Schlacht bei Rawa Ruska

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Schlacht bei Rawa Ruska (1914)
Karte der Schlacht
Karte der Schlacht
Datum 3. September bis 11. September 1914
Ort Rawa-Ruska
Ausgang Niederlage Österreich-Ungarns
Konfliktparteien
Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Handelsflagge) Österreich-Ungarn Russisches Kaiserreich 1914Russisches Kaiserreich Russland
Befehlshaber
Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Handelsflagge) Conrad von Hötzendorf
Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Handelsflagge) Moritz von Auffenberg
Russisches Kaiserreich 1914Russisches Kaiserreich Nikolai Russkij
Truppenstärke
9 Divisionen 9 Divisionen

Die Schlacht bei Rawa Ruska war ein Teil der Schlacht in Galizien am Beginn des Ersten Weltkriegs. Sie leitete nahe der Stadt Rawa-Ruska vom 3. bis 11. September 1914 die letzte Phase der sogenannten Schlacht in Galizien zwischen Truppen Österreich-Ungarns und dem russischen Kaiserreich ein. Dabei kam es zum folgenreichen Zusammenbruch der k.u.k. 4. Armee des Generals der Kavallerie Moritz Ritter von Auffenberg im Kampf mit der russischen 3. Armee unter General Nikolaj Russki. Durch die Niederlage wurde auch ein südlicher angesetzter Gegenangriff der k.u.k. 3. Armee zur Rückeroberung von Lemberg sinnslos, der Großteil Galiziens musste geräumt werden.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nachdem sich die k.u.k. 3. Armee und die Armeegruppe des Generals Kövess nach der Schlacht an der Gnila Lipa auf dem Rückzug befanden, befahl der österreichische Generalstabschef Conrad von Hötzendorf der 4. Armee die Offensive bei Tomaszow abzubrechen. Der Führer der 4. Armee, General der Kavallerie Moritz von Auffenberg hatte nach dem taktischen Sieg in der Schlacht von Komarów den Befehl erhalten, seine mittleren Korps aus der Front zu lösen und nach Süden umzugruppieren, um den schwerbedrängten rechten Flügel der 3. Armee Rudolf von Brudermann Entlastung zu bringen. Während dieser Umgruppierung nach Osten entstand aber eine Frontlücke zwischen der 1. Armee unter General Viktor Dankl und der 4. Armee, diesen Umstand nützte die russische 3. Armee unter General Russki zum Gegenangriff.

Erzherzog Joseph Ferdinand, Kommandant einer Armeegruppe bei Rawa Ruska

Verlauf der Schlacht[Bearbeiten]

Am Huczwa-Abschnitt blieb der linke und rechte Flügel der k.u.k. 4. Armee mit dem II. und XIV. Korps als neugebildete Armeegruppe Joseph Ferdinand im bisherigen Kampfraum stehen, während General der Kavallerie von Auffenberg die Masse der 4. Armee mit dem VI., IX. und XVII. Korps nach Südosten auf Rawa Ruska umgruppierte.

Während die Armeegruppe Joseph Ferdinand im Raum nördlich Rawa Ruska die Front vor dem Anmarsch des russischen XVII. und XXI. Korps nach Nordosten und Osten deckte, versuchte die südlicher stehende k.u.k. 3. Armee mit dem XI., III. und XII. Korps in einem verzweifelten Gegenangriff die südlich Lemberg vorgehende russische 8. Armee an der Wereszyca aufzuhalten. Oberbefehlshaber der k.u.k. 3. Armee war inzwischen General der Infanterie von Boroevic geworden, der sich mit seinem VI. Korps bei Komarow bewährt hatte.

Die 8. Infanterietruppendivision des XIV. Korps hatte die Aufgabe die Verbindung zwischen dem nördlicher zurückgehenden II. Korps (4. und 13. Division) (General der Infanterie Blasius Schemua) der Armeegruppe Joseph Ferdinand und der nach Rawa Ruska umgestaffelten 4. Armee aufrechtzuerhalten.

