Einschaltquote

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Die Einschaltquote einer Radio- oder Fernsehsendung ist im eigentlichen Wortsinn der prozentuale Anteil – je nach Messverfahren der Empfangshaushalte oder Personen – die zu einem gegebenen Zeitpunkt eine Sendung hören oder sehen[1], gemessen an der Gesamtmenge aller Empfangshaushalte bzw. Personen. Empfangshaushalte sind dabei alle Haushalte die einen Fernseher besitzen, unabhängig davon ob dieser eingeschaltet ist oder nicht. Umgangssprachlich und in der öffentlichen Wahrnehmung wird unter der Einschaltquote oftmals auch die absolute Zuschaueranzahl verstanden.

Sowohl bei der Erhebung als auch bei der Ausweisung von Einschaltquoten gibt es je nach Land und Empfangsmedium unterschiedliche Methoden. So kann die Einschaltquote beispielsweise auf einer Hochrechnung oder (z.B. bei Internet- oder Pay-per-View-Angeboten) auf vollständigen Daten der Grundgesamtheit basieren. Die Ausweisung kann die Zahl der durchschnittlichen Zuschauerzahl (in Deutschland bei TV-Einschaltquoten üblich) darstellen, oder die Zahl der Menschen, die zumindest einem Teil der Sendung beigewohnt haben (in Deutschland bei den Radio-Reichweiten üblich).

Einschaltquoten haben einen besonderen Einfluss auf die Preise für Werbung in Radio- und Fernsehprogrammen.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Teleskopie[Bearbeiten]

Teleskopie ist ein Verfahren für die Ermittlung der Einschaltquote beim Fernsehen.[2] In der Bevölkerung eines Landes wird eine Auswahl an Haushalten getroffen, die in ihrer Zusammensetzung der Struktur der Gesamtbevölkerung nahekommt. Diese ausgewählte Gruppe ist die Panelgruppe, sie umfasst üblicherweise zwischen 2.000 und 6.000 Personen.

Die Panelgruppe bekommt eine technische Ausrüstung zur Aufzeichnung der Fernsehgewohnheiten. Sieht ein Mitglied des Haushaltes fern, muss es einen Knopf auf der speziell ausgestatteten Fernbedienung betätigen. Das Messgerät zeichnet im Sekundentakt die gesehenen Sender auf. Kommt ein weiteres Haushaltsmitglied hinzu, muss auch dieses seinen Knopf auf dem Messgerät oder der Fernbedienung drücken, der Sender hat ab dem Zeitpunkt einen Zuschauer mehr.

Jedes Messgerät schickt die gesammelten Daten täglich zwischen 5 und 6 Uhr (Deutschland) bzw. zwischen 3 und 5 Uhr (Österreich) oder zwischen 2 und 5 Uhr (Schweiz) per Modem an das Rechenzentrum, welches die Daten auswertet. Einschaltquoten für die Sendungen eines Tages liegen den Fernsehsendern am nächsten Morgen ab etwa 8:30 Uhr vor.

Dies ist nicht überall so: In Brasilien etwa werden die Einschaltquoten in Echtzeit gemessen, daher kann es vorkommen, dass bei Live-Sendungen bestimmte Programmteile verlängert oder gekürzt werden, wenn die Quoten gerade besonders steigen oder sinken.

Befragung[Bearbeiten]

Einschaltquoten können auch über die Methode einer Befragung ermittelt werden. Dies ist beispielsweise in Deutschland bei der Messung der Reichweite von Hörfunksendungen üblich, die zweimal jährlich in der sogenannten „MA Radio“ erfolgt.

Datenauswertung[Bearbeiten]

Bei der Auswertung der Daten sind die hochgerechneten absoluten Zuschauerzahlen für Sender und Werbetreibende eher zweitrangig. Wie viele zu einer bestimmten Zeit fernsehen, hängt von vielen Faktoren ab: Wetter, Tageszeit, Freizeitaktivitäten etc. Alle aus einem solchen Grunde gerade (Fernseh-)Abstinenten fallen als potenzielles Publikum für alle Sender gleichermaßen weg. Deren Werbepreise tragen den Schwankungen Rechnung, daher ist ein Werbespot zur Hauptsendezeit um 20:15 Uhr deutlich teurer als einer im Nachtprogramm.

