Schloss Liebenstein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Schloss in Oberösterreich siehe Schloss Liebenstein (Arnreit), zu demjenigen im Göppinger Stadtteil Jebenhausen siehe Schloss Liebenstein (Jebenhausen)

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Schloss Liebenstein
Schloss Liebenstein

Schloss Liebenstein

Entstehungszeit: um 1230
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Schildmauer, Bergfried, Wirtschaftsgebäude
Geographische Lage 49° 2′ 11,4″ N, 9° 11′ 38,8″ O49.03659.1941111111111Koordinaten: 49° 2′ 11,4″ N, 9° 11′ 38,8″ O
Schloss Liebenstein (Baden-Württemberg)
Schloss Liebenstein
Schloss Liebenstein im Kieserschen Forstlagerbuch 1684

Das Schloss Liebenstein südlich von Neckarwestheim im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg geht auf die mittelalterliche Burg der Herren von Liebenstein zurück, kam 1678 in den alleinigen Besitz von Württemberg und 1982 in den Besitz der Gemeinde Neckarwestheim. Die Anlage wird heute von einem Golfclub genutzt.

Geografie[Bearbeiten]

Schloss Liebenstein liegt etwa einen Kilometer südlich von Neckarwestheim auf einem schmalen, steil abfallenden Bergrücken. In zwei bis drei Kilometern Entfernung verläuft westlich des Schlossbergs das Tal des Neckars. Zwischen Schloss und Neckar liegt im Nordwesten das Kernkraftwerk Neckarwestheim.

Schloss Liebenstein und der Itzinger Hof in der Kieserschen Forstkarte um 1680

Geschichte[Bearbeiten]

Schlosskapelle
Schlussstein im Chorgewölbe der Schlosskapelle
Das Schlosstor vom Bergfried aus gesehen

Sitz der Herren von Liebenstein[Bearbeiten]

Wirtschaftsgebäude des Schlosses
Bergfried
Wappenfiguren am Schloss
Torhaus

Ein Zweig der Herren von Liebenstein kam im Laufe des 11. Jahrhunderts aus dem südlichen Elsass, wo sie ihren Stammsitz hatten, der um 1300 an die Grafen von Pfirt fiel. Der älteste nachweisbare Stammherr der Neckarwestheimer Linie ist der um 1200 genannte Reinhard von Liebenstein, auf den und dessen Sohn Albrecht I. vermutlich zwischen 1200 und 1250 der Bau des ältesten Teils der Burg Liebenstein bei Neckarwestheim auf ehemaligem Besitz der 1212 ausgestorbenen Grafen von Lauffen zurückgeht. Dendrochronologischen Untersuchungen zufolge wurde der Bergfried als ältester Teil der Burg zwischen 1230 und 1240 errichtet.[1]

Um das Untere Schloss mit westlichem Hauptbau und Bergfried im romanischen Stil, für das auf dem schmalen Bergrücken nur wenig Platz war, zogen sich ein Graben und eine Ringmauer mit Wehrgängen. 1225 wurde der Itzinger Hof im nahe gelegenen Seebronnental errichtet. Kurz vor seinem Tod stiftete Albrecht I. mit Einwilligung seines Sohnes Albrecht II. im Jahr 1261 im Itzinger Hof ein Dominikanerinnen-Nonnenkloster, das bis 1666 auch Begräbnisstätte der Herren von Liebenstein war. Um 1290 vereinigte sich das Kloster Itzingen mit dem Benediktiner-Nonnenkloster in Lauffen.

Unter den Söhnen Albrechts II. bildeten sich mehrere Familienlinien aus. Von Konrad I. († 1363) stammen die Ottmarsheimer Linie, die Heinrichslinie sowie die Linie des oberen und des unteren Hauses ab, letztere benannt nach ihren Anteilen an Schloss Liebenstein und entstanden bei der Erbteilung nach dem Tod Peters I. 1445 zwischen seinen Söhnen Peter II. und Konrad. Im Jahr 1500 war Peter III. von Liebenstein der Stammhalter des oberen Hauses, Hanns III. Stammhalter des unteren Hauses.

Das obere Schloss wurde 1525 bis 1600 umfassend in sein heutiges Aussehen mit ausgesprochen wohnlichem Charakter umgebaut. Saalartige Räume, Dachterrassen, Treppenturm, Erker, Schlossküche, Hauskapelle sowie die Nebengebäude Zehntscheuer, Meierei, Fruchtkasten, Altes Bandhaus, Neues Bandhaus, Schmiede, Backhaus, Schafhaus und Heubäulein in malerischer Architektur ganz im Stil der Renaissance gaben dem Anwesen einen repräsentativen Charakter.

