Bewegungsunfähigkeit im Schlaf

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Die Schlafstarre, Schlaflähmung oder Schlafparalyse ist die nahezu vollständige Bewegungsunfähigkeit des Körpers während der Traumphasen. Dieser natürliche Vorgang verhindert, dass im Traum erlebte Muskelbewegungen auch in der Realität ausgeführt werden. Die Schlafstarre wird in der Regel nicht bewusst erlebt, da sie beim Aufwachen ohne Verzögerung beendet wird. Von der Starre ausgenommen sind die Atem- und Augenmuskulatur. Aufgrund der auftretenden Augenbewegungen wird die Schlafphase, in der Träume auftreten, auch als REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movement – Schnelle Augenbewegungen) bezeichnet. Die Schlaflähmung kann durch körperliche Berührung unterbrochen werden.

Unwillkürliches Erleben[Bearbeiten]

Die Schlafstarre kann auch über den Traum hinaus in die Wachphase andauern. In diesen Fällen spricht man von einem Wachanfall.[1] Es ist quasi das Gegenstück zur Narkolepsie („Schlafanfall“).[2] Bei wenigen Menschen geschieht dies regelmäßig. Zwar sind dabei alle Muskeln, auch die Augenlider, bewegungsunfähig, doch ist die Tiefensensibilität nicht länger mit einem Traumkörper identifiziert, sondern mit dem gelähmten physischen Körper. Dabei ist es möglich, dass sich die Augenlider unwillkürlich öffnen und in Folge reflextypisch blinzeln. Manche Menschen haben in diesem Zustand das Gefühl, zu ersticken, da sie ihre Atmung nicht spüren. Manchen gelingt es, mit äußerster Willenskraft Zehen oder Finger zu bewegen und sich so aktiv aus der Lähmung zu lösen. Andere schlafen wieder ein. Dieser Zustand der bewusst erlebten Schlafparalyse dauert üblicherweise nicht länger als zwei Minuten an.

Oft befindet sich der Geist während der Paralyse noch in einem verschlafenen Zustand, so dass er mit geöffneten Augen wieder zu träumen beginnen kann. Das bedeutet, man projiziert Trauminhalte visueller und taktiler Art nahtlos über die tatsächlichen sinnlichen Wahrnehmungen der geöffneten Augen sowie die der schwach ausgeprägten Körperempfindungen. Nicht selten treten auch auditive Fehlwahrnehmungen auf, welche ein breites Spektrum einnehmen können: Rauschen, Brummen, Knistern, Schrittgeräusche, Knall- und Explosionsgeräusche usw. über komplexere Geräusche (wie das Klingeln eines Telefons oder das Läuten der Türglocke) bis hin zu Musik und Stimmen. Die auditiven Ereignisse können ohne äußere Ursache auftreten oder auch durch externe – meist völlig anders geartete – Geräusche ausgelöst werden.

Einige Menschen besitzen die Fähigkeit, aus dem Zustand der Schlafparalyse eine so genannte außerkörperliche Erfahrung (AKE) herbeizuführen. Bei dieser hat der Paralysierte den Eindruck, seinen materiellen Körper hinter sich lassen zu können, um sich mit einem zweiten immateriellen Körper durch seine Umgebung zu bewegen.

Menschen, die Schlafstarre zum ersten Mal bewusst erleben, kommen jedoch meist nicht auf die Idee, sie könnten selbst „verantwortlich“ sein für das, was um sie geschieht. Nachdem sie erkennen, dass sie gelähmt sind, überkommt viele eine Urangst des Ausgeliefertseins und diese führt wahrscheinlich zum Projizieren der Befürchtungen. So jedenfalls erklären sich viele den Ablauf im Nachhinein.

Die Schlafstarre kann in einem medizinischen Schlaflabor, welches es in vielen Krankenhäusern gibt, abgeklärt werden.

Bewusstes Herbeiführen[Bearbeiten]

Durch Klarträume kann ein Bewusstsein für den paralysierten Körper erreicht werden. Hierbei gelingt jedoch meist nicht das Öffnen der Augen und es kommt daher zu keinen Halluzinationen. Stattdessen kommen und gehen Traumsequenzen hinter geschlossenen Augen. Dasselbe gilt für die WILD-Technik, bei der man den Körper in den Schlaf sinken lässt, jedoch im Geist ohne Unterbrechung konzentriert einen Klartraum einleitet.

Häufig erleben Klarträumer ein sogenanntes falsches Erwachen. Sie glauben dann möglicherweise mit offenen Augen im Bett zu liegen, fühlen tatsächlich vage den physischen Körper und beginnen nun zum Beispiel Traumbilder in ihr geträumtes Schlafzimmer zu projizieren. Das Szenario kann also inhaltlich identisch erlebt werden, wie die für Schlafstarre typischen Halluzinationen, ist jedoch um ein vielfaches weniger intensiv. Für den Kenner beider Zustände sind diese daher unverwechselbar.

Außerkörperliche Erfahrungen[Bearbeiten]

Das bewusste Erleben der Schlafstarre wird, insbesondere im Zusammenhang mit dem bereits genannten Wahrnehmen von Sinneseindrücken im Zustand der Hypnagogie, von einigen Personenkreisen als ein Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende außerkörperliche Erfahrung angesehen.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Schlaflähmungen treten auch als eines der Symptome der Narkolepsie, einer seltenen neurologischen Erkrankung auf. Sie gehören dann zur sogenannten narkoleptischen Tetrade.[3] Etwa 40–50 % der Patienten sind betroffen.[4] Weil die Schlaf-Wach-Regulation gestört ist, kann die eigentlich an eine Schlafphase gebundene Schlaflähmung am Übergang vom Wachsein zum Schlafen (hypnagoge Form) oder am Übergang vom Schlafen zum Wachsein (hypnopompe Form) auftreten.

Isolierte Schlaflähmungen können sporadisch (bei circa sechs Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben) oder mit familiärer Häufung auch ohne Narkolepsie auftreten.[5]

Schlaflähmung ist nicht selten. Eine iranische Studie aus dem Jahr 2004 hat gezeigt, dass ca. 25 % von befragten Studenten mindestens einmal in ihrem Leben eine Schlaflähmung bekommen haben, die sie miterlebten.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Hacke: Neurologie. Springer, 2010, ISBN 3-642-12382-1, S. 398. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. Walter Gehlen, Heinz-Walter Delank: Neurologie. Georg Thieme Verlag, ISBN 3-131-67722-8 eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. Yoss RE, Daly DD: Criteria for the diagnosis of the narcoleptic syndrome. Proc Staff Meetings Mayo Clin. 32: 320, (1957)
  4. Geert Mayer. Narkolepsie. Taschenatlas Spezial. Stuttgart: Thieme, 2006. S. 34 ff.
  5. Mayer, G. und Kotterba, S., Narkolepsie - Diagnose und Therapie, Dt Ärztebl 2001; 98: A 249–254 [Heft 5]
  6. F. Sedaghat-Hamedani, E. Kayvanpour, S. Rezai: Prevalence of sleep paralysis and other symptoms of narcolepsy in Iranian Medical Students"-3rd scientific conference for GCC Medical Students. 2004