Schloss Rheinsberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schloss Rheinsberg

Schloss Rheinsberg liegt in der Gemeinde Rheinsberg, etwa 100 km nordwestlich von Berlin im Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Das am Ostufer des Grienericksees gelegene Schloss gilt als Musterbeispiel des sogenannten Friderizianischen Rokokos und diente auch als Vorbild für Schloss Sanssouci.

Geschichte[Bearbeiten]

Südlicher Schlossturm
Schloss Rheinsberg um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Blick vom Schlosspark auf das Schloss
Der Hauptflügel von Schloss Rheinsberg (Seitenansicht)

Wo sich heute das Schloss Rheinsberg befindet, stand im Mittelalter eine Wasserburg. Die Familie von Bredow hatte die Herrschaft Rheinsberg im Jahre 1464 von den von Platen erheiratet und ließ nach 1566 ein Wasserschloss in Renaissanceformen an dessen Stelle erbauen, das im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt wurde. 1618 wurde das Schloss an Kuno von Lochow verkauft.

Nach dem Aussterben der Linie fiel es an Kurfürst Friedrich Wilhelm, der es seinem General Franz du Hamel schenkte. Mit Genehmigung des Kurfürsten verkaufte der es aber an Benjamin Chevenix de Beville, der das Anwesen im März 1734 für 75.000 Taler dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. veräußerte. Friedrich Wilhelm wiederum schenkte es seinem Sohn Kronprinz Friedrich, dem späteren König Friedrich II. für dessen Loyalität. 1736 zog dieser mit seiner Frau Prinzessin Elisabeth Christine in den südlichen Flügel des Schlosses. In den Jahren bis 1740 ließ Friedrich das Schloss umfangreich, von den Baumeistern Johann Gottfried Kemmeter und Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der von Kemmeter das architektonische Handwerk gewissermaßen erlernte, ausbauen und erweitern. So wurde der eingeschossige Bau um ein Obergeschoss ergänzt und der Ostflügel um 25 Meter verlängert.

Friedrich selbst bezeichnete seine Jahre auf Schloss Rheinsberg immer als die „glücklichsten seines Lebens“. Hier gründete er die erste Freimaurerloge in Preußen.[1] Seine Zeit in Rheinsberg endete 1740 mit der Thronbesteigung.

Vier Jahre später schenkte er es seinem jüngeren Bruder Heinrich, der 1752 mit seiner Frau Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel einzog und bis zu seinem Tod dort wohnte. Der kunstbegeisterte Prinz machte sich daran, das Schloss und den dazugehörigen Park zu erweitern und verschönern. 1786 vervollständigten Georg Friedrich von Boumann und Carl Gotthard Langhans das Schloss nach den ursprünglichen Plänen. Langhans war bereits 1766 für wenige Wochen in Rheinsberg und fertigte Entwürfe für den Prinzen Heinrich, die in den Folgejahren von seinem Bauintendanten Carl Wilhelm Hennert umgesetzt wurden. Boumann errichtete 1785/86 die beiden Pavillons am Schloss, die vermutlich schon Langhans aufriss. Bereits zu Lebzeiten ließ Heinrich seine Grabstätte in Form einer abgebrochenen Pyramide im Garten errichten, in der er nach seinem Tod 1802 beigesetzt wurde. Die französische Inschrift verfasste Heinrich selbst.

Zu literarischer Bekanntheit gelangte das Schloss durch Theodor Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg und die Erzählung Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte. von Kurt Tucholsky.

Bis zur Enteignung 1945 gehörten Schloss und Gut dem Haus Hohenzollern. In der DDR war im Schloss eine Diabetiker-Klinik untergebracht. Heute gehört das Schloss mit seinen Gartenanlagen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Nach aufwendigen und umfangreichen Restaurierungen ist das Schloss heute wieder als Museum zu besichtigen und beherbergt auch das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum. Im ehemaligen Kavaliershaus ist seit 1991 die Bundes- und Landesmusikakademie untergebracht, die das Schlosstheater betreibt. Seit 1991 findet das internationale Opernfestival Kammeroper Schloss Rheinsberg im Schlosstheater (Kavalierhaus), Schlosshof und Naturtheater (Heckentheater) statt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. v. Etzel, Franz August, Geschichte der Grossen-National-Mutterloge in den Preussischen Staaten, Berlin 1867, S. 1ff

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Rheinsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 1 (Grafschaft Ruppin) „Rheinsberg“
  • Andrew Hamilton: Rheinsberg. Das Schloß, der Park, Kronprinz Friedrich und Bruder Heinrich. Ausgewählt und hrsg. von Franz Fabian. Nach einer Übersetzung [aus dem Englischen] von Rudolf Dielitz. (zuerst erschienen in London 1872), Aufbau Verlag, Berlin 1992, ISBN 3351021119
  • Ludwig Sternaux: Mein kleines Sanssouci. Schloß Rheinsberg und seine Erinnerungen. Hahn's Erben, Berlin 1936
  • Generaldirektion der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hrsg.): Rheinsberg: Eine märkische Residenz des 18. Jahrhunderts. Ausstellung vom 21. – 29. Juni 1985 im Schloss Rheinsberg. (= Katalog der Ausstellung zur 650-Jahrfeier der Stadt Rheinsberg 1985, Gestaltung: Herbert Sander), Generaldirektion der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Potsdam 1990
  • Christian von Krockow: Rheinsberg. Ein preußischer Traum. E. A. Seemann, Leipzig 1992, ISBN 3363005547
  • Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Schloß Rheinsberg. Amtlicher Führer der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam 1993

53.09861111111112.889444444444Koordinaten: 53° 5′ 55″ N, 12° 53′ 22″ O