Burkhard Jung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Burkhard Jung

Burkhard Jung (* 7. März 1958 in Siegen) ist deutscher Politiker (SPD). Er ist seit März 2006 der Oberbürgermeister von Leipzig.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Schulzeit[Bearbeiten]

Jung besuchte von 1964 bis 1968 die evangelische Volksschule Gosenbach in Siegen. Nach dem Erlangen der allgemeinen Hochschulreife am Gymnasium am Löhrtor im Jahr 1977 begann Burkhard Jung an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster das Studium der Germanistik und Evangelischen Theologie.[1]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Am Evangelischen Gymnasium in Siegen-Weidenau begann er 1986 als Lehrer für Deutsch und Evangelische Religion und beschäftigte sich als Unterstufenkoordinator insbesondere mit neuen Formen des fächerübergreifenden Unterrichts. 1991 wurde er als Schulleiter an das Evangelische Schulzentrum Leipzig zum Aufbau einer Grund-, Mittelschule und eines Gymnasiums in kirchlicher Trägerschaft abgeordnet. Er leitete diese zum damaligen Zeitpunkt in Sachsen einmalige kooperative Gesamtschule bis Februar 1999. Jung und Michael Hilbk entwickelten das neue sozial-diakonische Profil der Mittelschule. Eine Reihe von Fachveröffentlichungen stammen aus dieser Zeit. Jung war während der Siegener und Leipziger Lehrtätigkeit Mitautor des gymnasialen Lesewerks Lektüre aus dem Schroedel-Verlag.

Politik[Bearbeiten]

Beigeordneter der Stadt Leipzig (1996–2006)[Bearbeiten]

Von 1999 bis 2006 war Jung Beigeordneter für Jugend, Schule und Sport, nach einer Verwaltungsumstrukturierung im April 2001, Beigeordneter für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule der Stadt Leipzig. Für die Bewerbung Leipzigs für die Olympischen Spiele 2012 war er zwei Jahre städtischer Olympiabeauftragter, bis er im November 2003 von diesem Posten aufgrund einer Provisionszahlung an die Marketingagentur SCI zurücktrat und als Beigeordneter von seinen Dienstgeschäften entbunden wurde. Die Affäre skandalisierte der Redakteur Jens Weinreich der Berliner Zeitung. Nach einem Monat Beurlaubung und Einstellung der staatsanwaltlichen Vorermittlungen trat Jung im Dezember 2003 seinen Dienst als Beigeordneter wieder an. Ab Januar 2006 war Jung darüber hinaus WM-Beauftragter der Stadt Leipzig.

Seine Schwerpunkte als Beigeordneter waren die Schwerpunktsetzung von Sportarten in der Sportförderung, die Jugendhilfeplanung, im Rahmen der Subsidiarität zahlreiche Übergaben von Kindertagesstätteneinrichtungen in freie Trägerschaft, die Schulentwicklungs-; Altenhilfe-, Behindertenhilfe- und Sozialplanung.

Im Jahr 2000 trat er in die SPD ein.

Oberbürgermeister von Leipzig (seit 2006)[Bearbeiten]

Nach der Amtsabgabe seines Vorgängers Wolfgang Tiefensee, der im November 2005 als Bundesverkehrsminister nach Berlin gewechselt war, bewarb sich Jung um das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Leipzig. Nachdem er im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verfehlt hatte, wurde er am 26. Februar 2006 bei einer Wahlbeteiligung von 31,7 % mit 51,6 % der Stimmen zum neuen Stadtoberhaupt Leipzigs gewählt[2] und übt dieses Amt seit dem 29. März 2006 aus.

Vom 20. März 2006 bis 26. Oktober 2007 war Burkhard Jung Mitglied im Verwaltungsrat der Landesbank Sachsen.

Burkhard Jung bei der Oberbürgermeisterwahl 2013 im Leipziger Rathaus bei MDR aktuell LIVE

Seit 2006 ist Burkhard Jung Aufsichtsratsvorsitzender der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig. Er ist Mitglied in den Aufsichtsräten der Leipziger Messe und der European Energy Exchange.

