Contra (Organisation)

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Contra ist eine im spanischen Sprachraum verwendete Kurzform für Konterrevolutionär. Insbesondere wird die Bezeichnung Contras für eine ganze Reihe von Guerilla-Gruppierungen verwendet, die ab 1981 die sozialistische sandinistische Regierung Nicaraguas im so genannten Contra-Krieg bekämpften.

Frente Sur Contras 1987

Organisation[Bearbeiten]

Die Mitglieder rekrutierten sich vorwiegend aus der Nationalgarde des gestürzten Diktators Somoza. Sie stützten sich vor allem auf Hilfe der CIA, sowie den Rückhalt in Teilen der indigenen Bevölkerung, z. B. den Miskito. Ausgangsbasis für ihre Operationen war hauptsächlich Honduras. Die Angriffe zielten in erster Linie auf die Infrastruktur, um Aufbauprogramme der Regierung scheitern zu lassen, allerdings kam es auch zu etlichen direkten Übergriffen auf die Zivilbevölkerung. Unter „direkten Übergriffen“ ist dabei zu verstehen, dass die Contras im Auftrag und mit direkter logistischer Unterstützung der CIA (z. B. Satellitenbilder von Bergdörfern) diverse Massenmorde an der Zivilbevölkerung begingen. Sie töteten insgesamt etwa 60.000 Menschen, weit überwiegend Zivilisten.[1]

Einer der Hauptverantwortlichen, der die logistische und finanzielle Unterstützung für die Contras organisierte und ihnen in Honduras einen Zufluchtsort schuf, war der damalige US-Botschafter in Honduras, John Negroponte, der von 2005 bis 2007 Director of National Intelligence (DNI; Direktor aller 15 US-amerikanischen Nachrichtendienste) und danach bis zum Ende der Regierung George W. Bush stellvertretender Außenminister unter Condoleezza Rice war.

Nachdem der US-Kongress durch das sogenannte Boland-Amendment jegliche US-Hilfe für die Contras verboten hatte, finanzierten sie ihren Guerillakrieg – außer mit Geldern aus den geheimen Waffenverkäufen der USA an den Iran – im Wesentlichen durch Schmuggel von Kokain in die USA mit Wissen der CIA. Dies wurde einer breiten Öffentlichkeit erstmals 1996 durch die Artikelserie Dark Alliance des US-Journalisten Gary Webb bekannt. Eine Untersuchungskommission unter Senator John Kerry war bereits 1986 zu den gleichen Schlüssen gelangt.[2] Zwei CIA-interne Untersuchungen bestätigten die Vorwürfe 1998.

Vorgeworfene Menschenrechtsverletzungen[Bearbeiten]

Die Menschenrechtsorganisation Americas Watch, die später Teil von Human Rights Watch wurde, warf den Contras die systematische Verletzung elementarster Rechte vor.[3][4] Im Wesentlichen:

  • Ausüben von Anschlägen auf medizinische Einrichtungen und deren Personal[5]
  • Entführung von Zivilisten[6]
  • Ermordung von Zivilisten[7]
  • Folter von Zivilisten, einschließlich Kindern[8]
  • Vergewaltigung von Frauen[5]
  • Wahllose Anschläge auf Zivilisten und zivile Häuser[7]
  • Diebstahl von Privatbesitz[5]
  • Niederbrennen von zivilen Häusern in eroberten Städten.[5]

Human Rights Watch veröffentlichte einen Bericht über die Situation im Jahre 1989, der aussagte: „[The] contras were major and systematic violators of the most basic standards of the laws of armed conflict, including by launching indiscriminate attacks on civilians, selectively murdering non-combatants, and mistreating prisoners.“ (Deutsch: „Die Contras haben systematisch die grundlegendsten Regeln der Kriegsführung verletzt, einschließlich der Durchführung wahlloser Anschläge auf Zivilisten, Ermordung ausgewählter Zivilisten und Misshandlung von Gefangenen.“)

Die Organisation Progressio, eine katholische Menschenrechtsbewegung, die der Befreiungstheologie nahestand, fasste die Aktivitäten der Contras 1987 folgendermaßen zusammen: „The record of the contras in the field, as opposed to their official professions of democratic faith, is one of consistent and bloody abuse of human rights, of murder, torture, mutilation, rape, arson, destruction and kidnapping.“[9] (Deutsch: „Die Vorgehensweise der Contras war - im Gegensatz zum eigenen selbsterklärten demokratischen Grundverständnis - eine durchgehende blutige Missachtung der Menschenrechte, einschließlich Mord, Folter, Verstümmelung, Vergewaltigung, Brandstiftung, Zerstörung und Entführung.“)

Deutsche Opfer[Bearbeiten]

Gedenktafel für Berndt Koberstein in Freiburg

Am 30. April 1983 wurde der 37-jährige Arzt Albrecht 'Tonio' Pflaum aus Freiburg im nicaraguanischen Wiwilí von Contras ermordet. Am selben Ort töteten Contras drei Jahre später – am 28. Juli 1986 – den 29-jährigen Berndt Koberstein, der ebenfalls aus Freiburg stammte. Beide waren im Rahmen von Hilfprojekten vor Ort.[10]

Zitate[Bearbeiten]

„On the basis of the evidence, it is clear that individuals who provided support for the Contras were involved in drug trafficking, the supply network of the Contras was used by drug trafficking organizations, and elements of the Contras themselves knowingly received financial and material assistance from drug traffickers. In each case, one or another agency of the U.S. government had information regarding the involvement either while it was occurring, or immediately thereafter.“

John Kerry als Vorsitzender der Untersuchungskommission zum Drogenschmuggel der Contras in die USA[2]

„Die Contras sind das moralische Äquivalent zu unseren Gründervätern.

Ronald Reagan, offizielle Aussage[2]

„Die Contras sind Vandalen.“

Ronald Reagan, Aussage im privaten Kreis[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Timothy C. Brown: The real Contra War. Highlander peasant resistance in Nicaragua. Norman, Okla. (University of Oklahoma Press) 2001, ISBN 0-8061-3252-3.
  • Dirk Kruijt: Guerrillas. War and Peace in Central America. Zed books, London/New York 2008, ISBN 978-1-84277-738-1.
  • Dietmar Schönherr: Reagan's Freiheitskämpfer. Terroristen im US-Sold. Dokumente, Bilder, Berichte, Wuppertal (Edition Nuevo Hombre) 1985, ISBN 3-88943-100-3.
  • Francisco José Barbosa Miranda: Historia militar de Nicaragua. Antes del siglo XVI al XXI, 2. Aufl. Managua (Hispamer) 2010. ISBN 978-999-247-946-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Universität Hamburg: Nicaragua – Contra-Krieg
  2. a b c d Robert Parry: How John Kerry exposed the Contra-cocaine scandal Salon.com, 25. Oktober 2004
  3. Nicaragua. Human Rights Watch. 1989. Abgerufen am 17. August 2011.
  4. The Americas Watch Committee: Human Rights in Nicaragua 1986, Americas Watch. Februar 1987. 
  5. a b c d Human Rights in Nicaragua 1986, Seite 21
  6. Human Rights in Nicaragua 1986, Seiten 19, 21
  7. a b Human Rights in Nicaragua 1986, Seite 19
  8. Human Rights in Nicaragua 1986, Seite 24
  9. The Catholic Institute for International Relations: Right to Survive: Human Rights in Nicaragua, The Catholic Institute for International Relations. 
  10. http://www.dkp-freiburg.de/2011/07/solidaritat-ist-die-zartlichkeit-der-volker-vor-25-jahren-wurde-berndt-koberstein-in-nicaragua-ermordet/