Osmanische Marine

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Die osmanische Marine war die Seestreitkraft des Osmanischen Reiches. Sie wurde im 14. Jahrhundert gegründet und nach der osmanischen Niederlage im Ersten Weltkrieg aufgelöst.

Die Seekriegsflagge, 1793 bis 1844

Wurzeln[Bearbeiten]

Die Seldschuken waren die erste türkische, muslimische Dynastie, die in Anatolien eine Marine aufstellte. Mit dem Niedergang der Seldschuken gab es dann aber keine zentral gelenkte türkische Flotte in Anatolien mehr. Manche Beyliks hatten jedoch kleinere Flotten zur Seeräuberei.

Gründung[Bearbeiten]

Seit Anfang des 14. Jahrhunderts expandierte das Osmanische Reich zunehmend. Dabei erkannten die Osmanen schon früh den Nutzen einer Flotte. Ihren ersten Seesieg hatten sie bei der Einnahme der Insel İmralı. In den folgenden Jahren beteiligte sich die osmanische Flotte an der Expansion des Osmanischen Reiches. Jedoch spielte die Marine noch keine große Rolle im osmanischen Militär und Schiffe wurden hauptsächlich zum Transportieren von Truppen gebraucht. Dies wurde auch häufig von Venedig oder Genua übernommen. Auch lag die militärische Stärke der Osmanen bei den Landstreitkräften. Mit zunehmender Expansion trafen die Osmanen auf Völker, welche schon seit der Antike Schifffahrt betrieben. In Gelibolu wurde seit 1390 das erste Marinearsenal aufgebaut..

Bedeutungszuwachs[Bearbeiten]

Mehmed II. baute die Marine mit Hinblick auf eine Belagerung Konstantinopels aus. Bei der Einnahme Konstantinopels 1453 spielte die osmanische Marine dann auch zum ersten Mal eine nennenswerte Rolle. In den folgenden Jahren half eine starke osmanische Flotte bei Eroberungen im Ägäischen Meer, im Schwarzen Meer und im Ionischen Meer.

Die Ära Khair ad-Din[Bearbeiten]

Khair ad-Din Barbarossa

Khair ad-Din war ein Korsar, welcher über Algier herrschte. Zum Schutz gegen Spanien stellte er sich unter die Herrschaft der hohen Pforte und wurde zum Pascha ernannt. Dank seiner erfolgreichen Raubzüge wurde er im August 1533 von Süleyman I. zum Oberbefehlshaber der osmanischen Mittelmeermarine (Kaptan-ı Derya) ernannt. Er baute die osmanische Flotte um und unternahm Raubzüge im Mittelmeer. Des Weiteren vertrieb er Venedig von den Ägäischen Inseln. Um den Osmanen Paroli bieten zu können, bildete Papst Paul III. im Februar 1538 eine Heilige Liga aus den Streitkräften Venedigs und Spaniens. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Heiligen Liga siegte die osmanische Flotte in der Seeschlacht von Preveza am 28. September 1538. Dies führte zu einer über Jahrzehnte andauernden Dominanz der osmanischen Marine im Mittelmeer.

Der Niedergang der Flotte[Bearbeiten]

Nach der Einnahme Zyperns durch das osmanische Reich 1570/71 schmiedeten die christlichen Mächte Europas 1571 zum wiederholten Mal eine heilige Liga. Am 7. Oktober 1571 kam es zur Seeschlacht von Lepanto. Diese gilt als größte Galeerenschlacht der Geschichte und endete mit dem Sieg der heiligen Liga und der fast völligen Vernichtung der osmanischen Flotte.[1] Doch nur drei Jahre später war die Osmanische Flotte vollständig wiederhergestellt und eroberte das spanisch besetzte Tunis.

Die Seeschlacht von Lepanto

Im Laufe des 17. Jahrhunderts veraltete die osmanische Flotte und ihre Bedeutung nahm zunehmend ab. Ende des 18. Jahrhunderts versuchte Cezayirli Gazi Hassan Pascha die Flotte zu modernisieren. Im Laufe des 19. Jahrhunderts gab es dann wieder Bestrebungen, die Flotte zu modernisieren. So wurden die ägyptische und osmanische Flotte miteinander vereinigt. Am 20. Oktober 1827 kam es infolge der Griechischen Revolution zur Schlacht von Navarino, bei der die Flotten Russlands, Großbritanniens und Frankreichs gegen die osmanische standen. In der Schlacht wurden drei Viertel der türkischen und ägyptischen Schiffe von den Gegnern versenkt.[2] Einen weiteren bedeutenden Rückschlag für die osmanische Flotte gab es in der Schlacht von Sinope zu Beginn des Krimkriegs.

Unter Sultan Abdul Aziz wurde die Marine neu organisiert und modernisiert. Unter anderem wurde ein Marineministerium gegründet und eine neue Marineschule eröffnet.[3] 1875 umfasst die osmanische Flotte fast 200 Kampfschiffe und stand damit weltweit an dritter Stelle.[4] Die Marine spielte eine Rolle bei den Balkankriegen, welche das Osmanische Reich verlor. Vor dem Ersten Weltkrieg unterstützte das Deutsche Kaiserreich seinen Verbündeten mit Kriegsschiffen. So verkaufte das Deutsche Reich 1910 die Schiffe SMS Kurfürst Friedrich Wilhelm (Barbaros Hayreddin), SMS Weißenburg (Torgud Reis) und das Torpedoboot S 165 (Muavenet-i Milliye) an die osmanische Marine. 1914 wurde die deutsche Mittelmeer-Division (Schlachtkreuzer Göben und kleiner Kreuzer Breslau) an das Osmanische Reich verkauft und in dessen Flotte eingereiht. Die fortan weiter mit deutscher Besatzung aber unter türkischer Flagge als Yavuz Sultan Selim und Midilli fahrenden Schiffe führten maßgeblich zum Kriegseintritt der Türkei auf deutscher Seite.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und dem Untergang des Osmanischen Reiches mussten die Reste der osmanischen Marine zunächst an die Alliierten abgegeben werden. 1924 gründete der osmanische Nachfolgestaat Türkei mit den wieder zurückgegebenen Schiffen (darunter die Yavuz Sultan Selim, die bis in die 50er Jahre in Dienst blieb) die neue türkische Marine.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Badde: Heiliges Land. Auf dem Königsweg aller Pilgerreisen. Gütersloher Verlags-Haus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-06470-3, S. 32.
  2. [1]Die Zeit über die Schlacht von Navarino. Aufgerufen am 6. Juni 2012.
  3. [2]Über die osmanische Marine 1828–1922. Aufgerufen am 10. Juni 2012
  4. [3]GlobalDefence über die Geschichte der türkischen Marine. Aufgerufen am 10. Juni 2012.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Katib Çelebi: The History of the Maritime Wars of the Turks. London 1831 (Originaltitel: Tuhfat al-kibâr fi asfâr al-Bihâr, übersetzt von James Mitchell) (Digitalisat: [4]).
  •  Bernd Langensiepen und Ahmet Güleryüz: The Ottoman Steam Navy 1828–1923. Conway Maritime Press, London 1995 (Originaltitel: Osmanli Donanmasi 1828-1923, übersetzt von James Cooper).

Weblinks[Bearbeiten]