David Wark Griffith

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
D. W. Griffith (1919)

David Llewelyn Wark Griffith (häufig nur D. W. Griffith; * 22. Januar 1875 in La Grange, Kentucky; † 23. Juli[1] 1948 in Hollywood, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Schauspieler. Er drehte zwischen 1908 und den frühen 1930er-Jahren insgesamt 535 Filme, von denen mehr als 400 noch erhalten sind, und gilt als einer der einflussreichsten Regisseure der Geschichte.[2]

Griffith wird häufig als Begründer des Erzählkinos und als Schöpfer der „filmischen Grammatik“ bezeichnet. Tatsächlich hat er weniger selbst erfunden, als vielmehr systematisiert. Als einer der ersten hat er während seiner Zeit bei der Filmgesellschaft Biograph (1908 bis 1913) Elemente wie Großaufnahme, Parallelmontage und viele andere konsequent eingesetzt und später in seinen richtungsweisenden Langfilmen perfektioniert. Insbesondere seine Filmepen Die Geburt einer Nation (1915) und Intoleranz (1916) wurden zu Meilensteinen der Filmgeschichte. Er zählte ebenfalls zu den Mitbegründern der Filmindustrie in Hollywood sowie des Filmstudios United Artists.

Frühes Leben[Bearbeiten]

David Wark Griffith

David Wark Griffith wurde am 22. Januar 1875 im ländlichen La Grange in Kentucky als Sohn von Mary Perkins und Jacob Griffith geboren. Sein Vater diente als Soldat im Sezessionskrieg in der Armee der Konföderierten und starb, als sein Sohn erst zehn Jahre alt war. Seine Schulbildung erhielt er in einer Einzimmerschule von seiner älteren Schwester Mattie Griffith, die Familie wuchs methodistisch auf. Als Griffith vierzehn Jahre alt war, gab die Mutter ihre Landwirtschaft auf und zog mit ihm nach Louisville. Dort eröffnete die Mutter ein Boardinghouse, das sie jedoch schon nach kurzer Zeit wegen Misserfolges schließen musste. Um seiner Familie zu helfen, verließ Griffith die Highschool und arbeitete in der Folge in einem Trockenwarenhandel und später einem Bücherladen.

Karriere[Bearbeiten]

Seine kreative Laufbahn begann Griffith als Theaterautor, doch nur eines von seinen vielen Stücken wurde angenommen und gespielt, es hatte jedoch auch nur mittelmäßigen Erfolg. Er entschied sich, Theaterschauspieler zu werden, bekam aber zunächst auch nur Statistenrollen. Er versuchte aber weiterhin, seine Stücke zu verkaufen und geriet so an den Filmproduzenten Edwin S. Porter. Der lehnte Griffiths Stück ab, gab ihm allerdings eine kleine Rolle als Schauspieler in Rescued from an Eagle’s Nest von James Searle Dawley, was sein Filmdebüt bedeutete. Nach dieser ersten Erfahrung fühlte er sich vom Filmgeschäft angezogen und akzeptierte einen Vertrag als Schauspieler beim Filmstudio Biograph. Als Biographs Hauptregisseur Wallace McCutcheon Sr. erkrankte und sein Sohn McCutcheon Jr. als Ersatz nur eine schwache Leistung brachte, wurde der mitspielende Griffith als Regisseur besetzt. Der Film unter dem Titel The Adventures of Dollie erschien noch 1908. Die Produzenten waren mit dem Ergebnis so zufrieden, dass sie Griffith auch bei weiteren Filmen Regie führen ließen.

1910 führte Griffith Regie bei In Old California, dem wahrscheinlich ersten Film, der in Hollywood gedreht wurde. Er entdeckte das damals ländliche Hollywood auf seinen Reisen durch Kalifornien und drehte dort wegen der schönen Landschaft und den freundlichen Leuten. Bereits seine zahlreichen Kurzfilme bei Biograph zeugten von filmischen Innovationen und schnell baute Griffith sich einen guten Ruf in der jungen Filmindustrie auf. Sein Biograph-Film Judith of Bethulia (1914) mit Blanche Sweet, einer Verfilmung des Buchs Judit, war einer der ersten Langfilme Amerikas und erhielt gute Kritiken. Allerdings wurde er auch wegen der Einbindung einer Orgienszene kritisiert.

