Sehnerv

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Horizontalschnitt durch das menschliche (rechte) Auge, Sehnerv unten
Verlauf des Sehnervs zwischen Bulbus und Chiasma (in Wirklichkeit leicht S-förmig)

Der Sehnerv (lat. Nervus opticus, von altgriech. ὀπτικός optikos „zum Sehen gehörig“) ist der zweite Hirnnerv und der der Netzhaut anschließende Abschnitt der Sehbahn. Er ist beim Menschen im Mittel 4,5 cm lang. Der Sehnerv stellt eine Verlaufsstrecke von gebündelten Nervenfasern von der Lamina cribrosa der Sklera des Auges bis zur Sehnervenkreuzung, dem Chiasma opticum, dar und lässt sich in drei Teile gliedern:

  • einen im Augapfel (Bulbus oculi) gelegenen intrabulbären Teil
  • einen innerhalb der Augenhöhle (Orbita) gelegenen intraorbitalen Teil
  • einen im Schädel (Cranium) gelegenen intrakraniellen Teil

Der Sehnerv enthält etwa eine Million Nervenfasern, die Fortsätze (Axone) der Ganglienzellen der Netzhaut (Retina). Die nasale Hälfte der Fasern, die die Signale der nasalen Netzhauthälfte transportiert, kreuzt in der Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) zum Tractus opticus der anderen Seite, so dass die Signale aus dem linken Gesichtsfeld zur rechten Gehirnhälfte gelangen und umgekehrt. Vom Eintritt in den Sehnerv an sind die Nervenfasern einzeln von den Myelinhüllen der Oligodendrozyten umgeben, die zu einer erhöhten Leitungsgeschwindigkeit führen, bei Schädigung aber eine Regeneration verhindern. Auch zahlreiche Astrozyten finden sich in der Umgebung der Axone. Das Nervengewebe ist umgeben von einer derben Hülle, die eine kontinuierliche Fortsetzung der harten Hirnhaut (Dura mater) darstellt und vorn nahtlos in die Sklera übergeht. Etwa mittig im Sehnerv verlaufen die Arteriola und Venola centralis retinae, die der Versorgung der inneren Netzhautschichten mit Blut dienen.

Erkrankungen des Sehnervs führen häufig zu Gesichtsfeldausfällen des betroffenen Auges. Zu den häufigen Krankheiten des Sehnervs zählen Grüner Star (Glaukom), Optikusatrophie und Neuritis nervi optici.

Sehnerv und Netzhaut sind Teile des Gehirns und regenerieren sich daher nicht nach Schädigungen.

Ophthalmologische Überprüfung[Bearbeiten]

Die Austrittsstelle des Sehnervs aus dem Bulbus, die Papille (Papilla nervi optici), kann direkt mit dem Augenspiegel betrachtet werden. Zur Abgrenzung von Sehnervenerkrankungen von Erkrankungen an anderen Stellen der Sehbahn dient häufig die Perimetrie, d. h. die Bestimmung des Gesichtsfelds. Mit Hilfe der visuell evozierten Potentiale (VEP) lässt sich die Leitgeschwindigkeit des Sehnervs überprüfen. Als bildgebende Verfahren in der Augenhöhle und dahinter stehen Ultraschall, Computertomogramm und Magnetresonanztomographie zur Verfügung.

Sehnervenfaser-Messung[Bearbeiten]

Eine Sehnervenfaser-Messung wird von vielen deutschen Augenärzten als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL-Leistung) angeboten bzw. beworben. Dabei wird die gemessene Schichtdicke mit altersabhängigen Standardwerten verglichen.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Augenentwicklung

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beispiel: Homepage eines Augenarztes Nummer im GoÄ-Katalog: A7011

Literatur[Bearbeiten]

  • Th. Axenfeld (Begr.), H. Pau (Hrsg.): Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1980, ISBN 3-437-00255-4
  • Albert J. Augustin: Augenheilkunde. Berlin: Springer Verlag, 2007, ISBN 978-3-540-30454-8
  • Franz Grehn: Augenheilkunde. Berlin: Springer Verlag, 30. Auflage, 2008, ISBN 978-3-540-75264-6