Interessanter ist daher, wie viele derer, die gerade fernsehen, ein bestimmtes Programm schauen. Dieser wieder in Prozenten ausgedrückte Marktanteil misst, wie attraktiv eine Sendung verglichen mit den zeitgleich laufenden konkurrierenden Sendungen war (zum Beispiel von allen, die zu einem Zeitpunkt ferngesehen haben, sahen 25 % eine bestimmte Sendung). Den Sendern stehen die Quotendaten sekundengenau zur Verfügung, d. h. es wird für jede Sekunde des Tages hochgerechnet, welche Zuschauerzahl und welchen Marktanteil eine Sendung hatte.

Da viele Produkte und Sendungen sich vor allem an bestimmte Altersgruppen richten, wird versucht, die Messwerte zusätzlich nach Altersgruppen, den sogenannten Zielgruppen, aufzuschlüsseln.

Internetnutzung[Bearbeiten]

Durch die wachsende Nutzung des Internets schauen sich immer mehr Zuschauer Sendungen in der Mediathek der Fernsehsender an (Video-on-Demand) oder laden sich die Sendungen als Podcast herunter. Diese werden durch die Quotenboxen bislang nicht erfasst.

In der Schweiz soll dieses Problem ab 2013 durch ein Messgerät gelöst werden, welches einen akustischen Vergleich zwischen dem bei den Panel-Mitgliedern abgespielten Ton und dem von den Fernsehsendern zur Verfügung gestellten Ton gibt. Somit werden neben den Internet-Zuschauern auch die Zuschauer gemessen, die sich Sendungen mit einem Videorekorder oder Festplattenrekorder aufnehmen und zeitversetzt ansehen. Aufgrund der Menge des Materials soll dies jedoch auf die ersten 7 Tage nach Erstausstrahlung beschränkt werden.[3]

Anwendung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Das erste Fernsehmeter, Tammeter genannt, wurde von der Attwood Group und A.C. Nielsen Company in Großbritannien entwickelt. Die ARD und ZDF gründeten mit der „Infratam“ mit Sitz in Wetzlar eine gemeinsame Tochtergesellschaft und führten von 1963 bis 1974 die ersten kontinuierlichen Quotenmessungen durch. Das Tammeter maß dabei minutengenau, lieferte die Ergebnisse (Geräteeinschaltung, Kanal, Uhrzeit) aber erst vier Wochen später und nur für den kompletten Fernsehhaushalt.

Im Januar 1975 führten die Fernsehanstalten in der Bundesrepublik Deutschland ein Teleskopieverfahren mittels eines speziellen Gerätes durch. Der mit dem Fernsehgerät verbundene „Teleskomat“ (40 cm breit, 10 cm hoch) wurde in 1.200 repräsentativ ausgewählten Haushalten eingesetzt. Das Gerät verfügte über sechs Programm- und sieben Personentasten, eine Zeituhr und ein elektronisches Aufzeichnungsgerät, das alle eingedrückten Daten der Fernsehzuschauer speicherte und nachts per Telefon an einen Zentralrechner in Bad Godesberg sendete.[4]

Seit 1985 führt die GfK Gesellschaft für Konsumforschung die Erhebung der „Einschaltquoten“, genauer gesagt der „Fernsehnutzungsdaten“ durch. Zunächst im Auftrag von ARD und ZDF, ist seit 1988 der Auftraggeber die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), ein Zusammenschluss der Senderfamilien von ARD, ProSiebenSat.1 Media AG, Mediengruppe RTL Deutschland und des ZDF. Seit 2009 ist "Telecontrol Score", auch "GfK-Meter" genannt, das eingesetzte Messgerät.

Die Messung erfolgt in einem repräsentativen Panel (siehe Paneldaten, das ein verkleinertes Abbild aller deutschen und EU-ausländischen Fernsehhaushalte in Deutschland darstellt. Es ist eines der größten Panels seiner Art in Europa. Täglich berichtet die GfK aus 5.000 Haushalten mit insgesamt rund 10.500 Personen über die sekundengenaue Fernsehnutzung des Vortags.[5])

