Schloss Le Champ de Bataille

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Luftbild des Schlosses Le Champ de Bataille mit einem Teil des weitläufigen Schlossparks

Das Schloss Le Champ de Bataille (frz. Château du Champ de Bataille) steht zwischen Le Neubourg und Sainte-Opportune-du-Bosc im Département Eure in der Haute-Normandie im Norden Frankreichs, inmitten der sogenannten Campagne du Neubourg, die im Westen durch den Fluss Risle und im Osten durch den Fluss Iton begrenzt wird.

Erste Teile der Anlage stehen seit Mai 1952 als Monument historique unter Denkmalschutz. Weitere Partien des Schlosses wurden 1971 und 1995 in die französische Denkmalliste aufgenommen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Bernhard der Däne gilt als der Stammvater des Hauses Harcourt,[2] er war ein Gefolgsmann von Wilhelm Langschwert, dem Sohn Rollos. Viele Quellen behaupten, dass er an der Schlacht bei Sainte-Opportune-du-Bosc teilnahm, in der 935 Wilhelm Langschwert gegen Robert den Dänen kämpfte und die Champ-de-Bataille seinen Namen gab.[3] Das ist jedoch historisch unwahrscheinlich, da Robert der Däne 1037 gestorben ist und somit 935 entweder sehr jung oder aber insgesamt weit über 100 Jahre alt geworden wäre. Deshalb gehen andere Quellen davon aus, dass diese Legende erfunden wurde und der Platz Champ-de-Bataille heißt, weil er einmal einem Herrn namens Bataille gehört hat.[4]

Eingang zum Schloss

Als die Mitglieder der Fronde 1650 von Jules Mazarin verhaftet oder in die Provinz geschickt wurden, war Graf Alexandre von Créquy-Bernieulle (1628–1703), einer der Freunde des Fürsten von Condé[5] die in die Provinz geschickt wurden. Er ließ das Schloss Le Champ de Bataille zwischen 1653 und 1665 erbauen.

Nach dem Tode von Alexandre von Créquy-Bernieulle erbte dessen Neffe Gabriel-René, Marquis von Mailloc das Schloss. Er heiratete im Juli 1720 Claude-Lydie d’Harcourt, und nach seinem Tod 1724 fiel das Anwesen an seinen Neffen Anne-François d’Harcourt, Herzog von Beuvron (1727–1797).[4][6]

Während der Französischen Revolution wurde das Schloss geplündert.[7] 1802 war das Schloss noch im Besitz des Zweiges Beuvron der Familie Harcourt. Thomas Thornton schrieb damals über das Schloss, es sei schön und es sei ihm zum Kauf angeboten worden, aber es habe keine Wasserversorgung und deshalb wolle er es nicht.[8] 1805 wurde es verkauft.

1903 wurde es vom Grafen Harcourt, dem direkten Nachfahren des Herzogs von Beuvron zurückgekauft. 1936 wurde es schon wieder verkauft und als Waisenhaus genutzt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es von britischen Truppen besetzt, dann von deutschen Truppen, um schließlich, nach der Befreiung, als Kriegsgefangenenlager zu dienen. 1948 wurde es vom Herzog Harcourt zurückgekauft, der es bis 1959 renovieren ließ. 1966 feierte die Familie Harcourt auf Schloss Champ-de-Bataille ihr tausendjähriges Bestehen seit dem ersten Harcourt, der den Familiennamen trug, Anquetil d’Harcourt.[9]

1992 wurde das Schloss vom Architekten und Dekorateur Jacques Garcia gekauft, der die heutigen Gärten des Schlosses entworfen hat.[4][3] Er erhielt den Henri Texier Preis für die Restaurierung und Möblierung des Schlosses.[10]

Bauwerk[Bearbeiten]

Nordostseite

Das Schloss wurde von Louis Le Vau entworfen, dem Architekten, der in den Jahren 1669/70 auch am Bau des Schloss Versailles beteiligt war.[11] Es ist aus Stein und Backstein im Stil der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut. Auf zwei gegenüberliegenden Seiten des quadratischen Innenhofes steht jeweils ein fast 80 Meter langes Hauptgebäude, das von Pavillons flankiert wird, an deren Ecken kleine runde Türmchen angebracht sind. Diese parallelen Gebäude sind an einer Seite durch eine starke Mauer verbunden, die ebenfalls in Stein und Backstein erbaut ist. An der vierten Seite befindet sich eine Terrasse mit Balustraden an deren Ende man über eine Freitreppe in den Garten gelangt.[12]

