Tadeusz Różewicz

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Tadeusz Różewicz, 2006

Tadeusz Różewicz (* 9. Oktober 1921 in Radomsko; † 24. April 2014 in Breslau[1]) war ein polnischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Tadeusz Różewicz wuchs als Sohn eines Beamten in Radomsko auf. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkriegs war er zunächst Fabrikarbeiter. 1943 ging er in den Untergrund, um als Partisan der Heimatarmee zu kämpfen.[1] In Krakau studierte er nach dem Krieg Kunstgeschichte und schrieb seine ersten Gedichte. Sein erster Gedichtband erschien 1947. Binnen eines Jahrzehnts galt er als „jüngster polnischer Klassiker“[1] und später – bis Wisława Szymborska im Jahre 1996 den Nobelpreis für Literatur erhielt – als „größter lebender Lyriker seiner Sprache“.[2] In den späten 1950er Jahren wandte er sich vor allem dem Schauspiel zu. 1960 wurde in Warschau Die Kartothek uraufgeführt, 1963 sein berühmtestes Stück, Die Zeugen oder Unsere kleine Stabilisierung.[1] In den 1980er Jahren war er in der DDR einer der meistgespielten Dramatiker; für das polnische Theater gilt dies bis heute.

Tadeusz Różewicz lebte als Lyriker, Dramatiker, Erzähler und Drehbuchautor in Breslau. Er wurde mit zahlreichen Preisen auszeichnet.

Sein Werk ist in viele Sprachen übersetzt; seine Übersetzer ins Deutsche sind Karl Dedecius, Peter Lachmann, Ilka Boll, Christa Vogel, Armin Dross, Paul Pszoniak, Alois Woldan, Henryk Bereska, Bernhard Hartmann und Roswitha Matwin-Buschmann.

Preise und Auszeichnungen (in Auswahl)[Bearbeiten]

Werke in deutscher Übersetzung[Bearbeiten]

(jeweils in der Reihenfolge des Erscheinens der deutschen Ausgabe)

Lyrik[Bearbeiten]

  • Offene Gedichte, 1945–1969. Carl Hanser Verlag, München 1969. Herausgegeben und übersetzt von Karl Dedecius.
  • Schattenspiele. Gedichte 1945–1969. Heyne, München 1979. ISBN 3-453-85007-6. Übersetzt von Karl Dedecius.
  • Überblendungen. Gedichte. Carl Hanser Verlag, München 1987. ISBN 3-446-14483-8. Übersetzt von Peter Lachmann.
  • Das unterbrochene Gespräch. Gedichte. Droschl, Graz 1992. ISBN 3-85420-234-2. Übersetzt von Alois Woldan.
  • Letztendlich ist die verständliche Lyrik unverständlich. Späte und frühe Gedichte. Carl Hanser Verlag, München 1996. ISBN 3-446-18575-5. Übersetzt von Karl Dedecius.
  • Zweite ernste Verwarnung. Gedichte. Carl Hanser Verlag, München 2000. ISBN 3-446-19931-4. Übersetzt von Henryk Bereska.
  • Recycling. Ein Poem. Corvinus Presse, Berlin 2000. ISBN 3-910172-73-3. Übersetzt und mit einem Nachwort von Henryk Bereska.
  • Und sei's auch nur im Traum. Gedichte 1998–2008. Karl Stutz, Passau 2012. ISBN 978-3-888-49-147-4. Herausgegeben und übersetzt von Bernhard Hartmann.