Die Haushalte zur Erhebung der Einschaltquote werden nach bestimmten Verfahrensweisen ausgewählt. Eine Bewerbung von Seiten eines Haushaltes ist nicht möglich. Ist ein ausgewählter Haushalt bereit, bei der Fernsehforschung mitzuwirken, erfolgt die Installation der Messgeräte an möglichst allen verfügbaren Fernsehgeräten im Haushalt. Per Knopfdruck melden sich die einzelnen Personen eines Haushalts an und ab, um sich als Zuschauer zu identifizieren. Über Nacht übermitteln die GfK-Meter dann die gemessenen Daten an das Rechenzentrum der GfK in Nürnberg. Mithilfe genauer Hochrechnungen wird das im Panel entstandene verkleinerte Abbild der Fernsehnutzung auf die ganze Grundgesamtheit übertragen. So stehen an 365 Tagen im Jahr spätestens ab 8:30 Uhr die „Einschaltquoten“ des Vortags den berechtigten Nutzern für ihre Auswertungen zur Verfügung. Große Fernsehanbieter wie ProSieben, RTL oder ARD können auf einzelne Haushalte zurückgreifen und genaue Zuschauerzahlen messen. Dies wird bei LiveEvents und im Abendprogramm häufig angewendet um Programmangebote zu optimieren.

Die Fernsehnutzungsdaten von AGF und GfK gelten als die „Währung“ im deutschen Fernsehmarkt.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich erfolgt die Ermittlung der Einschaltquoten seit 1991 über den TELETEST, den das Marktforschungsinstitut GfK Austria veranstaltet. Seit Anfang 2007 ist der Auftraggeber die Arbeitsgemeinschaft TELETEST (AGTT), deren Gründungsmitglieder ORF/ORF-Enterprise, ATV, IPA plus, SevenOne Media Austria und die österreichische Premiere Fernsehen GmbH sind.

Im Gegensatz zur GfK in Deutschland stellt die Arbeitsgemeinschaft TELETEST aktuelle Quotenauswertungen auch dem Endverbraucher zur Verfügung.

Das Messgerät der Firma Telecontrol steht in 1500 Testhaushalten und registriert, welcher Kanal derzeit eingeschaltet ist. Über eine spezielle Fernbedienung wird festgehalten, welche Person – auch Gäste werden erfasst – gerade fernsieht.

Seit 2001 werden die Teletest-Panels auf 1500 Haushalte verteilt und somit rund 3500 Teilnehmer erreicht. Davon sind etwa 3150 Personen über 12 Jahre, die repräsentativ für 6.972.000 erwachsene Österreicher stehen, und etwa 350 Kinder im Alter von 3 bis 11 Jahren, die repräsentativ für 772.000 österreichische Kinder stehen.

Die Auswahl der Teilnehmer ermitteln Umfragen. Jedes Jahr wechseln um die 15 % der Panels ihre Besitzer, um die Stichproben zu erneuern.

Im Vergleich zu anderen Messsystemen in Europa ist die Anzahl der Panels auf die Einwohneranzahl bezogen relativ groß. Ein Panelhaushalt steht in Österreich für etwa 2270 TV-Haushalte.

Die Messung ist wie in Deutschland sekundengenau und schließt Daten über die Aufzeichnung und Wiedergabe auf dem Videorekorder ein.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz beauftragt das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation die unabhängige Mediapulse Stiftung mit der Erhebung der nationalen Fernseheinschaltquoten.[6] Die Stiftung selbst ist nicht operativ tätig, sondern überträgt diese Aufgabe an die Mediapulse AG. Diese betreibt das Schweizer Fernsehpanel, welches mindestens 1870 Haushalte umfasst (Deutsche Schweiz: 1000 Haushalte, Französische Schweiz: 600 Haushalte, Italienische Schweiz: 270 Haushalte).[7] Im Jahr 2013 werden damit die 3 302 305 Fernsehhaushalte der Schweiz abgebildet. Ein Panelhaushalt steht demnach für rund 1750 Schweizer Haushalte (in der italienischsprachigen Schweiz für nur rund 550 Fernsehhaushalte).

Von 1985 bis 2012 erfolgte die Messung in den Panelhaushalten mit dem Telecontrol-Messgerät[8] von GfK Switzerland. Jede Person in diesen Haushalten meldete sich per Knopfdruck vom Fernsehkonsum an und ab, der gewählte Sender wurde über das Sendersignet automatisch erkannt.

