Berlin-Plötzensee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Teileingemeindung, 1915
Gutsbezirk Plötzensee, 1920

Plötzensee ist eine Ortslage im Berliner Ortsteil Charlottenburg-Nord (Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf). Bekannt ist der Name durch Justizvollzugsanstalten, vor allem durch die Hinrichtungen zur Zeit des Nationalsozialismus im damaligen Strafgefängnis Plötzensee.

Lage[Bearbeiten]

Der frühere Gutsbezirk Plötzensee umfasste zum Zeitpunkt seiner Eingemeindung nach Berlin 1920 das Gebiet rund um die damalige Strafanstalt Plötzensee zwischen dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und dem heutigen Friedrich-Olbricht-Damm. Heute werden auch das nördlich anschließende Gewerbegebiet sowie die westlich anschließenden Kleingartenanlagen zu Plötzensee gerechnet.[1]

Der namensgebende Plötzensee befindet sich heute im benachbarten Ortsteil Wedding des Bezirks Mitte.

Geschichte[Bearbeiten]

Plötzensee 1893 mit dem Kleinen Plötzensee

Im ausgehenden 19. Jahrhundert war Plötzensee ein fiskalischer Gutsbezirk im preußischen Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Niederbarnim, nordwestlich von Berlin am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und am Südostrand der Jungfernheide gelegen. Der Gutsbezirkumfasste auch Gebiete südlich der Seestraße, insbesondere das Gebiet des heutigen Westhafens.

Mit Berlin war der Gutsbezirk bereits um 1905 durch eine Straßenbahnlinie verbunden, die durch die Seestraße führte. Nördlich der Seestraße entstand zwischen 1868 und 1879 ein großes Strafgefängnis für 1500 Gefangene. Darüber hinaus existierten in Plötzensee ein Siechenhaus, ein Magdalenenstift und auf dem späteren Westhafengelände das Johannesstift mit Pädagogium, Institute für das Gärungsgewerbe mit der Versuchs- und Lehrbrauerei, für die Zuckerindustrie und für die landwirtschaftliche Maschinentechnik.

Außerdem gab es am Kanal ein Tanklager mit Petroleumfabrik der Waried. 1905 lebten 3079 Einwohner in Plötzensee, davon 480 Katholiken und 101 Juden.[2]

Im Jahr 1915 wurden die östlich des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals und südlich der Seestraße gelegenen Teile des Gutsbezirks nach Berlin eingemeindet.[3] Der Gutsbezirk Plötzensee wurde hierdurch deutlich verkleinert und umfasste seitdem auf eine Fläche von 52 Hektar nur noch das Strafgefängnis mit seiner näheren Umgebung. Bei der Bildung von Groß-Berlin wurde 1920 auch dieses Gebiet nach Berlin eingemeindet und dabei dem Bezirk Charlottenburg zugeordnet.[4] Die schon 1915 nach Berlin eingemeindeten Gebiete kamen 1920 zu den Bezirken Tiergarten und Wedding.[4]

Gegenwart[Bearbeiten]

Auf dem Gelände des ehemaligen Strafgefängnisses Plötzensee befindet sich die Gedenkstätte Plötzensee, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Mit der Justizvollzugsanstalt Plötzensee, der Justizvollzugsanstalt Charlottenburg sowie der Jugendstrafanstalt Berlin liegen drei eigenständige Justizvollzugseinrichtungen in Plötzensee.[5]
Am nördlichen Rand von Plötzensee liegt ein größeres Gewerbegebiet; unter anderem mit der Firmenzentrale der Fluggesellschaft Air Berlin. Ein Teil des Gewerbegebietes erstreckt sich über das Gelände der ehemaligen Speerplatte. Auf dem restlichen Gebiet von Plötzensee befinden sich zahlreiche Kleingartenanlagen. Diese Gärten liegen in einem früheren Feuchtgebiet, das vom Pfefferluchgraben entwässert wird.

Umgebung[Bearbeiten]

In der westlich an Plötzensee anschließenden Paul-Hertz-Siedlung befindet sich am Heckerdamm das Gemeindezentrum Plötzensee mit dem Bilderzyklus Plötzenseer Totentanz von Alfred Hrdlicka.[6] Ebenfalls am Heckerdamm in der Paul-Hertz-Siedlung liegt die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum. Sie ist die „Gedächtniskirche der deutschen Katholiken zu Ehren der Blutzeugen für Glaubens- und Gewissensfreiheit in den Jahren 1933–1945”.[7] Das Areal gilt als herausragendes Beispiel einer gelungenen Einheit von Kirchenbau und Bauplastik. Der markante Glockenturm am Eingang des kopfsteingepflasterten, von mit schwarz-grauen Basaltkieselplatten verkleideten Mauern eingefassten Feierhofs mit bronzenem Kreuzweg und Freialtar von Otto Herbert Hajek besteht aus zwei Betonpfeilern, die ein Eingangstor und den zweigeschossigen Glockenstuhl mit fünf Glocken zwischen sich nehmen. Auf der langgestreckten Fassade der Oberkirche befindet sich die dreigliedrige vergoldete Plastik Apokalyptische Frau von Fritz Koenig. Im indirekt beleuchteten Kirchenraum befinden sich unter anderem ein monumentales Altargemälde von Georg Meistermann und eine Sitzende Madonna aus Südfrankreich.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Rach: Die Dörfer in Berlin – Ein Handbuch der ehemaligen Landgemeinden im Stadtgebiet von Berlin. Verlag für Bauwesen, Berlin 1990.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Plötzensee im Bezirkslexikon des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Lebensweltlich Orientierten Räume von Charlottenburg-Wilmersdorf. Statistisches Amt Berlin-Brandenburg, 2010, abgerufen am 10. April 2010 (pdf; 337 kB, dort: Beschreibung Planungsraum Plötzensee).
  2. Plötzensee. In: Zeno.org. 1905, abgerufen am 10. April 2010.
  3. Herbert Schwenk: Es hing am seidenen Faden – Berlin wird Groß-Berlin. In: Berlinische Monatsschrift 6/2000 beim Luisenstädtischen Bildungsverein.
  4. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGroß-Berlin-Gesetz. 27. April 1920, S. Anlage II, abgerufen am 10. April 2010.
  5. Haftanstalten in Plötzensee. In: Bezirkslexikon. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, abgerufen am 10. April 2010.
  6. Der Plötzenseer Totentanz von Alfred Hrdlicka. Evang. Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord, abgerufen am 10. April 2010.
  7. Maria Regina Martyrum. Kath. Sankt-Joseph-Gemeinde, abgerufen am 10. April 2010.
  8. Maria Regina Martyrum. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, abgerufen am 10. April 2010.

52.54317713.321202Koordinaten: 52° 33′ N, 13° 19′ O