Unister

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Unister Holding GmbH
Logo der Unister GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung Juli 2002 (als Unister GmbH)
Sitz Leipzig, Deutschland
Leitung Peter Zimmermann (CEO), Andreas Prokop (COO), Thomas Wagner (Gründer und CMO)
Mitarbeiter 1670 (2012)[1]
Umsatz 307 Mio. (2011)[2]
Branche E-Business
Website www.unister.de

Die Unister Holding GmbH, kurz Unister, ist ein deutsches Unternehmen mit Hauptsitz in Leipzig, das Webportale betreibt und vermarktet.

Überblick[Bearbeiten]

Unister wurde im Juli 2002 von dem damals 23-Jährigen Leipziger BWL-Studenten und einem der heutigen Geschäftsführer Thomas Wagner gegründet. Im Oktober 2002 ging eine Studententauschbörse, unister-netz.de, unter der Adresse unister.de online. Seitdem hat sich die Zahl der eigenen Internetseiten auf über 40 erhöht, zum Teil durch Neugründungen, zum Teil durch Zukäufe. Das Unternehmen ist vor allem in den Geschäftsbereichen Reise, Finanzen, Automobile, Medien, Immobilien und Social Media tätig.

Im Februar 2008 wurde die Unister Media GmbH gegründet, welche sich auf die Vermarktung von Online-Portalen spezialisiert hat. Außerdem gründete das Unternehmen ein Marktforschungsunternehmen UMA Unister Market Research & Analysis.

Das Unternehmen hat etwa 1850 Angestellte und verfügt über Niederlassungen in Leipzig (Zentrale), Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Dresden, Stralsund, Magdeburg, Jena und Chemnitz.[3] Die Unister Holding erzielte im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von rund 227 Millionen Euro, musste jedoch einen Fehlbetrag von über zwei Millionen ausweisen. Unister gehört zu den größten deutschen selbständigen Internetunternehmen und verzeichnet mehr als 10 Mio. Seitennutzer im Monat (Unique User) laut AGOF (Arbeitsgemeinschaft Onlinewerbung).[4] Hauptgesellschafter bei Unister ist Thomas Wagner.

Geschäftsmodell[Bearbeiten]

Das Unternehmen gehört zu den großen deutschen E-Commerce-Anbietern. Unister entwickelt und vermarktet Internetportale. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen im Reisemarkt und in der Vermittlung von Versicherungen und Krediten. Jedoch gibt es seit längerer Zeit Kritik im Hinblick auf Verbraucherfreundlichkeit und den Umgang mit Wettbewerbern.[5]

So warnte zum Beispiel die Verbraucherzentrale Sachsen mit den Worten „man müsse genau hinschauen, bevor man buche“ im Februar 2012 vor einer Nutzung des Portals fluege.de.[6] Der Hintergrund bestand in den Beschwerden von Verbrauchern, die eine Buchung abgebrochen hatten, etwa weil sie eine der angebotenen Zahlungsmethoden von Unister nicht anwenden wollten, und daraufhin vom Unternehmen gemahnt wurden, den vollen Reisepreis zu zahlen.

Der Bundesgerichtshof hatte Unister bereits zuvor im Jahr 2011 zur Umsetzung einer EU-Richtlinie verurteilt und damit ein vorinstanzliches Urteil bestätigt. Nach dieser Richtlinie muss der jeweilige Endpreis bei Flugbuchungen in transparenter Weise im Vorfeld ausgewiesen werden. Eine Endpreisangabe erst zum Abschluss der Buchung soll damit unterbunden werden. Unister hatte sich geweigert, im Rahmen einer Selbstverpflichtung in der Reisebranche, diese Bestimmungen umzusetzen. Bei den kritisierten Buchungsabläufen wurden zumindest bis Sommer 2012 Zusatzleistungen in das ausgewählte Reise-Paket des Buchenden bereits voreingestellt eingebunden. Der Interessent war daher angehalten, Zusatzleistungen als solche zu erkennen, und diese vor abschließender Buchung abzuwählen.