Drama[Bearbeiten]

  • Der unterbrochene Akt und andere Stücke. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1966 (= Bibliothek Suhrkamp, Bd. 189). Übersetzt von Ilka Boll.
  • Weiße Ehe. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1978. (= Reihe Henschel-Schauspiel). Übersetzt von Henryk Bereska.
    • auch enthalten in: Weiße Ehe. In: Heinrich Olschowsky (Hg.): Weiße Ehe. Moderne polnische Dramen. Reclam, Leipzig 1982 (= Reclams Universal-Bibliothek, Bd. 886).
  • Auf allen Vieren. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1980. (= Reihe Henschel-Schauspiel). Übersetzt von Christa Vogel.
  • Die Falle. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1983. (= Reihe Henschel-Schauspiel). Übersetzt von Christa Vogel.
  • Vorbereitung einer Dichterlesung und drei außergewöhnliche szenische Miniaturen. Katzengraben-Presse, Berlin-Köpenick 1993. ISBN 3-910178-09-6 (formal falsche ISBN). Übersetzt von Henryk Bereska.

Prosa[Bearbeiten]

  • In der schönsten Stadt der Welt. Sechs Geschichten. Nymphenburger Verlags-Handlung, München 1962. Übersetzt von Armin Dross.
  • Schild aus Spinngeweb. Aufzeichnungen aus der Werkstatt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1967. ISBN 3-518-10194-3. Übersetzt von Peter Lachmann.
  • Entblößung. Erzählung. Carl Hanser Verlag, München 1968. Übersetzt von Paul Pszoniak.
  • In der schönsten Stadt der Welt. Erzählungen. Verlag Volk und Welt, Berlin 1971. (Reihe „Volk und Welt Spektrum“, Bd. 35). Übersetzt von Roswitha Buschmann. Mit einem Nachwort von Heinrich Olschowsky.
    • Neuausgabe: In der schönsten Stadt der Welt. Erzählungen. Carl Hanser Verlag, München 2006. ISBN 978-3-446-20766-0. Übersetzt und herausgegeben von Roswitha Matwin-Buschmann.
  • Der Tod in der alten Dekoration. Erzählung. Carl Hanser Verlag, München 1973. ISBN 3-446-11712-1. Übersetzt von Peter Lachmann.

Anthologien[Bearbeiten]

  • Gedichte, Stücke. Herausgegeben von Karl Dedecius. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983. ISBN 3-518-04524-5. Übersetzt von Ilka Boll (Stücke) und von Karl Dedecius (Gedichte).
  • Mutter geht. Herausgegeben von Bernhard Hartmann und Alois Woldan. Karl Stutz, Passau 2009. ISBN 978-3-88849-132-0. Übersetzt von Jolanta Doschek, Bernhard Hartmann und Alois Woldan. Mit einem Nachwort von German Ritz.
  • Tadeusz Różewicz. Herausgegeben von Richard Pietraß. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2012 (= Poesiealbum 299). ISBN 978-3-931329-99-0.

Drehbücher[Bearbeiten]

  • 1968: Einsamkeit zu zweit (Samotność we dwoje)
  • 1966: Hölle und Himmel (Piekło i niebo)
  • 1964: Echo (Echo)
  • 1960: Ein Platz auf Erden (Miejsce na ziemi)

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Hartmann, Alois Woldan (Hrsg.): Schwarze Gedanken? Zum Werk von Tadeusz Różewicz. Karl Stutz, Passau 2007. ISBN 978-3-88849-120-7.
  • Heinz Kneip: Tadeusz Różewicz, in: KLfG – Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Andreas Lawaty, Marek Zybura (Hrsg.): Tadeusz Różewicz und die Deutschen (= Veröffentlichungen des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt. Band 17). Harrassowitz, Wiesbaden 2003, ISBN 3-447-04814-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tadeusz Różewicz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Ulrich Schmid: Wenn der Mond scheint. Zum Tod des polnischen Dichters Tadeusz Rózewicz. In: Neue Zürcher Zeitung, 26. April 2014, S. 51 (online abgerufen am 21. Mai 2014).
  2. Andreas Platthaus: Widerstand schreiben. Zum Tod von Tadeusz Różewicz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. April 2014, S. 12.
  3. Süddeutsche Zeitung vom 8./9. Oktober 2011.