Schulschiff
Ein Schulschiff ist ein Schiff, das zur Ausbildung des nautischen oder technischen Personals in den Marinen der Welt oder in der Handelsschifffahrt (Handelsmarine) betrieben wird. Schulschiffe sind oft Segelschiffe (Großsegler), die dann als Segelschulschiff bezeichnet werden. Letztere werden dann noch unterschieden, ob sie Fracht transportieren oder nicht.
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[Bearbeiten] Marineschulschiffe
Bei vielen Marinen der Welt werden auf einem Schulschiff neben einer Stammmannschaft eine Anzahl von Kadetten und/oder Unteroffiziersanwärtern zusammengezogen, die dann – oft auch im Rahmen von Auslandsreisen – in den üblichen militärischen Fächern ausgebildet werden, aber auch zu repräsentativen Zwecken unterwegs sind.
„Du hast nicht nur ein Auge auf den Kompass, du hast es auch auf das Rigg, du liest die Zeichen der Wolken, du behältst die Windrichtung im Blick, die Strömung und die Farbe des Meeres, du hältst Ausschau nach einer plötzlich auftauchenden Brandung, die vor einem Riff warnt. Vielleicht ist das nicht so bei einem Dampfschiff, aber so ist es auf einem Segelschiff, und in dieser Hinsicht ist ein Segelschiff dem Leben näher als ein Dampfer: Es reicht nicht zu wissen, wohin du willst; denn das Leben besteht wie der Kurs eines Segelschiffs fast nur aus Umwegen, für die mal Windstille und mal Sturm verantwortlich sind.“
[Bearbeiten] Schulschiffe der Deutschen Marine vor 1945
Nachdem die Großherzog Friedrich August nach dem Ersten Weltkrieg abgegeben werden musste und die Niobe 1932 sank, wurde mit der Gorch Fock und ihren Schwesterschiffen Horst Wessel und Albert Leo Schlageter eine Klasse neuer Segelschulschiffe gebaut. Für die Ausbildung mit Geschützen, Torpedos und Flugabwehrkanonen baute und nutzte die Kriegsmarine besonders konstruierte Artillerieschulschiffe – die Bremse und die Brummer – und andere Schulschiffe.
[Bearbeiten] Schulschiffe der Bundesmarine/Deutschen Marine
Die Bundesmarine hat in der Zeit des Neubeginns eine Vielzahl von Schulschiffen eingesetzt, jedoch sind nur zwei Schiffe von vorn herein als solche konzipiert, gebaut und eingesetzt worden: Das Segelschulschiff Gorch Fock und das Schulschiff Deutschland. Bei der Bundesmarine (ab 1996 Deutsche Marine) waren bzw. sind im Einsatz:
| Zeitraum | Schiffsname | Dienststelle |
|---|---|---|
| 1956–1963 | Trave | Kommando der Marineausbildung / Schulgeschwader |
| 1956–1969 | Eider | Kommando der Marineausbildung / Schulgeschwader |
| 1956–2006 | Nordwind | Marineschule Mürwik |
| 1958–1966 | Gneisenau | Marineartillerieschule |
| seit 1958 | Gorch Fock | Marineschule Mürwik |
| 1959–1964 | Hipper | Marineschule Mürwik |
| 1959–1964 | Graf Spee | Marineschule Mürwik |
| 1959–1964 | Scheer | Marineortungsschule |
| 1959–1964 | Scharnhorst | Marineartillerieschule |
| 1959–1965 | Brommy | Marineunterwasserwaffenschule |
| 1959–1967 | Raule | Marineunterwasserwaffenschule |
| 1963–1990 | Deutschland * | Marineschule Mürwik |
| 1964–1968 | Donau | Marineschule Mürwik |
| 1964–1971 | Ruhr | Marineschule Mürwik |
| 1964–1978 | Ems | Lehrgruppe Schiffssicherung |
| 1974–1992 | Inger | Seemannschaftslehrgruppe |
| seit 1974 | Baltrum | Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr |
| seit 1978 | Juist | Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr |
| seit 1978 | Langeoog | Marinewaffenschule, seit 2006 Spezialisierte Einsatzkräfte Marine |
* nicht zu verwechseln mit dem Segelschiff Schulschiff Deutschland, das bis 1990 in Dienst stand und heute in Bremen zu besichtigen ist, siehe unten
[Bearbeiten] Schulschiffe der DDR
Bei der Volksmarine der DDR waren die Motorschulschiffe Ernst Thälmann und Wilhelm Pieck im Einsatz. Das Segelschulschiff Wilhelm Pieck (heute Greif) wurde von der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) betrieben.