Für seinen 1915 fertiggestellten, dreistündigen Film Die Geburt einer Nation über den amerikanischen Bürgerkrieg, in dem er deutlich Partei für die Südstaaten ergreift und den Ku Klux Klan glorifiziert, wurde Griffith schon bei der Veröffentlichung wegen des offenen Rassismus gegen Afroamerikaner im Film und einer Verzerrung der „Fakten“ des amerikanischen Bürgerkriegs kritisiert. Der Film beruht auf der ebenfalls rassistischen Romanvorlage The Clansman (1905) von Thomas Dixon (1864–1946). Die Geburt einer Nation war der bis dahin teuerste, aber auch erfolgreichste Film der Filmgeschichte. Mit einer Rekordlänge von drei Stunden, zahlreichen Massenszenen und vielen filmischen Neuerungen gilt The Birth of a Nation laut Filmhistorikern als „das wichtigste Einzelwerk der amerikanischen Filmgeschichte und ein Schlüsselwerk der gesamten Filmgeschichte: Es enthält viele filmtechnische Neuerungen und Verbesserungen, technische Effekte und künstlerische Errungenschaften, darunter eine Farbsequenz am Schluss. Er hatte einen formgebenden Einfluss auf zukünftige Filme und hat eine erkennbare Wirkung auf die Filmgeschichte und die Entwicklung des Films als Kunstform.“[3]

Das im folgenden Jahr herausgebrachte Werk Intoleranz wurde hingegen ein finanzielles Desaster. Mit diesem noch ambitionierteren und noch teureren Film wollte Griffith aufzeigen, wie Intoleranz seit jeher das menschliche Schicksal bestimmt. Mittels Parallel- und Kontrastmontagen schilderte Griffith vier Episoden – den Fall Babylons, die Passion Christi, die Bartholomäusnacht und die zeitgenössische Geschichte „Die Mutter und das Gesetz“. Der Film, in dem Griffith auch pazifistische und humanistische Ansichten teilt, gilt heute als Meisterwerk der Filmgeschichte.

Von links nach rechts: Griffith, Pickford, Chaplin und Fairbanks; die Gründer von United Artists

1919 gründete Griffith gemeinsam mit Mary Pickford, Douglas Fairbanks senior und Charlie Chaplin die Filmfirma United Artists. Seine Schauspielerführung in Gebrochene Blüten (1919) wurde von der Kritik nach einigen finanziell wenig erfolgreichen Werken wieder hoch gelobt. Hauptdarstellerin des Filmes war Lillian Gish, die auch in vielen anderen Filmen Griffiths spielte. Auch weil sie sich bis zu ihrem Tod 1992 intensiv um das filmische Erbe Griffiths kümmerte, werden ihre Namen in der amerikanischen Öffentlichkeit häufig miteinander assoziiert. Weitere Filme wie Weit im Osten (1920) und Zwei Waisen im Sturm wurden ebenfalls Erfolge für Griffith. Anschließend bekamen Griffiths Filme oft Probleme an den Kinokassen: Die aufwendigen Produktionen mussten fast automatisch zu großen Kinoerfolgen werden, um überhaupt einen Gewinn zu erzielen. So musste er 1924 nach mehreren Misserfolgen die United Artist verlassen. Er drehte noch weitere Filme von unterschiedlicher Qualität, ehe er sich nach dem Flop seines dritten Tonfilmes Der Kampf (1931) aus dem Filmgeschäft zurückzog.

Ruhestand und Privatleben[Bearbeiten]

1936 erhielt er den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. 1940 versuchte er ein Comeback mit dem Abenteuerfilm Tumak, der Herr des Urwalds (One Million B.C.), doch nach einem Streit mit dem Produzenten Hal Roach verließ er den Regiestuhl. Der Film wurde von Roach selber zu Ende geführt. Griffith war zweimal verheiratet: Von 1906 bis 1936 mit der Schauspielerin Linda Arvidson (1884-1949), dann von 1936 bis 1947 mit der Schauspielerin Evelyn Baldwin (1910-2004). Beide Ehen wurden geschieden. Den letzten Abschnitt seines Lebens verbrachte er im Knickerbocker Hotel in Los Angeles. Er verstarb 1948 im Alter von 73 Jahren an einer Hirnblutung und wurde auf dem Friedhof in Centerfield, Kentucky begraben.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

