Tielman Susato

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Holzschnitt von Tielman Susato, der eines seiner Werke zum Verkauf anbietet

Tielman Susato (auch Thielman, Tylman, Thylman, Tilman oder Thilman; * um 1510–1515 wahrscheinlich in Soest; † nach 1570 möglicherweise in Schweden) war ein Komponist und Musiker der Renaissance und Betreiber eines Musikverlages in Antwerpen. Ob er flämischer oder deutscher Herkunft war, ist nicht klar, da er zwar in Antwerpen Musikalien herausgab, sein Name Susato aber auf die Stadt Soest in Westfalen hindeutet. Sein Vater war möglicherweise Tielman der blynde, der 1508 in Köln urkundlich erwähnt wird.

Leben[Bearbeiten]

Über die Jugend und das frühe Mannesalter Susatos weiß man wenig. Sein Geburtsjahr kann auf das 2. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts datiert werden, da er 1565 in einer Urkunde auf „out omtrent L jaeren“ („etwa fünfzig Jahre alt“) geschätzt wird. In den Archiven von Antwerpen wird er 1530 als Kalligraph, Trompeter und Flötist erwähnt. Von 1543 bis zu seinem Tod arbeitete er als Musikverleger. Dabei entstand der erste niederländische Musikverlag. Diese waren bis dahin meist nur in Deutschland, Italien oder Frankreich zu finden. Kurz darauf gründeten auch Pierre Phalèse, Jan Bellerus, Christoffel Plantin und Jan de Laet Musikverlage in Antwerpen. So etablierten sich die Niederlande in Europa als Land der Musikdruckkunst. Susato eröffnete wahrscheinlich ebenfalls einen Handel für Musikinstrumente. Außerdem versuchte er, Partnerschaften mit anderen Verlagen zu schließen, allerdings ohne Erfolg. 1561 übertrug Susato den Antwerpener Verlag auf seinen Sohn Jacob Susato, der allerdings bereits 1564 starb. Tielman Susato übersiedelte zunächst nach Alkmaar, wo er sich möglicherweise wegen seiner calvinistischen Einstellung größere Toleranz erhoffte. 1564 erstellte er ein gemeinsames Testament mit seiner Ehefrau Elisabeth Peltz, die noch im gleichen Jahr starb. Von 1565 an wurde er von seinem Schwiegersohn Arnold Rosenberger in diplomatische Missionen einbezogen und gelangte auf diesem Weg nach Schweden. 1570 ist er letztmals als deutscher Schreiber in Stockholm nachweisbar, danach verliert sich seine Spur.

Tielman Susato: Bergeret Sans Roch (ca. 1550)

Kompositorisches Werk[Bearbeiten]

Susato schrieb mehrere Messen und Motetten im damals üblichen polyphonen Stil und zwei- oder dreistimmige Vokalmusik für junge, wenig erfahrene Sänger. Seine vielleicht wichtigste Publikation waren die Souterliedekens von Clemens non Papa, Psalmenkompositionen, die die einzige Art von Musik darstellten, welche in der Calvinistischen Kirche akzeptiert waren. Sie waren in den Niederlanden im 16. Jahrhundert sehr beliebt. Im Unterschied zu den meisten Kompositionen der Zeit waren sie als Hausmusik gedacht. Weiterhin schrieb er 1551 das Werk Het derde musyck boexken … alderhande danserye mit Instrumentalmusik, die auch heute noch oft aufgeführt wird. Diese war meist simpel und homophon gehalten und griff die damalige Volksmusik auf.

Neben eigenen Kompositionen veröffentlichte er auch Werke von anderen Komponisten, darunter von Benedictus Appenzeller, Josquin Baston, Antoine Barbe, Jacobus Clemens non Papa, Thomas Crécquillon, Gheerkin de Hondt, Lupus Hellinck, Nicolas Liegeois, Carolus Souliaert, Johannes Ghiselin und Joris Vinders.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ute Meissner: Der Antwerpener Notendrucker Tylman Susato: Eine bibliographische Studie zur niederländischen Chansonpublikation in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. 2 Bände. Berliner Studien zur Musikwissenschaft Band 11 (zugleich Dissertation FU Berlin). Merseburger, Berlin 1967.
  • Keith Polk (ed.), Tielman Susato and the Music of His Time. Print Culture, Compositional Technique and Instrumental Music in the Renaissance. Hillsdale/N.Y., Pendragon Press 2005, ISBN 1-57647-106-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Gustave Reese: Music in the Renaissance. Norton, New York 1954, ISBN 0-393-09530-4.
  • Ute Schwab: Tylman Susato: Notendrucker und Musikverleger. In: Heinz-Dieter Heimann (Hrsg.): Von Soest – aus Westfalen: Wege und Wirkung abgewanderter Westfalen im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Schöningh, Paderborn 1986, ISBN 3-506-73908-5.
  • Sofie Taes: Susato, Tielman. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. Ausgabe. Personenteil Band 16: Strat – Vil. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Stuttgart 2006, ISBN 978-3-7618-1136-8, Sp. 301–304.
  • s.v. „Tielman Susato“ und „Printing and publishing of music“. In: Stanley Sadie (ed.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians. 20 vols. Macmillan, London 1980, ISBN 1-56159-174-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tielman Susato – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien