Viridans-Streptokokken

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Für die systematische Einteilung der Lebewesen existieren neben- und nacheinander verschiedene Vorschläge. Das hier behandelte Taxon entspricht nicht der gegenwärtig in der deutschsprachigen Wikipedia verwendeten Systematik oder ist veraltet.

Streptococcus viridans ist eine Bezeichnung für eine große Gruppe von im Allgemeinen nicht pathogenen Streptokokken-Arten

Viridans-Streptokokken sind gram-positive, kugelförmige Bakterien, die wie die meisten Streptokokken, Ketten bilden. Auf Blut-Nährbodenplatten bilden seine Kolonien einen vergrünenden (lat. viridans: grünend) Hof und werden deshalb als α-hämolysierend bezeichnet. Streptococcus-viridans-Arten kommen im Mund-Rachen-Raum vor. Sie sind der häufigste Keim bei der langsam verlaufenden Herzwandentzündung (Endocarditis lenta). Die Untergruppe Str. mutans ist Erreger von Karies, sehr selten rufen vergrünende Streptokokken eine Hirnhautentzündung hervor.

Unterscheidungsmerkmale zu anderen Streptokokken[Bearbeiten]

Streptococcus viridans und Streptococcus pneumoniae können mit einem Optochin-Test differenziert werden, da S. viridans Optochin-resistent ist. Allerdings sind Str. pneumoniae genaugenommen Diplokokken, die pathogenen Formen sind typischerweise bekapselt. Str. viridans hat keine Polysaccharid-Kapsel. Ebenso fehlt das C-Antigen (Lancefield-Antigen) der Str.-pyogenes-Gruppe (= Gruppe-A-Streptokokken), der Str. agalactiae (= Gruppe-B-Streptokokken) und der Enterokokken (= Gruppe-D-Streptokokken).

Die Organismen kommen häufig im Mund vor, und Streptococcus mutans ist auch der Erreger von Karies. Auch andere Vertreter können bei Mundraum-Infektionen beteiligt sein. Wenn sie in den Blutstrom gelangen, können sie Endokarditis auslösen, besonders bei Menschen mit Herzklappenschäden.

Str. viridans ist auch mit etwa 50-70 % die häufigste Ursache von bakteriellen Endokarditiden[1].

Vorkommen[Bearbeiten]

Diagnose[Bearbeiten]

Die Diagnose der Endokarditis erfolgt nach Echokardiographie (TEE). Eine mikrobiologische Diagnostik mittels Blutkultur sollte an drei unabhängig gewonnenen Proben erfolgen[1]

Therapie[Bearbeiten]

Je nach Krankheitsbild werden unterschiedliche Antibiotika eingesetzt, Str. viridans ist gegen Penicillin immer empfindlich, bei der bakteriellen Endokarditis wird jedoch zuerst immer empirisch therapiert, bis ein endgültiger Erregernachweis gegebenenfalls mit Antibiogramm erhältlich ist.[2]

Prophylaxe[Bearbeiten]

Eine Prophylaxe gegen eine bakterielle Endokarditis wird nur bei wenigen Patienten als sinnvoll angesehen. (siehe Endokarditis)[3]

Referenzen und Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. a b Henrik Holtmann, Monika Bobkowski BASICS Medizinische Mikrobiologie,Virologie und Hygiene, 2008, Elsevier, Urban und Fischer
  2. B. Al-Nawas, M. Block, G. Ertl, D. Franzen, C. Gohlke-Bärwolf, M. Herrmann, D. Horstkotte, W.V. Kern, H.-H. Kramer, A. Moritz, C.K. Naber, G. Peters, B. Plicht, G. Wahl, K. Werdan: Kommentierte Zusammenfassung der Leitlinien der European Society of Cardiology zur Infektiösen Endokarditis (Neuauflage 2009). In: Der Kardiologe. 4, Nr. 4, 24. Juli 2010, S. 285-294. doi:10.1007/s12181-010-0282-2. Abgerufen am 7. Februar 2012.
  3. NICE: Prophylaxis against infective endocarditis (Guidance/Clinical Guidelines) In: NICE. 17. März 2008. Abgerufen am 7. Februar 2012.