Antje Vollmer

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Antje Vollmer leitet eine Debatte im Bundestag, 2003

Antje Vollmer (* 31. Mai 1943 in Lübbecke, Westfalen) ist eine deutsche evangelische Pastorin, Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen und freie Autorin. Von 1994 bis 2005 war sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1962 am Wittekind-Gymnasium Lübbecke absolvierte Antje Vollmer ein Studium der Evangelischen Theologie in Berlin, Heidelberg, Tübingen und Paris, das sie 1968 mit dem Ersten und 1971 mit dem Zweiten theologischen Examen beendete. 1973 erfolgte die Promotion zum Dr. phil.

Von 1969 bis 1971 war sie wissenschaftliche Assistentin an der Kirchlichen Hochschule in Berlin. Von 1971 bis 1974 arbeitete sie als Pastorin im Bezirk Wedding. Ebenfalls 1971 begann sie ein Postgraduales Studium der Erwachsenenbildung, das sie 1975 mit dem Diplom abschloss. Von 1976 bis 1982 war sie als Dozentin in der ländlichen Bildungsarbeit an der Evangelischen Heimvolkshochschule bei den Von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld tätig. 2009 übernahm Vollmer eine Gastprofessur für Politikmanagement der Stiftung Mercator an der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen.[1]

Partei[Bearbeiten]

In den 1970er Jahren betätigte sich Antje Vollmer politisch in der Liga gegen den Imperialismus im Umfeld der maoistischen KPD/AO,[2] trat der Partei aber nicht bei. Seit 1985 ist sie Mitglied der Partei Die Grünen.

Abgeordnete[Bearbeiten]

1983 wurde sie als Nichtmitglied der Partei Die Grünen für diese Mitglied des Deutschen Bundestages und gehörte damit der ersten Grünen-Bundestagsfraktion an. 1984 war sie auch Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Da damals bei den Grünen das Rotationsprinzip galt, schied sie im April 1985 aus dem Bundestag aus. 1987 wurde sie erneut in den Bundestag gewählt und gehörte diesem auch bis zum Ende der Legislaturperiode 1990 an. Von Januar 1989 bis Dezember 1990 war sie erneut Fraktionssprecherin. Bei der Bundestagswahl 1990 scheiterten die westdeutschen Grünen an der Fünf-Prozent-Hürde. Von 1994 bis 2005 war sie wieder Mitglied des Bundestages und bekleidete seit November 1994 das Amt der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Parallel war sie kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Antje Vollmer zog 1983 und 1987 über die Landesliste Nordrhein-Westfalen und 1994, 1998 sowie 2002 über die Landesliste Hessen in den Deutschen Bundestag ein.

2004 sprach sich Vollmer gegen die von der rot-grünen Koalition verabschiedete Regelung der Stiefkindadoption im Lebenspartnerschaftsergänzungsgesetz aus, so in einem Leitartikel der Berliner Zeitung Der Tagesspiegel, wie auch in einer persönlichen Erklärung im Protokoll des Deutschen Bundestags[3], kritisierte wiederholt den Afghanistankrieg und kandidierte in ihrer Partei daraufhin nicht mehr für politische Ämter.[4]

Runder Tisch Heimerziehung[Bearbeiten]

Vollmer war Vorsitzende des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren, der im Frühjahr 2009 von der Bundesregierung auf Empfehlung des Bundestages eingerichtet wurde und bis 2010 die Geschehnisse in der Heimerziehung im westlichen Nachkriegsdeutschland aufarbeiten sollte.[5]

Die Zeitung Neues Deutschland schrieb zu dieser Rolle und der damit verbundenen Aufarbeitungs-Aufgabe von Vollmer unter dem Titel „Die Rebellion von Glückstadt“: „Antje Vollmer, die Vorsitzende des Runden Tisches Heimerziehung, führt die Zustände in den Heimen auf falsche Erziehungsvorstellungen, das Versagen von Behörden und die »Fehlleistungen« Einzelner zurück. Entschädigungsforderungen wegen Zwangsarbeit weist sie zurück.“[6]