Allerdings teilte Unister mit, man habe diese Voreinstellungen nun besonders im Bereich der Reiserücktrittversicherung beendet.[7][8] Unister-Sprecher Konstantin Korosides bezeichnet die Vorhalte der Verbraucherzentrale als branchenübliches Vorgehen. Fluege.de gehe nicht anders vor als andere große Buchungsportale auch. Die sogenannte Opt-out-Funktion, bei der man Versicherungen abwählen muss, gebe es bei vielen großen Portalen.

Außerdem hatte Unister ein Siegel vom VBS Verbraucherschutz e. V. (verbraucherschutz.de) erhalten, welches aber vom Oberlandesgericht Dresden am 3. Juli 2012 für die Nutzung auf der Website fluege.de unter Androhung einer Ordnungsstrafe in Höhe von bis zu 250.000 Euro untersagt wurde.[9] Bei Verbrauchern kam der Eindruck auf, es handele sich bei dem Siegel um eine unabhängige Prüfinstanz. Die Dienste von verbraucherschutz.de haben jedoch nichts mit den Verbraucherzentralen zu tun, sondern werden Unternehmen gegen Zahlung eines Entgelts angeboten.

Im September 2011 verließen eine Reihe der leitenden Mitarbeiter, vor allem aus dem Touristikbereich, das Unternehmen. Die Wirtschaftswoche vermutete dahinter teilweise moralische Gründe. Unister genieße in der Reisebranche einen zweifelhaften Ruf, so die Zeitschrift.[10]

Im Juli 2012 wurde in der Zeitschrift Computer Bild ein achtseitiger Artikel über die Methoden der Unister-Gruppe veröffentlicht.[11] Unister reagierte mit einer strafbewehrten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung und wirft der Zeitschrift unrichtige Tatsachenbehauptungen vor. Gerichte gaben Unister hier auch in einigen Bereichen Recht, jedoch rückte Computer-Bild in den meisten Punkten von der Darstellung nicht ab.[12] Unister lässt Blogger abmahnen, die auf die entsprechende kritische Berichterstattung verweisen.[13]

In einem ausführlichen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Dezember 2012 antwortete Unister-Gründer Thomas Wagner auf die Frage, warum Unister auch nach zehn Jahren am Markt immer wieder den Eindruck erwecke „nicht auf der Höhe der Zeit zu sein“, man habe „in der Vergangenheit viele Projekte parallel aufgebaut. Natürlich kommt es dabei auch zu Fehlern. Wir lernen daraus und verbessern uns stetig.“[14]

Kontroverse um neuen Unternehmenssitz[Bearbeiten]

Unister plant die Errichtung eines neuen Unternehmenssitzes in der Leipziger Innenstadt. Seit September 2011 liegt die Baugenehmigung vor. Dieser waren umfangreiche öffentliche Diskussionen vorausgegangen, in die zahlreiche Medien involviert waren, darunter die ZDF-Sendungen WISO und Volle Kanne. Streitpunkt war eine zusätzliche Etage, die im Entwurf von 2009 nicht berücksichtigt worden war. Nach ursprünglichem Standpunkt der Stadt würde der Unister-Neubau die übrigen Gebäude überragen, Geschäftsführer Thomas Wagner kritisierte in einem Interview der Leipziger Volkszeitung Oberbürgermeister Burkhard Jung und den Baubürgermeister Martin zur Nedden.[15]

Daraufhin wurde überlegt, den Sitz zu verlagern, woraufhin sich Magdeburg und Schweinfurt als mögliche Standorte bewarben.[16] Im März 2010 berichteten Medien von einer Einigung im Streit um den Neubau. Demnach wurde ein Entwurf präsentiert, der von beiden Seiten angenommen wurde. Laut zur Nedden „steht der Bearbeitung zügigen Baugenehmigung nichts mehr im Wege“.[17][18] Die Immobilien Zeitung schrieb beispielsweise im März 2010 zu dem sich andeutenden Kompromiss zwischen Unister und der Stadt Leipzig: „Öffentlich Schimpfen hilft“.[19]

Im Genehmigungsverfahren waren neben der Bauhöhe weitere Probleme aufgetaucht. So berichtete beispielsweise die Leipziger Volkszeitung, dass durch die neungeschossige Rückwand des geplanten Unister-Neubaus „die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Räumen hinter den Fenstern beeinträchtigt“ würden. Unister wandte ein, dass die betroffenen Räume seit Jahren leer stünden und sie laut Bauakten der Siebzigerjahre in eine Brandmauer eingebaut wurden, die Unister erworben hätte. „Wir gehen davon aus, dass Oberbürgermeister Jung persönlich und die oberen Stadt-Verantwortlichen zu ihrem Wort stehen und Unister die Baugenehmigung künftig erteilt wird“, so der Sprecher des Unternehmens, Konstantin Korosides.[20]

