Ursula Goetze

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Gedenktafel am Haus Hornstraße 3, Berlin-Kreuzberg, gestaltet von Christa Ludwig 1987
Denkmal für Ursula Goetze und andere Opfer des Hitlerfaschismus in Berlin-Mitte, Humboldt-Universität

Ursula Goetze (* 29. März 1916 in Berlin; † 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee) war eine Studentin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten]

Ursula Goetze stammte aus bürgerlichem Elternhaus und stieß über ihren älteren Bruder Eberhard Goetze und über Mitschüler um 1930 zum Kommunistischen Jugendverband Deutschlands in Berlin-Neukölln. Sie wurde schon vor 1933 zweimal von der Polizei beim Flugblattverteilen aufgegriffen. Nach 1933 brach sie den Kontakt zu ihren Genossen nicht ab und unterstützte diese bis zuletzt bei ihrer Untergrundarbeit, ohne jemals eine Parteifunktion zu übernehmen. Beispielsweise beteiligte sie sich am illegalen Einschleusen verbotener Literatur über die tschechische Grenze.

Seit frühester Jugend wies Ursula Goetze ein sehr stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und soziales Engagement auf. Der Terror nach Hitlers Machtergreifung empörte sie zutiefst, genauso wie die Diskriminierung ihrer jüdischen Freunde. Zeitlebens sammelte sie Geld für politisch Verfolgte, rassisch Diskriminierte und später auch Fremdarbeiter.

Nach dem Besuch des Lyzeums und einer Handelsschule arbeitete sie einige Jahre als Stenotypistin. Sie reiste zur Pariser Weltausstellung 1937, besuchte 1939 wenige Wochen vor Kriegsausbruch eine emigrierte jüdische Freundin und knüpfte Kontakte zur britischen Labour Party. Eine Emigration lehnte sie ab und kehrte nach Deutschland zurück, um gegen Hitler zu arbeiten. Ab 1938 bereitete sie sich erfolgreich am Heilschen Abendgymnasium in Schöneberg auf das Abitur vor. Ihr Berufsziel war Lehrerin, auch weil sie meinte, so am wirkungsvollsten gegen das Regime arbeiten zu können. Hier freundete sie sich besonders mit Eva Rittmeister geb. Knieper an. Fritz Thiel, Friedrich Rehmer und andere Mitschüler schlossen sich diesem Kreis an. Unter Anleitung ihres Ehemannes John Rittmeister wandelte sich der Kreis von gemeinsamen Schularbeiten in einen Zirkel von Hitlergegnern. Gemeinsam wurde über verbotene Literatur gesprochen, ausländische Sender abgehört und analysiert.

Nach bestandener Abiturprüfung nahm sie im April 1940 ein Studium der Philologie (Englisch und Französisch) an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Universität auf.

Der Kreis bekam Kontakte zu Harro Schulze-Boysen, weshalb sie auch während der dessen Festnahme folgenden Verhaftungswelle festgenommen und als Mitglied der Roten Kapelle verurteilt wurde. Mit Harro Schulze-Boysen und ihrem Freund Werner Krauss versuchte sie unter französischen Fremdarbeitern Oppositionsgruppen aufzubauen. Sie traf sich auch mit diesen in ihrer Wohnung. Die Bemühungen blieben im Ansatz stecken. Der Gestapo blieb dies, genau wie ihre weiter bestehenden Kontakte zum kommunistischen Untergrund, unbekannt.

Am 17. Mai 1942 beteiligten sie und ihr Freund sich, entgegen den Ratschlägen ihrer kommunistischen Freunde, an der von Fritz Thiel und Harro Schulze-Boysen initiierten Protestaktion gegen die Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ und klebten am Sachsendamm und im nördlich davon gelegenem Wohngebiet Rote Insel an die hundert Aufkleber „Ständige Ausstellung: DAS NAZI-PARADIES - Hunger, Lüge, Gestapo. Wie lange noch?“.[1] Deshalb und wegen der Weitergabe von Flugblättern wurde sie am 18. Januar 1943 zum Tod verurteilt.

In der Haft entwickelte sie starke Schuldgefühle, weil sie meinte, bei Verhören mehr zugegeben zu haben als nötig und somit Werner Krauss, der starke Zweifel an der Zettelklebeaktion hatte, unnötig belastet zu haben. Sie nahm deshalb, um ihren Freund zu retten, alle Schuld auf sich oder beschuldigte den bereits hingerichteten Fritz Thiel der Falschaussage. Thiel hatte sie und Werner Krauss unter Folter stark belastet.

Am 5. August 1943 wurde das Todesurteil in Plötzensee durch Enthauptung mit dem Fallbeil vollstreckt. Ihr Körper kam in die Anatomie der Charité, wurde anschließend verbrannt und die Asche anonym verscharrt.

Ehrungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • In Memoriam. Ursula Goetze (1916-1943). „Leider habe ich dieses Buch nicht beenden können...“. In: Lendemains. Nr. 48 , 12. Jg., 1987, ISSN 0170-3803, S. 153-161.
  • Regina Griebel, Marlies Coburger und Heinrich Scheel: Erfasst? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle. Eine Fotodokumentation. Audioscop, Halle 1992, ISBN 3-88384-044-0.
  • Werner Krauss: Vor gefallenem Vorhang. Aufzeichnungen eines Kronzeugen des Jahrhunderts. Fischer-TB.-Vlg., Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12771-8.
  • Karl Heinz Jahnke: Ermordet und ausgelöscht - Zwölf deutsche Antifaschisten. Ahriman-Verlag (Reihe: Unerwünschte Bücher zum Faschismus Nr. 8): 1995 ISBN 978-3-89484-553-7 auf Google Books
  • Luise Kraushaar et al.: Deutsche Widerstandskämpfer 1933 - 1945. Biografien und Briefe. Band 1, Dietz-Verlag: Berlin 1970, Seite 320ff

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle. „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. – Mit einer Einführung von Heinrich Scheel. ergebnisse, Hamburg 1986, ISBN 3-925622-16-0; S. 68
  2. Denkmale an der Humboldt-Universität