Politische Initiativen[Bearbeiten]

  • seit 1984 Initiative für eine Entschädigung für Zwangsarbeiter, NS- und Euthanasieopfer, Homosexuelle, Wehrdienstverweigerer
  • 1985 Beginn eines Dialoges mit Terroristen der RAF bis zu deren Selbstauflösung im Jahr 1998
  • 1995 bis 1999 für eine Reform des Stiftungsrechtes
  • 1995 bis 1997 für eine deutsch-tschechische Versöhnungserklärung
  • seit 1995 Versuch eines Dialoges zwischen der chinesischen Regierung und dem Dalai Lama mit dem Ziel seiner Rückkehr nach Tibet
  • 1998 Mitinitiatorin der Einrichtung eines Kulturausschusses der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages und der Forderung nach einem besonderen Kulturministerium
  • 1999 für das Jugendprojekt „Straßenfußball für Toleranz“
  • seit 2002 öffentliche Anhörungen zur Zukunft der deutschen Theater
  • 2004 für eine Sendequote für deutschsprachige oder hier produzierte Musik

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  •  Die Neuwerkbewegung 1919–1935. Ein Beitrag zur Geschichte der Jugendbewegung, des Religiösen Sozialismus und der Arbeiterbildung. Blasaditsch, Augsburg 1973. (Inaugural-Dissertation, Berlin 1973)
  • Clara Zetkin und die proletarische Frauenbewegung. Berlin 1978 (alias Karin Bauer)[7]
  • ...und wehret Euch täglich. Ein grünes Tagebuch. 1984.
  • Kein Wunderland für Alice-Frauenutopien. 1986.
  • Die schöne Macht der Vernunft: Auskünfte über eine Generation. 1991.
  • Heisser Frieden. Über Gewalt, Macht und das Geheimnis der Zivilisation. 1995, ISBN 3-462-02417-5.
  • (mit Friedrich Hechelmann): Orpheus und Eurydike. Weitbrecht, Stuttgart 1996, ISBN 3-522-72190-X.
  • Gott im Kommen? - Gegen die Unruhestifter im Namen Gottes.Kösel, München 2007, ISBN 978-3-466-36776-4.
  • Doppelleben: Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop. Eichborn, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-8218-4773-3.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reimar Oltmanns: Frauen an der Macht - Marie Schlei - Renate Schmidt - Irmgard Adam-Schwaetzer - Rita Süssmuth - Antje Vollmer; Protokolle einer Aufbruchsära. athenäums programm by anton hain, Frankfurt a. M. 1990, ISBN 3-445-08551-X.
  • Eingewandert ins eigene Land - Was von Rot-Grün bleibt. Antje Vollmer im Gespräch mit Hans Werner Kilz. Pantheon, München 2006, ISBN 3-570-55015-X.

Ehrungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gastprofessorin an der NRW School of Governance: Dr. Antje Vollmer kommt. Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen, 31. März 2009.
  2. Andreas Kühn: Stalins Enkel, Maos Söhne. Die Lebenswelt der K-Gruppen in der Bundesrepublik der 70er Jahre, Campus-Verlag 2005, S. 230
  3. PDF bei dip21.bundestag.de
  4. „Eine erste große Etappe geschafft“: Claudia Roth über die nächsten Ziele der Grünen. (PDF-Datei; 1,22 MB) Interview in der LSVD-Mitgliederzeitschrift respekt! September 2005, S. 13.
  5. Homepage des Runden Tisches
  6. Die Rebellion von Glückstadt
  7. Pascal Beucker: Mythen in Tüten. In: konkret. Heft 1/96
  8. Evangelisch in Westfalen Kurzbiographie
  9. Der Westen, Hans-Ehrenberg-Preis für Antje Vollmer