Subcomandante Marcos

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Subcomandante Marcos (1. Januar 1994 - 25. Mai 2014)[1] wurde als politische Kunstfigur erschaffen und "erblickte" mit dem zapatistischen Aufstand in San Cristobal de las Casas (Chiapas/Mexico) das Licht der Welt. Er bezeichnete sich selbst als das Sprachrohr der EZLN (Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung).

Marcos in der EZLN[Bearbeiten]

Anlässlich des Inkrafttretens des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada am 1. Januar 1994 besetzten Indio-Guerilleros der EZLN fünf mexikanische Bezirkshauptstädte. Als Sprecher des „Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees – Generalkommandantur“ wandte sich der maskierte Mestize Subcomandante Insurgente Marcos zum ersten Mal an die Medien.

Die Maskierung und die Nicht-Veröffentlichung seiner Biographie erklärte er zum Programm dieser Bewegung, die sich nach dem militärischen Auftritt wieder in Stellungen der Selbstverteidigung zurückzog und erklärte, nicht um die politische Macht zu kämpfen, so sagte er einmal: „Es ist nicht nötig, die Welt zu erobern. Es genügt, sie neu zu schaffen.“ [2]

Subcomandante Marcos (links) mit Comandante Tacho in Chiapas (1999)

In ironischen, mit spanischsprachiger oder französischer Lyrik durchsetzten Artikeln und Briefen – er selbst gibt spöttisch an, er bekomme sie oft vom Urwald-Käfer Durito diktiert – verbindet sich die Verteidigung der Maya-Kultur, der Kampf um die mexikanischen Bürgerrechte und radikale postsozialistische Kritik der neoliberalen Globalisierung. 1996 zum Beispiel lud er zu einem „Intergalaktischen Treffen gegen den Neoliberalismus“ in vom EZLN kontrollierte Gebiete.

Marcos zeigt auch seine Solidarität mit anderen Protestbewegungen weltweit, als er zum Beispiel einmal für einen Vortrag 500 US-Dollar erhielt, soll er diese den zur gleichen Zeit streikenden Fabrikarbeitern in Italien gespendet haben, um die Phrase „Euer Kampf ist auch unser Kampf“ zu unterstreichen.

Die Bezeichnung Subcomandante leitet sich von daher ab, dass Marcos seine „Befehle“ angeblich von der Generalkommandantur („CCRI-CG – Geheimes revolutionäres indigenes Komitee“), das aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Dorfgemeinschaften besteht, erhält.

Als bei den Präsidentschaftswahlen 2000 die bürgerlich-konservative Partei der Nationalen Aktion (PAN) die 71-jährige Alleinherrschaft der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) brach, nahm Marcos das rhetorische Gesprächsangebot über Verfassungsrechte der Indígenas von Präsident Vicente Fox an. Mit einem Buskonvoi fuhren Marcos und andere Führer des EZLN aus Chiapas nach Mexiko-Stadt, symbolischerweise über die Stationen des Feldzugs Emiliano Zapatas von 1917.

Im Mai 2014 gibt Subcomandante Marcos seine Führungsrolle der EZLN ab: „Ich erkläre, dass derjenige, der als Subcomandante Marcos bekannt ist, nicht mehr existiert.“[3] Gerüchte, dass dies mit seinem Gesundheitszustand zusammenhänge, wies er zurück.

Identität Marcos’[Bearbeiten]

Subcomandante Marcos reitend und Pfeife rauchend

Nach Geheimdienstangaben sollte „Unterkommandant“ Marcos der 1957 geborene Rafael Sebastián Guillén sein und aus einer bürgerlichen, spanischstämmigen Familie in Tampico (Bundesstaat Tamaulipas) stammen. Er sei Philosophiestudent an der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) gewesen und später Dozent an der Universität in Mexiko-Stadt und sei ursprünglich von den Ideen von Mao Zedong, Louis Althusser, Fidel Castro und Che Guevara beeinflusst. Seine Gegner behaupteten häufig, er habe auf Kuba und im sandinistischen Nicaragua eine Guerilla-Ausbildung erhalten.

Manuel Vázquez Montalbán, der mit den Zapatistas sympathisierte und von Marcos persönlich zu Interviews eingeladen wurde, nennt als Quelle den kubanischen Nachrichtendienstler Manuel Piñeiro, der einen Aufenthalt Marcos' in Kuba bejahte und äußerte dann die Vermutung, dass Marcos dort eine derartige Ausbildung erhalten habe.[4]

Als einmal ein Interviewer Marcos nach seiner Identität fragte, antwortete dieser:

Auf die Frage nach seinem Alter sagte Marcos: „Ich bin 518“.[5] Im Mai 2014 gab Subcomandante Marcos sein Verschwinden bekannt. Er begründete diesen Schritt folgendermaßen:

„Es ist unsere Überzeugung und unsere Praxis, dass man für Rebellion und Kampf keine charismatischen Anführer oder Chefs braucht, keinen Messias und keinen Erlöser; um zu kämpfen braucht man nur ein bisschen Anstand, etwas Würde und viel Organisation – und sonst: Entweder man trägt zum Kollektiv bei oder man taugt nichts. [6]

In der Abschiedsmitteilung vom 24. Mai 2014 wurde die "Geburt" von Marcos folgendermaßen erklärt:

„En la madrugada del día primero del primer mes del año de 1994, un ejército de gigantes, es decir, de indígenas rebeldes, bajó a las ciudades para con su paso sacudir el mundo. Apenas unos días después, con la sangre de nuestros caídos aún fresca en las calles citadinas, nos dimos cuenta de que los de afuera no nos veían. Acostumbrados a mirar desde arriba a los indígenas, no alzaban la mirada para mirarnos. Acostumbrados a vernos humillados, su corazón no comprendía nuestra digna rebeldía. Su mirada se había detenido en el único mestizo que vieron con pasamontañas, es decir, que no miraron. Nuestros jefes y jefas dijeron entonces: ’Sólo lo ven lo pequeño que son, hagamos a alguien tan pequeño como ellos, que a él lo vean y por él nos vean‘ Empezó así una compleja maniobra de distracción, un truco de magia terrible y maravillosa, una maliciosa jugada del corazón indígena que somos, la sabiduría indígena desafiaba a la modernidad en uno de sus bastiones: los medios de comunicación. Empezó entonces la construcción del personaje llamado “Marcos”“

„Während des Morgengrauens am 1. Januar 1994 kam eine Armee von Giganten – nämlich indigene Rebellen – hinunter in die Städte, um mit ihrem Schritt die Welt aufzurütteln. Bereits nach einigen Tagen, noch mit dem frischen Blut unserer Gefallenen auf den Straßen der Städte, überlegten wir, wie wir uns der Außenwelt sichtbar machen könnten. Die anderen waren gewohnt, die Indigenas von oben herab anzuschauen, sie konnten nicht den Blick nach oben wenden um uns zu sehen. Sie waren gewohnt uns als erniedrigte Menschen zu sehen, ihre Herzen konnten nicht unsere würdevolle Rebellion verstehen. Ihre Blicke wurden von dem einzigen Mestizen mit Sturmhaube gefangen genommen, aber nur, weil sie ihn nicht wirklich sahen. Unsere AnführerInnen sagten dann: ‚Sie können nur diejenigen sehen, die genauso klein wie sie sind. Dann machen wir jemanden, der so klein ist, wie sie, so dass sie ihn sehen können und durch ihn uns sehen können.‘ So fing eine komplexe Ablenkungsstrategie an, eine schreckliche und wunderschöne Zauberei, ein bissiges Versteckspiel des indigenen Herzens, das wir sind. Die indigene Weisheit fordert die moderne Welt an einer ihrer stärksten Säulen heraus: den Massenmedien. So fing der Aufbau der Figur an, die Marcos genannt wurde.[7]

Nach dem tödlichen Anschlag am 3. Mai 2014 von der Gruppe CIOAC (Central Independiente de Obreros Agrícolas y Campesinos) in der Gemeinde La Realidad hat die EZLN die Entscheidung getroffen, die Figur von Marcos sterben zu lassen, um den bei dem Anschlag ermordeten José Luis Solís Lopez (genannt: Galeano)[8] weiterleben zu lassen.

