The Ballad of Reading Gaol

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The Ballad of Reading Gaol in einer Ausgabe von 1904

The Ballad of Reading Gaol ist ein Gedicht von Oscar Wilde. Es erschien 1898 und ist Wildes letztes zu seinen Lebzeiten veröffentlichtes Werk. Wilde verarbeitete darin seine Zeit im Gefängnis von Reading, wo er zwei Jahre verbracht hatte, nachdem er 1895 wegen seiner Homosexualität zu harter Zwangsarbeit verurteilt worden war. Auf Deutsch erschienen zahlreiche Übersetzungen und Nachdichtungen, meist unter dem Titel Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading.

Inhalt und Form[Bearbeiten]

Das Gefängnis in Reading

Den Anlass für das Gedicht bildete die Hinrichtung des 30-jährigen Kavalleriesoldaten Charles Thomas Wooldridge, der zu Wildes Zeit ebenfalls Häftling im Gefängnis von Reading war. Wooldridge hatte aus Eifersucht seine Ehefrau ermordet und war dafür zum Tode verurteilt worden. Nachdem sein Gnadengesuch abgelehnt worden war, fügte er sich klaglos in sein Schicksal, was Wilde beeindruckte. The Ballad of Reading Gaol ist Wooldridge gewidmet und beschreibt die letzten Tage seines Lebens aus der Sicht der anderen Gefangenen. Wilde stellt dabei eine Parallele zwischen der Situation Wooldridges und seiner eigenen her, insbesondere der Unausweichlichkeit, mit der seine Beziehung zu Lord Alfred Douglas (die den Anlass zu seiner Verurteilung gab) in einer Katastrophe enden musste. In diesem Zusammenhang steht die besonders bekannte Strophe:

„Yet each man kills the thing he loves,
By each let this be heard,
Some do it with a bitter look,
Some with a flattering word,
The coward does it with a kiss,
The brave man with a sword!“

Die erste Zeile dieser Strophe bezieht sich auf die Frage des Bassanio in Shakespeares Der Kaufmann von Venedig (Akt 4, Szene 1): „Do all men kill the things they do not love?“

The Ballad of Reading Gaol behandelt den Alltag und die Gefühle eines Gefangenen. Dabei reflektiert Wilde über Schuld und Reue und plädiert für Vergebung und gegen unmenschliche Strafen.

Autobiographische Züge werden besonders an den Stellen deutlich, an denen Wilde ausdrücklich über seine eigenen Erfahrungen und das Doppelleben, das er geführt hatte und das ihm zum Verhängnis wurde, berichtet:

„And the wild regrets, and the bloody sweats,
None knew so well as I:
For he who lives more lives than one
More deaths than one must die.“

Das Gedicht gliedert sich in sechs Teile mit insgesamt 109 sechszeiligen Strophen. Bis auf wenige Ausnahmen reimen sich die zweite, vierte und sechste Zeile. Charakteristisch sind Wiederholungen einzelner Zeilen durch das ganze Gedicht hindurch.

Entstehung und Veröffentlichung[Bearbeiten]

Oscar Wilde schrieb das Gedicht im Juli 1897, ein halbes Jahr nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Er überarbeitete anschließend sein Manuskript gemeinsam mit seinem Freund und Lektor Robert Ross. Später fügte Wilde noch einige Strophen hinzu.

Die erste Auflage, die im Februar 1898 erschien, wurde nicht unter seinem Namen, sondern unter dem Pseudonym „C.3.3.“, der Nummer seiner Gefängniszelle, veröffentlicht. Trotzdem dürfte den meisten Zeitgenossen bekannt gewesen sein, wer der Verfasser war, da Wildes Inhaftierung großes Aufsehen erregt hatte. Das Buch verkaufte sich außerordentlich gut und musste schon nach wenigen Wochen in höherer Zahl neu aufgelegt werden. Erst ab der siebten Auflage im Juli 1899 wurde Wildes Name genannt.

Robert Ross, der nach Wildes Tod dessen literarischen Nachlass verwaltete, gab The Ballad of Reading Gaol 1911 erneut in einer Gedichtsammlung in seiner ursprünglichen, kürzeren Form heraus, die er bevorzugte. In heutigen Ausgaben erscheint in der Regel die erweiterte Fassung.

Wildes Grabstein[Bearbeiten]

Ein Zitat aus The Ballad of Reading Gaol ist auf dem von Jacob Epstein gestalteten Grabmal Oscar Wildes auf dem Cimetière du Père-Lachaise in Paris zu lesen:

„And alien tears will fill for him,
Pity’s long-broken urn,
For his mourners will be outcast men,
And outcasts always mourn.“

Rezeption[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

  • Jacques Ibert komponierte das Ballett La ballade de la geôle de Reading.
  • Gavin Friday veröffentlichte 1989 das Lied Each Man Kills The Thing He Loves auf dem gleichnamigen Album. Der Text besteht aus Passagen aus Wildes Gedicht.
  • Arthur Wills verwendete Teile des Textes in seinem Chorwerk The Sacrifice of God.
  • Donald Swann vertonte das Gedicht in seinem Musikzyklus The Poetic Image: A Victorian Song Cycle.
  • Giovanna Marini vertonte The Ballad of Reading Gaol 2004 zusammen mit Oscar Wildes Brief De Profundis.
  • Pete Doherty zitiert einige Zeilen des Gedichts in seinem Lied Broken Love Song.

Film[Bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten]

Originalausgaben (Auswahl)[Bearbeiten]

  • The Ballad Of Reading Gaol. Leonard Smithers, London 1898. (Erstausgabe)
  • Selected Poems. Including the Ballad of Reading Gaol. Selected by Robert Ross. Methuen & Co., London 1911.
  • The Ballad of Reading Gaol and other poems. Penguin Classics, London 2010, ISBN 978-0141192673.

Deutsche Übersetzungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading. Aus dem Englischen von Walther Unus. Reclam, Leipzig 1907.
  • Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading. Aus dem Englischen von Otto Hauser. In: Aus fremden Gärten. Nr. 15. Duncker, Weimar 1913.
  • Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading. Aus dem Englischen von Albrecht Schaeffer. Insel-Verlag, Leipzig 1917.
  • Dichtungen. Aus dem Englischen von Frederick Philip Grove und Eduard Thorn. Bruns, Minden (Westfalen) 1920.
  • Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading. Ins Deutsche umgedichtet von Wilhelm Schölermann. 6. Auflage. Magische Blätter, Leipzig 1921.
  • Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading. Freie Nachdichtung von Horst Schade. Oprecht, Zürich 1948.
  • Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading. Aus dem Englischen von Elfriede Mund. Insel-Verlag, Leipzig 1970.
  • De profundis. Epistola in carcere et vinculis. Sowie Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading. Aus dem Englischen von Hedda Soellner. Diogenes, Zürich 1987, ISBN 3-257-21499-5.
  • Salome. Dramen, Schriften, Aphorismen und „Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading“. Aus dem Englischen von Christine Hoeppener. 9. Auflage. Insel-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-458-31807-0.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Raby (Hrsg.): The Cambridge Companion to Oscar Wilde. Cambridge University Press 1997, ISBN 0521479878, S. 67.
  • Ian Ousby (Hrsg.): The Cambridge Guide to Literature in English. Cambridge University Press 1993, ISBN 0521440866, S. 54.
  • Richard Ellmann: Oscar Wilde. Aus dem Amerikanischen von Hans Wolf. Piper, München 1991, ISBN 3-492-03174-9, S. 676–677. 709–716. 737. 747–751.

Weblinks[Bearbeiten]