1861.
  2. Heinz von Zur Mühlen: Baltisches historisches Ortslexikon, Band 2, Köln 1990, S. 132.
  3. Knut Lundblad, Georg Friedrich Jenssen-Tusch: Geschichte Karl des Zwölften, Königs von Schweden, Band 1, Hamburg 1835, S. 41–55.