[Bearbeiten] Schulschiffe anderer Kriegsmarinen
Schulschiffe werden weltweit von vielen Kriegsmarinen betrieben, darunter sind auch etliche Segelschulschiffe:
| Im Dienst | Schiffsname | Marine |
|---|---|---|
| 1874–1887 | Uruguay | |
| 1899–1964 | Presidente Sarmiento | |
| seit 1963 | Libertad (Q-2) | |
| 1981–1994 | Piloto Alsina (Q-31) | |
| seit 1988 | Young Endeavour | |
| seit 1962 | Zénobe Gramme (A 958) | |
| 1948–1962 | Guanabara | |
| seit 1986 | Brasil (U 27) | |
| seit 2000 | Cisne Branco (U 20) | |
| seit 1954 | Esmeralda (BE-43) | |
| 1986–? | Uribe (29) | |
| seit 1987 | Zhenghe (81) | |
| seit 1996 | Shichang (82) | |
| seit 1977 | Guayas (BE 21) | |
| seit 1932 | Étoile (A 649) | |
| seit 1932 | Belle-poule (A 650) | |
| 1964–2010 | Jeanne d'Arc (R 97) | |
| 1927–1941 | Ares | |
| 1979–2004 | Aris (A 74) | |
| Eugenios Eugenidis | ||
| Tir (A 86) | ||
| Krishna | ||
| seit 1997 | Tarangini | |
| seit 1953 | Dewaruci | |
| seit 1931 | Amerigo Vespucci (A 5312) | |
| seit 1955 | Palinuro (A 5311) | |
| 1969–1998 | Katori (3501) | |
| seit 1995 | Kashima (3508) | |
| 1999–2005 | Aokumo (3512) | |
| seit 1999 | Shimayuki (3513) | |
| Yamagiri (3515) | ||
| Asagiri (3516) | ||
| 1952–1960 | Galeb | |
| seit 1933 | Jadran | |
| seit 1969 | Gloria | |
| Andrija Mohorovičić (72) | ||
| seit 1988 | Tunas Samudera | |
| seit 1982 | Cuauhtémoc (BE-01) | |
| seit 1938 | Urania (Y 8050) | |
| seit 1999 | Van Kinsbergen (A 902) | |
| seit 1979 | Shabab Oman | |
| 1928–1977 | Iskra (I) | |
| seit 1976 | Wodnik (251) | |
| 1976–2005 | Gryf (252) | |
| seit 1982 | Iskra (II) | |
| seit 1962 | Sagres | |
| seit 1987 | Creoula | |
| seit 1939 | Mircea | |
| 1923–1934 | Af Chapman | |
| seit 1947 | Gladan (S 01) | |
| seit 1947 | Falken (S 02) | |
| seit 1977 | Smolnyy | |
| 1977–2005 | Luga | |
| seit 1977 | Oka | |
| seit 1978 | Perekop (200) | |
| 1980–1999 | Khasan | |
| 1951–1993 | Towarischtsch | |
| seit 1928 | Juan Sebastián de Elcano (A 71) | |
| seit 1977 | Capitán Miranda (20) | |
| seit 1980 | Simón Bolívar (BE-11) | |
| seit 1988 | Argus (A 135) | |
| seit 1946 | Eagle |
[Bearbeiten] Schulschiffe der Handelsschifffahrt
[Bearbeiten] Schulschiffe der deutschen Handelsmarine
In der Handelsschifffahrt sind Schulschiffe heute nur noch vereinzelt in Gebrauch, da im Alltag an Bord die „praktische“ Seemannschaft kaum noch benötigt wird. Die nötige Praxis an Bord erlangen angehende Seeleute heute durch entsprechende Berufe oder Praktika, die in der Regel an Bord von Handelsschiffen durchgeführt werden.
Die bekanntesten deutschen frachttrageneden Segelschulschiffe waren die Windjammer Pamir und Passat. Die Pamir ging 1957 in einem Sturm im Nordatlantik unter, und wenige Wochen später wurde die Passat außer Dienst gestellt.
Das Schulschiff Deutschland der Handelsschifffahrt wurde bis 2001 als Wohn- und Ausbildungsplatz für die Seemannsschule in Bremen eingesetzt. Nachdem es hierfür nicht mehr benötigt wurde, kann es heute in Bremen-Vegesack besichtigt werden.