Im Mai 2011 startete Unister mit Verhandlungen mit mehreren Generalunternehmern, um mit den Bauarbeiten zu beginnen. Der Zeitplan ging von einem Baubeginn im Herbst 2012 aus. Innerhalb von 24 Monaten solle das neue Gebäude errichtet werden und Platz für 1400 Mitarbeiter bieten.[21]

Ermittlungen[Bearbeiten]

Ermittler des Landeskriminalamts Sachsen durchsuchten am 11. Dezember 2012 die Unister-Zentrale in Leipzig. Nach Angaben der Behörde beschlagnahmten Mitarbeiter der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) Computer und Akten. Dabei wurden zwei Manager des Portals fluege.de vorübergehend für etwa eine Woche in U-Haft genommen. Weder die Staatsanwaltschaft noch Unister haben sich zu den Namen der betroffenen Personen geäußert. Drei Tage später wurde ein weiterer Manager des Unternehmens in Untersuchungshaft genommen.[22]

Die Staatsanwaltschaft Dresden warf Unister 2012 vor, über seine Online-Portale ohne Erlaubnis Versicherungsprodukte vertrieben zu haben, wodurch ein Steuerschaden in Höhe von etwa einer Million Euro entstanden sei, da die Versicherungssteuer nicht abgeführt worden sei.[23] Der Reiseveranstalter TUI kündigte daraufhin fristlos den Agenturvertrag mit Unister.[24] Unister-Geschäftsführer Thomas Wagner sagte dazu in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 21. Dezember 2012: „Wir haben einen Bescheid aus dem Jahr 2002 des damaligen Bundesaufsichtsamtes für Versicherungswesen, aus dem […] hervorgeht, dass der Stornoschutz kein genehmigungspflichtiges Versicherungsgeschäft sei und demnach auch keine Versicherungssteuer zu bezahlen sei. Daraufhin wurde dieser Stornoschutz auf unserem Portal zehn Jahre lang bis zum Tag der Razzia zu Reisebuchungen angeboten. […] Deshalb können wir das drastische Vorgehen der Behörden in Sachsen […] absolut nicht nachvollziehen.“[25]

Außerdem gibt es den Verdacht, dass in den Jahren 2010 und 2011 auf Partnersuche.de mit erfundenen Profilen automatisiert Kontaktanfragen vorgetäuscht und so Kunden in Abonnements gelockt worden sein könnten.[26]

2013 gab Unister bekannt, dass Peter Zimmermann ab September Geschäftsführer werden solle. Er war seit 2009 Regierungssprecher in Thüringen unter Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, die ihn nun in den einstweiligen Ruhestand versetzte.[27] Dadurch würde Zimmermann zusätzlich zu seinem künftigen Gehalt auch weiterhin noch Bezüge vom Land erhalten.[28]

Portfolio[Bearbeiten]

Segment Portal Online seit Unique User in Millionen[29] Seitenabrufe in Millionen[30] Visits in Millionen[30]
Reisen
ab-in-den-urlaub.de 2003 2,52 73,18 6,21
urlaubstours.de 2006 0,09 0,24 0,11
fluege.de 2008 1,80 21,16 4,02
hotelreservierung.de 2008 0,69 13,33 1,88
reisen.de 2008 1,12 17,46 2,28
kurz-mal-weg.de 2011 - - -
holidayreporter.com 2012 - - -
Medien
news.de 2008 6,41 25,84 15,32
börsennews.de 2009 0,43 1,19 0,57
webmail.de (2013 eingestellt) 2009 0,11 19,22 2,85
Social Web
webcity.de (2013 eingestellt) 2006 0,14[31] 31,99[32] 0,94[32]
partnersuche.de 2009 - - -
Shopping
auvito.de (2014 eingestellt) 2006 1,21 4,54 2,06
shopping.de 2009 0,81 5,00 2,52
Automobile
auto.de 2006 0,81 16,56 1,99
Finanzen
aktienchancen.de 2010 - - -
geld.de 2004 0,21 1,21 0,48
kredit.de 2008 0,02 0,06 0,03
versicherungen.de 2003 0,08 0,23 0,11
Immobilien
myimmo.de 2009 - - -