1590 bis 1599 wurde die Schlosskapelle im Renaissancestil im Auftrage Bernhards von Liebenstein († 1596) von dem Heilbronner Baumeister Jacob Müller erbaut. Dieser schuf auch im Auftrage von Bernhards Sohn Albrecht († 1608) das Liebenstein-Doppelgrabmal in der Bönnigheimer Kirche. Das Grabmal des Conrad von Liebenstein († 4. März 1620) in der Schlosskapelle befand sich einst im Kloster Itzingen.

Die meisten Liebensteiner weltlichen Standes waren zumeist in württembergischen Diensten: Friedrich I. und Hans V. waren im 15. Jahrhundert württembergische Räte, Bernhard († 1596) und Albrecht († 1608) waren Obervögte in Lauffen am Neckar, Philipp († 1637, oberes Haus) war württembergischer Obervogt in Vaihingen an der Enz. Kaiser Ferdinand zog 1631 einen Teil des oberen Schlosses ein, weil sich Philipp in der Schlacht bei Nördlingen zu stark für die Schweden eingesetzt hatte. Nachdem das Schloss kurzzeitig dem Grafen von Trauttmannsdorff gehörte, der nach dem Tode Wallensteins leitender Minister des Kaisers war, erfolgte 1639 die Rückgabe des oberen Schlosses an die Herren von Liebenstein.

Mit dem Tod von Friedrich Albert von Liebenstein erlosch 1657 der Mannesstamm der oberen Linie. Die Güter wurden an Philipp Konrad I. vom unteren Haus vererbt, der damit den gesamten Familienbesitz auf sich vereinte. Seine drei Söhne Philipp Reinhard, Philipp Konrad II. und Philipp Albrecht gründeten 1666 eine Erbgemeinschaft. Nach dem Tode Philipp Reinhards, des ältesten der Brüder, kam es um 1670 zum Streit zwischen Philipp Konrad II. und Philipp Albrecht, was dazu führte, dass der Besitzer des unteren Hauses nicht mehr zum oberen Tor hinaus ging, sondern durch die Mauer neben der Schlosskapelle selbst ein Tor für einen Weg ins Tal hauen ließ.

Württemberger Alleinbesitz ab 1678[Bearbeiten]

Am 4. September 1673 verkaufte Philipp Albrecht an Herzog Eberhard III. von Württemberg (1628–1674) das obere Schloss, etwa zwei Morgen des Sees und die halbe Herrschaft für 50.000 Gulden und 230 Dukaten. Am 28. Mai 1678 tauschte Philipp Konrad II. seine restliche halbe Herrschaft und das untere Schloss mit dem Haus Württemberg gegen die andere Hälfte des Dorfes Köngen bei Esslingen mit dessen vorderem Schloss und allen Zugehörigkeiten und noch zusätzlich 13.000 Gulden. Herzog Eberhard III. bezahlte als Käufer aus seiner Privatschatulle und war Besitzer der gesamten Liebensteiner Herrschaft mit Schloss Liebenstein, Kaltenwesten, Ottmarsheim, Kloster und Weiler Itzingen, halb Holzweiler sowie Güter und Gefälle in Ilsfeld und Auenstein. Württemberg richtete zur Verwaltung des Besitzes dort eine Stabskellerei ein. Die Familie von Liebenstein versuchte 1773 vergeblich, durch eine Aufsehen erregende Klage den Verkauf der Herrschaft Liebenstein von 1673/78 zu bestreiten.

Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges rückten im Jahr 1693 rund 5000 Franzosen auf Besigheim zu. Der Vogt von Besigheim hatte einen Teil seiner Akten auf Schloss Liebenstein untergebracht. Die plündernden Soldaten fanden alle Akten und vernichteten sie.

Um 1800 versuchte das Haus Württemberg, die Schlosskapelle auf Abbruch zu verkaufen. Da kein Käufer gefunden wurde, wurde die Kapelle dem Verfall preisgegeben. 1807 wurden die Überreste des Itzinger Hofes auf Abbruch verkauft.