Das letzte zur See fahrende deutsche Segelschulschiff der Handelsschifffahrt wurde die Ketsch Seute Deern II (nicht zu verwechseln mit dem Museumsschiff Seute Deern in Bremerhaven). Sie wurde 1964 bis 1967 vom Deutschen Schulschiff-Verein und 1967 bis 1969 vom Norddeutschen Lloyd zu Ausbildungsfahrten eingesetzt. Seit dem 1. Januar 1970 ist es für angehende Kapitäne keine Pflicht mehr, auf einem Segelschiff zu lernen. Die Seute Deern II wird seit 1972 vom Verein Clipper DJS für Segelfahrten vor allem mit jungen Mitseglern eingesetzt.
Lediglich die Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven nutzte noch bis 2007 je ein Schulschiff an den Standorten Elsfleth und Leer: In Elsfleth war es das Segelschulschiff Großherzogin Elisabeth, in Leer das Ausbildungsschiff Aurora, ein ehemaliger Tonnenleger. Mit beiden Schiffen wurden im Rahmen der seemännischen Ausbildung auch Fahrten unternommen. Seitens der ehemaligen Seefahrtsschule in Grünendeich wurde von 1986 bis 1994 die Greundiek als stationäres Schulschiff für die Ausbildung von Schiffsmechanikern und Maschinisten genutzt.
Seit 2007 wird Fahrenszeit auf Traditionsseglern vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) nicht mehr zu den vorgeschrieben Praxissemestern auf See angerechnet. Es findet also offiziell keine Ausbildung von Offizieren der Handelsmarine auf Großseglern mehr statt.
Aufgrund des Mangels an qualifizierten deutschen Seeleuten sind manche Reedereien inzwischen dazu übergegangen, Schiffe speziell für die Ausbildung auszurüsten bzw. verstärkt Praktikumsplätze an Bord anzubieten. So lässt z. B. das Bremer Unternehmen Beluga Shipping in einige Neubauten ein zusätzliches Deck einbauen, auf dem insgesamt acht angehende Seeleute untergebracht und ausgebildet werden können. Einen anderen Weg beschreitet das Bremer Unternehmen Harren & Partner, das im September 2006 ein Ausbildungsschiff, die Hanse Explorer, in Dienst stellte; dieses Schiff, das eher einer Yacht gleicht, ist speziell für die Ausbildung von seemännischem Personal gebaut worden.
[Bearbeiten] Schulschiffe anderer Handelsmarinen
In vielen Staaten wird auch in der zivilen Seefahrt an der Tradition der Segelschulschiffe festgehalten. Auf den meisten von Handelsmarinen betriebenen Segelschulschiffen besteht für zahlende Gäste die Möglichkeit, als Mitsegler (Trainee) an Reisen teilzunehmen. So wurden in den 1980er- und 90er-Jahren auf der Danziger Werft sechs weitgehend identische Schulschiffe gebaut, die auch heute noch im Einsatz sind. Es handelte sich dabei um die Dar Młodzieży (Polen), Mir, Nadeschda und Pallada (alle Russland) sowie Khersones und Druschba (beide Ukraine). Die in Deutschland bekanntesten Schiffe der Klasse sind die Chersones und die Mir, die ebenso Mitsegler an Bord nehmen wie z. B. die russischen Viermastbarken Krusenstern und Sedow. An die private „Pythagoras Maritime and Technical Schools“ angegliedert wurde das ehemalige Frachtschiff Savilco von 1978 bis 1984 als Schulschiff in Piräus, Griechenland, verwendet.
[Bearbeiten] Segelschulschiffe
Segelschulschiffe sind von Kriegs- und Handelsmarinen, aber auch von Vereinen und Organisationen in Fahrt gehaltene Großsegler zur Ausbildung des seemännischen Nachwuchses. Es handelt sich entweder um speziell für Ausbildungszwecke konzipierte Schiffe (z. B. die Gorch Fock der Deutschen Marine[2]) oder um umgebaute Frachtsegler (z. B. die Krusenstern (ex Padua). Im Deutschen Reich unterhielt der Deutsche Schulschiff-Verein zwischen 1900 und 1944 insgesamt fünf eigene Segelschulschiffe.[3] Zivile Segelschulschiffe wurden bis nach dem Zweiten Weltkrieg meist auch zu Frachtfahrten eingesetzt.
[Bearbeiten] Literatur
- Gerhard Koop, Siegfried Breyer: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956 bis heute. Bernard & Graefe, Bonn 1996, ISBN 3-7637-5950-6.
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Carsten Jensen: Wir Ertrunkenen. München 2008, ISBN 978-3-44274108-3, S. 502
- ↑ Website der Deutschen Marine zu den Schwesterschiffen der Gorch Fock (II), abgerufen am 27. Dezember 2008
- ↑ Deutsche Segelschulschiffe, abgerufen am 27. Dezember 2008