Auf den 1. Januar 2013 baute Mediapulse ein neues Fernsehpanel auf.[9] Dieses ist mit dem Messgerät 5000 Series PeopleMeter von Kantar Media ausgerüstet. Nebst dem Live-TV-Konsum wird auch die zeitversetzte Nutzung und der TV-Konsum via Internet (am Computer oder Laptop) erfasst. Die Erfassung der Zuschauer läuft weiterhin über eine Anmeldung via Fernbedienung. Die Publikation der Resultate des neuen Panels verzögerte sich allerdings erheblich: Nachdem zunächst Mediapulse technische Probleme geltend machte, zweifelten später einzelne TV-Sender die Korrektheit der Resultate vor Gericht an.[10] Nach einer Einigung zwischen Mediapulse und dem Kläger 3 Plus wurden die Daten am 31. Juli zur Publikation freigegeben.[11]

Einmal jährlich publiziert die Mediapulse AG frei zugängliche Daten zum Schweizer TV-Markt in Form eines Jahresberichtes. Die Publica Data AG, eine Schwesterfirma der Mediapulse AG, publiziert zweimal jährlich Semesterdaten zu den größten Schweizer Fernsehsendern.

Der Radio-Konsum wird in der Schweiz im Mediapulse Radiopanel mit der sogenannten Mediawatch gemessen.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den USA wird der Zuschauerwert zwar auch in der Gesamtzahl gemessen, jedoch werden nicht nur – wie in Deutschland – die „Live-Zuschauer“ gemessen, sondern auch diejenigen, welche aufgezeichnetes Material innerhalb einer Woche verspätet angesehen haben. So entsteht eine Woche nach der Fernseherstausstrahlung das sogenannte Rating/Share.

Rating/Share[Bearbeiten]

Hauptartikel: Nielsen Ratings

Rating/Share sind zwei verschiedene Messeinheiten, welche in den USA zur Einschätzung der Zuschauerresonanz eingesetzt werden:

  • Rating: Die Prozentzahl, welche unter Rating angegeben ist, gibt an, wie viele Zuschauer aus allen Haushalten, welche durch technische Gegebenheiten die Möglichkeit besitzen ein bestimmtes Programm zu verfolgen, zugesehen haben. Laut Nielsen Media Research waren dies im September 2006 insgesamt 110,2 Millionen Haushalte. Die Zielgruppe bilden in den USA die 18- bis 49-Jährigen.
  • Share: Die Prozentzahl, welche unter Share angegeben ist, gibt an, wie viele Menschen aus der Gesamtzahl aller zum Messzeitpunkt eingeschalteten Geräte ein spezifisches Programm angesehen haben.

Quotenrekorde[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Den bisherigen Rekord für Zuschauerzahlen in Deutschland erreichte am 13. Juli 2014 die ARD beim Fußball-WM-Finale Deutschland gegen Argentinien: 34,65 Millionen Menschen sahen das Spiel am eigenen Fernseher im Durchschnitt über die gesamte Sendezeit, was in der Zielgruppe Z3+ einem Marktanteil von 86,3% entsprach. Dabei wurden die zahlreichen Zuschauer beim Public Viewing sowie in Restaurants und Kneipen nicht mitgezählt. Den vorherigen Rekord hatte das Fußball-WM-Halbfinale am 8. Juli 2014 Brasilien gegen Deutschland mit 32,57 Millionen Menschen erzielt.[12]

Im Januar 1962 erzielte der Durbridge-Krimi Das Halstuch an den sechs Sendeabenden Quoten bis 89 %. Es gab zwar deutlich weniger Fernsehgeräte als heutzutage, aber wer kein Gerät hatte, suchte Bekannte oder Kneipen auf. Das öffentliche Leben kam praktisch zum Erliegen. Schon ein Jahr später erzielte im Januar 1963 der nächste Sechsteiler von Francis Durbridge unter dem Titel Tim Frazer Quoten zwischen 80 und 93 % (die höchste am 25. Januar 1963 mit Teil 6). Am 25. März 1962 kam die Live-Aufführung Tante Jutta aus Kalkutta aus dem Millowitsch-Theater auf eine Einschaltquote von 88 %.[13]

Die Episode „Die Schuldfrage“ der Fernsehserie Die Schwarzwaldklinik vom 17. November 1985 hält mit einer Einschaltquote von 27,97 Millionen Zuschauern bis heute den Rekord für ein fiktionales Programm.[14]

USA[Bearbeiten]

