Tael

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur gleichnamigen estnischen Diplomatin siehe Kaja Tael.
Tael
Chinesische Bezeichnung
Langzeichen
Kurzzeichen
- Pinyin (Mandarin) liǎng
- Jyutping (Kantonesisch) loeng5
Vietnamesische Bezeichnung
Quốc ngữ lượng, lạng
Hán tự
Koreanische Bezeichnung
Hangeul
Hanja
- Revidierte
Romanisierung
nyang
Japanische Bezeichnung
Kanji
- Rōmaji ryō
chinesische Silberbarren des 19. Jahrhunderts

Tael ist die Bezeichnung für eine heute nicht mehr gebräuchliche chinesische Währungseinheit.

Das Tael oder Liang war eine Masseneinheit für Silber, die je nach Zeit und Ort starken Schwankungen unterworfen war.

Nach 1868 rechnete man in China:

1 Tael

= 10 Qian  / qián (Mace/Mehs)
= 100 Fen fēn (deutsch: Candarin, englisch: Candareen)
= 1000 Li  / 
= 37,78 g,
= 34,246 g (Shanghai),
= 33,387 g im Außenhandel auf Basis des Peso.

Das Tael wird heute noch als Gewichtseinheit mit Werten zwischen 37,4 und 37,8 g in manchen südostasiatischen Ländern verwendet.

Den physischen Tael-Silberbarren wurde bewusst gelegentlich wertminderes Antimon beilegiert.

Name[Bearbeiten]

Das Wort Tael leitet sich über das Portugiesische von dem malaiischen Wort tahil her, das so viel wie "Gewicht" bedeutet. Auf Thai heißt es ตำลึ [tamlɯŋ]. Ein älterer, volkstümlicher Name für das Tael als Silberbarren war auch Paes für "Brot".

Historischer Wert[Bearbeiten]

Theoretisch sollten dem Tael 1.000 Käsch entsprochen haben. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts hatten 10 mexikanische Pesos einen Gegenwert von 7,2 Tael. Insgesamt gab es rund 170 verschiedene Taels, die jeweils unterschiedliches Gewicht hatten:

Kanton-Tael (= Hongkong-Tael): 33,816 Gramm
Shanghai-Tael: 37,759 Gramm (114,4 pro 100 Haikwan)

Das Regierungs-Tael hieß auch Haikwan-Tael (chinesisch 海關 / 海关Pinyin hǎiguān), da mit dieser Geldeinheit alle Zölle (chinesisch: haiguan) entrichtet werden mussten. Zu den wichtigeren anderen Rechnungseinheiten gehörten der Kuping-Tael (101,64 pro 100 Haikwan) oder Tientsin-Tael (105,2 pro 100 Haikwan).

Der Wert des silber-basierten Haikwan-Tael gegenüber der damaligen Leitwährung, dem englischen Pfund, entwickelte sich wie folgt: 1910: 2 sh 8 5/16 d., 1911: 2 sh. 8¼ d., 1912: 3 sh. 0 5/8 d., 1913: 3 sh. ¼ d., 1914: 2 sh. 8¾ d., 1915: 2 sh. 7¼ d., 1916: 2 sh. 8¼ d., 1917: 3 sh. 3 13/16¼ d.[1]

Der im Rahmen des Goldstandards festgelegte Wechselkurs[2] gegenüber der Mark betrug 1912[3] für 1 Haikwan-Tael 6,41 M und für 1 Shanghai-Tael 2,70 M. Im Jahre 1932[4] war 1 Haikwan-Tael 2,97 RM und 1 Yüan 1,64 RM.

Moderne Verwendung[Bearbeiten]

In manchen Ländern wird das Tael heute noch verwendet. Auf dem chinesischen Festland entspricht das moderne Tael heute genau 50 g.[5] In Hongkong entspricht das moderne Tael 37,42900 g. In Singapur und in Malaysia entspricht das Tael 37,799366256 g. In Taiwan entspricht das Tael 37,499995313 g und in Vietnam 37,5 g.

Zitat[Bearbeiten]

Die Begriffsverwirrung über die chinesischen Währungsbegriffe war in ausländischen Büchern so groß, dass sich der Autor J. Scheibert zu Beginn des 20. Jahrhunderts genötigt sah, eine genaue Definition zu liefern:

"Das Tael ist nichts anderes als ein ‚Begriff‘, und noch dazu ein schwankender; in jeder Provinz, ja fast in jeder Stadt berechnet man seinen Wert verschieden und überdies hängt der letztere im internationalen Verkehr auch von dem jeweiligen Preise des Silbers ab. …
Die chinesischen Kaufleute hingegen haben noch die alte Zahlungsweise, in der sich bereits Abraham mit Hephron bei dem Ankauf der Grabstelle Sarahs auseinandersetzte (1. Mos. 23, 16): sie wägen ihr Geld. Geprägte oder gegossene Silberstücke gibt es nämlich im Innern des Landes nicht, sondern die Kaufleute führen Silberbarren, je im Gewichte von etwas mehr als ein Kilogramm bei sich und schneiden mit einer großen Schere dann immer so viel ab, wie die Rechnung beträgt. Diese Abschnitte werden in Säckchen gesammelt, und wenn ein genügendes Quantum vorhanden ist, zum Wechsler gebracht und von diesen wieder zu Barren eingeschmolzen. Jeder Kaufmann besitzt daher eine Wiegeschale, die in einem Glaskasten aufbewahrt wird, an dem die Worte zu stehen pflegen: ‚Wage (sic!) sei geschäftig, wiege täglich Waren viele tausend Taels wert.‘
Die chinesischen Kaufleute haben es beim Abschneiden der Silberbarren zu einer wunderbaren Geschicklichkeit gebracht, so dass beim Nachwiegen kaum ein Stückchen abgeschnitten oder hinzugelegt werden braucht. Die böse Welt behauptet allerdings, dass der chinesische Silberwechsler im Hantieren der Wage (sic!) eine noch größere Geschicklichkeit als im Gebrauch der Schere besäße und dass es stets einen kleinen Unterschied mache, ob er kaufe oder verkaufe. Jedenfalls gehören die Wechsler immer zu den reichsten Leuten der Stadt; aber es ist viel richtiger, ihnen diesen nicht ganz ordnungsgemäßen Extra-Vorteil zu gönnen, als in die Hände gerissener Gauner zu fallen, die das Silber mit minderwertigem Metall mischen oder, da ein scharfes Auge den Betrug unschwer erkennt, in die Mitte des Barrens ein Stück Eisen verstecken."

(Zitiert aus J. Scheibert: Der Krieg in China 1900–1901; Berlin 1909)

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manchuria; London 1920 (H. M. Stationery Office); Handbooks prepared under the direction of the Historical Section of the Foreign Office. Nr. 69; S. 72 f.
  2. vgl.: Liste der Wechselkurse (Goldstandard)
  3. Otto, Carl; Der Haussekretär; Berlin 1913, S 485, 3. Umschlagseite
  4. Von A–Z: Das Konversationslexikon; Berlin 1932, Sp. 417 ff.
  5. Zhōngguó shèhuìkēxuéyuàn yǔyán yánjiūsuǒ cídiǎn biānjíshì 中国社会科学院语言研究所词典编辑室 (Hg.): Xiàndài Hànyǔ cídiǎn 《现代汉语词典》, Beijing, Shāngwù yìnshūguǎn 商务印书馆 1996, ISBN 7-100-01777-7, S. 1714.