Telefonzelle (Vereinigtes Königreich)

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Rote Telefonzelle, Modelle K6 (links) und K2 (rechts)

Im Vereinigten Königreich waren die ersten Telefonzellen (englisch telephone booth, telephone box) K1 aus Beton gefertigt und mit einer Holztür versehen. Die britische Telefonzelle ist von der Polizei-Zelle zu unterscheiden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die heute so bekannten roten Telefonzellen (Typ K2) wurden 1924 im Rahmen eines Design-Wettbewerbes von dem britischen Architekten Sir Giles Gilbert Scott für die britische Postbehörde entworfen.[1] Er gewann den Wettbewerb mit einem klassischen Entwurf mit Kuppeldach, der sich an demjenigen des Mausoleums von Sir John Soane orientiert. Das von Scott in silber gehaltene Modell wurde von der Behörde rot gestrichen, damit man die Zellen auch von weitem gut erkennen konnte. Die damaligen Herstellungskosten betrugen 50 britische Pfund. Die Wettbewerbsausschreibung hatte maximale Kosten von 40 Pfund gefordert. Da die Anschaffungskosten hoch und ihre Abmessungen für den allgemeinen Gebrauch zu groß waren (90 cm × 90 cm Grundfläche bei einer Höhe von 2,51 m, Gewicht 750 kg), wurden ca. 1500 Stück beschafft und nur in London aufgestellt.[2]

Im Jahr 1929 trat die britische Postbehörde an Scott heran mit der Bitte, auf der Basis des preiswerten und kleineren Modells K1 und dem Modell mit dem schönen Design K2 ein neues Modell zu entwerfen. Das Ergebnis war das Modell K3, von dem in den nächsten sechs Jahren 12.000 Stück aufgestellt wurden.

Im Jahre 1936 modifizierte Scott das Modell K2 anlässlich des silbernen Thronjubiläums von König Georg V. zum Modell K6, genannt Jubilee Kiosk. Der König starb jedoch, bevor er eine einzige fertiggestellte Telefonzelle zu sehen bekam. Von dem Typ K6 wurden bis Ende der 1930er Jahre weitere 20.000 Stück im gesamten Königreich aufgestellt.[2] In ländlichen Gegenden konnte die rote Farbgebung auf Wunsch abweichen. So konnten die Farben grün, gelb, weiß und grau (battleship grey) gewählt werden, um die Farbharmonie nicht zu stören. Die rote Signalfarbe sollte in den Städten die schnelle Erkennbarkeit fördern, so dass ein möglicher Hilferuf – auch von den Streifenpolizisten – schnell realisiert werden konnte. 1939 folgte eine gegen Vandalismus verbesserte Mark II Version. Nach der Thronbesteigung 1953 von Königin Elisabeth II. wurde die Georgskrone im Dach der Telefonzelle modifiziert.

Die K6 Telefonzellen wurden von fünf verschiedenen Betrieben hergestellt: Carron Foundry, Lion Foundry, McDowall Steven, Macfarlane (auch bekannt als Saracen Foundry) und Bratt Colbran.[3]

Im Jahre 1962 wurden wenige Prototypen des Typs K7 aufgestellt und ab 1968 vom Typ K8 ergänzt. Die jüngste rote Telefonzelle weist ein modernes Design auf und ist statt aus Eisen aus Aluminium gefertigt.[2] Später folgten die Modelle KX100, KX200, KX300, KX410, KX420, KX plus, KX plus internet und KX520. Alle Modelle entfernten sich von der typischen roten Farbgebung und dem Box-Design. Im Jahr 2007 entwarf British Telecom gemeinsam mit JCDecaux eine neue Telefonsäule, den Typ ST6. Die Telefonzelle bestand auf der einen Seite aus einem überdachten, aber sonst offenen Telefon und einer Werbefläche auf der Rückseite. Die Idee war, die laufenden Kosten des Telefons mit den Werbeeinnahmen zu finanzieren. Die ST6 wurde Mitte 2007 eingeführt.[4]

2002 waren im Vereinigten Königreich noch mehr als 90.000 Telefonzellen im Betrieb, 2012 war diese Zahl auf 51.500 gesunken.[5][6]

In Großbritannien werden seit Februar 2001 alle noch existierenden historischen Telefonzellen als zu geschützende Gebäude durch eine private Initiative registriert. Die Tabelle zeigt die bisher erfassten Telefonzellen-Typen, ihre Einführung, die Designer, ihre ursprüngliche Stückzahl und die Zahl der unter Denkmalschutz stehenden Zellenensembles:[7]

klassische rote Telefonzellen
Typ Einführung Designer Anzahl ursprünglich Anzahl heute
(unter Schutz stehend)
K1 1920 Somerville&Company 6.300 5
K2 1926 Sir Giles Gilbert Scott 1.700 208
K3 1927 Sir Giles Gilbert Scott 12.000 2
K4 1927 General Post Office 50 5
K5 1934 General Post Office keine keine
K6 1936 Sir Giles Gilbert Scott 60.000 2.072
K7 1962 Neville Conder 12 0
K8 1968 Bruce Martin 11.000 8


Im Auftrage der Britisch Telecom (BT) verkauft das Partnerunternehmen X2 Connect, 2012, ausgemusterte rote Telefonzellen, die bereits restaurierten Exemplare kosten ab 1950 Pfund Sterling (2300 Euro), beim letzten Verkauf Mitte der 1980er Jahre (vermutlich 1987) waren Tausende der Telefonzellen per Auktion weggegangen.[8]

Bilder von Telefonzellen in Großbritannien[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rote Telefonzellen aus Großbritannien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Anne-Sophie Levy Chambon: „Die kleine Geschichte“… der englischen Telefonzelle. In: ARTE. 25. April 2008, abgerufen am 29. April 2012.
  2. a b c The different telephone kiosks: the changing face of public call boxes. In: Connected Earth. BT Group, abgerufen am 29. April 2012.
  3. Red Telephone Box facts. Remember When UK, abgerufen am 29. April 2012.
  4. History. In: www.redphonebox.info. Abgerufen am 29. April 2012.
  5. London: Rote Telefonhäuschen zu adoptieren. In: Focus. 29. August 2008
  6. Britisches Kultobjekt: Rote Telefonzellen stehen zum Verkauf. In: Spiegel Online. 27. April 2012
  7. The Telephone Box: History. elettra.co.uk, abgerufen am 29. April 2012.
  8. London verkauft Telefonzellen (dpa), Rhein Main Presse, 28. April 2012