Der Quotenrekord der letzten Episode der Fernsehserie M*A*S*H aus dem Jahre 1983 (106 Mio. Zuschauer, 79,2 % der Haushalte), wurde durch die Übertragung des „Super Bowl“ am 7. Februar 2010 mit 106,5 Millionen Zuschauern abgelöst, gefolgt von der Episode Who Done It? (dt. Wer hat auf J.R. geschossen?) der Fernsehserie Dallas. Die weiteren Plätze der Top Ten belegen die letzte Episode von Roots, vier Super-Bowl-Übertragungen, das Eiskunstlauf-Duell zwischen Nancy Kerrigan und Tonya Harding bei den Olympischen Winterspielen 1994 und eine Ausstrahlung von Vom Winde verweht (in zwei Teilen, daher zwei Mal in der Liste vertreten).[15]

Frankreich[Bearbeiten]

In Frankreich werden die Einschaltquoten von Médiamétrie ermittelt. Die Rekorde für das Jahr 2009 halten

  • Platz 1: die Übertragung des Wohltätigkeitskonzertes Les Enfoirés mit 12,3 Mio.,
  • Platz 2: das Fußballländerspiel Frankreich-Irland mit 11,7 Mio. und
  • Platz 3: eine Folge der Fernsehserie Dr. House mit 10,2 Mio. Fernsehzuschauern.

Italien[Bearbeiten]

Den Quotenrekord in Italien hält mit 24 Mio. Zuschauern (84,11 %) das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zwischen Italien und Frankreich.

Kritik[Bearbeiten]

Technische Ausrüstung zur Aufzeichnung[Bearbeiten]

Aus Sicht der Sozialforschung lassen sich Einschaltquoten kritisieren. Angezweifelt wird sowohl, ob sich die Anzahl der Zuschauer mit den angewendeten Mitteln tatsächlich relativ sicher quantitativ ermitteln lässt, als auch, ob die Qualität des Zuschauens hinreichend berücksichtigt wird.[16] Ob jemand stundenlang Musikfernsehen schaut oder als einzige Sendung des Tages die Nachrichten, dürfte sich qualitativ sehr unterscheiden (Aufnahmefähigkeit, Konzentration, Dauer des Gesamtfernsehkonsums, etc.). Des Weiteren ist es fraglich ob eine Stichprobe aus Menschen, welche dazu bereit sind ihren Fernsehkonsum dokumentieren zu lassen, als repräsentativ für die Grundgesamtheit angesehen werden kann.

Zusammensetzung des Panels[Bearbeiten]

Laut Süddeutscher Zeitung [17] stützt sich die Auswahl der Haushalte, die im Panel berücksichtigt werden, auf Daten der Bundeswahlverzeichnisse. Dadurch sind beispielsweise Ausländer unterrepräsentiert. Erst 2001 wurde das Panel um 140 Ausländerhaushalte ergänzt. Lücken gibt es ebenso im Bereich des Fernsehkonsums, der nicht in "Haushalten" stattfindet: Büros, Hotels, Kasernen, Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser, aber auch Studentenwohnheime und -WGs werden nicht mit der "Quotenbox" ausgestattet. Daher wird die Aussagekraft der hochgerechneten Einschaltquoten immer wieder bezweifelt. Derzeit gibt es aber zu den GfK-Zahlen keine vernünftige Alternative mit einem Panel, das die Zusammensetzung der Bevölkerung genauer repräsentieren würde. [18]

Zuverlässigkeit der Panel-Mitglieder[Bearbeiten]

Die Verlässlichkeit der erhobenen Einschaltdaten bedingt sich durch die Zuverlässigkeit, mit der die Panel-Mitglieder die technische Ausrüstung zur Aufzeichnung der Fernsehgewohnheiten bedienen. Es ist nicht überprüfbar, ob ein Mitglied auch tatsächlich zuverlässig immer den richtigen Knopf der speziell ausgestatteten Fernbedienung betätigt.

