Umayyaden-Moschee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Moschee in Damaskus. Zur Moschee in Aleppo siehe Umayyaden-Moschee (Aleppo).
Umayyaden-Moschee in Damaskus, Südseite des Innenhofes
Umayyaden-Moschee in Damaskus, Westseite des Innenhofes
Schrein Johannes des Täufers

Die Umayyaden-Moschee (arabisch ‏جامع بني أمية الكبير‎ Dschāmiʿ banī Umayya al-kabīr) ist eine Moschee in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Sie ist eine der ältesten Moscheen der Welt und Vorbild für andere Moscheen im Baustil der Pfeilerhallenmoschee. In vorislamischer Zeit wurde sie als eine Johannes dem Täufer geweihte Kathedrale errichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im 4. Jahrhundert nach Christus wurde der dem Gott Jupiter geweihte römische Tempel in eine christliche Basilika umgewandelt, in der gemäß der Überlieferung der Kopf Johannes' des Täufers aufbewahrt wurde. Nach der arabischen Eroberung Damaskus' im Jahr 636 diente das Gebäude noch ungefähr 70 Jahre sowohl Christen als auch Muslimen als religiöse Kultstätte.[1]

Entstehungszeit[Bearbeiten]

Unter dem Umayyaden-Kalifen Al-Walid wurde die Basilika abgetragen und zwischen den Jahren 708 und 715 errichtete man die heutige Moschee.[1] Die gesamten Außenmauern jedoch stammen vom antiken Heiligtum und wurden nicht von den Arabern errichtet. Besonders auf der Außenseite der Südmauer sind neben griechischen Ornamenten auch griechische Inschriften sowie in einigen Metern Höhe ein antikes Relief mit ausgekratztem Gesicht zu sehen. Ebenfalls erhalten sind mehrere Säulen des größeren antiken Heiligtums außerhalb der Moschee, die eindrucksvollsten von ihnen befinden sich auf der Westseite.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

Am 6. Mai 2001 betete Papst Johannes Paul II. am Schrein Johannes des Täufers in der Umayyaden-Moschee. Es handelte sich hierbei um den ersten Besuch eines Papstes in einer Moschee. Dieser Besuch stellt bis heute ein zentrales Element der Beziehungen zwischen dem Islam und der katholischen Kirche dar.[2][3] Bis zum Besuch der Sultan-Ahmed-Moschee in Istanbul durch Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 blieb es der einzige päpstliche Besuch in einer Moschee.[4][5]

Bauweise[Bearbeiten]

Die Moschee misst 157 × 97 Meter und gehört zum Basilikatypus und erinnert stark an eine christliche Kirche. Sie hat vier Tore und drei später errichtete Minarette in verschiedenen Baustilen. Das Ostminarett trägt den Namen „Jesusminarett“. Viele Muslime glauben, an diesem Ort werde am Ende der Welt Jesus erscheinen, um mit dem Antichristen zu kämpfen.

Die Moschee umschließt einen großen Innenhof mit drei kleinen Nebengebäuden, dem Schatzhaus, dem Uhrenhaus und einem Brunnenhaus. Im Schatzhaus wurde arabischen Quellen zufolge der Staatsschatz aufbewahrt - al-Walid hielt dafür keinen Platz für geeigneter. Möglicherweise wurden im Schatzhaus jedoch nur die Spenden der islamischen Gemeinde aufbewahrt. In der weitläufigen, 140 m langen Gebetshalle, mit der über 45 m hohen Al-Nissr-Kuppel (Adler) befindet sich ein Schrein, den Christen wie Muslime gleichermaßen verehren und der das Haupt Johannes des Täufers bergen soll.

Die Moschee ist mit farbigen Mosaiken verziert, die von byzantinischen Baumeistern gefertigt wurden. Besonders prächtig sind die Mosaiken in den Arkadengängen, die das Paradies darstellen – mit goldenem Himmel und 22 verschiedenen Grüntönen für das Laub der Bäume. Die Oase von Damaskus repräsentierte dabei das äußere, weltliche Paradies. Der Vorhof der Umayyadenmoschee hingegen sollte den Vorhof zum Paradies darstellen. So inszenierten sich die Umayyadenkalifern als religiöse Oberhäupter - und verwiesen zeitgleich auf den politischen Anspruch, als Sachverwalter Gottes über die Gläubigen zu herrschen.

Neben der großen Gebetshalle sind noch vier größere Hallen vorhanden. In einer davon befindet sich ein Schrein, der den Kopf al-Husains, des Enkels Mohammeds, enthalten soll. Der Schrein ist ein wichtiges Pilgerziel für Schiiten.

Unmittelbar an der Nordwestecke der Moschee befindet sich das Mausoleum des Sultans Saladin.

Wohl ebenfalls unter al-Walid erbaut wurde wenig später die Umayyaden-Moschee von Aleppo, von deren ursprünglicher Gestalt heute jedoch nichts erhalten ist. Eine weitere Moschee dieses Typs befindet sich in Almonaster la Real in Spanien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Talal Akili: The Great Mosque of Damascus. From Roman Temple to Monument of Islam. ARCOD, Damaskus 2009.
  • Gerhard Schweizer: Syrien. Religion und Politik im Nahen Osten. Klett-Cotta, Stuttgart 1998, ISBN 3-608-93396-4.
  • Frank Rainer Scheck, Johannes Odenthal: Syrien. Hochkulturen zwischen Mittelmeer und Arabischer Wüste. 4. Auflage, DuMont, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7701-3978-1, S. 141-147

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Umayyaden-Moschee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Umayyad Mosque - A Glittering Crossroads. Wall Street Journal. 17. Juli 2010. Abgerufen am 6. Juli 2013.
  2. Petr Jerabek: Die Friedensbotschaft von Damaskus. domradio.de, 6. Mai 2011
  3. Johannes Paul II.: Christen und Muslime sind Partner. Österreichische St. Georgs-Gemeinde in Istanbul, April – Juni 2001
  4. Papst in der Blauen Moschee: Muslime feiern Benedikt. Spiegel Online, 30. November 2006
  5. Moschee Besuch des Papstes. www.suryoyo-online.ch, 19. Juni 2013

33.51194444444436.306666666667Koordinaten: 33° 30′ 43″ N, 36° 18′ 24″ O