Burkhard Jung ist seit 2006 Mitglied im Präsidium des Europäischen Städtenetzwerks Eurocities, Mitglied im Präsidium des Deutschen Städtetags und des Sächsischen Städte- und Gemeindetages SSG (seit 2008 Vizepräsident). Ferner ist er Vorsitzender des Stiftungsrates der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung.

Seit November 2010 ist Jung zudem für zahlreiche kulturelle Einrichtungen der Stadt Leipzig zuständig. Oper, Gewandhaus, Centraltheater, Theater der Jungen Welt und Musikschule erkannte er seinem Kulturdezernenten Michael Faber überraschend ab. Als Grund dafür nannte der Oberbürgermeister das fehlerhafte Krisenmanagement seines Beigeordneten und leitete ein Abwahlverfahren gegen diesen ein. Mit knapper Mehrheit entschied sich der Stadtrat Anfang 2011 jedoch dafür, Michael Faber im Amt des Kulturbürgermeisters zu belassen. Auch im Falle einer Neuwahl zur Oberbürgermeisterwahl im Jahr 2013 will Jung die genannten Einrichtung weiterhin von Stadtseite betreuen und diese nicht an das Kulturamt zurückgeben.

Zur Oberbürgermeisterwahl 2013 kandidierte er für eine zweite Amtszeit.[3] Seine Gegenkandidaten waren neben dem parteilosen, von der CDU nominierten bisherigen Polizeipräsidenten Horst Wawrzynski auch Felix Ekardt (Grüne), Barbara Höll (Die Linke), René Hobusch (FDP) und Dirk Feiertag (parteilos). Es wurden keine weiteren Kandidaten für die Wahl zugelassen, da die übrigen nicht die nötige Zahl von Unterschriften zur Unterstützung erreicht hatten.[4] Insgesamt hatten 13 Personen kandidieren wollen.[5] Im zweiten Wahlgang am 17. Februar 2013 wurde Jung mit 45,0 % wiedergewählt und lag damit deutlich vor dem zweitplatzierten Kandidaten Horst Wawrzynski (28,7 %).[6][7]

Kritik[Bearbeiten]

Immobilienskandal „Herrenlose Grundstücke“[Bearbeiten]

Anfang 2012 wurde bekannt, dass die Stadt Leipzig, dabei insbesondere das Rechtsamt, Grundstücke verkaufte ohne in vielen Fällen Informationen darüber einzuholen wer der Eigentümer ist. Zu Beginn wurden die veröffentlichten Vorgänge als Einzelfälle abgetan. Doch inzwischen musste Jung eingestehen, das in mindestens 157 Fällen fahrlässig mit dem Eigentum Fremder umgegangen worden ist. Die Zahl der Meldungen von Grundstückseignern, deren Grundbesitz widerrechtlich durch die Stadt veräußert wurde, liegt jedoch im niedrigen zweistelligen Bereich. OB Jung hat gehandelt und mehrere Mitarbeiter des Rechtsamts beurlaubt.[8] Darüber hinaus wurde durch Jung ein Sonderprojekt „Gesetzliche Vertretungen“ ins Leben gerufen, das sämtliche Vorgänge von Veräußerungen vermeintlich herrenloser Immobilien aufarbeitet. Als neutrale Vertrauensperson für Besitzer von unrechtmäßig veräußerten Immobilien wurde ein früherer Präsident des Bundesverwaltungsgerichts berufen. Dieser arbeitet eng mit dem Sonderprojekt zusammen.

In der Zwischenzeit wurden auch bereits Betroffene von der Stadtverwaltung entschädigt. [9] Die Gelder, die durch die Veräußerung dieser Immobilien eingenommen worden sind, sind nicht in den städtischen Haushalt geflossen, sondern wurden von Anfang an auf Verwahrkonten gebucht, weil diese Gelder nach wie vor auch den bislang unbekannten Eigentümern zustehen.

