Stadt aus Glas

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Der Roman Stadt aus Glas (Originaltitel: City of Glass) aus dem Jahr 1985 ist der erste Teil der New-York-Trilogie des US-amerikanischen Schriftstellers Paul Auster. Die beiden anderen Teile sind Schlagschatten (Ghosts, 1986) und Hinter verschlossenen Türen (The Locked Room, 1987).

Vordergründig ein Kriminalroman, spielt Stadt aus Glas mit Namen, Identitäten und Bezeichnungen und stellt schließlich die tatsächliche Existenz der Beteiligten in Frage.

Inhalt[Bearbeiten]

Paul Auster erzählt die Geschichte des heruntergekommenen Krimiautors Daniel Quinn, der sich, nachdem er Frau und Kind verloren hat, in seine New Yorker Wohnung zurückgezogen hat und davon lebt, dass er jährlich unter dem Pseudonym William Wilson einen Kriminalroman publiziert, in dem er seinen Privatdetektiv Max Work eine „komplizierte Reihe von Verbrechen“ aufklären lässt: „In der Dreiheit der Personen, die Quinn geworden war, diente Wilson als eine Art Bauchredner, Quinn selbst war die Puppe, und Work war die belebte Stimme, die dem Unternehmen Sinn und Zweck verlieh.“

In seiner Zurückgezogenheit wird Quinn durch nächtliche Anrufe einer Person gestört, die sich nicht davon abbringen lässt, dass er in Wirklichkeit der Privatdetektiv Paul Auster sei. Diese Person, die sich Peter Stillman nennt, aber bei fast jeder Namensnennung betont, es sei nicht der richtige Name, ist eine Art moderner Kaspar Hauser, der von seinem Vater, einem Theologieprofessor, der ebenfalls Peter Stillman heißt, neun Jahre in Dunkelheit, ohne Zuwendung und Sprache eingesperrt wurde. Stillman senior hat dafür Jahre in der Psychiatrie verbracht. Kurz vor seiner Entlassung schrieb er seinem Sohn einen Brief, in dem er ihn als Teufel bezeichnete und ihm Rache androhte. Nachdem der Brief an die Polizei ging, musste der alte Stillman weitere Jahre in der Psychiatrie verbringen - doch jetzt wird er freigelassen, und sein Sohn und dessen Frau fürchten um ihr Leben.

Quinn/Auster übernimmt die Aufgabe, Stillman senior zu beschatten. Er informiert sich am nächsten Tag in der Universitätsbibliothek über die Arbeit des Theologen und erfährt, dass Stillmans Handlungen religiöse Gründe hatten, die mit dem Sündenfall, John Miltons Werk Paradise Lost und dem Turmbau zu Babel in Zusammenhang stehen, sowie mit seiner Prophezeiung einer Wiederholung der Abläufe im einst paradiesischen Amerika.

Quinn erwartet die Ankunft Stillmans am Bahnhof, folgt ihm tagelang, beginnt am fünften Tag mit detaillierten Aufzeichnungen der Tätigkeiten Stillmans und der Wege, die er im immer gleichen Bezirk abschreitet, bemerkt aber erst am dreizehnten Tag durch Zufall, dass die Strecken nicht zufällig sind, sondern ein Muster von riesigen Buchstaben ergeben, die er zu OWEROFBAB aufreiht und zu The Tower of Babel (Der Turm von Babel) ergänzt.

Quinn spricht Stillman mehrmals an, bemerkt, dass Stillman ihn bei den Wiederholungen nicht wiedererkennt (hier spielt Lewis Carrolls Buch Alice hinter den Spiegeln eine Rolle), muss aber auch feststellen, dass Stillman im Anschluss an die Gespräche untergetaucht ist, ohne seine "Arbeit" zu beenden. Er wendet sich an die einzige Spur, die er noch hat, den Namen Paul Auster, den er im Telefonbuch nachschlägt, wodurch er an einen Schriftsteller gerät, der ihm aber nicht weiterhelfen kann. Nur: Paul Auster befasst sich mit Cervantes' Don Quijote und dem Verwirrspiel, das in diesem Buch mit Identitäten getrieben wird. Daniel Quinn stellt fest, dass er die gleichen Initialen wie Don Quijote hat.

Quinn versucht immer wieder erfolglos, Stillman junior anzurufen. Er lässt sich gegenüber dessen Wohnung nieder, beobachtet das Haus, mehr als zwei Monate lang, wird dabei zum Obdachlosen, ohne einen Schritt weiter zu kommen. Er meldet sich noch einmal bei Paul Auster, und erfährt dabei, dass Stillman senior sich nach seinem Untertauchen das Leben genommen hat. Quinn kehrt in seine Wohnung zurück, die aufgrund seiner langen Abwesenheit mittlerweile weitervermietet ist, und begibt sich schließlich in die Wohnung, die er so lange observiert hat, nur um festzustellen, dass auch Stillman junior und seine Frau offenbar seit Monaten verschwunden sind. Er bleibt in der Wohnung.

Monate später machen sich der Schriftsteller Paul Auster und sein Freund, der Autor des Buches, auf die Suche nach Quinn, kommen dabei endlich in die Wohnung der Stillmans, wo sie zwar Quinns Notizblock finden, aber keine Spur von ihm selbst.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Stadt aus Glas. Hamburg 1987, Übersetzung von Joachim A. Frank.
  • New York Trilogie. Reinbek 1989.
  • Stadt aus Glas. Übersetzung, Hörspielbearbeitung und Regie: Alfred Behrens, mit u. a. Nina Hoger, Rufus Beck, Christian Brückner, Rüdiger Vogler. WDR/BR 1997, Hörverlag 1997.
  • 1994 wurde der Roman als Comic adaptiert. Art Spiegelman verfasste das Vorwort zur aktuellen Auflage. City of Glass – The Graphic Novel wurde von The Comics Journal in die Liste der besten 100 Comics des Jahrhunderts gewählt.
  • Paul Auster’s Stadt aus Glas. Comicadaption von Paul Karasik (Text) und David Mazzucchelli (Illustration). Reinbek 1999, Neuauflage Berlin 2006.