Verwaistes Werk

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Ein verwaistes Werk ist ein Werk, dessen Rechtsinhaber auch durch eine sorgfältige Suche nicht festgestellt oder ausfindig gemacht werden konnte.

Problemlage[Bearbeiten]

Verwaiste Werke stellen ein Problem für potentielle Verwerter dar, da eine Nutzung, die die Zustimmung des Urhebers oder der Rechteinhaber voraussetzt, nicht möglich ist.

Auch wenn einem in Verlagspublikationen der Hinweis, man habe trotz aller Sorgfalt Nutzungsrechtinhaber nicht ermitteln können und verpflichte sich zur Zahlung des üblichen Entgelts, nicht selten begegnet, stellt eine Nutzung ohne Zustimmung der Rechteinhaber in Deutschland grundsätzlich eine Urheberrechtsverletzung dar. Lediglich die öffentliche Zugänglichmachung und die Vervielfältigung sind nach dem seit 1. Januar 2014 geltenden §§ 61 ff UrhG unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Insbesondere muss der Nutzung eine sorgfältige und erfolglose Suche nach dem Rechteinhaber vorausgehen. Die Quellen einer sorgfältigen Suche sind in einer Anlage zu § 61a UrhG für die verschiedenen Werkarten und Schutzgegenstände gesetzlich festgelegt. Nicht jedermann darf verwaiste Werke in dieser Weise nutzen: Die Privilegierung gilt nur für bestimmte öffentliche Einrichtungen wie Archive, Bibliotheken und Bildungseinrichtungen sowie hinsichtlich ihrer eigenen Bestände für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten (§ 61c UrhG).

Anders als in den USA, wo man – ausgehend von einer Diskussionsrunde des Copyright Office [1] – seit 2005 heftig über orphan works debattiert, wurde das Problem, obwohl es erhebliche praktische Relevanz hat, in Deutschland in Erwartung einer EU-Richtlinie national zunächst kaum diskutiert.

In Kanada besteht seit 1997 eine Zwangslizenz hinsichtlich verwaister Werke.[2] Die Nutzung kann gegen Lizenzgebühren erfolgen, die treuhänderisch von einer Behörde verwaltet werden.

Nicht als verwaistes Werk gilt ein amtliches Werk, das nicht mehr einem Schutz unterliegt, weil es die Behörde nicht mehr gibt und sie auch keinen Rechtsnachfolger hat.

Das Gesetz zur Nutzung verwaister und vergriffener Werke und weiterer Änderungen des Urheberrechtsgesetzes vom 1. Oktober 2013 setzt die Richtlinie 2012/28/EU in den ab 1. Januar 2014 geltenden §§ 61 bis 61c des deutschen Urheberrechtsgesetzes und den ab 1. April 2014 geltenden §§ 13d und 13e des deutschen Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes um.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan-Michael Grages: Verwaiste Werke. Lizenzierung in Abwesenheit des Rechtsinhabers. Mohr Siebeck, Tübingen 2013, ISBN 978-3-16-152797-5.
  • Frederik Möller: Verwaiste Werke. Eine Analyse aus internationaler Perspektive. (=Schriftenreihe des Archivs für Urheber- und Medienrecht, Band 272) Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8487-0941-0.
  • Gerald Spindler, Jörn Heckmann: Retrodigitalisierung verwaister Printpublikationen. Die Nutzungsmöglichkeiten von „orphan works“ de lege lata und ferenda. In: GRUR International 2008, S. 271–284.
  • Anna Vuopala: Assessment of the Orphan works issue and Costs for Rights Clearance (PDF; 285 kB), European Commission, DG Information Society and Media, Unit E4 Access to Information, May 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.copyright.gov/orphan/
  2. Copyright Act (R.S.C. 1985, c. C-42), S. 77.