Tribadie

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Zeichnerische Darstellung

Tribadie (gr. tribein „reiben“), auch Tribadismus, ist eine nicht penetrative sexuelle Praktik, bei der eine Frau ihre äußeren Genitalien zum Zweck der klitoralen Stimulation an ihrem Partner reibt. Überwiegend wird der Begriff im Zusammenhang mit einer gleichgeschlechtlichen Praktik unter Frauen verwendet, es kann sich aber auch unabhängig von der sexuellen Orientierung auf das Reiben der Vulva und der Klitoris an einem Gegenstand beziehen.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Wort im deutschen Sprachraum als Synonym für weibliche Homosexualität verwendet.

Entstehung und Verständnis des Begriffes[Bearbeiten]

Zeichnerische Darstellung in Missionarsstellung

Im antiken Griechenland beschrieb Tribade eine hypermaskuline Frau, die ihre Sexualpartner – egal ob Frauen oder Männer – mit einem Dildo beziehungsweise einer vergrößerten Klitoris penetrierte. Erst als im 16. Jahrhundert die griechischen Texte einem größeren Publikum durch Übersetzungen zugänglich wurden, kam der Begriff wieder auf. Reiseberichte und Erzählungen über homoerotische weibliche Sexualität aus der Türkei, Arabien und Afrika führten anfangs dazu, dass die Tribadie als ein Fehlverhalten nicht-christlicher Frauen betrachtet wurde. Erst gegen Mitte des 17. Jahrhunderts wurden Berichte verbreitet, die nahelegten, dass auch christliche Frauen diese Praktik zur Stimulation benutzten.[1]

Aus dem griechischen Ursprung entstanden in anderen Sprachen analog zu dem griechischen Begriff des „Reibens“ oder „Rubbelns“ im Lateinischen die Fricatrix, im frankophonen Sprachraum Ribaude und in der englischen Sprache der Begriff rubster, um Frauen zu bezeichnen, die diese sexuelle Praktik ausüben.[2] Entsprechend nannte man lesbische Frauen auch in der deutschen Sprache Tribaden.

In vielen Sprachen sind aus diesem Zusammenhang heraus tendenziell pejorative (abwertende) Begriffe entstanden, die lesbische Sexualität beschreiben; ein Beispiel hierfür ist der englische Slangausdruck „scissoring“ (dt.: „mit der Schere schneidend“, was sich auf die Beinbewegungen in der Scissoring-Position bezieht).

Sexuelle Praktik[Bearbeiten]

Mögliche Varianten sind das Reiben der Klitoris an der Klitoris der Partnerin, während die Beine wie Scheren ineinander verschränkt sind, oder das der Missionarsstellung ähnliche Reiben der Vulva an der Partnerin. Die Praktik kann individuell durch die Verwendung von Dildos, Strap-Ons, Vibratoren und anderen Körperstellen oder Gegenständen abgeändert werden.[3] Die Praktik kann auch zur Masturbation oder in einem heterosexuellen Kontext eingesetzt werden. Entgegen der bis weit in die Neuzeit reichenden Vorstellung, dass weibliche Homosexualität sich überwiegend durch gegenseitige orale Befriedigung auszeichnet, ist die Tribadie nach heftigen Diskussionen im Mittelalter eine bis heute zwar selten erwähnte Praktik, wurde und wird aber durchaus praktiziert.[4]

Die lesbische Autorin Susie Bright geht davon aus, dass die Praktik aufgrund ihrer sich aus der Umarmung ergebenden Unkompliziertheit und der Möglichkeit, diese Praktik auch mit Kleidung durchzuführen, nicht so stark als typisch lesbische sexuelle Praktik wahrgenommen wird. Sie vermutet, wie auch die Autorin Judith Halberstam, dass die eher typisch maskuline, fordernde und eventuell penetrierende Rolle der einen Partnerin und der sich eher passiven Rolle der anderen mit den herkömmlichen feministischen Vorstellungen von einer gleichberechtigten Sexualität nicht problemlos vereinbaren lässt und deshalb nicht weiter diskutiert wird.[3]

Wie bei allen anderen sexuellen Kontakten sollte auch bei der Tribadie auf eine entsprechende Sexualhygiene zur Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten geachtet werden.

Genito-Genital-Reiben bei Bonobos[Bearbeiten]

Außer beim Menschen ist die Praktik auch bei weiblichen Bonobos, einer mit dem Schimpansen verwandten Primatenart, zu beobachten, wo sie als „Genito-genital-Reiben“ oder „GG rubbing“ bezeichnet werden. Afrikanische Einheimische bezeichnen dieses Verhalten der Bonobo-Weibchen als "hoka-hoka", wie Dale Petersen und Richard Wrangham in ihrem Buch Demonic Males berichten. Dieses Verhalten dürfte der Reduktion von Spannungen dienen, den Zusammenhalt innerhalb der Weibchen einer Gruppe stärken und auch die hierarchische Rangstufe anzeigen, da es häufiger von rangniedrigeren Weibchen begonnen wird.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bonne Zimmerman: Lesbian Histories and Cultures: An Encyclopedia. Taylor & Francis, 2000, ISBN 0-8153-1920-7.
  • Susie Bright: Susie Sexpert's Lesbian Sex World. Cleis Press Inc., 1999, ISBN 1-57344-077-9.
  • Manuela Kay, Anja Müller (Hrsg.): Schöner kommen. Das Sex-Buch für Lesben. querverlag, 2005, ISBN 3-89656-047-6. Leseprobe des Abschnittes „Tribadie“ als PDF unter querverlag.de (PDF; 200 kB) verfügbar.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tribadie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Tribadie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bis dahin war der Begriff weiblicher gleichgeschlechtlicher Liebe überwiegend mit der griechischen Dichterin Sappho und oralen Praktiken in Zusammenhang gebracht worden. Ab diesem Zeitpunkt wurde unter dem Begriff der Tribadie diskutiert, ob eine vergrößerte Klitoris zu dieser Art der „Unzucht“ führt, oder ob die Klitoris sich durch diese Praktik erst vergrößerte. Für die Forscher des Mittelalters bestand zwischen der Entwicklung einer weiblich-homosexuellen Neigung und Zwischengeschlechtlichkeit, beziehungsweise Hermaphrodismus ein Zusammenhang. Siehe hierzu Zimmerman, S. 280 ff.
  2. Bonne Zimmerman: Lesbian Histories and Cultures: An Encyclopedia. Taylor & Francis, 2000, S. 280, ISBN 0-8153-1920-7.
  3. a b Susie Bright: Susie Sexpert's Lesbian Sex World. Cleis Press Inc., 1999, S. 57–63, ISBN 1-57344-077-9.
  4. Beispielsweise wurde 1811 im Gerichtsverfahren Woods and Pirie vs. Cumming Gordon darüber debattiert, wie und ob eine gleichgeschlechtliche Erregung in dieser Form ohne Penetration möglich sei und ob britische Frauen überhaupt zu mehr fähig seien als einer romantischen Freundschaft zu einer Frau. Siehe Judith Halberstam: Female Masculinity. Duke University Press, 1998, S. 61–74, ISBN 0-8223-2243-9.
  5. Frans de Waal: Bonobo Sex and Society. (englisch)