Am 8. Juni 1812 wurde die Domäne Liebenstein durch einen Tauschvertrag an das Oberfinanzkammeramt von Großbottwar abgetreten. Der Vertrag wurde bereits 1819 rückgängig gemacht. Die königliche Hofdomänenkammer verwaltete wieder das Anwesen und verpachtete das Gut mit 390 Morgen Land für jährlich 4765 Gulden an zwei Landwirte. Das Schloss bestand zu dieser Zeit aus zwei Gebäuden. Die beiden Pächter wohnten im ehemaligen Jägerhaus, das andere Gebäude war der Wohnsitz des Hofkammerförsters. Die restlichen Gebäude auf dem Gut wurden als Wohnungen für die Angestellten und als Stallungen benutzt. Die königliche Hofdomänenkammer übernahm 1846/49 auch den Itzinger Hof mit noch 107 Morgen Land.

Im September 1840 war der schwäbische Dichter Eduard Mörike auf Schloss Liebenstein zu Besuch. 1843 wurde Liebenstein Mitglied im Kirchen- und Schulverband Neckarwestheim. Die Pächter verpflichteten sich im Jahr 1851, zwölf arme Knaben als Ackerknechte heranzubilden. Diese mussten unentgeltlich vom 14. bis zum 18. Lebensjahr arbeiten und bekamen freie Kost, Kleidung und Unterkunft.

1884 war das hofkammerliche Forstamt in Teilen des Schlosses untergebracht. Im übrigen Teil wohnten zwei Familien mit insgesamt 43 Personen. Die landwirtschaftliche Domäne wurde zu dieser Zeit, laut Bericht des damaligen Schultheißen, von zirka 60 bis 80 Arbeitskräften bewirtschaftet. Im Jahr 1892 betrug die Zahl der Schlossbewohner noch 23.

1914 wurde die vordere Außenfront der Schlosskapelle renoviert.

Am 12. April 1945 beschoss die französische Artillerie das Schloss, das von deutschen Soldaten besetzt war, aus Richtung Bönnigheim. Von sechs Granaten trafen vier den Turm und zwei das Schlossgebäude, ohne jedoch jemanden zu verletzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg boten das Schloss und seine Nebengebäude 46 Heimatvertriebenen ein neues Zuhause.

Die verfallene Schlosskapelle wurde 1972 bis 1976 von Grund auf renoviert. Sie erhielt 1983 die Kirchenbänke der Heilbronner Martin-Luther-Kirche, auf die man dort zugunsten einer flexibleren losen Bestuhlung verzichtet hatte.[2]

Besitz der Gemeinde Neckarwestheim seit 1982[Bearbeiten]

Die Hofkammer verkaufte 1982 das Schloss und 14,5 Hektar Land an die Gemeinde Neckarwestheim, die es dem Trägerverein Schloss Liebenstein Sport-, Kultur- und Freizeitanlagen GmbH und Co. KG zuführte. Am 14. September 1982 wurde der Golf- und Landclub Schloss Liebenstein e. V. gegründet und der Ausbau des Geländes zu einem 27-Loch-Golfplatz begann.

Nach einer gründlichen Bauaufnahme folgte bis 1985 die Renovierung und der Umbau des oberen Schlosses in ein Hotel und Restaurant nebst Clubräumen des Golfclubs. Der Bergfried wurde 1987 restauriert und begehbar gemacht. 110 Stufen führen auf die Aussichtsplattform.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Rolf Muth: Paralellen zur Wimpfener Geschichte. In: Heilbronner Stimme. 18. Juni 2010 (bei stimme.de, abgerufen am 27. Juli 2010).
  2. Evangelische Emmaus-Kirchengemeinde Heilbronn (Hrsg.): Festschrift zum Kirchenjubiläum AD 2004 – 70 Jahre Martin-Luther-Kirche – 40 Jahre Kreuzkirche, Heilbronn 2004.

Literatur[Bearbeiten]

  • Elisabeth Zipperlen: Liebenstein und die Liebensteiner. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter 18/1966.
  • Eugen Gradmann: Kunstreiseführer Württemberg und Hohenzollern. Sonderausgabe. Gondrom, Bindlach 1988, ISBN 3-8112-0591-9.
  • Wolfgang W. Kress: Burgen und Schlösser am Neckar. Von Esslingen bis Mannheim. DRW-Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-87181-259-5.
  • Neckarwestheim 1884–1984. Ein Abschnitt unserer Ortsgeschichte. Walter-Verlag, Brackenheim-Hausen 1984.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Liebenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien