türken (Verb)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Verb türken ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, der oft als diskriminierend empfunden wird, für vortäuschen, fälschen.[1] Ein zeitgenössisches Synonym des Wortes türken ist faken.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Übersetzung von türken ins Französische lautet falsifier, truquer, maquiller. Getürkte Papiere (Ausweisfälschung) werden faux papier genannt und eine getürkte Bilanz (Bilanzfälschung) ist un bilan maquille. Aus dieser Übersetzung läßt sich folglich die Bedeutung des deutschen Wortes für Fälschung ableiten.[2]

Kupferstich von Racknitz

Die Irreführung eines Publikums[3] geschah mit dem Schachtürken: Es war ein vermeintlicher Schachroboter im türkischen Kostüm, der angeblich selbstständig Schach spielen konnte. Tatsächlich hatte sich jedoch in der 1769 von Wolfgang von Kempelen gebauten Maschine ein erfahrener Schachspieler versteckt.[4]

Nach dem von den Gebrüdern Grimm 1854 begründeten Deutschen Wörterbuch hat die Redewendung „einen Türken stellen“ etwa ab 1900 die umgangssprachliche Bedeutung „jemandem bei Besichtigungen etwas vormachen“. Das 1916 von dem Hauptmann a.D. und Bibliotheksrat an der Preußischen Staatsbibliothek Walter Transfeldt begründete Werk Wort und Brauch in Deutschlands Heer und Flotte gibt dazu folgende weiterführende Erklärung:

Unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. (1840–1861) ließen Kommandeure bei Truppenbesichtigungen von ihren Verbänden gerne eindrucksvolle Gefechtsübungen abhalten, deren Ablauf jedoch zuvor sorgsam einstudiert worden war. Dies war zwar dem Ausbildungszweck eines Truppenmanövers ausgesprochen abträglich (und wurde im Exerzierreglement von 1906 deshalb auch ausdrücklich untersagt), ließ aber den Kommandeur vor dem Besichtigenden gut dastehen. Unter Offizieren wurden solche zu Freilichtspielen mutierten Übungsabläufe bald als „Türkenmanöver“ oder „einen Türken bauen“ bezeichnet.[3] Der erste Gebrauch dieser spöttischen Redensart wird dem Generalleutnant Gebhard Hans Valentin Ludwig von Kotze (1808–1893) zugeschrieben, der in seiner Zeit als Major im Alexander-Garde-Grenadierregiment (1851–1856) mit seinem Bataillon oft in der Tempelhofer Feldmark Besichtigungsübungen abhielt. Dort stand von 1798 bis 1866 auch eine türkische Grabstätte (1867 wiedererrichtet im Türkischen Friedhof in Neukölln), die in den Übungsabläufen oft eine wichtige Rolle spielte und so wohl auch den Namen dafür lieferte. Im Laufe der Zeit scheint sich die Bedeutung zur heute gebräuchlichen („jemandem etwas vormachen“) verallgemeinert zu haben.[5]

Das Grimm'sche Wörterbuch lässt jedoch noch einen anderen Ursprung zu. Dort wird als „Türke“ u. a. die Praxis bezeichnet, eine Reichstürkenhilfe in Form einer Steuer für angebliche Heerzüge gegen die Türken zu erheben, die dann aber nicht zur Bekämpfung einer vorgeblichen Türkengefahr, sondern oft eigennützig oder sogar gegen die Allgemeinheit gerichtet werden. Damit hätte der Begriff seinen Ursprung in der Zeit der Türkenkriege.

Bei der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals im Jahre 1895 wurde beim Passieren des jeweiligen Kriegsschiffes die entsprechende Nationalhymne gespielt. Beim Eintreffen des türkischen Schiff musste die Musikkapelle jedoch improvisieren: In Ermangelung der Noten intonierte die Kapelle wegen des Halbmondes in der türkischen Flagge die Volksweise Guter Mond, du gehst so stille.[3][4]

Es ist denkbar, dass die Redensart sich konvergent entwickelt hat.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden: Die deutsche Rechtschreibung. Mannheim 2006, Lemma türken.
  2. Langenscheidts Handwörterbuch: Französisch. Teil II Deutsch−Französisch. Langenscheidt, Berlin 1995, Lemma türken.
  3. a b c Heinz Küpper: Wörterbuch der Alltagssprache. DTV, München 1971, Lemma Türke.
  4. a b Bastian Sick: Wie baut man einen Türken?. In: Fragen an den Zwiebelfisch, Der Spiegel, 17. August 2005.
  5. Christoph Gutknecht: Von Treppenwitz bis Sauregurkenzeit. Beck, München 2008, S. 45–46.