Seeschlacht von Çeşme

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Seeschlacht von Çeşme
Seeschlacht von Çeşme von Iwan Aiwasowski (1881)
Seeschlacht von Çeşme von Iwan Aiwasowski (1881)
Datum 5. Juli bis 7. Juli 1770
Ort Bucht von Çeşme, Westtürkei
Ausgang Vernichtung der osmanischen Flotte
Konfliktparteien
Russisches KaiserreichRussisches Kaiserreich (Seekriegsflagge) Russisches Reich Osmanisches Reich 1453Osmanisches Reich Osmanisches Reich
Befehlshaber
Russisches KaiserreichRussisches Kaiserreich (Seekriegsflagge) Alexei Orlow
Russisches KaiserreichRussisches Kaiserreich (Seekriegsflagge) Grigori Spiridow
Russisches KaiserreichRussisches Kaiserreich (Seekriegsflagge) John Elphinstone
Osmanisches Reich 1453Osmanisches Reich Hosameddin Pascha
Osmanisches Reich 1453Osmanisches Reich Hassan Pascha
Osmanisches Reich 1453Osmanisches Reich Dschaffer Bey
Truppenstärke
9 Linienschiffe,

3 Fregatten, 4 Feuerschiffe, 4 Nachschubschiffe

16 Linienschiffe,

6 Fregatten, 6 Schebecken, 13 Galeeren, 32 kleinere Schiffe; etwa 1300 Kanonen

Verluste
etwa 500 Tote etwa 11.000 Tote

Die Seeschlacht von Çeşme ereignete sich zwischen dem 5. Juli und dem 7. Juli 1770 in der Nähe der osmanischen Hafenstadt Çeşme. Sie war ein Teil der Orlow-Revolte in Griechenland, einem Vorläufer der späteren Griechischen Revolution, und die erste aus einer Reihe von siegreichen russischen Seeschlachten gegen das Osmanische Reich.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der 5. Russisch-Türkische Krieg begann im Jahr 1768 und Russland entsandte mehrere Ostsee-Schwadronen ins Mittelmeer, um die osmanische Aufmerksamkeit von der sich noch im Aufbau befindenden neuen Schwarzmeer-Flotte abzulenken, die erst aus sechs Kriegsschiffen bestand. Zwei russische Schwadronen, angeführt vom Admiral Grigori Spiridow und dem britischen Berater, Admiral John Elphinstone, vereinigten sich unter dem Oberbefehl des Grafen Alexei Orlow und begannen, nach der türkischen Flotte zu suchen.

Verlauf[Bearbeiten]

Am 5. Juli 1770 fanden die Russen die osmanische Flotte vor Anker nördlich der Çeşme-Bucht in der westlichen Türkei. Auch wenn nicht alle Details über die türkische Flotte bekannt sind, beinhaltete sie in etwa 14 bis 16 Linienschiffe, darunter Real Mustafa mit 84 Kanonen, Rhodos mit 60 Kanonen, sowie ein 100-Kanonen-Flaggschiff. Zusätzlich bestand sie aus etwa 6 Fregatten, 6 Schebecken, 13 Galeeren und 32 kleineren Schiffen mit einer Gesamtfeuerkraft von 1300 Kanonen. Zehn Linienschiffe mit je 70 bis 100 Kanonen der vor Anker liegenden türkischen Flotte bildeten die türkische Hauptreihe, sechs andere bildeten die zweite Reihe, wobei die Reihen so organisiert waren, dass die hinteren Schiffe durch die Räume zwischen den Schiffen vorderer Reihe feuern konnten. Dahinter befanden sich die Fregatten, die Schebecken usw. Die Flotte wurden von Kapudan Pascha Hosameddin befehligt.