Die Innenausstattung wurde im neoklassizistischem Stil des späten 18. Jahrhunderts ausgeführt. Auch die sich über zwei Geschosse erstreckende Schlosskapelle mit ihrem ovalen Grundriss stammt aus dieser Zeit.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Jardin des dieux, der „Garten der Götter“

Die Innenräume des Schlosses, Garten und Park können entgeltlich besichtigt werden. Der Garten gehört zu den vom französischen Kulturministerium als „bemerkenswert“ prämierten Gärten (französisch: Jardin remarquable) und zu den durch den Concours des villes et villages fleuris gewählten schönsten Gärten Frankreichs.[13] Der Park ist 17 Hektar groß. Der Garten ist als Barockgarten im Stil André Le Nôtres angelegt, mit Hainen, kunstvoll gestaltetem Parterre, Teichen und Alleen. Der Themengarten der Götter (Jardin des dieux) mit seiner „Säule des Zephyr“, dem „Eiskeller der Kybele“, den „Fackeln des Prometheus und der „Voliere des Aktaion“, wurde von der klassischen Mythologie inspiriert. Er ist von Kanälen mit Wasserspielen durchzogen. Im Garten finden im Juli und August Freiluftopernvorstellungen und Abendgesellschaften statt.[14]

Die 18-Loch-Golfanlage Le Champ de Bataille, die der Stadt Neubourg gehört, liegt mit ihren 60 Hektar inmitten eines alten Waldes direkt am Schloss.[15]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Raymond Bordeaux: Excursion archéologique du 2 Octobre. In: Société française pour la conservation des monuments historiques (Hrsg.): Congrès archéologique de France. Derache, Paris 1857, S. 223-225 (online).
  • Jean-Jacques Gautier, Jean-Louis Gaillemain (Red.): Champ de Bataille. Société française de promotion artistique, Paris 1997, ISSN 1242-9198.
  • Robert Schezen, Laure Murat: Schlösser und Landsitze in Frankreich. Heyne, München 1991, ISBN 3-453-05185-8, S. 58.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Le Champ de Bataille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schloss Le Champ de Bataille in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch), Zugriff am 11. August 2009.
  2.  François-René de Chateaubriand: Analyse raisonnée de l'histoire de France. In: Oeuvres complètes de Chateaubriand. 10, Garnier, Paris 1861, Féodalité, Chevalerie, Education, moeurs générales des XIIe, XIIIe et XIVe siècles (auf Gallica). (französisch)
  3. a b  Philippe Aubry (Hrsg.): Châteaux de Normandie. In: Maisons Normandes Hors-Série. 2, VIP International, 2008, S. 60–75. (französisch)
  4. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRetour à Champ de Bataille. Abgerufen am 23. Februar 2009 (französisch).
  5.  Klaus Malettke: Opposition und Konspiration unter Ludwig XIV. Studien zu Kritik und Widerstand gegen System und Politik des französischen Königs während der ersten Hälfte seiner persönlichen Regierung. Vandenhoeck und Ruprecht, 1976, ISBN 9783525353592, S. 1998.
  6.  Célestin Hippeau: Le gouvernement de Normandie au XVIIe et au XVIIIe siècle. G. de Laporte, Harcourt 1863, S. 104f (auf Google books). (französisch)
  7. Château du Champ-de-Bataille auf normandygite.uk (englisch), Zugriff am 12. August 2009.
  8.  Thomas Thornton: A sporting tour through various parts of France, in the year 1802. 1, Longman, London 1806, S. 38 (auf Gallica). (englisch)
  9.  Yves Guéna: Château et territoire: limites et mouvances. Presses Univ. Franche-Comté, 1995, ISBN 9782251605951, S. 201. (französisch)
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatChristin Velan: Es ist alles Gold, was glänzt. Berliner Zeitung, 8. Januar 2005, abgerufen am 24. Februar 2009.
  11. Château du Champ de Bataille auf travelandleisure.com (englisch), Zugriff am 12. August 2009.
  12. R. Bordeaux: Excursion archéologique du 2 Octobre. In: Société française pour la conservation des monuments historiques (Hrsg.): Congrès archéologique de France. Selbstverlag, Paris 1857, S. 224 (online).
  13. Jardins remarquables, Zugriff am 14. August 2011.
  14.  A. Blanchard, M. Delafenêtre, Lisa Pascual: Jardins en Normandie. Eure. Connaissance des Jardins, Caen 2001, ISBN 2912454077, S. 26f. (Französisch)
  15. Le Champ de Bataille Golf Course (englisch), Zugriff am 12. August 2009.

49.1683333333330.85916666666667Koordinaten: 49° 10′ 6″ N, 0° 51′ 33″ O