Stiefmutter
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Eine Stiefmutter (von mhd. stief, von ahd. stiof, von germ. *steupa, *steupaz, gestutzt, Stief, ähnlich dem idg. *steup-, stoßen, schlagen, Stock, Stumpf) ist die Frau, mit der ein Vater eine neue Lebensgemeinschaft eingegangen ist (z. B. neue Ehe). Sie ist im Verhältnis zu seinen Kindern nicht die leibliche Mutter. Die neue Familie bildet eine Stieffamilie.
In der Vergangenheit war es durch die hohe Sterblichkeitsrate bei der Geburt und im Wochenbett (Kindbettfieber) und der Notwendigkeit der Wiederverheiratung des Witwers nicht ungewöhnlich, dass Kinder mit Stiefmüttern aufwuchsen.
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[Bearbeiten] Die Stiefmutter im Märchen
Das Motiv der Stiefmutter wird somit in Märchen häufig verwendet. Sprichwörtlich und aus Märchen (wie Aschenputtel) wohlbekannt ist das Stereotyp der „bösen Stiefmutter“. Weitere Beispiele:
- Brüderchen und Schwesterchen (Grimms Märchen)
- Hänsel und Gretel (Grimms Märchen)
- Frau Holle (Grimms Märchen)
- Schneewittchen (Grimms Märchen)
- Die drei Männlein im Walde (Grimms Märchen)
- Die weiße und die schwarze Braut (Grimms Märchen)
- Der liebste Roland (Grimms Märchen)
- Der Herrgott vom Bäuchlein (Märchen aus dem Wälschtirol[1])
Stief- bzw. Schwiegermütter verkörpern im Märchen oft das Böse, als Störer der Familienharmonie[2] - sie gelten hier als das lieblose Gegenteil der wirklichen Mutter. Seltener kommt in Märchen ein „böser Stiefvater“ vor, beispielsweise wie in „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“[3]. In mehreren wissenschaftlichen Studien wurde bereits versucht diesem Phänomen nachzugehen.[4]
[Bearbeiten] Die Stiefmutter in der Wissenschaft
[Bearbeiten] Psychoanalyse
Die Figur der (bösen) Stiefmutter gilt für die Analytischen Psychologie in der Tradition Carl Gustav Jungs als Ausprägung eines Mutterarchetyps mit zerstörerischen und verschlingenden Zügen.[5]
[Bearbeiten] Europäische Ethnologie
Auffallend viele deutsche Märchen setzen eine „matrilineare“ Erbfolge voraus. Dies zeigt sich daran, dass Prinzen bzw. „Schweinehirten“ kommen, heiraten und über die geheiratete Tochter erben. Wenn sie gleich bei deren Herkunftsfamilie bleiben, liegt auch Uxorilokalität vor. Hier wird die Tochter der Mutter als potentielle Herrschaftskonkurrentin gefährlich. In Dornröschen tritt die Mutter erst als böse Fee, Jahre später dann als altes Mütterchen mit der Schlafspindel auf.
[Bearbeiten] Strukturalismus
In der Familiensoziologie wird im Rahmen des Strukturalismus folgende These vertreten: In allen Kernfamilien gibt es Paarfiguren mit größerer emotionaler Nähe (z. B. Vater + Tochter plus Mutter + Sohn), die somit strukturell dafür sorgen, dass Vater + Sohn, Mutter + Tochter und übrigens auch Vater + Mutter auf merklich größerer Distanz zueinander stehen.[6] Wenn jetzt die Tochter vom Kind zur Jugendlichen wird, tritt sie zunehmend in Konkurrenz zur Rolle der Mutter als erwachsener Frau; Konflikte sind vorauszusagen, ihr Kampffeld wird (mehr als bei Vater + Sohn) der eigene Haushalt sein, und die herkömmliche Distanz verstärkt sie. Aus der „lieben“ Mutter, und auch aus der „lieben“ Tochter, wird eine „böse“.
Das überrascht oft beide Teile: Die Mutter wirkt hier „wie ausgetauscht“; und zwar zu einer feindseligen „Stiefmutter“.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_italien/trentino/derherrgottvombaeuchelein.html
- ↑ Familienbeziehungen in den Märchen der Brüder Grimm, Christiane Pötter, GRIN Verlag 2007 ISBN 9783638778176, S. 9
- ↑ http://www.maerchen.com/grimm/der-teufel-mit-den-drei-goldnen-haaren.php
- ↑ [1] Süddeutsche vom 27. Oktober 2008
- ↑ Carl Gustav Jung, Die psychologischen Aspekte des Mutter-Archetyps (1938), in: C. G. Jung, Archetypen, München 1990, S. 75 ff., ISBN 342335125X
- ↑ Claude Lévi-Strauss, Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft, (dt. 1981, Ü. Eva Moldenhauer)