D. W. Griffith
Kinoposter Die Geburt einer Nation
  • 1907: Rescued from an Eagle’s Nest (nur Darsteller)
  • 1908: The Adventures of Dollie
  • 1909: Those Awful Hats
  • 1909: The Sealed Room
  • 1909: A Corner in Wheat
  • 1910: The Unchanging Sea
  • 1910: In the Border States
  • 1910: The House with Closed Shutters
  • 1910: The Usurer
  • 1910: The Fugitive
  • 1911: His Trust
  • 1911: His Trust Fulfilled
  • 1911: Enoch Arden
  • 1911: The Last Drop of Water
  • 1911: Swords and Hearts
  • 1911: The Battle
  • 1911: The Miser’s Heart
  • 1912: The Sunbeam
  • 1912: One is Business, the Other Crime
  • 1912: The Lesser Evil
  • 1912: An Unseen Enemy
  • 1912: Friends
  • 1912: The Painted Lady
  • 1912: The Musketeers of Pig Alley
  • 1912: The New York Hat
  • 1912: The Burglar’s Dilemma
  • 1913: The Massacre
  • 1913: Death’s Marathon
  • 1913: The Mothering Heart
  • 1913: Die Waisen der Ansiedlung (The Battle at Elderbush Gulch)
  • 1914: Judith von Bethulien (Judith of Bethulia)
  • 1914: Brute Force
  • 1915: Die Geburt einer Nation (The Birth of a Nation)
  • 1915: A Day with Governor Whitman
  • 1916: Intoleranz (Intolerance)
  • 1918: Hearts of the World
  • 1918: The Great Love
  • 1918: Lillian Gish in a Liberty Loan Appeal
  • 1918: The Greatest Thing in Life
  • 1919: The World of Columbus
  • 1919: A Romance of Happy Valley
  • 1919: The Girl Who Stayed at Home
  • 1919: Gebrochene Blüten (Broken Blossoms)
  • 1919: True Heart Susie
  • 1919: The Fall of Babylon
  • 1919: The Mother and the Law
  • 1919: Scarlet Days
  • 1919: The Greatest Question
  • 1920: The Idol Dancer
  • 1920: Remodeling Her Husband
  • 1920: The Love Flower
  • 1920: Weit im Osten (Way Down East)
  • 1921: Dream Street
  • 1921: Zwei Waisen im Sturm (Orphans of the Storm)
  • 1922: One Exciting Night
  • 1923: Mammy's Boy
  • 1923: The White Rose
  • 1924: America
  • 1924: Ist das Leben nicht wunderbar? (Isn’t Life Wonderful)
  • 1925: Sally vom Jahrmarkt (Sally of the Sawdust)
  • 1925: That Royle Girl
  • 1926: The Sorrows of Satan
  • 1927: Topsy and Eva
  • 1928: Fanfaren der Liebe (Drums of Love)
  • 1928: Komödie einer Liebe (The Battle of the Sexes)
  • 1929: Die Lady von der Straße (Lady of the Pavements)
  • 1930: Abraham Lincoln
  • 1931: Der Kampf (The Struggle)
  • 1940: Tumak, der Herr des Urwalds (One Million B.C.) nicht beendet nach Streit mit Produzenten

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Amerikanische Briefmarke zu Griffiths 100. Geburtstag 1975

Zudem verneigten sich zahlreiche Regiekollegen wie John Ford, Alfred Hitchcock, Orson Welles, Lev Kuleshov, Jean Renoir, Cecil B. DeMille, King Vidor, Victor Fleming, Raoul Walsh, Carl Theodor Dreyer, Sergei Eisenstein und Stanley Kubrick vor Griffith oder bestimmten seiner Werke. Charlie Chaplin nannte ihn "The Teacher of us All" und Orson Welles sagte: „Ich habe nie wirklich Hollywood gehasst, außer für seine Behandlung von D. W. Griffith. Keine Stadt, keine Industrie, kein Beruf, keine Kunst verdankt soviel einem einzigen Mann.“[4]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: David Wark Griffith – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus20, Bd. 9, S. 146 & Britannica online
  2. David Wark Griffith bei Prisma
  3. The Birth of a Nation (1915). Auf www.filmsite.org. Zugriff am 6. März 2014.
  4. D. W. Griffith