Die Medienberichterstattung rund um die Vorgänge zum Verkauf vermeintlich herrenloser Häuser hat zuweilen auch merkwürdige Züge angenommen. So wurde einem Journalisten vom Deutschen Presserat eine Missbilligung ausgesprochen, weil er im Zuge seiner Recherchen auch nicht davor zurückschreckte, einen Rathausmitarbeiter mit folgender Aussage unter Druck setzen zu wollen: „Ich schreibe jetzt an einem Spiegel-Artikel. Und ich glaube nicht, dass Sie darin die Hauptperson sein wollen, oder?“ [10]

Privat[Bearbeiten]

Burkhard Jung ist verheiratet; er und seine Ehefrau Juliane Kirchner-Jung trennten sich 2014 nach 34 Ehejahren. Das Ehepaar hat vier erwachsene Kinder, von denen die Schauspielerin Alissa Jung öffentlich bekannt ist.

Jung lebt nun mit Ayleena Wagner im Leipziger Stadtteil Connewitz zusammen.[11][12]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Wege zur Unterrichtserneuerung. In: 25 Jahre Evangelisches Gymnasium des Kirchenkreises Siegen. Hrsg. Evangelisches Gymnasium, Siegen 1989.
  • Haar/Jung/Treude: Die zwei Regenbögen. In: Unterrichtserneuerung mit Wagenschein und Comenius, Versuche Evangelischer Schulen 1985–1989. Hrsg. v. Berg/Gerth/Potthast, Comenius Institut, Münster 1990.
  • Buchempfehlungen. In: Lektüre, Lesebuch für Gymnasien. Bände 5–10, Schroedel Schulbuchverlag, 1991–1993.
  • (Hrsg.): Evangelisches Schulzentrum Leipzig – 5 Jahre – Versuch einer Standortbestimmung. Leipzig 1996.
  • (Hrsg.): Himmel und Heide. Ein ABC zu Fragen des Glaubens. Erarbeitet von Schülerinnen und Schülern des Evangelischen Schulzentrums Leipzig, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 1997.
  • Vorwort. In: Rechtsextreme Jugend: Eine Erschütterung der Gesellschaft? Ursachen, Ausdrucksformen, Prävention und Intervention. Leipzig 2001.
  • Visionen einer Sportstadt. In: Leipzig sportlich. Das Sportleben der Stadt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Leipzig 2002.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vita des Oberbürgermeisters der Stadt Leipzig. leipzig.de, abgerufen am 21. Februar 2013
  2. Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen: Wahl des Leipziger Oberbürgermeisters am 5. Februar 2006. Abgerufen am 21. Februar 2013
  3. Beschluss des Gemeindewahlausschusses zur Zulassung von Bewerbern für die Oberbürgermeisterwahl am 27. Januar 2013, leipzig.de, abgerufen am 21. Februar 2013
  4. Evelyn ter Vehn: Sechs Kandidaten zur OBM-Wahl 2013 in Leipzig zugelassen., lvz-online.de vom 2. Januar 2013, abgerufen am 4. Januar 2013
  5. Robert Nößler: 13 Bewerber wollen OBM in Leipzig werden. lvz-online.de, 27. Dezember 2012, abgerufen am 28. Dezember 2012
  6. Wahl in Leipzig. SPD-Politiker Jung bleibt Oberbürgermeister. Spiegel Online vom 17. Februar 2013, abgerufen am 21. Februar 2013
  7. Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen: Wahl des Oberbürgermeisters 2013. Abgerufen am 21. Februar 2013
  8.  Maximilian Popp: Bodenlos. In: Der Spiegel. Nr. 18, 2012, S. 81 (30. April 2012, online).
  9. Gesetzliche Vertretung: Stadt zahlt 17.000 Euro aus, leipzig.de, abgerufen 25. Februar 2013
  10. Gesetzliche Vertretung: Presserat missbilligt Methoden eines MDR-Journalisten, leipzig.de, abgerufen am 25. Februar 2013
  11. http://www.doebelner-allgemeine.de/web/daz/kultur/detail/-/specific/Leipzigs-Oberbuergermeister-Burkhard-Jung-hat-eine-neue-Freundin-gemeinsame-Wohnung-3944051470
  12. Leipziger Volkszeitung, 16. Juli 2014, S. 26

Weblinks[Bearbeiten]