„Pensamos que es necesario que uno de nosotros muera para que Galeano viva. Y para que esa impertinente que es la muerte quede satisfecha, en su lugar de Galeano ponemos otro nombre para que Galeano viva y la muerte se lleve no una vida, sino un nombre solamente, unas letras vaciadas de todo sentido, sin historia propia, sin vida. Así que hemos decidido que Marcos deje de existir hoy.“

„Wir denken, dass es notwendig ist, dass jemand von uns stirbt, so dass Galeano weiterleben kann. Und um den aufdringlichen Tod zufrieden zu stellen, muss man ihm an Galeanos Stelle einen anderen Namen vorsetzen, so dass dieser leben kann und der Tod nicht ein Leben stiehlt, sondern nur einen Namen, Buchstaben von Bedeutung entleert, ohne Geschichte, ohne eigenes Leben. So haben wir uns entschieden, dass Marcos ab heute nicht mehr existieren darf.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Castellanos, Laura; Subcomandante Marcos: Kassensturz Nautilus ISBN 3-89401-590-X
  • Marta Duran de Huerta: Yo Marcos. Gespräche über die zapatistische Bewegung. ISBN 3-89401-380-X
  • Krüger, Reinhard (Hrsg.): México insurgente. Los Zapatistas y La marcha por la dignidad indígena 24 febrero - 11 marzo 2001 (= ROMANICE 2), Weidler-Verlag, ISBN 3-89693-702-2 (03/2001)
  • Krüger, Reinhard (Hrsg.): Los Zapatistas y La marcha por la dignidad indígena (vol. II). Los discursos en el Congreso y el regreso a Chiapas (= ROMANICE 7), Weidler-Verlag, ISBN 3-89693-707-3 (07/2001)
  • Krüger, Reinhard (Hrsg.): Aufständisches Mexiko. Die Zapatisten und der Marsch für die Würde der Indios. 24. Februar – 11. März 2001 (ausgewählt und übersetzt von Christiane Bauer) (= ROMANICE 12), Weidler-Verlag, ISBN 3-89693-712-X (07/2002)
  • Subcomandante Insurgente Marcos: Botschaften aus dem Lakandonischen Urwald. Über den zapatistischen Aufstand in Mexiko. Edition Nautilus, Hamburg, 2005 ISBN 3-89401-259-5
  • Subcomandante Marcos: "Geschichten vom alten Antonio" Verlag Assoziation A, Berlin 2007. ISBN 978-3-935936-50-7.
  • Subcomandante Insurgente Marcos: Our Word is Our Weapon Seven Stories Press, ISBN 1-58322-472-6
  • Manuel Vázquez Montalbán: Marcos Herr der Spiegel. Verlag Klaus Wagenbach, ISBN 3-8031-3606-7
  • Subcomandante Marcos, Paco Ignacio Taibo II : "Unbequeme Tote" Roman, Vierhändig. Verlag Assoziation A, ISBN 3-935936-39-7
  • Ramonet, Ignacio: Marcos. La dignité rebelle. Conversations avec le sous-commandant Marcos. Paris: Galilée, 2001, ISBN 2-7186-0565-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Subcomandante Marcos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2014/05/25/entre-la-luz-y-la-sombra/
  2. Marcos: Botschaften aus dem Lakandonischen Urwald, 2005.
  3. http://www.bbc.com/news/world-latin-america-27569695
  4. [Manuel Vázquez Montalbán – Marcos Herr der Spiegel, Verlag Klaus Wagenbach, Aktualisierte Ausgabe 2001, S. 67f.], Manuel Vázquez Montalbán – Marcos Herr der Spiegel, Verlag Klaus Wagenbach, Aktualisierte Ausgabe 2001, S. 67f.
  5.  García Márquez, Roberto Pombo: Subcomandante Marcos. The Punch Card and the Hourglass. In: New Left Review. Nr. 9, Mai–Juni 2001 (Interview mit Subcomandante Marcos, ursprünglich erschienen in Revista Cambio. Bogotá 26. März 2001, Online).
  6. http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2014/05/25/entre-la-luz-y-la-sombra/
  7. ebd.
  8. http://www.jornada.unam.mx/2014/05/09/politica/018n1pol
  9. ebd.