Aussagekraft der ermittelten „Einschaltquote“[Bearbeiten]

Die Trennung von Qualität und Quantität lässt den Einschaltquoten in Deutschland eine oftmals dominante Stellung zukommen, die soziologisch und psychologisch nicht nachzuvollziehen ist. Es fehlt ein gewichtender Faktor. Die Diskussion, ob sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk bei seiner Programmgestaltung zu sehr von Einschaltquoten leiten lässt und dabei bei der inhaltlichen Qualität oder bei seinem grundgesetzlichen Grundversorgungsauftrag zu große Abstriche macht, hat sich durch die Konkurrenz mit dem privaten Rundfunk zugespitzt, zum Beispiel als der Westdeutsche Rundfunk im Jahr 1995 seinen Jugendsender WDR 1 durch das mehr auf „Durchhörbarkeit“ ausgerichtete 1 Live ersetzte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

„Die Quotenmacher“ ist ein deutsch-schweizerischer Fernsehfilm von Christoph Weinert aus dem Jahr 2000 für die Reihe Das kleine Fernsehspiel (ZDF/3sat). Privatdetektiv Schmilinsky ermittelt in Sachen Einschaltquote. Ein kritisch-ironischer Seitenblick auf die Quotenhysterie im Fernsehgeschäft. Der Film bedient sich dabei einer dokumentarisch-fiktionalen Mischform: Privatdetektiv Schmilinsky übernimmt einen heiklen Auftrag. Er soll ermitteln, wie die Einschaltquoten im deutschen Fernsehen in Wahrheit zustande kommen. Bei seinen Recherchen gerät Schmilinsky in das Visier zwielichtiger Gestalten, die ihm schließlich nach dem Leben trachten.

Free Rainer“ ist ein deutscher Kinofilm des österreichischen Regisseurs Hans Weingartner aus dem Jahr 2007. Die Mediensatire schildert die Bekehrung des Fernsehproduzenten Rainer von einem quotenorientierten Macher von Unterschichtenfernsehen zu einem Aufklärer, der mit einer kleinen zusammengewürfelten Gruppe großflächig Quotenboxen manipuliert, um „bessere“ Zahlen zu produzieren. Seine Erkenntnis „Wenn man den Leuten nur lang genug Mist vorsetzt, wollen sie irgendwann nichts anderes mehr als diesen Mist“ dreht er damit um und bringt damit die Programmmacher dazu, anspruchsvollere Inhalte anzubieten, die in Weingartners Utopie begeistert angenommen werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Einschaltquote – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Relativierende Faktoren bei der Ermittlung von Einschaltquoten; „Quote, Quatsch und Qualität – Der Fernsehmarkt und seine Währung“ Deutschlandfunk 7. Juni 2013
  2. Teleskopie-Verfahren. wissenmedia in der inmediaONE] GmbH, Gütersloh/München. Abgerufen am 10. März 2013.
  3. „Einschaltquoten werden neu gemessen“, 20 Minuten, 8. Mai 2012
  4. Der Spiegel 30/1974 vom 22. Juli 1974, Jedem seine Taste, S. 90
  5. http://www.agf.de/forschung/methode/fernsehpanel/
  6. Auftrag der Mediapulse Gruppe
  7. Das Mediapulse Fernsehpanel
  8. http://www.telecontrol.ch
  9. Mediapulse: Neues Messsystem für TV-Einschaltquoten, werbewoche.ch, abgerufen am 13. Dezember 2011.
  10. NZZ vom 28. März 2013 „Konflikt um Mediapulse: Blackout in der TV-Branche“
  11. NZZ vom 31. Juli 2013 „Mediapulse und 3+ einigen sich“
  12. Deutschland zittert sich zu WM-Sieg und Quotenrekord. In: DWDL.de. 14. Juli 2014, abgerufen am 14. Juli 2014.
  13. Prisma Starguide Willy Millowitsch
  14. Neue Osnabrücker Zeitung: „Schwarzwaldklinik“ holte die höchsten Einschaltquoten aller Zeiten, abgerufen am 23. Juli 2012.
  15. Television Top Rated Programs, Nielsen Media Research
  16. vgl. Michael Meyen: Mediennutzung. Mediaforschung, Medienfunktionen, Nutzungsmuster. Konstanz: UVK 2001. S. 74–79
  17. Süddeutsche Zeitung vom 11. Mai 2010, http://www.sueddeutsche.de/kultur/erforschung-des-tv-zuschauer-verhaltens-das-bekannte-unwesen-1.429430
  18. Siehe auch 3Sat-Mediathek: Die Macht der Zuschauer, http://www.3sat.de/page/?source=/wissenschaftsdoku/sendungen/174174/index.html