Straßenfeger

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Dieser Artikel behandelt den Begriff Straßenfeger als Fernsehereignis. Weitere Bedeutungen sind unter Straßenfeger (Begriffsklärung) aufgeführt.

Mit der Bezeichnung Straßenfeger werden seit den frühen Jahren Sendungen des Deutschen Fernsehens mit sehr hohen Einschaltquoten bezeichnet, die dafür sorgten, dass die Straßen praktisch menschenleer waren, sie also wie leer gefegt waren. Viele Straßenfeger besitzen heute Kultstatus.

Entstehung des Begriffes[Bearbeiten]

Ende der 1950er Jahre entschied man sich beim WDR, aufgrund der großen Erfolge der mehrteiligen Paul-Temple-Hörspiele von Francis Durbridge dieses Format auch im Fernsehen umzusetzen. Neben den beiden mehrteiligen Romanverfilmungen So weit die Füße tragen und Am grünen Strand der Spree von Regisseur Fritz Umgelter sollten mehrteilige Kriminalfilme produziert werden, die wie die Hörspiele auf Drehbüchern des britischen Kriminalschriftstellers Durbridge basierten. So entstanden zunächst 1959 Der Andere und 1960 Es ist soweit, die bereits einen beträchtlichen Erfolg beim deutschen Fernsehpublikum hatten.

Im Januar 1962 lief dann der dritte Durbridge-Sechsteiler Das Halstuch über die Bildschirme und löste eine nie da gewesene Begeisterung in allen Bevölkerungsschichten aus. Das Bild völlig leer gefegter Straßen an Sendeterminen der Durbridge-Reihe sorgte dann schließlich für die Entstehung des Begriffs „Straßenfeger“. Die Ursache war zum einen die ungeheuere Popularität der Serie und zum anderen die Tatsache, dass es zu der damaligen Zeit für den privaten Gebrauch noch keine Geräte zur Aufzeichnung von Fernsehsendungen gab. Theater, Kinos, Volkshochschulen und andere öffentlichen Einrichtungen blieben an den sechs Sendeabenden praktisch leer, auch Wahlkampfveranstaltungen der politischen Parteien fanden kein Interesse. Sogar die Nachtschichten in vielen Fabriken mussten ausfallen. Taxifahrer legten für die Zeit der Ausstrahlung ihre Arbeit nieder. Selbst die Parlamentarier im Kieler Landtag kürzten ihre Reden, um rechtzeitig vor dem Fernseher sitzen zu können. Wer damals noch keinen Fernseher hatte, besuchte entsprechend ausgestattete Nachbarn, Freunde oder Verwandte bzw. suchte eine Kneipe mit Fernsehgerät auf. Mit einem solchen Erfolg haben wohl auch die an der Produktion beteiligten Personen nicht gerechnet. Das lässt sich wohl auch daran erkennen, dass sechs Schauspieler die Hauptrolle des Inspektors Harry Yates in diesem Mehrteiler ablehnten. Heinz Drache, der die Rolle dann schließlich übernahm, wurde über Nacht zu einem Film- und Fernsehstar.

Die durchschnittliche Sehbeteiligung lag bei 89 %. Ein Jahr später lag die Quote beim letzten Teil der Serie Tim Frazer sogar bei 93 %. Auch in den nächsten Jahren konnten die Durbridge-Mehrteiler die hohen Einschaltquoten halten, so dass für alle Filme dieser Reihe der Begriff „Straßenfeger“ angewendet wurde.

Ausdehnung des Begriffs auf andere Fernsehereignisse[Bearbeiten]

Schon bald fand der Ausdruck allgemeine Anwendung für Filme mit sehr hohen Einschaltquoten, wie beispielsweise dem dreiteiligen Krimi Babeck (ZDF 1968) mit einer Zuschauerbeteiligung von fast 70 %. Auch Fernsehserien wie Stahlnetz, Die Firma Hesselbach, die SF-Serie Raumpatrouille, der Mehrteiler Die Gentlemen bitten zur Kasse, die Fernsehserie Belphégor oder das Geheimnis des Louvre, die auch in Frankreich als Straßenfeger galt, oder die frühen Übertragungen aus dem Hamburger Ohnsorg-Theater und dem Kölner Millowitsch-Theater wurden häufig so bezeichnet, ebenso auf Samstagabendshows wie Einer wird gewinnen oder Am laufenden Band, genauso wie die internationale Spielshow Spiel ohne Grenzen. Anwendbar ist der Begriff auch auf wichtige Fußball-Länderspiele im Rahmen von Fußball-Europa- und Fußball-Weltmeisterschaften.

Gelegentlich wird der Ausdruck auch noch in der heutigen Zeit verwendet. Wirkliche Straßenfeger gibt es heute nicht mehr, da man derartig immense Einschaltquoten wie um die 1960er Jahre nicht erreicht, was u. a. an den geänderten Sehgewohnheiten der Fernsehzuschauer, der Möglichkeit, Sendungen aufzuzeichnen, und an der großen Programmvielfalt liegt.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Blockbuster. Ein Begriff, der sich auf kommerziell sehr erfolgreiche Kinofilme bezieht und damit sehr viele Besucher in die Lichtspielhäuser lockt.

Quellen[Bearbeiten]