Die von der Abschneidung bedrohte 8. ITD. machte derweil gegen dem bei Telatyn durchgebrochenen russischen XXI. Korps Front nach Osten und versuchte am Huczwa-Abschnitt bei Tyszowce standzuhalten. Bei Posadow hielt die 2. Kavallerie-Division unter FML Emil von Ziegler lose Verbindung zur 3. Infanterietruppendivision, die südlicher isoliert in den unwegsamen Gebiet zwischen Korczmin und der Solokija positioniert war. Der Divisionsführer FML Roth konnte in den folgenden Tagen nur mit Mühe die Einkesselung seiner Division durch die Umfassung durch das russische XXI. Korps verhindern. Im Gefecht bei Hujcze wurde dabei das abgeschnittene Kaiserjäger-Regiment 2 am 6. und 7. September zerschlagen, der Regimentskommandeur Oberst Brosch von Aarenau war gefallen. Das k.u.k. II. Korps (Blasius Schemua) versuchte den Gegner auf den Höhen westlich von Tyszowce aufzuhalten, musste aber vor dem Druck des russischen XVII. Korps zurückweichen. Günstig für die Österreicher war der Umstand, das das bei Zamosc stehende russische XIX. Korps seinen Vormarsch nach Süden nicht energisch genug aufgenommen hatte. In diesem Abschnitt hielt die 1. Kavallerie-Division nur ungenügend die Verbindung zum X. Korps der k.u.k. 1. Armee aufrecht. Die zurückgehende Armeegruppe Joseph Ferdinand verlor zeitweilig an beiden Flanken die Verbindung zur übrigen Front und erlitt beim Rückzug erhebliche Verluste an Truppen und Material.

Der nach Osten in Richtung auf Lemberg angesetzte Flankenstoß des k.u.k. VI. Korps (15., 27. und 39. Division) im Raum Magierow brachte nicht die erwartete Entlastung und scheiterte gleichfalls.

Während sich die Armeegruppe Joseph Ferdinand, im Norden auch von der russischen 5. Armee verfolgt, am 8. September nach Süden zurückkämpfte, setzte die russische 3. Armee vom Osten her zum entscheidenden Stoß gegen Auffenbergs Armee an.

Das Einschwenken des russischen XXI. Korps (33. und 44. Division) unter General der Infanterie Schkinski über Uhnow drängte das k.u.k. XIV. Korps auf das vor Rawa Ruska stehende XVII. Korps zurück. Das russische XI. Korps (11. und 32. Division) unter General der Kavallerie Sacharow griff von Osten her erfolgreich gegen Rawa Ruska an. Das russische IX. Korps (5. und 42. Division) unter General der Infanterie Tscherbatschew rannte am Widerstand des k.u.k. VI. Korps (Arz von Straußenburg) bei Magierow fest. Südlich anschliessend ging das russische X. Korps (9. und 31. Division) unter General der Kavallerie Sievers bei Wiszenka gegen das k.u.k. IX. Korps (FML Friedel mit der 10., 25. und 26. Division) vor.

Das russische XI. Korps durchbrach am 10. September die Front des bei Rawa Ruska verteidigenden k.u.k. XVII. Korps (19. und 41. Division) des FML Karl Kritek und zwang die Österreicher zu verlustreichen Rückzugskämpfen.

Zu spät versuchten die jetzt vollständig aus Serbien eintreffenden Truppen (IV. und VII. Korps) der k.u.k. 2. Armee unter General der Kavallerie Eduard von Böhm-Ermolli südlich der Grodeker Teiche die Lage durch Gegenangriffe der Korpsgruppe Tersztyánszky am Südflügel der Front wiederherzustellen.

Folgen[Bearbeiten]

Durch den Sieg der russischen 3. Armee bei Rawa Ruska war Lemberg und Ostgalizien für die Österreicher verloren. Die Niederlage forderte schwere Opfer an Mannschaften und Material, der Rückzug zum San wurde unumgänglich. Die Schuld für die schwere Niederlage wurde General Auffenberg zugeschrieben, obwohl der Befehl, der 3. Armee zu Hilfe zu kommen, vom Generalstabschef Conrad von Hötzendorf selbst gekommen war, der die Probleme des teilweise sumpfigen Geländes völlig in seiner Planung vernachlässigt hatte. Der Oberbefehl über die 4. Armee wurde schließlich an Erzherzog Joseph Ferdinand übertragen. Die Mittelmächte konnten die Stadt Rawa-Ruska erst nach der Durchbruchsschlacht von Gorlice-Tarnow am 21. Juni 1915 zurückerobern.

Quellen[Bearbeiten]

  • Nikolai Golovin: The Great Battle of Galicia – A study in strategy (PDF; 58 kB) zuerst: Slavonic Review, vol. 5, 1926–27
  • Hermann Stegemann: Geschichte des Weltkrieges Band I., Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1917
  • Österreich-Ungarns letzter Krieg Band I. Das Kriegsjahr 1914, Herausgeber: Edmund Glaise-Horstenau Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen, Wien 1930, S. 269-294