Nachdem ein Angriffsplan zusammengestellt worden war, segelte die russische Kampfreihe Richtung südlicher Seite der türkischen Hauptreihe, drehte nach Norden und eröffnete im Vorbeifahren direkt vor den Türken die Schlacht. Anfangs hatten die Russen Probleme, die Formation zu halten, doch mit zunehmender Schlachtdauer gelang es ihnen besser. Die beiden Schiffe St. Eustaphius und Real Mustafa, wurden in einen direkten Kampf miteinander verwickelt, bis das türkische Schiff Feuer fing. Sein brennender Mast stürzte auf St. Eustaphius, das ebenfalls Feuer fing. Kurz darauf explodierte Real Mustafa. Georgi Spiridow und der Bruder des anderen Kommandierenden Graf Fjodor Orlow konnten St. Eustaphius rechtzeitig verlassen.

Am 6. Juli beschossen die Russen den ganzen Tag türkische Schiffe und Ziele an Land und am nächsten Tag sandte Orlow Samuel Greigh mit sieben Schiffen in einer Linienformation gegen die Türken. Bald darauf brannten drei türkische Schiffe, deren Feuer sich schnell auf die gesamte türkische Flotte ausbreitete, bis sie vollständig abbrannte und versank. Der Kampf endete in der Nacht auf den 8. Juli. Die russischen Verluste waren, abgesehen von der Besatzung des untergegangenen St. Eustaphius, minimal. Die Verluste der Türken waren bedeutend höher. Hosameddin Pascha, Hassan Pascha und Dschaffer Bey überlebten. Der erste wurde als Konsequenz der Niederlage von seinem Posten enthoben.

Bedeutung[Bearbeiten]

Die Seeschlacht von Çeşme wurde gleichzeitig mit der Schlacht von Larga ausgetragen. Sie wurde zur größten osmanischen Niederlage auf See seit der Schlacht von Lepanto im Jahr 1571. Die Schlacht förderte in Russland das Vertrauen in die Flotte und sicherte den Russen die Kontrolle in der Ägäis. Im Osmanischen Reich inspirierte die Vernichtung der Flotte viele Minderheiten zu Aufständen.

Katharina die Große befahl den Bau von vier Monumenten, um den Sieg zu ehren: Den Tschesma-Palast und die Tschesmensker Kirche in Sankt-Petersburg (1774-77), der Obelisk in Gattschina (1775) und die Tschesma-Kolonne in Zarskoje Selo (1778).

Trivia[Bearbeiten]

Der in Neapel lebende deutsche Künstler Jakob Philipp Hackert erhielt den Auftrag, für die Zarin Gemälde der Ereignisse zu malen. Das Werk, in dem ein türkisches Schiff brennend explodiert, wurde wegen seiner unrichtigen Darstellung kritisiert. Da Hackert noch nie ein explodierendes Schiff gesehen hatte, wurde vor Livorno, wo gerade die russische Flotte ankerte, eine Fregatte ausgewählt, mit Pulver beladen und in die Luft gejagt. Johann Wolfgang Goethe beschrieb dieses Ereignis in seiner Biographie über Hackert und kommentierte: „…zuverlässig das teuerste und kostbarste Modell, was je einem Künstler gedient hat, indem man den Wert der noch nutzbaren Materialien dieser alten Fregatte auf 2000 Zechinen schätzte.“ Goethe beschrieb ausgiebig die Werke Hackerts und die Geschichte der Entstehung. Die Werke befinden sich noch heute im Schloss Peterhof.[1]

Im Niederen Großteich Bärnsdorf nördlich von Dresden ließ Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen mehrfach die Seeschlacht nachstellen. Er hatte Orlow 1775 in seiner Residenz in Dresden empfangen und sich fasziniert von dessen Schilderungen der Geschehnisse bei Çeşme gezeigt. In der Folge ließ der Kurfürst eine ganze Küstenlandschaft inklusive Miniatur-Dardanellen und einem Hafen mit dem Leuchtturm Moritzburg errichten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Pemsel: Seeherrschaft - Eine maritime Weltgeschichte von den Anfängen bis 1850, Bd.1, Bernard & Graefe Verlag, Augsburg 1996, S.302

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Battle of Chesma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Wolfgang Goethe: Philipp Hackert: Schlacht von Tschesme, in: Schriften über die bildende Kunst I.