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unister-Chef Wagner weist Abzock-Vorwürfe zurück. Abgerufen am 23. Juli 2012.
  2. Bundesanzeiger
  3. www.unister.de/firma/standort.html, abgerufen am 1. April 2010
  4. Vermarkterranking AGOF – Arbeitsgemeinschaft Onlinewerbung vom 26. Dezember 2012
  5. Christian Schlesinger: Unister: Die dubiosen Methoden des Reiseriesen. In: Wirtschaftswoche, 15. September 2011, abgerufen am 9. Juni 2012.
  6. Verbraucherzentrale warnt vor Reiseportal fluege.de. 1. Juni 2012, archiviert vom Original am 5. Oktober 2013, abgerufen am 28. November 2013.
  7. (Quelle)
  8. Verbraucherschützer warnen vor Abzocke. Versteckte Gebühren beim Reiseportal „fluege.de“. bild.de, abgerufen am 12. Juni 2012.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMitteldeutscher Rundfunk: Unister darf nicht mit Verbraucherschutz-Siegel werben. Archiviert vom Original am 21. Oktober 2012, abgerufen am 3. Juli 2012.
  10. Alarmzeichen für Unister-Chef Wagner. In: Wirtschaftswoche, abgerufen am 12. Juni 2012.
  11. Unister: COMPUTER BILD deckt Abzocke auf. Artikel bei computerbild.de als e-paper, abgerufen am 2. Juli 2012.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Formatheise online: Neue Vorwürfe gegen Reiseportalbetreiber Unister. Abgerufen am 3. Juli 2012.
  13. Unister lässt Abmahnungen wegen kritischer Blog-Artikel versenden.
  14. Martin Gropp: Unister-Geschäftsführer: Vorwürfe unbegründet. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Dezember 2012, abgerufen am 18. Februar 2015.
  15. Unister-Chef Wagner: „200 Arbeitsplätze – das interessiert bei der Stadt niemanden“, lvz-online.de, 15. Februar 2010
  16. Internetunternehmen Unister Holding GmbH gründet in Magdeburg einen neuen Standort – Schweinfurt aber ist noch nicht aus dem Rennen für den neuen Hauptsitz, schwex.de, 21. Februar 2010
  17. Jens Rometsch: Unister-Streit: Leipzig signalisiert Zustimmung zu neuen Bauentwürfen. In: Leipziger Volkszeitung, 10. März 2010, abgerufen am 18. Februar 2015.
  18. Unister meldet: Kompromiss im Neubau geglückt, l-iz.de, 24. März 2010
  19. Öffentlich Schimpfen hilft. In: Immobilien Zeitung, 4. März 2010, Ausgabe 09/2010, S. 29. Abgerufen am 26. Dezember 2012.
  20. Neuer Ärger um Unister-Vorhaben, lvz-online.de, 23. Juli 2010.
  21. Unister-Neubau in der Leipziger City soll im Herbst starten, lvz-online.de, 29. April 2011.
  22. Razzia bei Unister, heise online, 11. Dezember 2012, abgerufen am 11. Dezember 2012
  23. Unister-Manager bei Razzia verhaftet Wirtschaftswoche online, 11. Dezember 2012, abgerufen am 21. Dezember 2012
  24. touristik aktuell: Unister bedauert Absage von TUI. 19. Dezember 2012, Zugriff am 21. Dezember 2012.
  25. Unister-Geschäftsführer: Vorwürfe unbegründet. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Dezember 2012, abgerufen am 25. Dezember 2012.
  26. Internetriese soll Kunden betrogen haben. Stern.de, 19. Dezember 2012, abgerufen am 2. Dezember 2012.
  27. http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Thueringens-Regierungssprecher-Zimmermann-wird-Unister-Chef-artikel8428755.php
  28. Lieberknecht in Bedrängnis
  29. AGOF internet facts 2010-II
  30. a b IVW 09-2010
  31. AGOF internet facts 2009-IV
  32. a b IVW 02-2010